Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben Kritik: Endlich Fantasy, die sich selbst nicht zu ernst nimmt
Endlich hat jemand verstanden, dass Fantasy witzig sein kann, ohne gleich zur Parodie zu verkommen. Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben unterhält wie ein gelungener Spieleabend mit Freunden am Samstag: chaotisch, laut, manchmal ein bisschen albern, aber man hat die ganze Zeit über Spaß. Chris Pine und seine Truppe liefern genau das, was man von so einem Film erwartet, und sogar ein Stück mehr.
Ein herzliches, pointenreiches Fantasyabenteuer, das beweist, dass die Verfilmung eines Rollenspiels nicht peinlich sein muss.
Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben: Trailer
Filmdaten
| Original | Dungeons & Dragons: Honor Among Thieves |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 30.3.2023 |
| Regie | John Francis Daley, Jonathan Goldstein |
| Besetzung | Chris Pine, Michelle Rodriguez, Justice Smith, Sophia Lillis, Hugh Grant, Regé-Jean Page |
| Genre | Abenteuerfilme, Fantasyfilme, Komödien |
| Laufzeit | 134 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Kanadische Filme, Amerikanische Filme |
Raubzug, Relikt und schlechte Entscheidungen: Worum geht es?
Die Ausgangslage ist klassisch, und das ist überhaupt kein Problem. Ein charmanter Dieb und seine Bande aus schrägen Abenteurern planen einen großen Coup, um ein verlorenes Relikt zu ergattern. Und wie es in solchen Geschichten eben läuft, geht die Sache gefährlich schief, weil sich die Gruppe mit den falschen Leuten anlegt. Mehr verrät die Grundhandlung nicht, und mehr möchte ich hier auch gar nicht verraten. Denn eine der größten Freuden von Ehre unter Dieben besteht genau darin, zuzusehen, wie der Plan ständig auseinanderfällt und unsere Helden improvisieren müssen.
Wer schon einmal an einem D&D-Tisch gesessen hat, erkennt diese Dynamik sofort: Die Spielleitung baut sorgfältig etwas auf, und die Spieler werfen es in Sekunden über den Haufen. Genau so ist der Film gebaut. Ein Heist-Film in Fantasykulissen, bei dem das Scheitern mindestens so sehr zum Spaß gehört wie der Erfolg. Auch der deutsche Titel trifft den Ton gut, denn eine eigene Ehre unter Dieben ist tatsächlich das, was diese Bande zusammenhält: Diebe, Gauner und zwielichtige Gestalten, die trotzdem das Herz am rechten Fleck haben.
Chris Pine, der Barde mit den langen Fingern, darf endlich locker sein
Chris Pine hat als Edgin fast schon unverschämt viel Spaß. Schon in den Star-Trek-Filmen hat er gezeigt, wie gut ihm der lässige, etwas großmäulige Held steht, und hier dreht er das voll auf: selbstironisch und zuweilen richtig tollpatschig. Er ist kein klassischer Retter, eher ein Anführer, der sich mit seinem Mundwerk durchschlägt, und genau das macht ihn so sympathisch.
An seiner Seite liefert Michelle Rodriguez als Holga, wofür wir sie lieben: hart und körperlich dominant, und seit der Fast-&-Furious-Reihe wissen wir, dass ihr auch Loyalität gut steht. Das Duo Edgin und Holga ist das Rückgrat des Films. Ihre Freundschaft sorgt für die Wärme, die dem Ganzen hinter all den Gags echten Halt gibt.
Justice Smith spielt als Simon den unsicheren Zauberer, der ständig an sich selbst zweifelt, und Sophia Lillis bringt als Doric frische Energie in die Gruppe. Viele kennen Lillis aus den Es-Filmen, und auch hier merkt man, welche Ausstrahlung sie hat. Chloe Coleman als Kira und Daisy Head als Sofina runden das Ensemble ab.
Hugh Grant und Regé-Jean Page: zwei entgegengesetzte Pole
Wenn einer die Show stiehlt, dann Hugh Grant. Als Forge erleben wir den Grant seiner späten Karrierephase, der sich genüsslich selbst auf die Schippe nimmt und den wir seit Paddington 2 so lieben. Aalglatt, feige, eitel, und in jeder Szene spürt man, wie sehr er die Rolle auskostet. So eine Figur könnte leicht zur Zeichentrickkarikatur werden, aber Grant weiß ganz genau, wie weit er gehen kann.
Regé-Jean Page ist als Xenk das komplette Gegenteil: der ernste, fast heiligenhaft auftretende Held, an dem sich der Humor des Films wunderbar reiben kann. Nach Bridgerton waren viele gespannt, was er in einem großen Hollywoodfilm anstellt, und es ist schön zu sehen, dass er keine Angst davor hat, seine Steifheit selbst zur Pointe zu machen. Der Kontrast zwischen den beiden zeigt, wie bewusst dieses Ensemble geschrieben ist.
Ein Regieduo, das Komödie versteht
John Francis Daley und Jonathan Goldstein kommen aus der Komödie, gemeinsam haben sie zum Beispiel Game Night gedreht, eine der angenehmen Überraschungen des Genres. Dieser Hintergrund macht enorm viel aus. Das Timing, der Rhythmus der Pointen, das Pingpong zwischen den Figuren: All das verrät, dass hier Leute auf dem Regiestuhl saßen, die wissen, wie man eine Szene auf den Lacher hin zuspitzt.
Wirklich überraschend ist aber, dass sie auch die Action ernst nehmen. Der Film versteckt sich nicht hinter dem Humor, wenn es ans Kämpfen, Fliehen oder Zaubern geht. Die Schauwerte sind ordentlich, die Welt ist bunt und abwechslungsreich, und man merkt, dass die Macher D&D lieben und es nicht bloß als Markennamen behandeln. Als Fantasyfan freut es mich besonders, dass genug Zeit und Aufmerksamkeit in den Weltenbau geflossen ist.
Wo gerät das Abenteuer ins Stolpern?
Die 134 Minuten Laufzeit spürt man dann doch. Stellenweise erinnert der Film an ein Abenteuermodul, in dem die Gruppe von einer Aufgabe zur nächsten hüpft, und dieser Nebenquest-Charakter bremst ab einem gewissen Punkt das Tempo. Ein paar Minuten hätte man getrost kürzen können.
Mein zweiter Kritikpunkt: Die Seite der Bösen bleibt weniger im Gedächtnis als die Helden. Der Film fühlt sich mit seiner eigenen Truppe so wohl, dass die Bedrohung manchmal in den Hintergrund rückt. Das ist kein fataler Fehler, aber wer große, epische Fallhöhe erwartet, könnte das Ganze etwas lauwarm finden. Das hier ist eher eine gut gelaunte Geschichte aus der Taverne als Der Herr der Ringe.
- Was funktioniert: die Chemie im Ensemble, Hugh Grant, das Timing des Humors, die farbenfrohe Welt.
- Was weniger funktioniert: die Länge, die stellenweise episodische Struktur, der blassere Gegenspieler.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die leichte, humorvolle Abenteuerfilme mögen, für Fantasyfans und D&D-Spieler sowie für Freundeskreise, die einen gut gelaunten Filmabend suchen.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die düstere, epische und bierernste Fantasy suchen oder die es stört, wenn ein Film dem Publikum ab und zu zuzwinkert.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Guardians of the Galaxy (2014), Game Night (2018), Jumanji: Willkommen im Dschungel (2017), Fluch der Karibik (2003), Willow (1988)
Häufige Fragen
Wann kam Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben in die deutschen Kinos?
Der Film startete am 30. März 2023 in den deutschen Kinos.
Wie lang ist Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben?
Der Film hat eine Laufzeit von 134 Minuten.
Worum geht es in Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben?
Ein charmanter Dieb und seine Bande schräger Abenteurer wollen ein verlorenes Relikt erbeuten, doch der Plan geht gefährlich schief, als sie sich mit den falschen Leuten anlegen.
Wer spielt in dem Film mit?
In den Hauptrollen sind Chris Pine (Edgin), Michelle Rodriguez (Holga), Justice Smith (Simon), Sophia Lillis (Doric), Hugh Grant (Forge) und Regé-Jean Page (Xenk) zu sehen.
Wer hat bei dem Film Regie geführt?
Regie führten John Francis Daley und Jonathan Goldstein.
Lohnt es sich, der Abenteurertruppe beizutreten?
Ja, und dafür muss man kein D&D-Veteran sein. Ehre unter Dieben ist diese seltene Fantasy, die nicht mehr sein will, als sie ist, und gerade deshalb besser ausfällt als erwartet. Chris Pines lässiger Charme, Michelle Rodriguez' Kraft und Hugh Grants unvergesslicher Hochstapler bilden eine Truppe, mit der man sich gern noch zu einer weiteren Runde an den Tisch setzen würde. Etwas zu lang, etwas vorhersehbar, aber mit so viel Herz und Humor, dass man das gern verzeiht. Popcorn raus, Würfel hoch: Diese Runde ist ein starker Wurf, knapp an der natürlichen Zwanzig.
