Die Morde des Herrn ABC: John Malkovich als düsterer Poirot
Die Morde des Herrn ABC ist die vielleicht ungewöhnlichste Poirot-Verfilmung der letzten Jahre: John Malkovich spielt den belgischen Detektiv müde, verletzlich und ganz ohne den gewohnten Glanz. Die BBC-Miniserie aus dem Jahr 2018 erzählt in drei Folgen von einem Serienmörder, der sich durch das Alphabet arbeitet. Hier erfährst du, was dich erwartet und für wen sich der Abend lohnt.
Wer bei Hercule Poirot sofort an gezwirbelten Schnurrbart, Teetassen und ein elegantes Finale im Salon denkt, bekommt hier etwas anderes. Die Morde des Herrn ABC (Originaltitel The ABC Murders) verlegt den bekannten Stoff nach Agatha Christie in ein kaltes, graues England der 1930er Jahre. Statt Wohlfühlkrimi gibt es Nebel, Misstrauen und einen Ermittler, den eigentlich niemand mehr ernst nimmt.
Genau das macht für mich den Reiz aus. Die Serie lief Ende Dezember 2018 auf BBC One, ist mit drei Folgen kompakt genug für einen einzigen langen Abend und bleibt trotzdem lange im Kopf. Mit einer TMDB-Wertung von 6,5 spaltet sie das Publikum durchaus. Warum das so ist und ob du eher im Lager der Fans oder der Skeptiker landen wirst, klären wir jetzt.

Die Morde des Herrn ABC (2018)
Worum geht es in Die Morde des Herrn ABC?
England in den 1930er Jahren: Hercule Poirot erhält Briefe, unterschrieben mit „A.B.C.“. Darin kündigt der Absender Morde an, und zwar nach einem klaren Muster. Das erste Opfer trägt die Initialen A.A., und auch der Tatort beginnt mit A. Danach geht es weiter mit B, dann mit C. Ein Mörder, der sich buchstäblich durchs Alphabet bewegt.
Poirot schließt sich einem Team der Polizei an, um den Täter zu stoppen, bevor der nächste Buchstabe an der Reihe ist. Eine Spur fällt besonders auf: Bei jedem Opfer liegt ein ABC-Infoheft der Bahn, also ein Fahrplan. Ist das der entscheidende Hinweis oder nur ein Spiel, mit dem der Täter die Ermittler vorführt?
Mehr verrate ich nicht, denn gerade bei einem Christie-Stoff lebt alles von der Auflösung. Nur so viel: Die Serie interessiert sich spürbar mehr für Schuld, Einsamkeit und die Frage, wer in dieser Gesellschaft überhaupt dazugehört, als für reines Rätselraten.
Besetzung und Rollen
Das Ensemble ist der größte Trumpf der Miniserie. Hier die wichtigsten Namen:
- John Malkovich als Hercule Poirot
- Rupert Grint als Inspector Crome
- Eamon Farren als Cust
- Andrew Buchan als Franklin Clarke
- Bronwyn James als Megan Barnard
- Tara Fitzgerald als Lady Hermoine Clarke
- Anya Chalotra als Lily Marbury
- Freya Mavor als Thora Grey
- Eve Austin als Betty Barnard
- Conrad McCroddan als Beautiful Young Man
John Malkovich als Poirot
Malkovich ist eine mutige Wahl, und er spielt die Rolle auch so. Sein Poirot wirkt älter, stiller und deutlich angeschlagener als die Versionen, die viele aus dem Fernsehen kennen. Er ist kein gefeierter Star mehr, sondern ein Mann, dem man mit Herablassung begegnet. Wer den verspielten Detektiv sucht, wird hier fremdeln. Wer offen ist, sieht eine der interessantesten Interpretationen der Figur.
Rupert Grint als Inspector Crome
Für viele ist Rupert Grint für immer Ron Weasley, und genau deshalb macht es Spaß, ihn hier als skeptischen, oft gereizten Polizisten zu sehen. Crome hält wenig von dem alten Belgier, und die Reibung zwischen den beiden trägt viele Szenen.
Eamon Farren als Cust
Die heimliche Hauptfigur ist für mich Cust. Eamon Farren spielt ihn so unbehaglich und zerbrechlich, dass man nie genau weiß, ob man Mitleid oder Angst empfinden soll. Seine Szenen gehören zu den stärksten der ganzen Serie.
Staffeln und Folgen: wie lang ist die Serie?
Die Morde des Herrn ABC ist eine abgeschlossene Miniserie mit einer Staffel und drei Folgen. Die Ausstrahlung startete am 26. Dezember 2018 auf BBC One, die letzte Folge lief am 28. Dezember 2018. Der Status ist „beendet“, eine Fortsetzung gibt es also nicht.
Für dich heißt das: kein Cliffhanger, der dich jahrelang hängen lässt, und keine Vorkenntnisse nötig. Du kannst einfach einsteigen, auch wenn du noch nie einen Poirot-Krimi gesehen hast. Die drei Folgen sind wie ein langer Film aufgebaut, und ich würde sie tatsächlich am Stück oder höchstens auf zwei Abende verteilt schauen. Die Spannung lebt vom Sog, und die Atmosphäre wirkt am besten ohne lange Pausen.
Stimmung und Stil: kein gemütlicher Sonntagskrimi
Die Genres Krimi, Drama und Mystery beschreiben die Serie ganz gut, wobei der Schwerpunkt klar auf dem Drama liegt. Die Bilder sind dunkel, die Farben gedämpft, die Figuren wirken oft verloren in ihrer Umgebung. Das England dieser Geschichte ist kein Postkartenidyll, sondern ein Land voller Ressentiments, in dem ein Fremder wie Poirot schnell zur Zielscheibe wird.
Das ist nicht jedermanns Sache. Wer bei Christie vor allem das clevere Puzzle liebt, könnte sich an den langsamen Passagen stören. Mich hat aber gerade diese Schwere gepackt. Die Serie nimmt einen bekannten Krimistoff und fragt, wie sich all diese Morde eigentlich für die Menschen anfühlen, die zurückbleiben. Dazu kommt eine fast unheimliche Grundspannung, die eher an einen Psychothriller erinnert als an klassisches Whodunit-Kino.
Wo kannst du Die Morde des Herrn ABC streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist Die Morde des Herrn ABC in Deutschland aktuell in keinem Flatrate-Abo gelistet. Du findest die Miniserie also derzeit nicht im regulären Angebot eines Streamingdienstes, den du per Monatsabo nutzt.
Das Angebot im Streaming ändert sich allerdings häufig. Es lohnt sich deshalb, ab und zu wieder bei JustWatch nachzusehen, ob die Serie in ein Abo aufgenommen wurde. Auch ein Blick auf Kauf- oder Leihangebote sowie auf das Programm der Fernsehsender kann sich auszahlen, gerade bei britischen Krimiproduktionen, die gern wiederholt werden.
Für wen lohnt sich die Miniserie?
Ganz ehrlich: Diese Serie ist kein Selbstläufer für alle. Sie lohnt sich besonders für dich, wenn
- du Agatha-Christie-Verfilmungen magst, aber gern eine neue Sicht auf bekannte Figuren siehst,
- dir düstere, langsam erzählte Krimis mit Charaktertiefe gefallen,
- du John Malkovich oder Rupert Grint mal in einer ungewohnten Rolle erleben möchtest,
- du eine abgeschlossene Geschichte für einen Abend suchst.
Weniger glücklich wirst du, wenn du den charmanten, eitlen Poirot mit viel Witz erwartest oder wenn dir ein flottes Tempo wichtiger ist als Stimmung. Dann fühlt sich die Serie womöglich zäh an. Die Wertung von 6,5 auf TMDB spiegelt genau diese Spaltung wider: Manche feiern den Mut, andere vermissen das Vertraute.
Ähnliche Krimis für danach
Wenn dich die Atmosphäre gepackt hat, bist du bei weiteren Agatha-Christie-Verfilmungen gut aufgehoben, vor allem bei jenen, die den Stoff ernster und dunkler erzählen. Auch klassische britische Period-Krimis, die im England der Zwischenkriegszeit spielen, treffen oft einen ähnlichen Ton. Und wenn du eigentlich vor allem Lust auf Poirot bekommen hast, greif zum Roman: Das Buch zu The ABC Murders gehört zu Christies bekanntesten Fällen und eignet sich wunderbar für einen direkten Vergleich mit der Serie.
Häufige Fragen
Wie viele Folgen hat Die Morde des Herrn ABC?
Die Miniserie besteht aus einer Staffel mit insgesamt drei Folgen. Sie lief vom 26. bis 28. Dezember 2018 auf BBC One.
Wer spielt Poirot in Die Morde des Herrn ABC?
Hercule Poirot wird von John Malkovich gespielt. An seiner Seite ist Rupert Grint als Inspector Crome zu sehen.
Wird es eine zweite Staffel geben?
Die Serie ist als abgeschlossene Miniserie angelegt und hat den Status „beendet“. Die Geschichte wird in den drei Folgen vollständig erzählt.
Wo kann ich Die Morde des Herrn ABC streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist die Serie in Deutschland aktuell in keinem Flatrate-Abo gelistet.
Wann spielt Die Morde des Herrn ABC?
Die Handlung ist in England in den 1930er Jahren angesiedelt.
Wie lautet der Originaltitel?
Der Originaltitel der BBC-Produktion lautet The ABC Murders.
Bist du bereit für einen ganz anderen Poirot?
Die Morde des Herrn ABC ist kein Krimi zum Nebenbeischauen, sondern eine dichte, melancholische Miniserie, die einen alten Klassiker gegen den Strich bürstet. John Malkovich zeigt einen Poirot, über den man nachdenkt, Eamon Farren liefert als Cust eine der eindringlichsten Darstellungen, und die drei Folgen sind schnell weggeschaut. Wenn du Lust auf einen dunklen Winterabend mit Gänsehautfaktor hast, setz die Serie auf deine Liste und halte die Augen offen, sobald sie wieder bei einem Anbieter auftaucht. Und dann sag uns: Team neuer Poirot oder Team Klassiker?
