Die zwei Päpste: Benedikt trifft Franziskus im Vatikan
Die zwei Päpste ist einer dieser Filme, bei denen man zwei älteren Herren beim Reden zuschaut und trotzdem nicht wegsehen kann. Anthony Hopkins als Benedikt XVI. und Jonathan Pryce als Jorge Bergoglio liefern sich ein Duell aus Worten, Zweifeln und überraschend viel Humor. Hier erfährst du, was dich erwartet und wo du den Film sehen kannst.
Ein Film über Kirchenpolitik, Glaubensfragen und Papstwahlen klingt erst mal nach Pflichtlektüre für Theologiestudenten. Fernando Meirelles macht daraus aber etwas ganz anderes: ein warmes, oft komisches und erstaunlich menschliches Kammerspiel. Die zwei Päpste (Originaltitel: The Two Popes) aus dem Jahr 2019 lebt fast ausschließlich von seinen beiden Hauptdarstellern, und die sind schlicht großartig.
Ich gebe zu, ich hatte mit einem trockenen Historiendrama gerechnet. Bekommen habe ich zwei Stunden, in denen zwei völlig unterschiedliche Männer miteinander streiten, sich annähern und sich am Ende gegenseitig etwas beibringen. Ob du gläubig bist oder nicht, spielt dabei erstaunlich wenig Rolle.

Die zwei Päpste (2019)
Worum geht es in Die zwei Päpste?
Kardinal Jorge Bergoglio aus Argentinien ist von der Führung der katholischen Kirche enttäuscht. Er will 2012 in den Ruhestand gehen und bittet Papst Benedikt um die Erlaubnis dafür. Doch statt einfach zu unterschreiben, holt der nachdenkliche Papst seinen schärfsten Kritiker nach Rom. Benedikt hat ein Geheimnis, das die Grundfesten der Kirche erschüttern könnte, und ausgerechnet Bergoglio soll es als Erster erfahren.
Was dann folgt, ist ein langes Ringen hinter den Mauern des Vatikans. Tradition gegen Fortschritt, Schuld gegen Vergebung, der strenge deutsche Theologe gegen den volksnahen Jesuiten aus Buenos Aires. Beide Männer müssen sich ihrer eigenen Vergangenheit stellen, um überhaupt eine gemeinsame Sprache zu finden. Und am Horizont steht die Frage, wer die Kirche mit ihren über einer Milliarde Gläubigen künftig führen soll.
Wer die jüngere Kirchengeschichte kennt, weiß natürlich, wie es ausgeht: Bergoglio wird als Franziskus Nachfolger des Deutschen Benedikt XVI., der erste lateinamerikanische Papst und der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri. Spannend bleibt der Film trotzdem, weil es nicht um das Ob geht, sondern um das Wie und Warum. Gerade Bergoglios Zweifel, ob er dieses Amt überhaupt will, machen ihn zu einer so greifbaren Figur.
Besetzung und Rollen: Hopkins gegen Pryce
Der Film steht und fällt mit seinen zwei Hauptdarstellern, und hier steht er sehr stabil.
- Jonathan Pryce spielt Jorge Bergoglio, den späteren Papst Franziskus. Er gibt ihm eine sanfte Wärme, einen trockenen Witz und eine Bescheidenheit, die nie aufgesetzt wirkt.
- Anthony Hopkins ist Joseph Ratzinger, also Papst Benedikt XVI. Anfangs kühl, gelehrt und etwas einsam, zeigt er im Lauf des Films immer mehr Verletzlichkeit. Eine leise, sehr präzise Leistung.
- Juan Minujín spielt den jungen Jorge Bergoglio in den Rückblenden nach Argentinien.
- Luis Gnecco ist Kardinal Hummes.
- Cristina Banegas spielt Lisabetta, María Ucedo ist Esther Ballestrine.
- In weiteren Rollen: Renato Scarpa (Camerlengo), Sidney Cole (Kardinal Turkson), Achille Brugnini (Kardinal Martini) und Federico Torre (Protodiakon Estevez).
Das Schönste an Hopkins und Pryce ist ihr Zusammenspiel. Die beiden hören einander wirklich zu, und genau dadurch funktionieren die langen Dialogszenen. Man spürt, dass hier zwei Schauspieler mit enormer Erfahrung einfach Freude daran haben, sich die Bälle zuzuspielen.
Regie, Laufzeit und Altersfreigabe
Regie führte der Brasilianer Fernando Meirelles. Er inszeniert das Gespräch der beiden Männer nicht steif, sondern mit einer erstaunlich beweglichen Kamera und einem Gespür für kleine Gesten. Die Rückblenden in Bergoglios Jugend und seine Zeit in Argentinien geben dem Film zusätzliches Gewicht und erklären, woher seine Zweifel kommen.
- Erscheinungsjahr: 2019
- Kinostart in Deutschland: 5. Dezember 2019
- Laufzeit: 125 Minuten
- FSK: ab 12 Jahren
- Genre: Drama, Historie
Auf TMDB kommt der Film auf eine Bewertung von 7,5 von 10, was ziemlich gut zu meinem Eindruck passt: kein lautes Spektakel, aber ein rundum gelungener, sehr sorgfältig gemachter Film.
Wo kannst du Die zwei Päpste streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist Die zwei Päpste in Deutschland bei Netflix im Abo enthalten, und zwar auch im günstigeren Tarif Netflix Standard mit Werbung. Wenn du also ohnehin ein Netflix-Konto hast, kannst du direkt loslegen.
Streaming-Angebote ändern sich regelmäßig. Wirf deshalb vor dem Filmabend lieber noch einmal einen kurzen Blick in die Netflix-App, ob der Titel weiterhin verfügbar ist.
Was macht den Film so sehenswert?
Der größte Trumpf ist der Ton. Die zwei Päpste nimmt seine Themen ernst, wird aber nie verbissen. Es gibt Momente, in denen ich laut lachen musste, etwa wenn die beiden Kirchenmänner über ganz alltägliche Dinge ins Plaudern geraten. Und dann wieder Szenen, in denen es ganz still wird, weil es um Schuld, Versagen und die Frage geht, ob ein Mensch sich wirklich ändern kann.
Außerdem gelingt dem Film etwas Seltenes: Er nimmt keine der beiden Figuren einfach auseinander. Benedikt ist nicht der Bösewicht, Bergoglio nicht der makellose Held. Beide haben Fehler, beide haben gute Gründe für ihre Haltung. Gerade diese Fairness macht das Kammerspiel so packend, auch für Leute, die mit Kirche wenig am Hut haben.
Für wen lohnt sich Die zwei Päpste?
Ganz klar für alle, die Schauspielkino lieben. Wenn du gern zwei Größen ihres Fachs dabei zusiehst, wie sie eine Szene tragen, ist das hier ein Fest. Auch wer Dialogfilme und Kammerspiele mag, kommt voll auf seine Kosten.
- Für Fans von Anthony Hopkins und Jonathan Pryce
- Für alle, die sich für Kirchengeschichte oder Weltpolitik interessieren
- Für einen ruhigen Filmabend, an dem man hinterher noch reden möchte
- Für Zuschauer ab 12, die mit langen Gesprächsszenen kein Problem haben
Weniger geeignet ist der Film, wenn du Action, schnelle Schnitte oder überraschende Wendungen suchst. Hier wird geredet, gezweifelt und gerungen. Wer sich darauf einlässt, wird aber reich belohnt.
Ähnliche Filme für danach
Wenn dich das Duell im Vatikan gepackt hat, suchst du vermutlich nach weiteren Filmen, die von großen Darstellerleistungen und starken Gesprächen leben. Halte Ausschau nach historischen Dramen, die reale Persönlichkeiten zeigen, und nach Kammerspielen, in denen wenige Figuren auf engem Raum aufeinandertreffen. Auch die übrigen Filme von Fernando Meirelles lohnen einen Blick, wenn dir seine Handschrift gefallen hat.
Häufige Fragen
Wer spielt in Die zwei Päpste mit?
Jonathan Pryce spielt Jorge Bergoglio, den späteren Papst Franziskus, Anthony Hopkins spielt Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt XVI. Juan Minujín ist als junger Bergoglio zu sehen.
Wo kann man Die zwei Päpste streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, läuft der Film in Deutschland bei Netflix, auch im Tarif Netflix Standard mit Werbung.
Wie lang ist Die zwei Päpste?
Der Film dauert 125 Minuten, also gut zwei Stunden.
Ab wie viel Jahren ist Die zwei Päpste freigegeben?
Die FSK hat den Film ab 12 Jahren freigegeben.
Wer hat bei Die zwei Päpste Regie geführt?
Regie führte Fernando Meirelles. Der Film erschien 2019 und kam am 5. Dezember 2019 in die deutschen Kinos.
Worum geht es in Die zwei Päpste?
Kardinal Bergoglio will 2012 in den Ruhestand und bittet Papst Benedikt um Erlaubnis. Stattdessen holt ihn Benedikt nach Rom, und zwischen den beiden gegensätzlichen Männern entspinnt sich ein Ringen um Tradition, Fortschritt, Schuld und Vergebung.
Lohnt sich Die zwei Päpste heute noch?
Auf jeden Fall. Die zwei Päpste ist einer der schönsten Beweise dafür, dass ein Film keine Explosionen braucht, um mitzureißen. Zwei Männer, ein paar Räume im Vatikan und eine Menge kluger, witziger und bewegender Gespräche reichen völlig aus. Hopkins und Pryce spielen sich hier in Bestform, und Fernando Meirelles gibt ihnen genau den Raum, den sie brauchen.
Mach dir einen Tee, schnapp dir jemanden, mit dem du hinterher diskutieren kannst, und starte den Film auf Netflix. Gut möglich, dass du danach eine Weile über Glauben, Zweifel und das Verzeihen nachdenkst, ganz egal, wie du selbst zur Kirche stehst.
