Der Kater mit Hut Vorab-Kritik: Kann man Chaos zur Institution machen?
Die verantwortungsloseste Katze der Welt hat einen Job bekommen, und allein das aufzuschreiben ist schon komisch. Der Kater mit Hut startet am 10. Dezember 2026 in den deutschen Kinos und will als Animationsfilm genau den frechen, regelfreien Charme zurückbringen, für den Generationen die Figur von Dr. Seuss lieben. Gesehen haben wir ihn noch nicht, aber es gibt einiges, worauf man sich freuen kann, und ein paar Dinge, die einen nervös machen.
Starke Vorlage, sympathische Idee und ein ideales Timing für die Familienzeit vor Weihnachten: Wenn das Chaos nicht in der Moral erstickt, könnte daraus ein Dezember-Liebling werden.
Der Kater mit Hut: Trailer
Filmdaten
| Original | The Cat in the Hat |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 10.12.2026 |
| Regie | Alessandro Carloni, Erica Rivinoja |
| Genre | Animationsfilme |
| FSK | 0 |
| Land | Amerikanische Filme |
Worum geht es? Ein Kater, ein Hut und eine Stellenbeschreibung
Die Ausgangslage finde ich genial einfach. Wir befinden uns in der verrückten Welt von Dr. Seuss, in der der Kater mit Hut einen ernsthaften Job angenommen hat: Im Institut zur Institutionalisierung von Imagination und Inspiration bekommt er eine der schwersten Aufgaben seines Lebens. Er soll zwei Kinder aufheitern, Gabby und Sebastian, die gerade in eine neue Stadt gezogen sind und bei denen einfach alles schiefläuft.
Der Haken kommt genau da, wo man ihn erwartet: Der Kater übertreibt es mit allem. Wo er auftaucht, bricht das Chaos los, und zurück bleiben Durcheinander und Tohuwabohu. Gleichzeitig steht aber etwas auf dem Spiel, denn wenn er die Mission vermasselt, verliert er seinen magischen Hut. Ein Kater mit Hut ohne Hut? Das ist ungefähr so wie ein Zauberer ohne Kaninchen, und der Film scheint diese Drohung durchaus ernst nehmen zu wollen.
Mehr wissen wir über die Handlung nicht, und ich will auch nichts hineininterpretieren. Was sich daraus ablesen lässt, verrät aber schon einiges über den Ton: Es ist eine Kindergeschichte über Umzug, Ankommen und Traurigkeit, die ein anarchischer Kater auf seine ganz eigene Art lösen will.
Die Idee mit dem Institut: Der beste Gag steckt schon im Namen
Ich gebe zu, mich hatte der Film bereits beim Namen Institut zur Institutionalisierung von Imagination und Inspiration. Diese Art sprachlicher Clownerie ist ganz im Geiste von Seuss, und wenn der ganze Film so voller Wortspiele und bürokratischer Absurditäten steckt, werden neben den Kindern auch die Erwachsenen ihren Spaß haben.
Hinter der Idee steckt übrigens auch eine liebenswerte Ironie. Der Kater mit Hut ist die Regellosigkeit in Person, und nun wird er Angestellter einer Behörde, mit Auftrag, Frist und Konsequenzen. Daraus kann eine wunderbare Spannung entstehen: auf der einen Seite die Fantasie, die man in ein System pressen will, auf der anderen die Figur, die in kein System passt. Wenn die Regie auf diesen Konflikt setzt, bekommen wir nicht bloß einen weiteren bunten Familienfilm, sondern einen mit einem kleinen Gedanken dahinter.
Die Regie: Alessandro Carloni und Erica Rivinoja
Regie führen Alessandro Carloni und Erica Rivinoja. Auf den kreativen Werdegang des Duos möchte ich hier nicht im Detail eingehen, sondern lieber darauf, was ich mir bei diesem Stoff von den beiden erhoffe.
Bei einer Seuss-Verfilmung entscheiden meiner Meinung nach zwei Dinge über alles. Erstens der Rhythmus: Der Kater funktioniert, wenn es rundgeht, wenn sich die Szenen überschlagen und man kaum Luft holen kann bis zur nächsten Verrücktheit. Zweitens das Herz. Die Geschichte von Gabby und Sebastian handelt von der Einsamkeit nach einem Umzug, und die lässt sich nicht einfach mit Pointen abhaken. Die Regie muss den Punkt finden, an dem wir hinter all dem Unfug die echte Traurigkeit der beiden Kinder spüren. Gelingt das, wird der Film funktionieren. Gelingt es nicht, bleibt ein lautes, buntes, aber schnell vergessenes Abenteuer.
Was richtig gut funktionieren könnte
- Animation als Medium. Die Zeichnungen von Dr. Seuss sind ohnehin schon cartoonhaft, mit schiefen Häusern, unmöglichen Maschinen und langgezogenen Figuren. Als Animationsfilm kann sich diese Welt endlich frei bewegen und muss sich nicht an die Physik der Realität halten.
- Was auf dem Spiel steht. Die Drohung, den Hut zu verlieren, ist simpel, für Kinder aber perfekt nachvollziehbar. Jeder weiß, wie es ist, etwas Wichtiges zu verlieren.
- Das Thema. Der Umzug in eine neue Stadt ist für sehr viele Familien eine vertraute Erfahrung. Geht der Film klug damit um, kann er nach dem Kino sogar ein Gespräch anstoßen.
- Die Lust am Chaos. Die Stärke des Katers war schon immer, dass er tut, was Kinder nicht dürfen. Etwas Befreienderes kann man kaum auf die Leinwand bringen.
Wo es schiefgehen könnte: Die Realfilm-Erinnerung und die Gefahr der Übererklärung
Es ist kein Geheimnis, dass der Kater schon einmal im Kino war: Die Realverfilmung von 2003 mit Mike Myers ist vielen eher als bizarre Kuriosität im Gedächtnis geblieben denn als Lieblingsfilm. Der neue Film startet also mit einem gewissen Beweisdruck, und ich finde es richtig, dass er es als Animationsfilm versucht, denn in dieser Form kann diese Welt wirklich atmen.
Das größte Risiko sehe ich trotzdem nicht in der Vergangenheit, sondern in einer wiederkehrenden Krankheit heutiger Familienanimation: dem Übererklären. Wenn der Film in jeder zweiten Szene die Botschaft ausspricht, wie wichtig Freundschaft, Zusammenhalt und Mut sind, geht genau der freche Funke verloren, für den wir den Kater lieben. Seuss hat nie offen gepredigt, er hat seine Botschaften in Reime und Absurditäten verpackt. Ich hoffe, die Macher vertrauen dem Publikum genug, um die Kinder selbst auf das Wesentliche kommen zu lassen.
Die zweite Gefahr ist Überfrachtung. Schon die Inhaltsangabe verspricht, dass der Kater Durcheinander und Tohuwabohu hinterlässt, und das ist großartig, aber auch Chaos braucht ein ordnendes Prinzip. Bekommen wir nur eine Aneinanderreihung von Gags, sind am Ende auch die Kleinen erschöpft.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für Familien mit kleinen Kindern, Fans von Dr. Seuss und alle, die laute, bunte Animationsfilme voller Wortspiele mögen. Besonders gut passen könnte er für Kinder, die selbst schon einen Umzug erlebt haben.
- Lieber auslassen, wenn: Wer leise, fein dosierte Animationsfilme bevorzugt, dem wird das hier wahrscheinlich zu laut und zu hektisch. Und wem die Realverfilmung von 2003 die Figur für immer verleidet hat, der dürfte schwer zu überzeugen sein.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Der Grinch (2018), Der Lorax (2012), Horton hört ein Hu! (2008), Paddington (2014)
Häufige Fragen
Wann kommt Der Kater mit Hut in die deutschen Kinos?
Der Kinostart in Deutschland ist am 10. Dezember 2026.
Worum geht es im Animationsfilm Der Kater mit Hut?
Der Kater mit Hut bekommt im Institut zur Institutionalisierung von Imagination und Inspiration den Auftrag, Gabby und Sebastian aufzuheitern, die in eine neue Stadt gezogen sind und bei denen alles schiefläuft. Scheitert er, verliert er seinen magischen Hut.
Wer führt Regie bei Der Kater mit Hut?
Regie führen Alessandro Carloni und Erica Rivinoja.
Welches Genre und welches Herkunftsland hat der Film?
Es ist ein US-amerikanischer Animationsfilm nach der Welt von Dr. Seuss.
Gab es schon einmal einen Film über den Kater mit Hut?
Ja, 2003 entstand eine Realverfilmung mit Mike Myers in der Hauptrolle. Der neue Film ist eine Animationsadaption.
Lohnt es sich im Dezember, vor dem Kater den Hut zu ziehen?
Ich glaube ja, zumindest stehen die Chancen gut. Die Idee, dass die chaotischste Figur der Welt als Behördenangestellter die Stimmung zweier trauriger Kinder retten soll, ist genau so absurd, wie eine gute Seuss-Geschichte sein muss. Animation ist die richtige Form, und das Umzugsthema kann dem Unfug ein echtes emotionales Fundament geben. Meine vorläufige Erwartung liegt bei einer starken Sieben, die leicht auf eine Acht klettern kann, wenn der Film sich traut, frech zu bleiben, und sich nicht an seinen Botschaften verschluckt. Für ein Dezemberwochenende mit Kakao und einer Tüte Popcorn dürfte es schwer werden, ein besseres Familienprogramm zu finden.
