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Kritik · Kinostart: 19.2.2026

Dust Bunny Kritik: Bryan Fullers märchenhafter Albtraum, in dem der Auftragskiller der beste Babysitter ist

Amerikanische FilmeFilmdramenHorrorfilmeMonsterfilme

Irgendwann kommt der Moment, in dem ein zehnjähriges Kind begreift, dass die Erwachsenen es nicht vor den Monstern beschützen können. Und dann klingelt es eben beim Auftragskiller von nebenan. Dust Bunny erzählt genau von diesem Moment, und Bryan Fuller wirbelt darin Horror und Drama so selbstverständlich durcheinander, als hätte er jahrelang auf diesen Film gewartet. Fehlerfrei ist das nicht, aber so eigenwillig, dass man selbst die Schwächen gern mitnimmt.

7,8/10
Wertung
Ein schönes, grausames und seltsam warmherziges Monstermärchen, das durch die Augen eines kleinen Mädchens zeigt, dass die echten Ungeheuer manchmal Anzug tragen.
Story
7
Schauspiel
9
Regie
8
Optik
8
Musik und Ton
7
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Dust Bunny: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland19.2.2026
RegieBryan Fuller
BesetzungMads Mikkelsen, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Sheila Atim, Trokán Nóra, Rebecca Henderson
GenreFilmdramen, Horrorfilme
Laufzeit106 Min.
FSK16
LandAmerikanische Filme

Ein Mädchen, ein Monster und ein sehr schlechter Nachbar

Die Ausgangslage klingt zunächst, als hätte jemand ein Kindermärchen und einen Killerthriller in denselben Cocktailshaker geworfen. Neben der zehnjährigen Aurora wohnt ein geheimnisvoller Mann, der Monster tötet. Genauer gesagt: ein Auftragskiller, der auf seine Weise tatsächlich mit Ungeheuern aufräumt. Und Aurora, deren Familie von einem Monster gefressen wurde, denkt so logisch, wie es nur Kinder können: Wenn dieser Mann Monster tötet, dann muss man eben ihn fragen.

Der Mann sieht in dem Auftrag allerdings etwas ganz anderes. Er vermutet, dass Auroras Eltern von genau den Killern umgebracht wurden, die eigentlich ihn erledigen sollten. Die Tragödie des Mädchens geht also auch auf sein Konto, und aus schlechtem Gewissen nimmt er den Job an. Ab da läuft der Film auf zwei Ebenen gleichzeitig: hier der blutige, sehr handfeste Rachefeldzug der Erwachsenenwelt, dort das Monstermärchen im Kopf eines Kindes. Um Aurora zu schützen, muss er es mit einer ganzen Armee von Attentätern aufnehmen und dabei erkennen, dass manche Monster eben doch real sind.

Mehr verrate ich nicht, und ehrlich gesagt ist das auch gar nicht nötig. Die Stärke von Dust Bunny liegt nicht in den Wendungen, sondern darin, wie der Film diese beiden Wirklichkeiten ineinanderschiebt.

Bryan Fuller ist zurück und hat das Skalpell mitgebracht

Wer die Serie Hannibal gesehen hat, weiß genau, wozu Bryan Fuller fähig ist: Er serviert das Grauen mit einer solchen Ästhetik, dass man gleichzeitig wegschauen und näher heranrücken möchte. Mit den märchenhaften Farben von Pushing Daisies und der mythologischen Fantasie von American Gods hat Fuller außerdem bewiesen, dass er sich dort zu Hause fühlt, wo die Grenzen der Wirklichkeit verschwimmen. Dust Bunny wirkt, als hätte er diese drei Welten zu einem einzigen Film geknetet.

Sein größtes Verdienst: Der Horror ist hier kein Selbstzweck. Das Monster ist die greifbar gewordene Gestalt von Trauer, Angst und Ohnmacht, aber Fuller verliert sich nicht in den bis zum Überdruss bekannten Indie-Horror-Klischees nach dem Muster „Trauma als Metapher“. Durchgehend bleibt eine verspielte, fast boshaft humorvolle Note erhalten, die verhindert, dass die 106 Minuten schwer auf dem Publikum lasten.

Man merkt allerdings, dass Fuller vom Fernsehen kommt: Gern verweilt er bei einer Stimmung, einem Bild, einem merkwürdigen Augenblick, und das wird nicht jedem gefallen. Mich hat es nicht gestört, im Gegenteil, das waren meine liebsten Minuten.

Mikkelsen, Weaver und eine Besetzung zum Staunen

Allein die erneute Zusammenarbeit von Mads Mikkelsen und Bryan Fuller wäre schon Grund genug für ein Kinoticket gewesen. Nach Hannibal ist man zwangsläufig gespannt, was Fuller diesmal aus ihm herausholt, und Mikkelsen enttäuscht auch hier nicht. Er gehört zu den Schauspielern, deren Schweigen mehr erzählt als die Monologe anderer. Mit wenigen Gesten und beinahe eisiger Ruhe erzeugt er eine Präsenz, neben der alles andere im Bild verblasst.

Sigourney Weaver ist für Horrorfans ohnehin ein Leckerbissen. Spätestens seit Ripley in Alien wissen wir, dass kaum jemand monsterverseuchte Welten mit so viel Würde trägt, und auch hier merkt man, dass sie genau versteht, in welchem Film sie spielt. Dazu kommen David Dastmalchian, eines der verlässlichsten schrägen Gesichter im Charakterfach, Sheila Atim und Rebecca Henderson, die das Erwachsenenensemble abrunden.

Auch die ungarische Schauspielerin Nóra Trokán gehört zum Ensemble und geht neben den großen Namen keineswegs unter. Bei den Kinderrollen steht Sophie Sloan auf der Liste, und wenn sich eine junge Darstellerin zwischen solchen Veteranen behauptet, will das etwas heißen.

Was wirklich funktioniert: der Tanz zwischen Märchen und Gemetzel

Die größte Stärke des Films ist sein Ton. Dust Bunny schafft es, gleichzeitig Kindermärchen und blutiger Rachefilm zu sein, ohne dass das eine das andere erdrückt. Das ist viel schwieriger, als es klingt: Unzählige Filme sind schon daran gescheitert, dass sie sich nicht entscheiden konnten, was sie sein wollen.

Und natürlich schwebt über allem die Frage: Wer ist hier eigentlich das wahre Monster? Fuller beantwortet sie nicht belehrend, sondern lässt das Publikum selbst die Teile zusammensetzen.

Wo der Schritt ins Stolpern gerät

Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich behaupten würde, dass alles sitzt. Der Killer-Handlungsstrang bewegt sich stellenweise auf allzu vertrauten Bahnen: Der einsame Profi, der wegen eines Kindes aus seinem Schneckenhaus kriechen muss, ist eine bewährte, aber oft gesehene Konstellation. Wer sich im Genre auskennt, wird an einigen Stellen ahnen, wohin die Reise geht.

Das zweite Risiko ist der Stil. Fullers Hang zur Ästhetisierung ist hinreißend, aber wer geradlinige, temporeiche Action oder klassischen Jumpscare-Horror erwartet, wird zwischendurch ungeduldig auf dem Sitz herumrutschen. Das ist kein Film, der einem alle zehn Minuten etwas ins Gesicht springen lässt. Er kriecht einem eher langsam unter die Haut und bleibt dort.

Und schließlich: Man sollte sich vom Look nicht täuschen lassen. Die Mischung aus Drama und Horror, die Attentäter und die Vorstellung eines Monsters, das eine Familie verschlingt, sind ernster, dunkler Stoff. Auch wenn ein zehnjähriges Mädchen die Hauptrolle spielt, ist das kein Märchen für Kinder.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Léon, Der Profi (1994), Pans Labyrinth (2006), Sieben Minuten nach Mitternacht (2016), Der Babadook (2014), Logan, The Wolverine (2017)

Häufige Fragen

Wann ist Dust Bunny in Deutschland gestartet?

Dust Bunny ist am 19. Februar 2026 in den deutschen Kinos gestartet.

Worum geht es in Dust Bunny?

Die zehnjährige Aurora bittet den Auftragskiller von nebenan, das Monster zu töten, das ihre Familie gefressen hat. Er vermutet, dass Auroras Eltern von Killern ermordet wurden, die eigentlich hinter ihm her waren. Aus schlechtem Gewissen nimmt er den Auftrag an und muss sich einer ganzen Reihe von Attentätern stellen.

Wie lang ist Dust Bunny?

Der Film hat eine Laufzeit von 106 Minuten.

Ist Dust Bunny für Kinder geeignet?

Nein. Auch wenn ein zehnjähriges Mädchen eine der Hauptfiguren ist, behandelt der Film düsteren, gewalthaltigen Stoff und richtet sich klar an ein erwachsenes Publikum.

Wer hat Dust Bunny gedreht und wer spielt mit?

Regie führte Bryan Fuller. Zur Besetzung gehören Mads Mikkelsen, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Sheila Atim, Nóra Trokán, Rebecca Henderson und Sophie Sloan.

Welches Genre hat Dust Bunny?

Ein amerikanisches Drama mit Horrorelementen, das auch Motive des Killerthrillers aufgreift.

Würdest du den monstertötenden Nachbarn ins Kinderzimmer lassen?

Ich habe ihn hereingelassen und es nicht bereut. Dust Bunny ist kein perfekter Film: Die Killer-Grundgeschichte hält keine großen Überraschungen bereit, und Fullers Stil wird nicht jedem liegen. Aber selten hat ein Horrorfilm so viel Charakter, traut sich so sehr, in der Grausamkeit schön zu sein, und hinterlässt am Ende nicht den Schrecken, sondern eine seltsame, bittersüße Wärme.

Mikkelsen und Fuller wieder vereint, Sigourney Weaver im Hintergrund und ein kleines Mädchen, das genau weiß, an wen man sich wenden muss, wenn das Monster schon an die Tür klopft. Wer dunkle Märchen mag, findet hier seinen Film. Und wer nicht, sollte es trotzdem wagen, denn vielleicht ist es genau dieser, der einen überzeugt.

Wertung: 7,8/10 · Story 7 · Schauspiel 9 · Regie 8 · Optik 8 · Musik und Ton 7 · Emotionen 8