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Kritik · Kinostart: 2.9.2003

Fluch der Karibik Kritik: der Piratenfilm, den keiner wollte und alle lieben

Amerikanische FilmeAbenteuerfilmeFantasyfilmeActionfilme

Ein Film nach einer Freizeitpark-Attraktion? Darüber haben damals viele nur müde gelächelt. Dann trat er die Tür ein und prägte den Abenteuergeschmack einer ganzen Generation. Fluch der Karibik ist kein Klassiker, weil er alt ist, sondern weil er heute noch genauso gut funktioniert. Und Captain Jack Sparrow gehört bis heute zu den unterhaltsamsten Figuren, die je auf der Leinwand ein Schiff betreten haben.

8,8/10
Wertung
Einer der Höhepunkte des modernen Abenteuerkinos: witzig, bildgewaltig, etwas zu lang, aber in jeder Minute voller Magie.
Story
8
Schauspiel
9
Regie
9
Optik
9
Musik und Ton
10
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Fluch der Karibik: Trailer

Filmdaten

OriginalPirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl
Kinostart in Deutschland2.9.2003
RegieGore Verbinski
BesetzungJohnny Depp, Geoffrey Rush, Orlando Bloom, Keira Knightley, Jack Davenport, Jonathan Pryce
GenreAbenteuerfilme, Fantasyfilme, Actionfilme
Laufzeit143 Min.
FSK12
LandAmerikanische Filme

Piraten, eine Gouverneurstochter und ein Fluch: Worum geht es?

Wir befinden uns im 17. Jahrhundert. Die Karibik gehört den Piraten, und selbst die britische Royal Navy hat Respekt vor ihnen. Elizabeth Swann, die Tochter des Gouverneurs, wird vom gefürchteten Captain Barbossa entführt. Ihr Jugendfreund und heimlicher Verehrer Will Turner macht sich auf, sie zu retten, und muss sich dafür widerwillig mit einem Piraten verbünden. Dieser Pirat ist Jack Sparrow, und er weiß, welches Geheimnis Barbossa und seine Mannschaft hüten.

Das Ziel klingt simpel, die Umsetzung umso weniger: die Black Pearl zurückholen, das Mädchen befreien und, wenn man schon mal dabei ist, den wertvollsten Schatz der Welt einsacken. Mehr verrate ich nicht. Denn zu den größten Freuden des Films gehört, wie nach und nach ans Licht kommt, was es mit diesem Fluch auf sich hat und warum die Verfluchten so schwer zu besiegen sind.

Auf dem Papier ist das klassisches Abenteuerkino, aber das Drehbuch dreht das Bekannte ständig ein Stück weiter. Niemand ist ganz der, für den man ihn hält, Bündnisse wechseln im Minutentakt, und fast jede zweite Szene hat eine Pointe, die nicht dem Publikum zuzwinkert, sondern aus den Figuren selbst entsteht. Deshalb wird der Film nie müde.

Jack Sparrow, das betrunkene Phänomen

Kann man über diesen Film reden, ohne mit Johnny Depp anzufangen? Kann man, lohnt sich aber nicht. Depps Jack Sparrow ist eine schwankende, klimpernde, völlig unberechenbare Erscheinung, die sich bewegt, als stünde sie permanent auf einem schaukelnden Deck, auch an Land. Hinter jedem Satz lauert die Frage: Lügt er gerade, blufft er, oder ist er tatsächlich ein Genie?

Die Stärke der Rolle liegt darin, dass Depp sie nie ganz zum Clown verkommen lässt. Jack ist komisch, aber eben auch gefährlich, und genau diese Doppelnatur macht ihn so spannend. Man weiß nie, auf wessen Seite er steht, und diese Unsicherheit treibt den Film voran. Nach Depps Arbeiten mit Tim Burton überraschte es niemanden, dass er wieder einen Exzentriker spielt. Dass er sich mitten in einem Blockbuster so viele Freiheiten nehmen durfte, hatten dagegen die wenigsten erwartet.

Barbossa und Co.: Ein guter Piratenfilm braucht einen guten Schurken

Geoffrey Rushs Barbossa ist die Geheimwaffe des Films. Rush kostet jede Zeile aus, genießt jedes einzelne Wort und erschafft einen Bösewicht, vor dem man sich fürchtet und an dem man trotzdem seinen Spaß hat. Einer dieser Antagonisten, bei denen man insgeheim hofft, dass er noch ein bisschen im Bild bleibt.

Orlando Bloom gibt als Will Turner den ehrlichen, geradlinigen Helden. Neben Depp hat er zwangsläufig das Nachsehen, doch die Figur wird gebraucht: Sie ist der moralische Kompass des Films. Keira Knightleys Elizabeth wiederum ist alles andere als das hilflose Fräulein, das man nach der Inhaltsangabe erwarten würde. Sie hat Feuer, und zum Glück lässt der Film sie mehr sein als nur jemanden, der gerettet werden muss.

Gore Verbinski weiß, wie man ein Schiff auf die Leinwand bringt

Es ist vor allem Gore Verbinskis Regie, die den Film bis heute aus der Masse hervorhebt. Die Actionszenen sind übersichtlich und rhythmisch, die Choreografie der Degenduelle ist verspielt, und die Kamera weiß immer, wo sie sein muss. Kein hektisches Schnittgewitter, wie es später die Hälfte aller Actionfilme unübersichtlich gemacht hat.

Optisch ist das über 143 Minuten ein Fest: sonnige karibische Buchten, neblige Nächte, morsche Häfen und natürlich die Black Pearl selbst, die mit ihren schwarzen Segeln mindestens so sehr Hauptfigur ist wie jeder aus dem Ensemble. Die Effekte in den Mondlichtszenen sind so elegant gelöst, dass sie nach zwanzig Jahren besser aussehen als so manche verkrampfte Digitalschlacht von heute.

Die Musik verdient eigentlich ein eigenes Kapitel. Das Hauptthema ist eine dieser Melodien, die man einmal hört und nie wieder loswird. Laut, schwungvoll und perfekt auf den Ton des Films abgestimmt.

Wo das Deck ins Wanken gerät

Den perfekten Film gibt es natürlich nicht. Die 143 Minuten Laufzeit spürt man, vor allem im Mittelteil, wenn die Handlung ein paar Umwege nimmt und manche Szene länger dauert als nötig. Einem Abenteuerfilm tut es nicht gut, wenn man zwischendurch auf die Uhr schaut, und das passiert hier gelegentlich.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Will und Elizabeth wirkt eher wie ein Pflichtprogramm als wie ein echter emotionaler Antrieb. Sie ist nett und funktioniert, bleibt aber im Vergleich zu der Energie, die in den Szenen zwischen Jack und Barbossa sprüht, ziemlich lauwarm. Das liegt nicht an den Darstellern. Klassische Romantik hat es eben schwer gegen ein so schillerndes Piratenduo.

Für kleinere Kinder ist der Film eher nichts: Die Natur des Fluchs und einige Kämpfe können durchaus erschrecken, auch wenn es nie wirklich brutal wird.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Jäger des verlorenen Schatzes (1981), Die Mumie (1999), Master and Commander: The Far Side of the World (2003), Die Braut des Prinzen (1987), Die Schatzinsel (1950)

Häufige Fragen

Wann kam Fluch der Karibik in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 2. September 2003 in Deutschland.

Wie lang ist Fluch der Karibik?

Der Film hat eine Laufzeit von 143 Minuten.

Wer hat den ersten Teil von Fluch der Karibik inszeniert?

Regie führte Gore Verbinski.

Wer spielt Jack Sparrow und Barbossa?

Captain Jack Sparrow wird von Johnny Depp gespielt, Captain Barbossa von Geoffrey Rush.

Worum geht es in Fluch der Karibik?

Captain Barbossa entführt Elizabeth Swann, die Tochter des Gouverneurs. Ihr Jugendfreund Will Turner versucht, sie mit Hilfe des Piraten Jack Sparrow zu befreien, und dabei stehen auch die Black Pearl und ein gewaltiger Schatz auf dem Spiel.

Lohnt es sich, noch einmal mit der Black Pearl in See zu stechen?

Ja, und zwar nicht nur einmal. Fluch der Karibik ist einer dieser seltenen Blockbuster, die nicht gealtert sind: Der Humor sitzt, die Bilder beeindrucken, die Musik sorgt für Gänsehaut, und Jack Sparrow ist heute noch so unberechenbar unterhaltsam wie beim ersten Mal. Etwas lang, die Romantik etwas lauwarm, aber das verzeiht man einem Film, der so viel Freude macht, gern. Wer ihn noch nicht kennt, sollte das nachholen. Wer ihn kennt, schaut ihn noch einmal und achtet auf Geoffrey Rush, denn vielleicht stiehlt diesmal er allen die Show.

Wertung: 8,8/10 · Story 8 · Schauspiel 9 · Regie 9 · Optik 9 · Musik und Ton 10 · Emotionen 8