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Vorab-Kritik

Les Parfait(s) : Arnaques en Famille: Vorab-Kritik zum Gaunerclan im Kilt

Französische FilmeBelgische FilmeKomödien

Manche Familien vererben Omas Rezepte. Andere geben weiter, wie man einem Fremden in zehn Minuten das Vermögen aus der Tasche zieht. Les Parfait(s) : Arnaques en Famille erzählt von genau so einem Clan, und wenn das Papier nicht lügt, könnte das ein richtig schöner Kinospaß werden. Gesehen habe ich den Film noch nicht, aber Prämisse und Besetzung machen mich ehrlich neugierig.

6,7/10
Erwartete Wertung
Eine vielversprechende, sympathische französische Gaunerkomödie, die im besten Fall 94 Minuten beste Unterhaltung liefert, das Genre aber kaum neu erfinden dürfte.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
6
Optik
7
Musik und Ton
6
Emotionen
6

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

RegieLudovic Bernard
BesetzungAudrey Fleurot, Ramzy Bedia, Alan Cumming, Bernard Farcy, Luka Peroš, Emilie Caen
GenreKomödien
Laufzeit94 Min.
LandFranzösische Filme, Belgische Filme

Worum geht es? Eine Familie, in der die Lüge das Tafelsilber ist

Für die Familie Toussaint ist Betrug keine verkorkste Karriere, sondern eine Tradition, die von Generation zu Generation weitergereicht wird. Sie leben bis heute davon, andere übers Ohr zu hauen, und zwar nicht mit schlechtem Gewissen, sondern mit einer gewissen Berufsehre. Ärger gibt es erst, als ihnen jemand auf die Spur kommt und sie fliehen müssen.

Ihr Ausweg ist mindestens so dreist wie ihr Lebensstil: Sie schlüpfen in die Identität einer ganz gewöhnlichen, ehrbaren Familie, der Familie Parfait, und tauchen in Schottland unter. Schon der Name ist ein Gag, denn parfait heißt auf Französisch perfekt. Die am wenigsten perfekte Familie der Welt soll also eine Musterfamilie spielen, und das auch noch im Ausland.

Mehr ist über die Handlung nicht bekannt, und das stört ehrlich gesagt kein bisschen. So eine Ausgangslage ist ein Komödienmotor für sich. Man muss nur wissen: Hier wird gelogen, hier wird ständig knapp an der Enttarnung vorbeigeschrammt, und vermutlich lernen die Figuren dabei auch noch etwas über sich selbst.

Die Besetzung, bei der ich hellhörig wurde

Es ist die Besetzungsliste, die Les Parfait(s) aus dem üblichen Angebot französischer Komödien heraushebt. Audrey Fleurot ist in den letzten Jahren zu einem der markantesten Gesichter der französischen Unterhaltungsbranche geworden, hierzulande kennt man sie zum Beispiel aus Ziemlich beste Freunde. Sie hat diese spitzbübische, leicht freche Eleganz, die perfekt zu einer Gaunerfamilie passt.

Ramzy Bedia ist ein Veteran des absurden französischen Humors und wurde als eine Hälfte des Duos Eric et Ramzy bekannt. Von ihm erwarte ich lässige, leicht verpeilte Komik mit sicherem Timing. Richtig eingesetzt, könnte er die Geheimwaffe des Films sein.

Und dann ist da Alan Cumming, für mich der spannendste Name. Aus seiner internationalen Karriere reicht schon der Nightcrawler aus X-Men 2 oder seine durchgeknallte Figur in Spy Kids. In einer französischen Komödie, die in Schottland spielt, verspricht der schottische Schauspieler fast zwangsläufig Spaß, denn er weiß genau, wie man eine Szene mit einer einzigen hochgezogenen Augenbraue stiehlt.

Bernard Farcy dürfte Fans der Taxi-Reihe sofort etwas sagen: Er war dort der unvergesslich trottelige Polizeichef. Ergänzt wird das Ensemble von Luka Peroš und Emilie Caen. Wer welche Rolle übernimmt, ist noch offen, aber so eine Mischung aus Charakterköpfen wird selten langweilig.

Ludovic Bernard und die Schule des französischen Publikumskinos

Regie führt Ludovic Bernard, produziert wurde der Film als französisch-belgische Koproduktion. Die französische Komödie kann in Bestform herrlich unterhaltsam sein, in ihrer schwächsten Variante aber auch nach Routine und Fernsehfilm schmecken. Entscheidend wird sein, ob die Regie das Tempo vorgibt oder sich darauf verlässt, dass die Schauspieler den Film schon tragen werden.

Die Laufzeit von 94 Minuten ist jedenfalls ein gutes Zeichen. Eine Gaunerkomödie braucht keine zweieinhalb Stunden, zu lange Fassungen verlieren meist genau ihren Schwung. Die knappe, straffe Form lässt auf schnelle Pointen, flotte Situationen und gut getaktete Beinahe-Enttarnungen hoffen.

Was den Film richtig gut machen könnte

Wenn hier etwas funktioniert, dann der Kulturclash. Eine französische Gaunerfamilie, die in Schottland eine anständige bürgerliche Familie mimen will: Das ist doppelte Fremdheit. Sie müssen nicht nur ein ehrliches Leben vortäuschen, das sie nie geübt haben, sondern sich auch in einer völlig anderen Mentalität zurechtfinden.

Ich würde darauf wetten, dass der Film dann in Erinnerung bleibt, wenn hinter dem Schwindel auch ein bisschen Herz steckt. Die besten Gaunerfilme erzählen immer auch davon, was es eigentlich heißt, anständig zu sein.

Wo der Schwindel auffliegen könnte

Seien wir ehrlich: Die Prämisse ist nicht revolutionär. Betrüger, die eine falsche Familie spielen, gab es schon öfter im Kino, auch die Hollywoodkomödie Wir sind die Millers baute darauf auf. Scheitern könnte Les Parfait(s), wenn der Film sich mit vorhersehbaren Runden begnügt: fast aufgeflogen, rausgeredet, wieder fast aufgeflogen.

Das zweite Risiko ist die Klischeefalle. Über Schotten wie Franzosen lassen sich billige Witze am Fließband produzieren, und wenn der Film in diese Richtung kippt, ist schnell die Luft raus. Und schließlich das große Ensemble: Bei sechs bekannten Namen besteht immer die Gefahr, dass jemand nur Dekoration ist. Ich hoffe, Alan Cumming bekommt mehr als einen Cameo in zwei Szenen.

Trotzdem fällt meine erwartete Wertung vorsichtig optimistisch aus. Ein Meisterwerk wird es wohl nicht, aber ein angenehmer Kinoabend mit vielen Lachern ist absolut drin.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Wir sind die Millers (2013), Taxi (1998), Ziemlich beste Freunde (2011), Ocean's Eleven (2001)

Häufige Fragen

Worum geht es in Les Parfait(s) : Arnaques en Famille?

Die Familie Toussaint lebt seit Generationen vom Betrug. Als sie verfolgt wird, nimmt sie die Identität einer ehrbaren Familie namens Parfait an und sucht in Schottland Unterschlupf.

Wie lang ist Les Parfait(s) : Arnaques en Famille?

Der Film hat eine Laufzeit von 94 Minuten.

Wer spielt in Les Parfait(s) : Arnaques en Famille mit?

Zu den Hauptdarstellern gehören Audrey Fleurot, Ramzy Bedia, Alan Cumming, Bernard Farcy, Luka Peroš und Emilie Caen.

Wer hat Les Parfait(s) : Arnaques en Famille inszeniert und woher kommt der Film?

Regie führte Ludovic Bernard, der Film ist eine französisch-belgische Koproduktion.

Lohnt es sich, auf die Tricks der Familie Toussaint hereinzufallen?

Ich finde: ja. Les Parfait(s) setzt auf eine klassische, bewährte Komödienformel, aber dank Besetzung und schottischem Schauplatz steckt mehr Potenzial darin als in einer durchschnittlichen französischen Familienkomödie. Wenn die Regie das Tempo hält und das Drehbuch nicht bei den naheliegenden Pointen stehen bleibt, wartet hier ein richtig gut gelaunter Kinoabend. Eine große Überraschung erwarte ich nicht, aber eine ordentliche Portion spitzbübischen Spaß, und manchmal ist genau das genug. Erwartete Wertung: eine starke 7, dank Cumming ist sogar eine 8 drin.

Erwartete Wertung: 6,7/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 6 · Optik 7 · Musik und Ton 6 · Emotionen 6