Der Grinch Kritik: Der grüne Griesgram, den wir auch dieses Jahr gern ins Wohnzimmer lassen
Es gibt diesen einen Moment in der Adventszeit, in dem man sich vor dem ganzen Gebimmel am liebsten in eine Höhle verkriechen würde. Genau deshalb mögen wir den Grinch. Der Animationsfilm von 2018 erfindet das Genre nicht neu, aber er ist so weich, bunt und freundlich wie eine frisch gewaschene Kuscheldecke. Auch Jahre nach dem Kinostart gehört er auf jede Dezember-Liste.
Ein liebenswertes, wunderschön animiertes Weihnachtsmärchen, das ein bisschen zu sehr auf Nummer sicher geht, aber der ganzen Familie Freude macht.
Der Grinch: Trailer
Filmdaten
| Original | The Grinch |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 29.11.2018 |
| Regie | Yarrow Cheney, Scott Mosier |
| Besetzung | Benedict Cumberbatch, Rashida Jones, Kenan Thompson, Cameron Seely, Angela Lansbury, Pharrell Williams |
| Genre | Animationsfilme, Komödien, Familienfilme, Fantasyfilme |
| Laufzeit | 90 Min. |
| FSK | 0 |
| Land | Amerikanische Filme |
Worum geht es? Ein mürrischer Einsiedler und ein dreifaches Weihnachtsfest
Der Grinch lebt in einer Höhle auf dem Berg Crumpit, und genau so gefällt es ihm. Sein einziger Gefährte ist sein treuer Hund Max, und die Höhle ist vollgestopft mit Erfindungen und Apparaten, die ihm den Alltag so bequem wie möglich machen. Hinunter nach Whoville geht er nur, wenn die Vorräte ausgehen, und diese Einkaufstouren begeistern ihn ungefähr so sehr wie uns ein Zahnarzttermin am Montagmorgen.
Das Problem: Die Whos feiern jedes Jahr ein größeres, helleres und lauteres Weihnachten, und diesmal verkünden sie, dass das Fest dreimal so groß werden soll. Da ist selbst für den Grinch die Schmerzgrenze erreicht. Um Ruhe und Frieden zurückzubekommen, sieht er nur einen Ausweg: Er muss Weihnachten stehlen. Mehr muss man gar nicht wissen, um es sich vor dem Bildschirm gemütlich zu machen. Den Rest entdeckt am besten jeder selbst, idealerweise mit einer Tasse Kakao in der Hand.
Benedict Cumberbatch macht auch in Grün eine gute Figur
Im Original leiht Benedict Cumberbatch dem Grinch seine Stimme, und diese Besetzung ist ein Volltreffer. Cumberbatch hat schon oft brillante, leicht menschenscheue Figuren gespielt, man denke nur an Sherlock oder Doctor Strange, und hier bringt er dieselbe Trockenheit mit, nur deutlich verspielter. Sein Grinch ist nicht wirklich böse, sondern eher gekränkt, müde und einsam, und genau das macht ihn so sympathisch. Wir hassen ihn nicht, wir drücken ihm die Daumen.
Auch die Nebenfiguren überzeugen. Cindy-Lou Who, gesprochen von Cameron Seely, ist das Herz des Films. Rashida Jones bringt als Donna Who eine bodenständige Wärme in die Geschichte, und Kenan Thompson liefert als Bricklebaum einige der lustigsten Momente: Sein lauter, unerschütterlich optimistischer Nachbar ist der perfekte Gegenpol zum grantigen Helden. Ein echtes Schmankerl ist, dass Angela Lansbury die Bürgermeisterin McGerkle spricht. Als Erzähler ist Pharrell Williams zu hören, dessen ruhige, freundliche Stimme sofort Bilderbuchstimmung verbreitet.
Und dann ist da natürlich noch Max, der kein einziges Wort sagt und trotzdem allen die Show stiehlt. Jede Szene, in der der arme Hund die Launen seines Herrchens bedient, ist pures Gold.
Whoville, wo wir am liebsten sofort einziehen würden
Wenn der Film in einer Sache unangreifbar ist, dann in der Optik. Whoville sieht aus, als hätte jemand eine Schneekugel, das Schaufenster einer Konditorei und einen Weihnachtsmarkt zusammen mit einer riesigen Portion Licht kräftig durchgeschüttelt. Die Farben leuchten, die verschneiten Landschaften wirken weich, und die verwinkelten, verspielten Häuser halten in jedem Bild kleine Details zum Entdecken bereit. Selbst als Erwachsener habe ich mich dabei ertappt, wie ich staunend in den Hintergrund geschaut habe.
Die Höhle des Grinch ist ein Erlebnis für sich: die vielen komplizierten Apparate, die automatisierte Morgenroutine und die visuellen Gags rund um einen völlig überorganisierten Alltag gehören zu den besten Momenten des Films. Die Regisseure Yarrow Cheney und Scott Mosier wissen genau, dass im Animationsfilm die Bewegung selbst schon Humor ist, und das nutzen sie ausgiebig. Das Tempo ist flüssig, und mit 90 Minuten ist der Film genau so lang, dass auch die Kleinsten nicht unruhig auf dem Sofa herumrutschen.
Wo der Schnee etwas zu weich ist
Jetzt wird gemeckert, so wie es sich für den Grinch gehört. Die größte Stärke des Films ist zugleich seine Schwäche: Er ist so nett und so sicher, dass er sich selten traut, wirklich zu überraschen. Wohin die Geschichte läuft, ahnt man schon in den ersten Minuten, und der Film versucht auch gar nicht erst, von den Erwartungen abzuweichen. Für Kinder ist das ideal, doch wer etwas Raffinierteres oder Mutigeres sucht, hat stellenweise das Gefühl, ein sehr hübsches, aber etwas leeres Geschenk auszupacken.
Auch der Figur selbst fehlt ein wenig Biss. Dieser Grinch ist eher ein knuddeliger Brummbär als ein echter Spielverderber. Das macht ihn zugänglicher, aber wer bissigeren, kantigeren Humor mag, wird die Zähne vermissen. Der Witz ist überwiegend körperlich und visuell, was bei Kindern großartig ankommt, Erwachsenen aber eher ein Schmunzeln als lautes Lachen entlockt.
- Was funktioniert: die Optik, Max, Cumberbatchs Stimme, die kurze und flotte Laufzeit.
- Was weniger funktioniert: vorhersehbare Handlung, wenig Risiko, manchmal zu süß.
Warum schauen wir ihn trotzdem jeden Dezember?
Weil es bei Weihnachtsfilmen nicht immer um Überraschungen geht. Sie sind wie Omas Plätzchen: Wir wissen genau, was drin ist, und wollen sie gerade deshalb. Die Botschaft über Einsamkeit, über das Angenommenwerden und darüber, dass das Fest nicht von der Menge der Deko abhängt, ist schlicht, aber aufrichtig. Der Film predigt nicht, sondern zeigt auf liebevolle Weise, dass selbst hinter dem griesgrämigsten Herzen etwas stecken kann, das nur auf ein bisschen Aufmerksamkeit wartet.
Auch Jahre nach dem deutschen Kinostart am 29. November 2018 sage ich ohne Zögern: Das ist ein Film, den die ganze Familie gemeinsam schauen kann. Jeder findet darin etwas, und niemand steht schlecht gelaunt vom Sofa auf. Die Erwachsenen schmunzeln über die visuellen Gags und die trockenen Sprüche des Grinch, die Kinder schwärmen für Max und Cindy-Lou. Mehr kann man sich für einen Samstagnachmittag im Dezember kaum wünschen.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für Familien, kleinere Kinder und alle, die Lust auf ein buntes, warmherziges und leichtes Weihnachtsmärchen haben. Für Hundefreunde wegen Max ein Pflichttermin.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die von einem Animationsfilm eine verschachtelte Geschichte oder mutigeren, bissigeren Humor erwarten. Wer allergisch auf Zuckerguss reagiert, sollte ebenfalls vorsichtig sein.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Der Grinch (2000), Klaus (2019), Arthur Weihnachtsmann (2011), Der Polarexpress (2004), Despicable Me (2010)
Häufige Fragen
Worum geht es in Der Grinch?
Der einsame Grinch lebt mit seinem Hund Max auf dem Berg Crumpit. Als die Bewohner von Whoville verkünden, dass Weihnachten in diesem Jahr dreimal so groß gefeiert wird, beschließt der Grinch, das Fest zu stehlen, um endlich seine Ruhe zu haben.
Wie lang ist Der Grinch?
Der Film hat eine Laufzeit von 90 Minuten.
Wann kam Der Grinch in die deutschen Kinos?
Der Grinch startete am 29. November 2018 in den deutschen Kinos.
Wer spricht den Grinch im Original?
In der englischen Originalfassung spricht Benedict Cumberbatch den Grinch. Cindy-Lou Who wird von Cameron Seely gesprochen, als Erzähler ist Pharrell Williams zu hören.
Wer hat bei Der Grinch Regie geführt?
Regie führten Yarrow Cheney und Scott Mosier.
Lassen wir den Grinch auch dieses Jahr unter den Weihnachtsbaum?
Ja, und dafür braucht es nicht viel Überredungskunst. Der Grinch ist nicht der originellste Weihnachtsfilm aller Zeiten, aber einer der schönsten und freundlichsten. Benedict Cumberbatchs Stimme, die unendliche Geduld von Hund Max und der zuckerbunte Zauber von Whoville ergeben zusammen 90 Minuten, nach denen selbst das grummeligste Familienmitglied ein wenig auftaut. Also: großes Licht aus, Lichterkette an, und lasst euch von einem grünen, zotteligen Einsiedler daran erinnern, worum es an Weihnachten eigentlich geht.
