Shrek 5 Vorab-Kritik: Der König des Sumpfes kehrt zurück, aber brauchen wir diesen Oger noch?
Siebzehn Jahre. So viel Zeit wird im Sommer 2027 vergangen sein, seit Shrek zuletzt als Hauptfigur aus seinem Sumpf gestapft ist, und jetzt öffnet DreamWorks die Klotür wieder. Shrek 5 kommt am 30. Juni 2027 in die deutschen Kinos, und obwohl vom fertigen Film noch kaum etwas zu sehen ist, wirft er schon jetzt jede Menge Fragen auf. Hat ein Franchise, das einst selbst das Märchengenre auf den Kopf gestellt hat, überhaupt noch etwas Neues zu erzählen?
Riesiges Nostalgiekapital und ein starkes Regietrio, aber Shrek 5 muss erst beweisen, dass hier mehr dahintersteckt als ein gut getimter Griff in die Kinokasse.
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 30.6.2027 |
|---|---|
| Regie | Brad Ableson, Walt Dohrn, Conrad Vernon |
| Genre | Animationsfilme |
| FSK | 6 |
| Land | Amerikanische Filme |
Raus aus dem Sumpf: Warum diese Rückkehr zählt
Kaum eine Animationsreihe hat die Popkultur so umgekrempelt wie Shrek. Der erste Teil nahm sich 2001 die zuckersüße Welt der Disney-Märchen vor und zog sie buchstäblich durch den Schlamm: Der Prinz ist kein Schönling, die Prinzessin alles andere als zerbrechlich, und die Märchenfiguren wirken eher wie das Ensemble einer völlig durchgeknallten Sitcom. Shrek 2 bewies 2004 dann, dass eine Fortsetzung sogar besser sein kann, und viele, ich eingeschlossen, halten ihn bis heute für den Höhepunkt der Reihe.
Danach ging es allerdings bergab. Shrek der Dritte wirkte müde, und Für immer Shrek von 2010 brachte die Geschichte zwar anständig zu Ende, war aber eher ein liebevoller Abschied als eine Revolution. Genau deshalb ist Shrek 5 jetzt so spannend: Das Franchise hat schon einmal verkündet, dass Schluss ist, und behauptet nun das Gegenteil. Dafür braucht es einen guten Grund, nicht nur eine schön klingende Zahl im Titel.
Was wir sicher wissen: Es handelt sich um einen amerikanischen Animationsfilm, der in Deutschland am 30. Juni 2027 startet und damit klar als großer Familienblockbuster für den Sommer positioniert ist. Zur Handlung gibt es offiziell noch nichts zu sagen, und ich werde mir auch nichts zusammenreimen. Schon aus dem Genre und der Logik des Franchise heraus ist aber klar, worum es eigentlich geht: ob die Fans von damals und die Kinder von heute im selben Kinosaal gleichermaßen Spaß haben.
Drei Regisseure, ein Oger: Wer am Steuer sitzt
Für Shrek 5 zeichnet ein Regietrio verantwortlich: Brad Ableson, Walt Dohrn und Conrad Vernon. Mich persönlich beruhigt diese Besetzung, denn hier kommen keine Außenstehenden, die das Franchise erst noch kennenlernen müssen.
Vor allem Conrad Vernon ist ein Name mit Gewicht: Er war einer der Regisseure von Shrek 2, also jenes Teils, den die meisten als Glanzstück der Reihe sehen. Außerdem ist er als Stimme des Lebkuchenmanns fest mit dieser Welt verwachsen. Auch Walt Dohrn ist in diesem Universum ein alter Hase. Er sprach Rumpelstilzchen, den Bösewicht aus Für immer Shrek, und hat als Regisseur bei den Trolls-Filmen Erfahrung mit musikalischem, buntem, kinderfreundlichem Chaos gesammelt. Brad Ableson wiederum hat bei Minions: Auf der Suche nach dem Mini-Boss mitinszeniert, temporeicher Slapstick ist ihm also ebenfalls nicht fremd.
Auf dem Papier ist das eine sehr gute Mischung: Vernon liefert die Shrek-DNA, Dohrn den musikalischen und visuellen Schwung, Ableson die schnellen, publikumswirksamen Gags. Das Risiko liegt darin, dass drei Regisseure den Film auch in drei Richtungen ziehen können. Geht der Biss der Satire zwischen Minions-Klamauk und Troll-Glitzer verloren, bleibt ein netter, aber schnell vergessener Familienfilm. Greifen die Zahnräder dagegen ineinander, könnte er sogar an Shrek 2 heranreichen.
Die große Frage: Kann Shrek noch Satire sein?
Das ist der Punkt, an dem ich am meisten mitfiebere. Die Stärke von Shrek lag damals darin, dass er gegen etwas war. Märchenkitsch, die Hollywood-Märchenfabrik, die perfekte Prinzessinnenwelt: Alles war Zielscheibe, und der Film hat mit sichtlichem Vergnügen draufgehalten. 2027 gibt es diese Zielscheibe aber kaum noch. Disney selbst ist seit Jahren selbstironisch, das Verdrehen von Märchen ist längst ein eigenes Genre, und Shrek ist vom einstigen Rebellen selbst zur Institution geworden.
Was lässt sich da noch aufs Korn nehmen? Vielleicht gerade die heutige Streaming- und Remake-Kultur, die Welt der endlosen Fortsetzungen oder sogar Shrek selbst. Ist der Film mutig genug, über sich selbst zu lachen, kann daraus etwas richtig Gutes werden. Bleibt es dagegen beim Recycling alter Gags, mit den alten Popsongs und den Pflichtauftritten der bekannten Nebenfiguren, kippt die Nostalgie schnell in Ermüdung.
Hoffnung macht Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch aus dem Jahr 2022. Dieser Film hat gezeigt, dass DreamWorks in diesem Universum etwas Frisches, Erwachsenes, überraschend Tiefgründiges und auch optisch Mutiges schaffen kann. Schöpft Shrek 5 aus diesem Mut, muss man sich keine Sorgen machen.
Bild und Ton: Gemälde oder Plastik?
Die Animation der ursprünglichen Shrek-Filme sieht heute zugegebenermaßen etwas betagt aus. Das ist kein Vorwurf, für ihre Zeit waren sie herausragend. In den letzten Jahren hat sich die Optik des Animationskinos aber enorm verändert: Seit Spider-Man: A New Universe experimentieren die Studios immer mutiger mit malerischen Stilen, die wie von Hand gezeichnet wirken, und auch Der letzte Wunsch ging in diese Richtung.
Ich rechne damit, dass Shrek 5 irgendwo zwischen der klassischen, sofort erkennbaren Shrek-Ästhetik und einer moderneren, eigenwilligeren Bildsprache balancieren wird. Die Optik dürfte dabei zu den sichersten Bänken des Films gehören, Technik und Erfahrung des Studios garantieren das nahezu. Die Musik ist heikler: Die Popsong-Auswahl der Shrek-Filme ist legendär, aber eine nostalgische Hitparade wirkt schnell billig, wenn sie nicht organisch aus den Szenen entsteht.
Was für den Film spricht und wo er ausrutschen kann
Hier meine Liste, worauf der Film bauen kann und warum ich ihn trotzdem mit Vorbehalt erwarte.
- Stärke: Die Regisseure kennen diese Welt. Vernon und Dohrn sind keine Touristen im Königreich Weit Weit Weg.
- Stärke: Ein Publikum über Generationen. Wer 2001 als Kind im Kino saß, kann heute mit dem eigenen Nachwuchs hingehen. Das kommt selten vor.
- Stärke: Der letzte Wunsch als Vorbild. Es ist bewiesen, dass dieses Universum noch emotionale Tiefe zu bieten hat.
- Risiko: Die Nostalgiefalle. Wenn jede zweite Szene einen alten Witz zitiert, nutzt sich das schnell ab.
- Risiko: Eine abgeschlossene Geschichte wieder aufmachen. Für immer Shrek hat einen schönen Schlusspunkt gesetzt, das muss man erst einmal rechtfertigen.
- Risiko: Viele Köche. Drei Regisseure, eine lange Entwicklung, hohe Erwartungen: Dieses Rezept ergibt manchmal nur lauwarme Suppe.
Ich bin insgesamt eher optimistisch als skeptisch. Dass meine erwartete Wertung nicht höher ausfällt, liegt daran, dass wir über die Geschichte nichts Substanzielles wissen, und genau das ist bei einer Fortsetzung der heikelste Punkt.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die mit den Shrek-Filmen groß geworden sind und ihren Kindern zeigen möchten, wie es ist, wenn ein Märchen Kleine und Große gleichzeitig abholt. Auch Fans von Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch gehören ins Kino.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die finden, dass Für immer Shrek den perfekten Schlusspunkt gesetzt hat, und nicht wollen, dass jemand daran rührt. Und für alle, die von endlosen Fortsetzungen ohnehin schon Ausschlag bekommen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Shrek 2: Der tollkühne Held kehrt zurück (2004), Für immer Shrek (2010), Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch (2022), Trolls World Tour (2020), Minions: Auf der Suche nach dem Mini-Boss (2022)
Häufige Fragen
Wann startet Shrek 5 in Deutschland?
Shrek 5 kommt am 30. Juni 2027 in die deutschen Kinos.
Wer führt bei Shrek 5 Regie?
Regie führen Brad Ableson, Walt Dohrn und Conrad Vernon.
Was für ein Film ist Shrek 5?
Ein amerikanischer Animationsfilm und der fünfte Teil der Shrek-Reihe.
Welcher Shrek-Film war der Vorgänger?
Der bislang letzte Teil der Hauptreihe war Für immer Shrek aus dem Jahr 2010, Shrek 5 knüpft als Fortsetzung daran an.
Lohnt es sich, im Sommer 2027 die Sumpftür wieder aufzumachen?
Ich finde schon, allerdings mit vorsichtiger Begeisterung. Hinter Shrek 5 stehen Regisseure, die diese Welt kennen und lieben, und das Studio hat mit Der letzte Wunsch bewiesen, dass es noch überraschen kann. Der größte Gegner wird nicht die Konkurrenz sein, sondern die eigene Vergangenheit: der Schatten zweier legendärer erster Teile und einer Geschichte, die man für abgeschlossen hielt. Traut sich der Film, frech zu sein, statt nur alte Pointen abzustauben, dann ist der Sumpf am 30. Juni wieder ausverkauft. Bis dahin bleibt meine erwartete Wertung eine hoffnungsvolle, aber keineswegs blinde Sieben. Wer am Ende zuletzt lacht, der Oger oder die Zweifler, werden wir sehen.
