Anne mit den roten Haaren: Der warmherzige Anime-Klassiker von 1979
Anne mit den roten Haaren ist eine dieser Serien, bei denen man beim ersten Bild schon weiß, dass man es mit etwas Besonderem zu tun hat. Der japanische Zeichentrickklassiker von 1979 erzählt in 50 Folgen vom Aufwachsen eines Mädchens mit zu viel Fantasie für die Welt um sie herum. Hier erfährst du, warum sich ein Wiedersehen oder eine Erstsichtung auch heute noch lohnt.
Wenn du in den Achtzigern oder Neunzigern Kind warst, hast du vielleicht noch das Gefühl im Bauch, wenn diese ruhigen, fast gemalt wirkenden Landschaften über den Bildschirm zogen. Anne mit den roten Haaren (Originaltitel: 赤毛のアン) lief ab dem 7. Januar 1979 im japanischen Fernsehen bei Fuji TV und endete am 30. Dezember 1979. Ein ganzes Jahr lang, Woche für Woche, durfte man Anne beim Großwerden begleiten.
Die Serie basiert auf dem berühmten Roman von Lucy Maud Montgomery, im Deutschen meist als „Anne auf Green Gables“ bekannt. Was den Anime so besonders macht: Er nimmt sich Zeit. Keine hektischen Schnitte, keine aufgesetzte Dramatik, sondern Geduld für kleine Momente, die am Ende die großen sind. Genau das ist heute seltener denn je, und genau deshalb lohnt sich der Blick zurück.

Anne mit den roten Haaren (1979)
Worum geht es in Anne mit den roten Haaren?
Anne Shirley ist ein Waisenmädchen mit feuerroten Haaren, Sommersprossen und einem Mundwerk, das nie stillsteht. Eigentlich wollten die älteren Geschwister Matthew und Marilla Cuthbert einen Jungen adoptieren, der auf ihrem Hof Green Gables mit anpacken kann. Stattdessen steht da plötzlich Anne am Bahnhof, voller Hoffnung und mit einer Fantasie, die jeden Weg in eine Märchenallee verwandelt.
Was folgt, ist die Geschichte eines Mädchens, das sich in dem kleinen Ort Avonlea auf der kanadischen Prinz-Edward-Insel ein Zuhause erkämpft. Es geht um Freundschaft, um Schulrivalitäten, um peinliche Missgeschicke und um die Frage, wie man zu sich selbst steht, wenn andere einen schräg anschauen. Und es geht um Liebe, die sich langsam und ohne große Worte entwickelt: zwischen Anne und den beiden Menschen, die sie eigentlich gar nicht haben wollten.
Stimme und Figuren: Wer spricht Anne?
Im japanischen Original leiht Eiko Yamada der Titelheldin ihre Stimme. Und das ist keine kleine Aufgabe, denn Anne redet. Viel. Sie schwärmt, sie dramatisiert, sie verzweifelt und sie jubelt, oft innerhalb einer einzigen Szene. Yamada gelingt es, diese Wortkaskaden lebendig zu halten, ohne dass Anne je nervt. Man hört die Begeisterung, aber auch die Verletzlichkeit eines Kindes, das schon früh gelernt hat, dass man nicht immer erwünscht ist.
Rund um Anne entsteht ein Figurenensemble, das man schnell ins Herz schließt:
- Matthew Cuthbert, schüchtern und wortkarg, aber vom ersten Moment an auf Annes Seite.
- Marilla Cuthbert, streng und pragmatisch, hinter deren harter Schale mehr Wärme steckt, als sie zugeben würde.
- Diana Barry, Annes beste Freundin und „Busenfreundin“, wie Anne es so herrlich pathetisch nennt.
- Gilbert Blythe, der Junge, der Anne einmal wegen ihrer Haare aufzieht und das sehr, sehr lange bereuen wird.
Staffel und Folgen: So viel Anne gibt es
Die Serie besteht aus einer Staffel mit 50 Folgen. Gestartet ist sie am 7. Januar 1979, die letzte Episode lief am 30. Dezember 1979. Die Serie gilt als abgeschlossen, es gibt also keine offenen Handlungsstränge, die dich ratlos zurücklassen.
50 Folgen klingen erst mal nach viel, und das sind sie auch. Aber das ist gerade der Clou: Die Serie hat Raum, um Annes Entwicklung wirklich zu zeigen. Du siehst sie nicht in Sprüngen erwachsen werden, sondern Schritt für Schritt. Mein Tipp: Schau nicht zu viele Folgen am Stück. Zwei oder drei am Abend, wie eine Gutenachtgeschichte, das passt am besten zum Rhythmus der Serie.
Was den Anime so besonders macht
Ganz ehrlich: Wer schnelles Tempo und Action erwartet, wird hier nicht glücklich. Anne mit den roten Haaren ist entschleunigtes Fernsehen in Reinform. Manchmal besteht eine halbe Szene daraus, dass Anne einen Baum in voller Blüte bewundert. Und genau darin liegt die Magie. Die Serie zeigt die Welt durch Annes Augen, und für Anne ist jeder Weg, jeder See und jede Blume ein kleines Wunder.
Dazu kommt ein feiner Humor. Annes Hang zum Drama, ihre romantischen Übertreibungen und ihre ständigen Pannen sorgen für viele Schmunzler. Gleichzeitig scheut sich die Serie nicht vor ernsten Themen: Einsamkeit, Verlust und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Diese Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe macht sie zu einem Werk, das in jedem Alter etwas anderes zeigt. Als Kind lacht man über Annes Missgeschicke, als Erwachsener bekommt man bei Matthew und Marilla plötzlich einen Kloß im Hals.
Mit einer Bewertung von 7,5 bei TMDB steht die Serie auch heute noch gut da, was für einen über vierzig Jahre alten Zeichentrick einiges heißt.
Wo kannst du Anne mit den roten Haaren streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist Anne mit den roten Haaren aktuell in keinem Flatrate-Abo gelistet. Du kannst die Serie also derzeit nicht einfach über ein Streaming-Abo in Deutschland anschauen.
Das kann sich natürlich ändern, gerade ältere Klassiker tauchen immer mal wieder bei Anbietern auf. Es lohnt sich deshalb, regelmäßig bei JustWatch nachzuschauen. Wer nicht warten will, sollte nach einer offiziellen Veröffentlichung auf DVD oder Blu-ray Ausschau halten.
Für wen eignet sich die Serie?
Die Serie läuft unter den Genres Animation, Drama und Familie, und das trifft es gut. Hier ein paar Gedanken, für wen sie sich lohnt:
- Für Familien: Die Serie ist ruhig, liebevoll und ohne grelle Effekte. Ideal, um sie gemeinsam mit Kindern zu schauen und danach über Freundschaft und Anderssein zu sprechen.
- Für Nostalgiker: Wer die Serie von früher kennt, wird überrascht sein, wie gut sie gealtert ist.
- Für Fans von Literaturverfilmungen: Wer den Roman von Montgomery liebt, bekommt hier eine sehr geduldige, nahe Umsetzung.
- Für Anime-Fans, die mal etwas abseits von Kämpfen und Fantasywelten suchen und sehen wollen, wie poetisch Zeichentrick sein kann.
Weniger geeignet ist sie für alle, die schnelle Plotwendungen und Cliffhanger brauchen. Hier wird niemand von einer Klippe gestoßen, hier wird höchstens jemand aus Versehen betrunken gemacht, weil Anne Saft und Johannisbeerwein verwechselt.
Ähnliche Titel für danach
Wenn dich Annes Geschichte gepackt hat, willst du wahrscheinlich mehr in dieser Richtung. Natürlich ist der Roman von Lucy Maud Montgomery selbst die naheliegendste Anschlusslektüre, und er hat mehrere Fortsetzungen, in denen Anne älter wird. Auch die zahlreichen späteren Realverfilmungen des Stoffs bieten sich an, wenn du sehen willst, wie andere Anne interpretieren.
Ansonsten passen andere ruhige, familienfreundliche Zeichentrickserien aus dieser Zeit, die klassische Romane adaptieren. Die Stimmung ähnlich, das Tempo gemächlich, der Fokus auf Figuren statt Spektakel. Wer Anne mag, mag meist auch diese Art des Erzählens.
Häufige Fragen
Wie viele Folgen hat Anne mit den roten Haaren?
Die Serie hat eine Staffel mit insgesamt 50 Folgen. Sie lief vom 7. Januar bis zum 30. Dezember 1979.
Wo kann ich Anne mit den roten Haaren streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist die Serie aktuell in keinem Flatrate-Abo in Deutschland gelistet.
Wer spricht Anne im japanischen Original?
Im japanischen Original wird Anne Shirley von Eiko Yamada gesprochen.
Auf welchem Buch basiert Anne mit den roten Haaren?
Die Serie basiert auf dem Roman von Lucy Maud Montgomery, der im Deutschen meist als „Anne auf Green Gables“ bekannt ist.
Gibt es eine zweite Staffel?
Nein. Die Serie ist mit einer Staffel abgeschlossen und hat den Status „beendet“.
Ist Anne mit den roten Haaren für Kinder geeignet?
Ja, die Serie ist als Familienserie angelegt, ruhig erzählt und ohne brutale Szenen. Ernste Themen wie Verlust kommen vor, werden aber einfühlsam behandelt.
Lohnt sich Anne mit den roten Haaren heute noch?
Auf jeden Fall. Gerade weil heute fast alles schneller, lauter und hektischer wird, wirkt Anne mit den roten Haaren wie ein Spaziergang an einem Frühlingsmorgen. Die Serie fordert Geduld, belohnt sie aber mit Figuren, die man nicht mehr vergisst, und mit Momenten, die leise unter die Haut gehen. Wenn du die Gelegenheit bekommst, sie zu sehen, nimm sie dir. Und vielleicht ertappst du dich danach dabei, einen ganz normalen Weg plötzlich „Weiße Allee der Wonne“ zu nennen. Anne wäre stolz auf dich.
