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Ratgeber · Aktualisiert: 9.10.2026 · Quelle: TMDB

Die 120 Tage von Sodom: Pasolinis radikalster Film über Macht und Faschismus

Die 120 Tage von Sodom ist einer der Filme, über die man spricht, lange bevor man sie gesehen hat, und über die man danach oft lieber schweigt. Pier Paolo Pasolinis Werk von 1976 gilt als einer der verstörendsten Filme der Kinogeschichte. Hier erfährst du, worum es geht, wer mitspielt und ob du dir das antun solltest.

Ich sage es gleich vorweg: Die 120 Tage von Sodom ist kein Film für einen gemütlichen Abend, und er will das auch gar nicht sein. Im italienischen Original heißt er Salò o le 120 giornate di Sodoma, und schon dieser Titel verrät die zwei Pole, zwischen denen Pasolini seine Geschichte aufspannt: den Ort Salò, das letzte Rückzugsgebiet der italienischen Faschisten, und den berüchtigten Roman des Marquis de Sade, der als literarische Vorlage dient.

Das Ergebnis ist ein 116 Minuten langes Kammerspiel des Grauens, das in Deutschland eine FSK-18-Freigabe trägt und bis heute polarisiert. Die einen sehen darin ein unverzichtbares politisches Kunstwerk, die anderen schlicht eine Zumutung. Beide haben ein bisschen recht. Warum der Film trotzdem einen Platz in jeder ernsthaften Filmgeschichte verdient, liest du in diesem Artikel.

Die 120 Tage von Sodom Poster

Die 120 Tage von Sodom (1976)

Pier Paolo Pasolini · Paolo Bonacelli (The Duke), Giorgio Cataldi (The Bishop), Uberto Paolo Quintavalle (The Magistrate), Aldo Valletti (The President), Caterina Boratto (Signora Castelli), Elsa De Giorgi (Signora Maggi), Hélène Surgère (Sig · 116 Min. · TMDB 6,3/10 · Streaming: derzeit in keinem Abo

Worum geht es in Die 120 Tage von Sodom?

Italien in den letzten Tagen der Mussolini-Herrschaft. In der sogenannten Republik von Salò, dem letzten Refugium der Faschisten, ziehen sich vier mächtige Männer in eine abgelegene Villa zurück: der Herzog, der Bischof, der Richter und der Präsident. Sie stehen für die Säulen der damaligen Gesellschaft, also Adel, Kirche, Justiz und Wirtschaft.

Mit Hilfe ihrer Handlanger lassen sie junge Männer und Frauen aus der Umgebung verschleppen. In der Villa gelten nur noch die Regeln, die die vier Großbürger selbst aufstellen. Die Jugendlichen werden zu bloßen Objekten degradiert: missbraucht, erniedrigt, gefoltert. Begleitet wird das Geschehen von älteren Frauen, die als Erzählerinnen ausschweifende Geschichten zum Besten geben, während eine Pianistin am Flügel sitzt. Am Ende steht eine perverse Orgie, in der die Opfer zu Tode gequält werden.

Pasolini gliedert den Film in Abschnitte, die an Dantes Göttliche Komödie angelehnt sind, eine Vorhölle und mehrere Höllenkreise, die immer tiefer in die Abgründe führen. Diese strenge, fast mathematische Ordnung macht das Geschehen umso kälter.

Besetzung und Rollen

Pasolini setzte bewusst auf Gesichter, die man nicht aus dem großen Starkino kannte. Das verstärkt die beklemmende Wirkung, denn du siehst hier keine vertrauten Schauspieler, sondern Figuren, die wie Funktionen eines Systems wirken.

Besonders Paolo Bonacelli bleibt im Gedächtnis: Sein Herzog ist von einer gelangweilten, selbstgefälligen Grausamkeit, die mehr erschreckt als jedes Monster aus einem klassischen Horrorfilm. Und die drei Erzählerinnen in ihren eleganten Kleidern bilden einen bizarren Kontrast zum Horror, der um sie herum passiert.

Was will Pasolini mit dem Film sagen?

Man kann Die 120 Tage von Sodom leicht als reinen Schockfilm missverstehen, und genau das wäre der größte Fehler. Pasolini rechnet hier mit dem Faschismus ab, aber nicht in Form eines Geschichtsdramas mit Schlachten und Reden. Er zeigt, was Macht ohne jede Grenze aus Menschen macht: Sie verwandelt andere in Ware, in Körper ohne Willen.

Die vier Täter sind keine wilden Bestien. Sie sind gebildet, sprechen über Literatur und Philosophie, halten sich an selbst geschriebene Regeln und Protokolle. Gerade diese bürokratische Ordnung des Bösen ist es, die einem lange nachhängt. Der Film fragt dich unbequem, wie viel dieser Logik auch in Gesellschaften steckt, die sich für zivilisiert halten.

Hinzu kommt eine tragische Note: Pasolini wurde 1975 ermordet und erlebte den Start seines letzten Films nicht mehr. In Deutschland kam der Film am 30. Januar 1976 in die Kinos. Das Werk wirkt dadurch fast wie ein bitteres Vermächtnis.

Wie hart ist der Film wirklich?

Ehrlich gesagt: sehr hart. Die FSK-18-Freigabe ist hier keine Formalität. Der Film zeigt sexuelle Gewalt, Erniedrigung und Folter, und er tut das mit einer kühlen, distanzierten Kamera, die dir keine Möglichkeit zum Wegschauen gibt. Es gibt keine Musik, die dich emotional abholt, keine Heldenfigur, mit der du mitfiebern kannst.

Was den Film so schwer erträglich macht, ist weniger die Menge an Blut als die völlige Hoffnungslosigkeit. Die Opfer haben keine Chance, und der Film verweigert jede Erlösung. Die Einordnung in die Genres Horror und Drama passt deshalb, auch wenn er mit klassischem Genrekino kaum etwas gemein hat.

Mein Rat: Schau ihn nur, wenn du weißt, worauf du dich einlässt, und gib dir danach Zeit, das Gesehene zu verarbeiten. Ein Film zum Nebenbeigucken ist das in keinem Fall.

Die 120 Tage von Sodom streamen: Wo läuft der Film?

Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist Die 120 Tage von Sodom aktuell in keinem Flatrate-Abo bei deutschen Streamingdiensten gelistet. Du findest den Film also derzeit nicht im regulären Abo-Programm der großen Anbieter.

Es lohnt sich, die Verfügbarkeit gelegentlich erneut zu prüfen, denn Klassiker tauchen immer wieder in Arthouse-Angeboten auf. Alternativ bleibt der Weg über eine Kauf- oder Leihversion, sofern verfügbar, oder über Filmreihen in Programmkinos, die Pasolinis Werk regelmäßig zeigen.

Für wen eignet sich der Film?

Der Film richtet sich an ein ganz bestimmtes Publikum:

Nicht geeignet ist er dagegen für alle, die einen spannenden Horrorabend suchen, für zartbesaitete Gemüter oder für alle, die mit Darstellungen sexueller Gewalt nicht umgehen können. Auch die TMDb-Wertung von 6,3 zeigt, wie gespalten das Publikum ist: Bewundernde und Abgestoßene halten sich ungefähr die Waage.

Mein persönlicher Eindruck

Ich habe Die 120 Tage von Sodom einmal gesehen, und ich weiß nicht, ob ich ihn ein zweites Mal sehen werde. Trotzdem halte ich ihn für einen wichtigen Film. Er ist unangenehm, weil er unangenehm sein muss. Pasolini verweigert jeden Unterhaltungswert, und genau darin liegt seine Kraft: Er lässt nicht zu, dass du Gewalt als Spektakel konsumierst.

Was bleibt, sind Bilder von erschreckender Ruhe, die elegante Villa, die geschniegelten Herren, die ernsten Gesichter der Jugendlichen. Es ist ein Film, der dich nicht loslässt, und bei aller Abscheu muss man anerkennen, wie konsequent er gemacht ist.

Häufige Fragen

Worum geht es in Die 120 Tage von Sodom?

Vier faschistische Großbürger, der Herzog, der Bischof, der Richter und der Präsident, verschleppen in der Republik von Salò junge Menschen in eine Villa, wo sie diese missbrauchen, foltern und schließlich töten. Der Film ist eine Abrechnung mit dem Faschismus.

Wer hat Die 120 Tage von Sodom gedreht?

Regie führte der italienische Filmemacher Pier Paolo Pasolini. Der Film erschien 1976 und war sein letztes Werk.

Welche FSK hat Die 120 Tage von Sodom?

Der Film ist in Deutschland ab 18 Jahren freigegeben. Er enthält drastische Darstellungen von sexueller Gewalt, Erniedrigung und Folter.

Wie lange dauert Die 120 Tage von Sodom?

Der Film hat eine Laufzeit von 116 Minuten.

Kann man Die 120 Tage von Sodom streamen?

Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist der Film aktuell in keinem Flatrate-Abo eines deutschen Streamingdienstes gelistet.

Wie heißt Die 120 Tage von Sodom im Original?

Der italienische Originaltitel lautet Salò o le 120 giornate di Sodoma.

Solltest du Die 120 Tage von Sodom sehen?

Wenn du dich ernsthaft für Filmgeschichte interessierst und dir zutraust, zwei Stunden ohne jeden Trost auszuhalten, dann ja. Die 120 Tage von Sodom ist ein Film, der dir etwas über Macht, Gehorsam und die Abgründe angeblich zivilisierter Menschen erzählt, das kein Geschichtsbuch so eindringlich vermitteln kann. Wenn du dagegen Unterhaltung suchst, lass ihn liegen. Es gibt keine Schande darin, diesen Film nicht sehen zu wollen. Aber wer ihn gesehen hat, versteht danach sehr genau, warum Pasolinis letztes Werk bis heute diskutiert wird.

Datenquelle: The Movie Database (TMDB), Streaming-Angaben laut JustWatch, Stand 9.10.2026.