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Kritik · Kinostart: 22.6.2023

Elemental Kritik: Feuer und Wasser verlieben sich, und Pixar findet sein warmes Herz wieder

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Feuer und Wasser bei einem Date: Das klingt erst einmal wie der Anfang eines schlechten Witzes, und am Ende sucht man trotzdem nach einem Taschentuch. In Elemental entwirft Regisseur Peter Sohn eine Stadt, in der die Elemente zusammenleben und in der eine leicht entflammbare junge Frau und ein gutmütiger Kerl merken, dass sie viel mehr verbindet, als sie dachten. Nicht der originellste Pixar-Film, aber einer mit dem wärmsten Herzen.

8,2/10
Wertung
Eine wunderschöne, gefühlvolle und etwas vorhersehbare Animationsromanze, die mit ihren Bildern und ihrem Herzen die vertrauten Drehbuchwendungen mehr als wettmacht.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
8
Optik
10
Musik und Ton
8
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Elemental: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland22.6.2023
RegiePeter Sohn
BesetzungLeah Lewis, Mamoudou Athie, Ronnie del Carmen, Shila Ommi, Wendi McLendon-Covey, Catherine O'Hara
GenreAnimationsfilme, Komödien, Familienfilme, Romantische Filme
Laufzeit102 Min.
FSK0
LandAmerikanische Filme

Worum geht es in Elemental, ganz ohne Spoiler?

Die Grundidee ist simpel, und genau das macht sie so sympathisch. Es gibt eine Stadt, in der Bewohner aus Feuer, Wasser, Erde und Luft nebeneinander leben. Nicht unbedingt miteinander, eher nebeneinander, und dieser Unterschied ist eine der wichtigsten Ebenen des Films. In dieser Welt begegnen sich die feurige junge Ember und der herzensgute Wade, und der Film erzählt davon, wie die beiden entdecken, wie viel sie gemeinsam haben.

Mehr muss man vorher gar nicht wissen. Elemental schaut man nicht wegen überraschender Twists, sondern wegen der Stimmung, der Figuren und der sehr bodenständigen Gefühle. Der Film greift auf das klassische Rezept der romantischen Komödie zurück, zwei völlig gegensätzliche Menschen, nimmt es aber wörtlich: Hier brennt die eine tatsächlich, und der andere plätschert.

Wenn die Metapher wirklich brennt

Pixar ist seit Langem ein Meister darin, abstrakte Ideen in greifbare Welten zu verwandeln. Alles steht Kopf machte unsere Gefühle zu Figuren, Soul den Weg der Seele. Elemental übersetzt nun Verschiedenheit und Zusammenleben in Bilder, und diese Übersetzung funktioniert erstaunlich gut. Wer aus Feuer besteht, bewegt sich nicht so leicht durch eine Stadt voller Wasser. Wer aus Wasser besteht, fühlt anders, reagiert anders, weint anders.

Die stärksten Momente sind genau jene, in denen diese physischen Eigenschaften eine emotionale Bedeutung bekommen. Wie nah sich zwei Menschen kommen können, ist hier nicht nur eine seelische, sondern eine ganz wörtliche Frage. Dadurch gewinnt die Liebesgeschichte eine Spannung, die eine gewöhnliche RomCom selten erzeugt. Für mich ist das die beste Idee des Films, und zum Glück lässt der Regisseur sie nicht los.

Gleichzeitig spricht die Metapher manchmal etwas zu laut. An einigen Stellen spürt man, wie dringend der Film will, dass wir seine Botschaft verstehen, und er unterstreicht sie gleich doppelt. Erwachsene nicken dann und denken: Schon gut, verstanden. Die Kinder warten da längst auf den nächsten Gag.

Stimmen, die Flamme und Welle zum Leben erwecken

In der englischen Originalfassung spricht Leah Lewis Ember, und sie klingt genau so, wie sie klingen muss: aufbrausend, schnell beleidigt, aber darunter spürbar weich. Mamoudou Athie ist als Wade das perfekte Gegenstück, ruhig, sensibel und schnell gerührt, eine Figur, deren Freundlichkeit man einfach mögen muss. Die Chemie zwischen den beiden ist der Motor des Films, und er läuft rund.

Unter den Nebenfiguren finden sich Ronnie del Carmen (Bernie), Shila Ommi (Cinder), Wendi McLendon-Covey (Gale) und die stets großartige Catherine O'Hara (Brook), die viele als Mutter aus Kevin: Allein zu Haus oder als unvergessliche Moira aus Schitt's Creek kennen. Daneben bekommen auch Mason Wertheimer (Clod) und Ronobir Lahiri (Harold) ihren Raum. Die Stärke des Ensembles: Niemand will den anderen die Show stehlen, alle dienen der Geschichte.

Peter Sohn und Bilder, die man im Kino hätte sehen müssen

Peter Sohn hat schon mit Arlo & Spot gezeigt, dass er große, gefühlvolle und ein wenig klassische Geschichten liebt. Elemental ist eine deutlich selbstbewusstere Arbeit. Das Tempo ist angenehm, die 102 Minuten sind weitgehend gut verteilt, auch wenn das mittlere Drittel etwas durchhängt, weil sich der Film dort mehr um den Weltenbau kümmert als um seine Figuren.

Über die Optik lässt sich dagegen kaum ohne Übertreibung sprechen. Wie Feuer und Wasser animiert sind, ist schlicht atemberaubend. In jedem Bild glitzert, lodert, wogt oder bricht sich irgendwo das Licht. Die Stadt steckt voller kleiner visueller Einfälle, die man beim ersten Sehen unmöglich alle entdeckt. Wer sich für Pixars technische Entwicklung interessiert, erlebt hier einen Höhepunkt. Für die Bilder gebe ich glatte zehn Punkte, und das fühlt sich nicht übertrieben an.

Wo brennt der Film aus?

Nur zu loben wäre nicht ehrlich. Die größte Schwäche von Elemental ist die Vorhersehbarkeit der Geschichte. Wer ein paar romantische Komödien gesehen hat, ahnt ziemlich genau, welche Stationen die Beziehung durchlaufen wird. Der Film versucht auch gar nicht groß zu überraschen, er will eher durch seine Umsetzung herausragen. Das gelingt zum Teil, doch das Gefühl "Das habe ich nicht kommen sehen", das man von Pixars größten Klassikern kennt, fehlt hier.

Auch der Humor ist durchwachsen. Es gibt clevere Pointen, die direkt aus der Welt entstehen und wirklich ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, aber einige Witze zielen eher auf die Kleinen und rauschen an Erwachsenen ein wenig vorbei. Peinlich wird der Film trotzdem nie, er spielt nur manchmal auf Sicherheit.

Wessen Herz wird Elemental entflammen?

Der Film funktioniert auf mehreren Ebenen: Die Kleineren staunen über Farben und Figuren, Ältere und Erwachsene finden Halt in der Liebesgeschichte und in den Fragen rund um Familie und Gemeinschaft. Es ist einer jener Familienfilme, bei denen Eltern nicht aufs Handy schauen, weil er auch zu ihnen spricht.

Auch für Paare ist er eine überraschend gute Wahl für einen gemeinsamen Abend. Selten ist ein Animationsfilm so offen romantisch, und Elemental nimmt diesen Genrestrang ernst. Wer den Weltenbau von Zoomania und die emotionale Wucht von Coco mochte, wird sich hier sofort zu Hause fühlen.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Alles steht Kopf (2015), Zoomania (2016), Coco (2017), Soul (2020), Luca (2021)

Häufige Fragen

Wann ist Elemental in Deutschland gestartet?

Elemental lief am 22. Juni 2023 in den deutschen Kinos an.

Worum geht es in Elemental?

In einer Stadt, in der Bewohner aus Feuer, Wasser, Erde und Luft zusammenleben, entdecken eine feurige junge Frau und ein gutmütiger Kerl, wie viel sie gemeinsam haben.

Wie lang ist Elemental?

Der Film dauert 102 Minuten.

Wer hat Elemental inszeniert?

Regie führte Peter Sohn.

Wie lautet der Originaltitel und wer spricht die Hauptrollen im Original?

Der Originaltitel lautet ebenfalls Elemental. In der englischen Fassung sprechen Leah Lewis (Ember) und Mamoudou Athie (Wade) die Hauptrollen, dazu sind unter anderem Catherine O'Hara, Wendi McLendon-Covey, Ronnie del Carmen und Shila Ommi zu hören.

Lohnt es sich, für einen Elemental-Abend ein Feuer zu entfachen?

Ja, das lohnt sich. Elemental stellt Pixars Gesamtwerk nicht auf den Kopf und wird kein Klassiker, der ganze Generationen prägt, aber es ist ein Film, der Wärme hinterlässt. Die Bilder sind schlicht überwältigend, die Beziehung der Hauptfiguren ist aufrichtig, und die Metapher aus der Begegnung von Feuer und Wasser sitzt wirklich. Wer sich nach einer langen Woche nach etwas Schönem, Liebevollem und ein bisschen Tränenreichem sehnt, sollte das Licht ausschalten und Embers Flamme leuchten lassen. Von mir gibt es eine starke Acht, mit einem kleinen Bonuspunkt fürs Herz.

Wertung: 8,2/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 8 · Optik 10 · Musik und Ton 8 · Emotionen 8