Jesus von Nazareth: Zeffirellis Bibel-Epos mit Robert Powell
Jesus von Nazareth ist die Miniserie, an die viele beim Stichwort Bibelverfilmung zuerst denken: Franco Zeffirellis Werk von 1977 mit Robert Powell in der Titelrolle. Hier erfährst du, worum es geht, wer mitspielt, wie die vier Folgen aufgebaut sind und wo du das Epos heute schauen kannst.
Es gibt Filme, die laufen jedes Jahr zu Ostern irgendwo im Hintergrund, und trotzdem bleibt man jedes Mal hängen. Jesus von Nazareth gehört genau in diese Kategorie. Franco Zeffirelli hat 1977 ein Mammutprojekt auf die Beine gestellt, das mit mehr als sechs Stunden Laufzeit eher einem Wochenende im Heiligen Land gleicht als einem gewöhnlichen Fernsehabend. Und das Erstaunliche: Es wirkt bis heute erstaunlich frisch, ruhig und ernsthaft, ohne in kitschige Sonntagsschul-Ästhetik abzurutschen.
Wer nach Jesus von Nazaret sucht, wie der Ort in neueren Bibelübersetzungen geschrieben wird, landet früher oder später bei dieser Produktion. Ich verrate dir, warum sie diesen Ruf zu Recht trägt, welche Stars sich hier die Klinke in die Hand geben und für wen sich die lange Laufzeit wirklich lohnt.

Jesus von Nazareth (1977)
Worum geht es in Jesus von Nazareth?
Die Miniserie erzählt das Leben Jesu von Anfang bis Ende: Geburt, Kindheit, öffentliches Wirken, Kreuzigung und Auferstehung. Klingt nach bekanntem Stoff, und das ist er natürlich auch. Der Reiz liegt darin, wie Zeffirelli ihn erzählt. Er nimmt sich Zeit für die Menschen um Jesus herum, für Maria und Josef, für die Jünger, für die Mächtigen in Jerusalem, die mit wachsendem Unbehagen auf diesen Prediger aus Galiläa schauen.
Die Inszenierung setzt auf ein authentisches Gefühl für die Zeit vor 2000 Jahren. Staubige Dörfer, einfache Gewänder, Märkte, Synagogen und der Tempel wirken greifbar und bewohnt, nicht wie Kulissen aus Pappe. Gerade die frühen Szenen rund um Maria und Josef haben eine fast dokumentarische Ruhe, die dich nach und nach in diese Welt hineinzieht.
Wunder gibt es, doch sie werden nicht mit Pauken und Trompeten ausgestellt. Zeffirelli interessiert sich mehr für Blicke, Gesten und Gespräche. Die Bergpredigt, die Gleichnisse, die Begegnungen mit Zweiflern und Ausgestoßenen bekommen viel Raum. Dadurch entsteht ein Jesus, der als Lehrer und Mensch greifbar wird, und die politische Spannung zwischen Hohepriestern, römischer Besatzung und Herodes baut sich glaubwürdig auf.
Besetzung und Rollen: ein Staraufgebot der Extraklasse
Wenn man die Besetzungsliste liest, reibt man sich die Augen. Zeffirelli hat einen beeindruckenden Querschnitt durch das damalige Kino versammelt:
- Robert Powell als Jesus
- Olivia Hussey als Maria, die Mutter Jesu
- Yorgo Voyagis als Josef
- Anne Bancroft als Maria Magdalena
- Christopher Plummer als Herodes Antipas
- Anthony Quinn als Kaiphas
- Ian McShane als Judas Iskariot
- Ernest Borgnine als römischer Hauptmann
- James Farentino als Simon Petrus
- Michael York als Johannes der Täufer
Im Zentrum steht natürlich Robert Powell, und seine Darstellung ist der Grund, warum diese Miniserie so im Gedächtnis bleibt. Er spielt Jesus mit leiser Intensität, mit diesen unverwechselbar hellen, durchdringenden Augen, die kaum blinzeln. Das wirkt entrückt und gleichzeitig zugewandt, eine Gratwanderung, an der viele andere Darsteller gescheitert sind.
Dazu kommen Nebenrollen, bei denen jeder Auftritt ein kleines Fest ist. Christopher Plummer gibt einen herrlich verschlagenen Herodes, Anthony Quinn verleiht Kaiphas eine schwere, beinahe tragische Würde, und Ian McShane macht aus Judas eine vielschichtige Figur, deren Verrat aus Überzeugung und Enttäuschung erwächst. Olivia Hussey als junge Maria strahlt eine Zartheit aus, die die ersten Folgen trägt. Michael York als wilder, rufender Täufer bleibt ebenfalls lange im Kopf.
Folgen und Laufzeit: so ist die Miniserie aufgebaut
Jesus von Nazareth ist eine abgeschlossene Miniserie mit einer Staffel und vier Folgen. Die Erstausstrahlung lief vom 27. März bis zum 10. April 1977, also rund um die Osterzeit, was perfekt zum Stoff passt. Insgesamt kommst du auf mehr als sechs Stunden Laufzeit.
Produziert wurde das Ganze als internationales Gemeinschaftsprojekt, ausgestrahlt bei NBC in den USA, bei ITV1 in Großbritannien und bei Rai 1 in Italien. Das merkt man der Produktion an: Sie hat den Atem und das Budget eines großen Kinofilms, nutzt aber das Fernsehformat, um sich viel Zeit für Details zu nehmen.
Mein Tipp für die Planung: Schau die vier Teile über mehrere Abende verteilt, so wie das Publikum damals. Die Erzählung ist so gebaut, dass jede Folge einen eigenen Bogen hat, von den Anfängen in Nazareth über das Wirken in Galiläa bis zur Passion in Jerusalem. Am Stück funktioniert es auch, braucht dann aber Sitzfleisch und eine gute Kanne Tee.
Jesus von Nazareth streamen: wo läuft die Miniserie?
Jetzt der etwas ernüchternde Teil. Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist Jesus von Nazareth in Deutschland aktuell in keinem Flatrate-Abo gelistet. Du findest die Miniserie also derzeit bei keinem der großen Streamingdienste im Abo-Katalog.
Das kann sich jederzeit ändern, gerade rund um Ostern tauchen solche Klassiker gern wieder auf oder laufen im linearen Fernsehen. Es lohnt sich, einen Blick in die Programmzeitschrift zu werfen oder die JustWatch-Seite des Titels zu beobachten. Außerdem kannst du prüfen, ob es die Miniserie als Kauf- oder Leihversion oder auf DVD und Blu-ray gibt, das ist bei einer Produktion dieses Kalibers die zuverlässigste Möglichkeit, sie jederzeit griffbereit zu haben.
Warum die Miniserie bis heute so stark wirkt
Mit einer TMDB-Bewertung von 7,8 steht Jesus von Nazareth auch beim heutigen Publikum gut da, und das ist bei einem fast fünfzig Jahre alten Fernsehprojekt alles andere als selbstverständlich. Woran liegt das?
Erstens an der Haltung. Zeffirelli erzählt mit spürbarem Respekt vor dem Stoff, doch er predigt nicht. Die Figuren haben Zweifel, Ängste und Interessen, die Machtverhältnisse zwischen Tempel und Rom sind nachvollziehbar dargestellt. Zweitens an der Geduld. Moderne Serien hetzen oft von Höhepunkt zu Höhepunkt, hier darf eine Szene einfach atmen. Drittens an Powell, dessen Interpretation für viele Menschen bis heute das Bild von Jesus prägt.
Natürlich merkt man das Alter: Das Tempo ist gemächlich, manche Dialoge klingen feierlich. Wer sich darauf einlässt, bekommt dafür eine Tiefe, die man in aktuellen Produktionen selten findet.
Für wen lohnt sich Jesus von Nazareth?
Ganz klar für alle, die zu Ostern oder Weihnachten etwas Passendes mit Substanz suchen. Gläubige Zuschauer finden hier eine würdige, sorgfältige Umsetzung der Evangelien. Aber auch wer mit Religion wenig am Hut hat, kann viel mitnehmen: Die Miniserie ist starkes Historiendrama und ein Schaulaufen großer Schauspieler.
Gut geeignet ist sie außerdem für Familien mit älteren Kindern und Jugendlichen, etwa als Ergänzung zum Religionsunterricht. Die Kreuzigung wird ernst und eindringlich gezeigt, aber ohne die drastische Härte späterer Verfilmungen. Weniger glücklich wirst du, wenn du schnelle Schnitte, Actionszenen oder eine moderne, kritisch dekonstruierende Sicht erwartest. Das hier ist klassisches, getragenes Erzählkino im besten Sinne.
Ähnliche Titel für danach
Wenn dich Jesus von Nazareth gepackt hat, bieten sich weitere große Bibel- und Antikenstoffe an. Klassiker wie Ben Hur oder Die zehn Gebote stehen für das monumentale Hollywoodkino, das Zeffirellis Werk in mancher Hinsicht beerbt. Eine ganz andere, deutlich härtere Perspektive auf die letzten Stunden Jesu zeigt Die Passion Christi von Mel Gibson. Und wer neugierig auf eine moderne Serienvariante ist, sollte sich The Chosen anschauen, das den Jüngern noch mehr Raum gibt.
Spannend ist auch der Vergleich: Schau dir nach Zeffirellis Version eine dieser Produktionen an und achte darauf, wie unterschiedlich die Figur Jesu interpretiert wird. Gerade daran merkt man, wie besonders Robert Powells Darstellung ist.
Häufige Fragen
Wer spielt Jesus in Jesus von Nazareth?
Die Titelrolle spielt Robert Powell. Seine ruhige, eindringliche Darstellung gilt als das Herzstück der Miniserie von 1977.
Wie viele Folgen hat Jesus von Nazareth?
Die Miniserie besteht aus einer Staffel mit vier Folgen. Zusammen kommst du auf mehr als sechs Stunden Laufzeit.
Wer führte bei Jesus von Nazareth Regie?
Inszeniert wurde die Miniserie von Franco Zeffirelli. Sie lief 1977 bei NBC, ITV1 und Rai 1.
Wo kann ich Jesus von Nazareth streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist die Miniserie in Deutschland in keinem Flatrate-Abo gelistet. Halte Ausschau nach Kauf- und Leihangeboten, DVD oder Blu-ray sowie Ausstrahlungen im Fernsehen rund um Ostern.
Wer spielt Maria in Jesus von Nazareth?
Olivia Hussey spielt Maria, die Mutter Jesu. Anne Bancroft ist als Maria Magdalena zu sehen.
Wann lief Jesus von Nazareth zum ersten Mal?
Die Erstausstrahlung begann am 27. März 1977, die letzte Folge lief am 10. April 1977.
Ist Jesus von Nazareth auch heute noch sehenswert?
Ja, und zwar uneingeschränkt, wenn du dich auf das ruhige Erzähltempo einlässt. Zeffirellis Miniserie ist eines dieser seltenen Fernsehwerke, die mit den Jahren eher gewinnen. Robert Powell, ein Ensemble voller großer Namen und eine Inszenierung, die sich Zeit nimmt, machen die vier Folgen zu einem Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Auch wenn der Titel gerade in keinem Abo verfügbar ist: Behalte ihn auf deiner Liste, spätestens zum nächsten Osterfest lohnt sich der Griff zu diesem Klassiker.
