Eine Geschichte von Liebe und Finsternis: Natalie Portmans stilles Jerusalem-Drama
Eine Geschichte von Liebe und Finsternis ist das Regiedebüt von Natalie Portman, ein leises Drama über einen Jungen, seine Mutter und die Macht des Erzählens. Der Film aus dem Jahr 2015 spielt im Jerusalem der Mandatszeit und erzählt von großen Hoffnungen, die im Alltag langsam verblassen. Hier erfährst du, worum es geht, wer mitspielt und für wen sich die 99 Minuten lohnen.
Manche Filme wollen dich packen und durchschütteln. Eine Geschichte von Liebe und Finsternis will das nicht. Natalie Portman, die hier Regie führt und gleichzeitig die Mutter Fania spielt, hat ein Drama gedreht, das sich anfühlt wie eine Erinnerung: ein bisschen verschwommen, voller Licht und Staub, und mit einem Schatten, der sich ganz allmählich über alles legt. Wer bei ihr vor allem an Hollywood denkt, wird überrascht sein, wie zurückgenommen, wie persönlich und wie hebräisch dieser Film ist.
Die Vorlage ist das autobiografische Buch des israelischen Schriftstellers Amos Oz, und genau das spürst du in jeder Szene. Es geht um einen Jungen, der lernt, die Welt durch Geschichten zu sehen, und um eine Mutter, die ihm diese Gabe schenkt, während sie selbst immer weniger an ihre eigene Geschichte glaubt. Klingt schwer? Ist es stellenweise auch. Aber es ist eine Schwere, die sich lohnt.

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis (2015)
Worum geht es in Eine Geschichte von Liebe und Finsternis?
Wir schreiben das Jahr 1945. Jerusalem steht noch unter britischem Mandat, und hierher ist die jüdische Familie Oz geflohen. Zuvor hatte sie in Polen recht wohlhabend gelebt, nun richtet sie sich in einer engen, kargen Wohnung ein. Der kleine Amos hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft: Handwerker will er werden, oder Bauer. Auf keinen Fall möchte er in die Fußstapfen seines Vaters treten, der sich mehr schlecht als recht als Schriftsteller über Wasser hält.
Es ist seine Mutter Fania, die in Amos etwas anderes weckt. Sie erzählt ihm Geschichten, erfindet Welten, spinnt Fäden aus dem Nichts. Für den Jungen ist das pure Magie. Doch hinter dieser Wärme verbirgt sich eine Frau, die vom Kurs ihres eigenen Lebens enttäuscht ist. Das gelobte Land ist nicht das, was sie sich erträumt hat, und ihr Alltag zwischen Haushalt, Geldsorgen und unerfüllten Erwartungen lässt ihre Fantasie immer dunkler werden.
Der Film erzählt diese Entwicklung aus der Sicht von Amos, begleitet von der Stimme des älteren Amos, der zurückblickt. Dadurch bekommt alles einen Hauch von Wehmut: Du weißt früh, dass hier jemand eine Wunde aus seiner Kindheit betrachtet.
Natalie Portman vor und hinter der Kamera
Dass Natalie Portman für ihr Regiedebüt ausgerechnet diesen Stoff gewählt hat, sagt viel über sie. Statt eines sicheren englischsprachigen Projekts drehte sie einen Film auf Hebräisch, angesiedelt in der Stadt ihrer Geburt. Das ist mutig, und man merkt dem Ergebnis an, wie viel ihr daran liegt.
Als Fania liefert sie eine der feinsten Leistungen ihrer Karriere. Sie spielt keine große Tragödin, sondern eine Frau, deren Glanz sich nach und nach eintrübt. Mal lacht sie, mal erzählt sie verzaubert, dann starrt sie minutenlang ins Leere. Gerade diese stillen Momente bleiben hängen.
Als Regisseurin setzt Portman auf ruhige Bilder, viel natürliches Licht und lange Einstellungen. Nicht jede Szene sitzt, und manchmal wirkt der Film etwas zu verliebt in seine Atmosphäre. Aber die Handschrift ist klar erkennbar, und für ein Debüt ist das bemerkenswert eigenständig.
Besetzung und Rollen
Neben Portman versammelt der Film ein starkes israelisches Ensemble:
- Natalie Portman als Fania Oz, die Mutter von Amos
- Gilad Kahana als Arieh
- Yonaton Shiray als jugendlicher Amos
- Moni Moshonov als Stimme des älteren Amos
- Shira Haas als Kira
- Neta Riskin als Haya
- Makram J. Khoury als Halawani
- Ohad Knoller als Israel Zarchi
- Rotem Keinan als Tsvi
Besonders spannend ist aus heutiger Sicht Shira Haas, die hier in einer frühen Rolle zu sehen ist. Viele kennen sie inzwischen aus späteren Produktionen, und es macht Spaß, ihr Talent schon in diesem Film zu entdecken. Moni Moshonov wiederum gibt dem Film als Erzählstimme des älteren Amos eine ruhige, nachdenkliche Klammer, die das Ganze zusammenhält.
Stimmung und Stil: Wie fühlt sich der Film an?
Erwarte keinen klassischen Spannungsbogen. Eine Geschichte von Liebe und Finsternis ist eher ein Mosaik aus Erinnerungen: kleine Szenen am Küchentisch, Besuche bei Bekannten, Gespräche über Bücher, Spaziergänge durch eine Stadt im Umbruch. Die politische Geschichte jener Jahre schwingt im Hintergrund mit, steht aber nie im Vordergrund. Im Zentrum bleibt die Familie.
Der Titel ist Programm. Die erste Hälfte gehört eher der Liebe: der Nähe zwischen Mutter und Sohn, dem Staunen über Wörter, der Hoffnung auf einen Neuanfang. Danach kriecht die Finsternis herein, und der Film wird spürbar melancholischer. Das ist kein Film für einen lockeren Freitagabend, sondern einer, den du mit Ruhe und vielleicht einer Tasse Tee schauen solltest.
Die Bewertung bei TMDb liegt bei 5,7, was zeigt, dass der Film das Publikum spaltet. Manche finden ihn zu langsam und zu fragmentiert. Ich finde: Wer sich auf den Rhythmus einlässt, bekommt ein sehr ehrliches, berührendes Porträt.
Wo kann man Eine Geschichte von Liebe und Finsternis streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist Eine Geschichte von Liebe und Finsternis aktuell in keinem Flatrate-Abo in Deutschland gelistet. Du findest den Film also derzeit nicht bei den großen Streamingdiensten im Abo.
Es lohnt sich, die Verfügbarkeit ab und zu neu zu prüfen, denn Programme ändern sich regelmäßig. Auch ein Blick in das Angebot deiner örtlichen Bibliothek kann sich bei solchen Arthouse-Filmen lohnen.
Für wen lohnt sich das Drama?
Ganz klar für dich, wenn du ruhige, literarische Filme magst, die mehr auf Atmosphäre und Figuren setzen als auf Handlung. Wer das Buch von Amos Oz gelesen hat, wird neugierig sein, wie Portman die Erinnerungen in Bilder übersetzt.
- Fans von Natalie Portman, die sie von einer ganz anderen Seite kennenlernen wollen
- Menschen, die sich für Familiengeschichten und Kindheitserinnerungen interessieren
- Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich für das Jerusalem der 1940er Jahre interessieren
- Alle, die gern Filme über die Kraft des Erzählens sehen
Weniger geeignet ist der Film, wenn du Tempo und klare Wendungen suchst oder gerade nicht in der Stimmung für ein schwermütiges Thema bist. Die Laufzeit von 99 Minuten ist überschaubar, fühlt sich durch das ruhige Erzähltempo aber stellenweise länger an.
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Wenn dich Eine Geschichte von Liebe und Finsternis berührt hat, suchst du vermutlich nach Filmen mit ähnlichem Gefühl: Kindheitserinnerungen, eine schwierige Elternbeziehung, Geschichte im Hintergrund. Halte Ausschau nach autobiografisch gefärbten Dramen, in denen ein Erwachsener auf seine Jugend zurückblickt und die Kamera die Welt durch Kinderaugen zeigt. Solche Filme leben, genau wie dieser, von kleinen Gesten und von Stimmungen, die lange nachwirken.
Häufige Fragen
Wer hat bei Eine Geschichte von Liebe und Finsternis Regie geführt?
Regie führte Natalie Portman. Es ist ihr Regiedebüt, und sie spielt im Film außerdem die Mutter Fania Oz.
Worum geht es in Eine Geschichte von Liebe und Finsternis?
Der Film spielt 1945 im britischen Mandatsgebiet Jerusalem. Die jüdische Familie Oz ist aus Polen dorthin geflohen. Der kleine Amos entdeckt durch seine Mutter Fania die Faszination für Geschichten, während sie selbst zunehmend von ihrem Leben enttäuscht ist.
Wie lang ist Eine Geschichte von Liebe und Finsternis?
Der Film hat eine Laufzeit von 99 Minuten.
Wer spielt in Eine Geschichte von Liebe und Finsternis mit?
Neben Natalie Portman spielen unter anderem Gilad Kahana, Yonaton Shiray, Shira Haas, Neta Riskin, Makram J. Khoury, Ohad Knoller und Rotem Keinan. Moni Moshonov leiht dem älteren Amos seine Stimme.
Wo kann ich Eine Geschichte von Liebe und Finsternis streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist der Film aktuell in keinem Flatrate-Abo in Deutschland gelistet.
Aus welchem Jahr ist der Film?
Eine Geschichte von Liebe und Finsternis erschien im Jahr 2015.
Solltest du Eine Geschichte von Liebe und Finsternis eine Chance geben?
Wenn du Lust auf einen leisen, ehrlichen Film hast, der dich nach dem Abspann noch eine Weile beschäftigt, dann ja. Natalie Portman zeigt hier, dass sie als Regisseurin eine eigene Stimme hat, und als Fania spielt sie eine Mutter, die du so schnell nicht vergisst. Der Film ist nicht perfekt, mancher wird ihn zu langsam finden. Aber gerade seine Zurückhaltung macht ihn besonders: Er erzählt davon, wie Geschichten uns retten können und warum sie manchmal nicht genug sind. Nimm dir einen ruhigen Abend, lass dich auf das Jerusalem von 1945 ein und schau, was davon bei dir hängen bleibt.
