Sully: Clint Eastwoods Drama über das Wunder vom Hudson
Sully ist einer dieser Filme, bei denen du das Ende längst kennst und trotzdem mit feuchten Händen vor dem Bildschirm sitzt. Clint Eastwood erzählt die Notwasserung auf dem Hudson River von 2009 als stilles Drama über einen Mann, der alles richtig gemacht hat und sich plötzlich dafür rechtfertigen muss. Tom Hanks trägt den Film mit einer Ruhe, die mehr sagt als jeder große Monolog.
Am 15. Januar 2009 landet ein Airbus A320 auf dem Hudson River mitten in New York, und alle 155 Menschen an Bord überleben. Die Bilder der Passagiere auf den Tragflächen gingen damals um die Welt. Genau hier setzt Sully an, allerdings nicht dort, wo man es erwarten würde. Clint Eastwood interessiert sich weniger für das Spektakel als für die Tage danach: für einen Piloten, der gefeiert wird und gleichzeitig befürchten muss, dass man ihm einen Fehler anhängt.
Der Film kam am 1. Dezember 2016 in die deutschen Kinos, läuft knackige 96 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben. Bei TMDb steht er bei 7,2 von 10 Punkten, was ziemlich gut zu meinem Eindruck passt: kein lautes Meisterwerk, aber ein enorm präzise gebauter, bewegender Film, den man gern ein zweites Mal sieht.

Sully (2016)
Worum geht es in Sully?
Chesley B. Sullenberger, von allen nur Sully genannt, ist ein Pilot mit mehr als 20.000 Flugstunden. Kurz nach dem Start in New York fliegt seine Maschine in einen Vogelschwarm, beide Triebwerke fallen aus. Ihm bleiben nur Sekunden, um zu entscheiden, wohin mit einem Flugzeug, das keinen Antrieb mehr hat. Er wählt den Hudson River und setzt die Maschine auf dem Wasser auf. Alle 155 Personen kommen nahezu unverletzt davon.
Die USA, ja die halbe Welt, feiert ihn als Helden. Doch während die Medien jubeln, beginnen die Untersuchungen zu dem Vorfall. Die Ermittler stellen unbequeme Fragen: Hätte er nicht doch einen Flughafen erreichen können? War die Wasserung wirklich alternativlos? Plötzlich steht der gute Ruf eines Mannes auf dem Spiel, den er sich über Jahrzehnte erarbeitet hat.
Das Spannende an Sully ist genau diese Verschiebung. Der eigentliche Gegner ist nicht der Vogelschwarm, sondern der Zweifel, und zwar auch der, der in Sully selbst nagt. Eastwood springt immer wieder zurück in die entscheidenden Minuten im Cockpit und zeigt sie aus verschiedenen Blickwinkeln, sodass du den Flug mehrmals erlebst und ihn jedes Mal ein bisschen anders verstehst.
Besetzung und Rollen: Tom Hanks als Sully
Tom Hanks war für diese Rolle eigentlich die naheliegendste Wahl, und er enttäuscht nicht. Sein Sully ist kein Actionheld, sondern ein grauhaariger Profi, der wenig redet, nachts nicht schlafen kann und sich mit dem Rummel um seine Person sichtlich schwer tut. Hanks spielt das mit einer zurückgenommenen Würde, die unglaublich glaubwürdig wirkt.
- Tom Hanks als Chesley 'Sully' Sullenberger, der Kapitän
- Aaron Eckhart als Jeff Skiles, sein Copilot
- Laura Linney als Lorrie Sullenberger, Sullys Ehefrau
- Anna Gunn als Elizabeth Davis
- Mike O'Malley als Charles Porter
- Jamey Sheridan als Ben Edwards
- Holt McCallany als Mike Cleary
- Valerie Mahaffey als Diane Higgins
- Delphi Harrington als Lucille Palmer
- Ahmed Lucan als ägyptischer Taxifahrer
Besonders gern mag ich Aaron Eckhart als Jeff Skiles. Er bringt eine trockene Lockerheit in den Film, die man dringend braucht, wenn es in den Verhörräumen zäh wird. Die Chemie zwischen ihm und Hanks ist so selbstverständlich, dass du den beiden sofort abnimmst, dass sie im Ernstfall blind aufeinander vertrauen. Laura Linney hat leider vor allem Telefonszenen, macht aber aus wenig erstaunlich viel: Sie zeigt, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Mann plötzlich auf allen Fernsehkanälen ist und man ihn trotzdem nicht erreicht.
Clint Eastwoods Inszenierung: Warum der Film so gut funktioniert
Clint Eastwood hat einen sehr eigenen, unaufgeregten Stil. Er verzichtet auf Pathos, wo andere Regisseure die Geigen auspacken würden, und lässt stattdessen Abläufe sprechen: Checklisten, Funksprüche, das routinierte Arbeiten der Crew. Gerade diese Sachlichkeit macht die Wasserung so beklemmend. Du spürst, wie wenig Zeit da ist und wie viel davon abhängt, dass jeder Handgriff sitzt.
Dazu kommt die clevere Struktur. Statt chronologisch zu erzählen, baut Eastwood den Film um die Untersuchung herum und streut den Flug in Etappen ein. Dadurch wird der Hudson zum emotionalen Kern, auf den alles zuläuft. Und wenn du am Ende die Passagiere frierend auf den Tragflächen siehst und die Rettungsboote heranfahren, trifft dich das, obwohl du die Geschichte längst kennst.
Mit 96 Minuten ist Sully außerdem angenehm kompakt. Kein Gramm Fett, keine überflüssigen Nebenstränge. Das ist für ein Drama nach wahren Ereignissen fast schon ungewöhnlich diszipliniert.
Wo kann man Sully streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist Sully aktuell in keinem Flatrate-Abo in Deutschland gelistet. Du findest den Film also derzeit nicht als Teil eines regulären Streaming-Abos.
Mein Tipp: Schau regelmäßig bei JustWatch vorbei, denn Filme wandern immer wieder zwischen den Diensten hin und her. Und wer ihn unbedingt sofort sehen will, kann im Fernsehprogramm Ausschau halten oder in der eigenen Sammlung beziehungsweise bei Freunden nach einer DVD oder Blu-ray fragen. Gerade für einen Filmabend mit der Familie eignet sich Sully dank FSK 12 ziemlich gut.
Für wen ist Sully der richtige Film?
Wenn du Dramen nach wahren Ereignissen magst, ist Sully eigentlich Pflicht. Der Film ist spannend, ohne reißerisch zu sein, und bewegend, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Ideal für:
- Leute, die Tom Hanks in ruhigen, charakterstarken Rollen lieben
- alle, die sich für Luftfahrt und Cockpit-Abläufe interessieren
- Fans von Clint Eastwoods sachlichem Erzählstil
- einen Filmabend mit Jugendlichen ab 12, die mal etwas anderes als Blockbuster sehen sollen
Weniger geeignet ist der Film, wenn du unter starker Flugangst leidest und lieber nicht daran erinnert werden möchtest, was alles schiefgehen kann. Andererseits: Eigentlich ist Sully ein ziemlich tröstlicher Film. Er zeigt, wie gut Menschen funktionieren können, wenn es wirklich darauf ankommt, von der Crew bis zu den Rettungskräften auf dem Fluss.
Ähnliche Filme, wenn dir Sully gefallen hat
Du hast Lust auf mehr in diese Richtung? Hier ein paar Titel, die gut dazu passen:
- Captain Phillips (2013): wieder Tom Hanks als Kapitän unter extremem Druck, diesmal auf hoher See und deutlich nervenaufreibender.
- Flight (2012): Denzel Washington als Pilot nach einer spektakulären Notlandung. Ein spannendes Gegenstück, weil hier der Held deutlich zwielichtiger ist.
- American Sniper (2014): ein weiterer Eastwood-Film über einen realen Amerikaner und das, was Heldentum mit einem Menschen macht.
Gerade Flight eignet sich hervorragend als Double Feature mit Sully. Beide Filme stellen die Frage, wer am Ende eigentlich bewertet, was ein Pilot im Ernstfall richtig oder falsch gemacht hat, kommen aber zu völlig unterschiedlichen Antworten.
Wie nah ist Sully an der echten Geschichte?
Die Eckdaten stimmen: der 15. Januar 2009, der Airbus A320, der Vogelschwarm, der Ausfall beider Triebwerke, die Wasserung auf dem Hudson und die 155 Überlebenden. Auch dass Sullenberger ein sehr erfahrener Pilot war, ist keine Erfindung fürs Kino.
Natürlich ist Sully trotzdem ein Spielfilm und kein Dokumentarfilm. Eastwood verdichtet, spitzt zu und gibt der Untersuchung die Rolle eines dramatischen Gegenspielers, damit die Geschichte nach der Landung nicht einfach endet. Das solltest du im Hinterkopf behalten, wenn du die Verhörszenen siehst: Sie sind auf Spannung gebaut. Das Gefühl dahinter, dass ein Mensch nach einer Ausnahmesituation plötzlich jede Sekunde seines Handelns erklären muss, trifft der Film aber sehr genau.
Häufige Fragen
Wer spielt Sully im Film?
Tom Hanks spielt Chesley 'Sully' Sullenberger. An seiner Seite sind Aaron Eckhart als Copilot Jeff Skiles und Laura Linney als Lorrie Sullenberger zu sehen.
Ist Sully eine wahre Geschichte?
Ja. Der Film basiert auf der Notwasserung eines Airbus A320 auf dem Hudson River in New York am 15. Januar 2009, bei der alle 155 Personen an Bord überlebten.
Wie lange dauert Sully?
Sully hat eine Laufzeit von 96 Minuten und ist damit ein vergleichsweise kurzes, sehr kompaktes Drama.
Ab wie viel Jahren ist Sully freigegeben?
Der Film hat eine Altersfreigabe von FSK 12.
Wo kann ich Sully streamen?
Laut JustWatch, Stand 9. Oktober 2026, ist Sully aktuell in keinem Flatrate-Abo in Deutschland gelistet.
Wer hat bei Sully Regie geführt?
Regie führte Clint Eastwood. In Deutschland kam der Film am 1. Dezember 2016 in die Kinos.
Lohnt sich Sully auch, wenn du das Ende schon kennst?
Absolut. Gerade weil du weißt, dass alle überleben, kann sich Sully auf das konzentrieren, was wirklich interessant ist: auf einen Mann, der in 208 Sekunden Routine und Instinkt zusammenbringt und danach mit dem Gewicht dieser Entscheidung leben muss. Tom Hanks spielt das so leise und präzise, dass du ihm jede schlaflose Nacht glaubst, und Clint Eastwood inszeniert die Wasserung mit einer Klarheit, die unter die Haut geht.
Wenn du ein Drama suchst, das spannend ist, ohne laut zu sein, und das dich am Ende mit einem guten Gefühl über Menschen zurücklässt, dann gehört Sully auf deine Liste. Halte bei JustWatch die Augen offen, bis er wieder in einem Abo auftaucht, und plane dann einen Abend dafür ein. Am besten mit jemandem, mit dem du danach noch über die Frage reden kannst: Hättest du dich an Sullys Stelle für den Fluss entschieden?
