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Kritik · Kinostart: 11.4.1991

Das Schweigen der Lämmer Kritik: Der Thriller, der einem bis heute Gänsehaut macht

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Manche Filme schaut man nicht, man übersteht sie. Das Schweigen der Lämmer ist genau so einer. Jonathan Demmes Krimi kam im April 1991 in die deutschen Kinos und schnürt einem auch Jahrzehnte später noch die Kehle zu, als hätte er gestern Premiere gefeiert. Ich habe ihn mir noch einmal angesehen und konnte mich wieder keine Sekunde entspannt zurücklehnen.

9,3/10
Wertung
Ein Pflichtklassiker: straff, klug und gnadenlos wirkungsvoll, getragen von zwei Darstellungen, die man nie wieder vergisst.
Story
9
Schauspiel
10
Regie
10
Optik
8
Musik und Ton
9
Emotionen
10

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Das Schweigen der Lämmer: Trailer

Filmdaten

OriginalThe Silence of the Lambs
Kinostart in Deutschland11.4.1991
RegieJonathan Demme
BesetzungJodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine, Anthony Heald, Brooke Smith
GenreKrimis, Thriller, Dramen
Laufzeit118 Min.
FSK16
LandAmerikanische Filme

Worum geht es? Eine junge Agentin und das Vertrauen eines Monsters

Die Ausgangslage klingt simpel, und genau darin liegt ihre Genialität. Dr. Hannibal Lecter, den alle nur den Kannibalen nennen, gehört zu den gefährlichsten psychopathischen Mördern überhaupt und sitzt seit Jahren in einem streng bewachten Gefängnis. Doch jetzt braucht das FBI ihn: Jemand ahmt seine Methoden nach, und die Ermittler hoffen, dass der wahnsinnige Arzt ihnen helfen kann, den Täter zu fassen.

Die Aufgabe fällt der Sonderagentin Clarice Starling zu. Sie soll Lecters Vertrauen gewinnen und ihn zur Zusammenarbeit bewegen. Nur ist Lecter eben nicht bloß verrückt, sondern beängstigend intelligent. Er weiß genau, was er will, und genauso genau, was er dafür verlangen kann. Mehr sollte man vorher gar nicht wissen: Die Kraft des Films liegt darin, wie diese beiden Menschen einander umkreisen.

Jodie Foster und Anthony Hopkins: Ein Duell auf beiden Seiten einer Glasscheibe

Wenn mich jemand fragen würde, wie Schauspielkunst im Thrillergenre auf ihrem Höhepunkt aussieht, würde ich ihm einfach diese Szenen vorspielen. Anthony Hopkins brüllt als Lecter nicht, fuchtelt nicht herum, kaut keine Kulissen. Er spricht leise, höflich, kultiviert, und gerade das macht ihn so furchterregend. Hinter jedem seiner Sätze lauert etwas, das man lieber nicht erfahren möchte, und sein Blick bohrt sich so in die Kamera, als würde er einen direkt im eigenen Wohnzimmer ansehen.

Trotzdem wäre es falsch, das Ganze als Hopkins' Film zu betrachten. Jodie Fosters Clarice ist das Herz der Geschichte. Verletzlich und doch stur, man sieht ihr die Angst an und ebenso, wie sie sie niederkämpft. Selten wirkt der innere Kampf einer Hauptfigur in einem Thriller so glaubwürdig. Foster spielt keine Heldin, sondern einen Menschen, der trotz aller Furcht einen Schritt nach vorn macht. Genau deshalb fiebert man mit ihr viel mehr mit als mit jedem Actionhelden.

Auch die Nebenrollen sind tadellos besetzt. Scott Glenn gibt Jack Crawford als zurückhaltenden, harten Mentor, und Anthony Heald macht aus Dr. Frederick Chilton eine so unangenehme Figur, dass man ihn am liebsten aus dem Bild schubsen würde. Ted Levine hinterlässt als Jame Gumb einen bleibend verstörenden Eindruck, und Brooke Smith als Catherine Martin, Diane Baker als Senatorin Ruth Martin sowie Kasi Lemmons als Ardelia Mapp runden das Ensemble ab.

Jonathan Demme, Meister der Großaufnahme

Demmes Regie gehört zu der Sorte, die man beim ersten Sehen kaum bemerkt, weil sie einen so selbstverständlich mitnimmt. Dabei ist jede seiner Entscheidungen bewusst gesetzt. Seine wichtigste Waffe ist die Nahaufnahme: Die Figuren sprechen oft fast direkt in die Kamera, sodass man als Zuschauer an Clarices Stelle rückt. Man beobachtet das Gespräch nicht von außen, man sitzt mittendrin und spürt selbst, wie Lecter einem in den Kopf schaut.

Der Film setzt nicht auf Blut, sondern auf Spannung. Das Schlimmste wird oft nur angedeutet, und die eigene Fantasie erledigt den Großteil der Arbeit. Das ist eine deutlich grausamere Methode als jede noch so spektakuläre Gewalt. Demme weiß, wann er das Tempo drosseln, wann er Stille stehen lassen und wann er einem plötzlich die Schlinge um den Hals zuziehen muss.

Warum er heute noch funktioniert

Wo könnte es Schwächen geben?

Ehrlich gesagt finde ich kaum welche. Wenn ich wirklich suche: Wer an das rasante, schnitt-lastige Tempo moderner Thriller gewöhnt ist, dem könnten die ersten Minuten langsam vorkommen. Der Film lässt sich Zeit, er baut auf, und darauf muss man sich einlassen. Manche Bildlösungen und die technische Umgebung verraten natürlich, aus welcher Zeit er stammt, aber das sorgt eher für Stimmung, als dass es stört.

Der zweite Punkt ist kein Fehler, sondern eine Warnung: Das hier ist kein leichter Krimi für den Feierabend. Das Thema ist bedrückend, die Stimmung düster, und manche Bilder bleiben einem noch lange im Kopf.

Warum wurde er zum Maßstab des Genres?

Seitdem sind unzählige Serienkillerkrimis und Psychothriller entstanden, und erstaunlich viele davon folgen bewusst oder unbewusst den Spuren dieses Films. Die Profilerin, der geniale Gefangene, der zwar hilft, aber nur zu seinen eigenen Bedingungen, die junge Agentin, die auch mit ihren eigenen Dämonen ringt: Diese Motive gehören längst zum Grundwortschatz des Genres. Nur gelingt es selten, sie so präzise und so menschlich zusammenzufügen.

Das Schweigen der Lämmer bleibt hängen, weil es im Kern gar nicht von Mördern erzählt, sondern von Angst, von Ausgeliefertsein und davon, was jemand zu opfern bereit ist, um ein Leben zu retten. Das macht ihn zu weit mehr als einem geschickt geschriebenen Krimi: Er ist ein Drama, das sich das Gewand eines Thrillers übergestreift hat.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Sieben (1995), Zodiac (2007), Roter Drache (2002), Prisoners (2013), Basic Instinct (1992)

Häufige Fragen

Worum geht es in Das Schweigen der Lämmer?

Das FBI jagt einen Täter, der die Methoden eines berüchtigten Mörders nachahmt. Deshalb wird Agentin Clarice Starling zum inhaftierten, genialen und gefährlichen Dr. Hannibal Lecter geschickt, um sein Vertrauen zu gewinnen und ihn zur Mithilfe zu bewegen.

Wann kam der Film in die deutschen Kinos?

Das Schweigen der Lämmer startete am 11. April 1991 in den deutschen Kinos.

Wie lang ist der Film?

Das Schweigen der Lämmer dauert 118 Minuten.

Wer führte Regie und wer spielt die Hauptrollen?

Regie führte Jonathan Demme. Die Hauptrollen spielen Jodie Foster (Clarice Starling) und Anthony Hopkins (Dr. Hannibal Lecter), außerdem sind Scott Glenn, Ted Levine und Anthony Heald zu sehen.

Wie lautet der Originaltitel?

Der Originaltitel des US-amerikanischen Films lautet The Silence of the Lambs.

Hält man einen Abend mit Hannibal Lecter aus?

Ja, und zwar nicht nur einmal. Das Schweigen der Lämmer ist einer dieser seltenen Filme, die beim Wiedersehen genauso stark wirken. Erst dann merkt man richtig, wie präzise jede einzelne Szene gebaut ist. Das Spiel von Jodie Foster und Anthony Hopkins wäre schon Grund genug, und Jonathan Demmes Regie erzeugt eine Spannung, zu der die meisten heutigen Thriller nur sehnsüchtig aufblicken können. Licht aus, Handy weg, und dann Lecter einen Blick in die eigene Seele werfen lassen. Nur nicht wundern, wenn man danach eine Weile still vor dem Abspann sitzt.

Wertung: 9,3/10 · Story 9 · Schauspiel 10 · Regie 10 · Optik 8 · Musik und Ton 9 · Emotionen 10