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Kritik · Kinostart: 21.5.2026

Eagles of the Republic Kritik: Wenn der Star zur Marionette der Macht wird

Schwedische FilmeFranzösische FilmeDänische FilmeFinnische FilmeDeutsche FilmePolitthriller

Es gibt diesen Moment, in dem das Scheinwerferlicht nicht mehr feiert, sondern verhört. Genau davon erzählt Eagles of the Republic: von einem gefeierten Schauspieler, dessen Ruhm über Nacht zur Waffe wird, nur leider nicht in seiner eigenen Hand. Tarik Saleh kehrt erneut nach Ägypten zurück und hat wieder einen unbequemen, spannungsgeladenen und klugen Film gedreht.

7,8/10
Wertung
Ein Polit-Thriller, bei dem einem der kalte Schweiß ausbricht: intelligent, unbequem und klug im Umgang mit dem Preis des Opportunismus. Einfache Antworten gibt er selten, und genau deshalb bleibt er hängen.
Story
8
Schauspiel
9
Regie
8
Optik
7
Musik und Ton
7
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Eagles of the Republic: Trailer

Filmdaten

Originalنسور الجمهورية
Kinostart in Deutschland21.5.2026
RegieTarik Saleh
BesetzungFares Fares, Lyna Khoudri, Cherien Dabis, Amr Waked, Zineb Triki
GenrePolitthriller
Laufzeit129 Min.
FSK16
LandSchwedische Filme, Französische Filme, Dänische Filme, Finnische Filme, Deutsche Filme

Worum geht es, ganz ohne Spoiler?

George Fahmy ist der beliebteste Schauspieler Ägyptens. Einer dieser Stars, dessen Gesicht von jedem Plakat lächelt, den jeder kennt und der scheinbar unantastbar ist. Doch dann gerät er ins Visier der Behörden. Er fällt in Ungnade, von heute auf morgen, und steht plötzlich am Abgrund: Er könnte alles verlieren.

Da kommt das Angebot der Regierung. Eines von der Sorte, die man nicht ablehnt, wenn man am nächsten Morgen noch im eigenen Bett aufwachen möchte. George soll die Hauptrolle in einem Propagandafilm übernehmen. Er wird also zum Handlanger des Systems und verrät damit alles, woran er bisher geglaubt hat.

Mehr Ausgangslage braucht es nicht. Die Stärke des Films liegt nicht in einer Kette von Wendungen, sondern darin, wie ein Mensch sich langsam, Schritt für Schritt selbst aufgibt, während er vor der Kamera genau den Helden spielt, der er niemals sein wird.

Tarik Saleh und die Idee einer Ägypten-Trilogie

Wer Salehs frühere Arbeiten kennt, weiß, dass der schwedische Regisseur schon lange in derselben Wunde bohrt. Die Nile Hilton Affäre zeigte das System durch die Augen einer korrupten Kairoer Polizei, Die Kairo Verschwörung blickte aus der Perspektive eines Studenten in die religiösen Institutionen hinein. Eagles of the Republic führt diese Linie fort und seziert diesmal die unheilige Allianz von Unterhaltungsindustrie und Macht.

Und das ist vielleicht das spannendste Terrain von allen. Denn hier wird uns Kinogängern auch ein Spiegel vorgehalten: Wir sehen zu, wie ein Film im Dienst der Manipulation entsteht, während wir selbst einen Film schauen. Saleh reibt uns das nicht unter die Nase, aber es liegt unter jeder Szene wie ein leises, nervöses Summen.

Sein Stil bleibt zurückhaltend und diszipliniert. Keine lauten politischen Manifeste, keine belehrenden Monologe. Die Spannung wohnt in den Pausen, in abgebrochenen Sätzen und in einem Lächeln, das eine Spur zu höflich ist. Das wird nicht jedem gefallen, aber wer Thriller mag, die einem langsam die Luft abschnüren, ist hier im siebten Himmel.

Fares Fares und die anderen

Fares Fares ist Salehs Stammschauspieler, und das hat seine Gründe. Er besitzt eine ganz besondere Doppelbödigkeit: Er kann zugleich charismatisch und gebrochen sein, souverän und verängstigt. Wer ihn aus den Filmen der Sonderdezernat-Q-Reihe kennt, weiß, wie viel er mit einem einzigen müden Blick erzählen kann. Hier ist diese Fähigkeit Gold wert, denn er spielt in einer Welt, in der man nichts laut aussprechen darf.

An seiner Seite stehen Lyna Khoudri, Cherien Dabis, Amr Waked und Zineb Triki. Ein starkes, internationales Ensemble, und das Beste daran: Niemand will die anderen an die Wand spielen. Durch die Struktur des Films sind die Nebenfiguren oft eher Präsenzen, Druckpunkte, Fragezeichen, und das bringen alle hervorragend rüber. Amr Waked ist genau der Typ Schauspieler, der nur einen Raum betreten muss, und schon verändert sich die Luft darin.

Man spürt, dass die gesamte Besetzung versteht, in was für einem Film sie mitspielt. Das ist seltener, als man denkt.

Was richtig gut funktioniert

Am stärksten wirkt vielleicht, wie der Film unausgesprochen fragt: Was würdest du tun? Und die Antwort fällt, wenn wir ehrlich sind, nicht unbedingt schmeichelhaft aus.

Wo hakt es?

Die 129 Minuten Laufzeit machen sich bemerkbar. Es gibt Passagen, in denen sich der Film etwas wiederholt und immer wieder um dieselbe Anspannung kreist, statt weiterzugehen. Wer einen temporeicheren Thriller erwartet, wirft im Mittelteil schnell mal einen Blick auf die Uhr.

Die Zurückhaltung, die seine Stärke ist, wird zeitweise auch zur Schwäche. Saleh meidet das Melodram so konsequent, dass manche emotionalen Höhepunkte nur halb zünden. Das ist eine bewusste Entscheidung, und ich verstehe sie auch, aber in einigen Szenen hätte ein bisschen mehr Risiko, ein bisschen mehr Feuer gutgetan.

Optisch ist der Film solide, aber nicht überwältigend. Das ist kein Kinoerlebnis, das man wegen der Bilder ein zweites Mal sieht, sondern wegen der Gedanken. Das ist völlig in Ordnung, nur sollte man kein visuelles Feuerwerk erwarten.

Der Film im Film: Warum das gerade jetzt zählt

Man kommt kaum umhin zu bemerken, dass Eagles of the Republic weit über Ägypten hinausweist. Überall auf der Welt, wo die Macht erkennt, dass ein geliebtes Gesicht mehr wert ist als jedes Plakat, kann sich diese Geschichte abspielen. Der Film zeigt nicht mit dem Finger auf jemanden, das muss er auch gar nicht: Das Publikum verbindet die Punkte ganz von selbst.

Gerade hierzulande dürfte das besonders nachhallen, denn die Frage, wie sich Künstler mit der Macht arrangieren, ist ein Thema, das man in Deutschland sehr gut kennt. Der Geist von Mephisto schwebt im Hintergrund, und Salehs Film ist ein würdiger moderner Verwandter dieses Klassikers. Keine Kopie, keine Nachahmung, sondern ein weiteres Kapitel in demselben traurigen Buch, das Kunst und Zensur seit Jahrhunderten gemeinsam schreiben.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Die Kairo Verschwörung (2022), Mephisto (1981), Das Leben der Anderen (2006), A tanú (1969)

Häufige Fragen

Wann ist Eagles of the Republic in den deutschen Kinos gestartet?

Der Film ist am 21. Mai 2026 in Deutschland angelaufen.

Worum geht es in Eagles of the Republic?

Ägyptens beliebtester Schauspieler George Fahmy gerät ins Visier der Behörden und fällt in Ungnade. Um nicht alles zu verlieren, muss er das Angebot der Regierung annehmen und die Hauptrolle in einem Propagandafilm spielen.

Wie lang ist Eagles of the Republic?

Der Film dauert 129 Minuten.

Wer hat Eagles of the Republic inszeniert?

Regie führte Tarik Saleh.

Wer spielt in dem Film mit?

Die Hauptrollen spielen Fares Fares, Lyna Khoudri, Cherien Dabis, Amr Waked und Zineb Triki.

Lohnt es sich, die eigene Seele für zwei Stunden zu verkaufen?

Ja, und das meine ich ernst. Eagles of the Republic ist kein perfekter Film: ein bisschen zu lang, ein bisschen zu kühl, und manchmal vertraut er der Stille mehr, als gut für ihn ist. Aber selten erzählt ein Thriller so klug davon, wie Popularität zur Fessel und Kunst zur Waffe wird. Tarik Saleh beweist einmal mehr, dass er zu den spannendsten Stimmen des politischen Kinos gehört, und Fares Fares zeigt, dass man mit einem einzigen Gesicht die Angst eines ganzen Landes erzählen kann. Schaut ihn euch an, und betrachtet danach das nächste Plakat, von dem euch euer Lieblingsstar anlächelt, mit etwas mehr Misstrauen.

Wertung: 7,8/10 · Story 8 · Schauspiel 9 · Regie 8 · Optik 7 · Musik und Ton 7 · Emotionen 8