Forgotten Island Vorab-Kritik: Freundschaft, philippinische Mythen und ein gefürchtetes Monster im neuen DreamWorks-Abenteuer
Manche Abschiede tun mehr weh als jedes Monster, und genau darauf baut DreamWorks jetzt eine ganze Insel. Forgotten Island schickt zwei beste Freundinnen in eine Welt voller philippinischer Mythologie, in der der Weg nach Hause ausgerechnet ihre gemeinsame Vergangenheit kostet. In dieser Vorab-Kritik geht es darum, warum ich mich so sehr auf den Film freue und wo er trotzdem straucheln könnte.
Auf dem Papier eines der berührendsten Animationsabenteuer dieses Herbstes, vorausgesetzt, die Regisseure nehmen ihre eigene Grundidee ernst.
Forgotten Island: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 8.10.2026 |
|---|---|
| Regie | Joel Crawford, Januel Mercado |
| Genre | Animierte Abenteuerfilme |
| FSK | 6 |
| Land | Amerikanische Filme |
Der letzte gemeinsame Abend, der anders endet als geplant
Jo und Raissa sind seit der Grundschule unzertrennlich, doch das Leben zieht sie jetzt in zwei verschiedene Richtungen. Kommt einem bekannt vor, oder? Jeder hatte mindestens einen Freund oder eine Freundin, bei dem man dachte, man bleibt für immer ein Team. Dann kamen der Umzug, das Studium, der Job, und irgendwann waren nur noch die alten Fotos übrig.
Genau an diesem Punkt setzt der Film an: Die beiden feiern ihren letzten gemeinsamen Abend, als ein geheimnisvolles Portal sie auf die Insel Nakali katapultiert. Dort leben magische und mythische Wesen, von denen sie als Kinder in ihren philippinischen Familien gehört haben. Manche davon werden zu Freunden, andere zu Feinden.
Und dann kommt die Wendung, die mich sofort gepackt hat: Der Preis für die Heimkehr sind sämtliche Erinnerungen an ihre Freundschaft. Rauskommen ist also möglich, nur eben so, dass sie einander vergessen. Eine treffendere Metapher für das leise Auseinanderdriften beim Erwachsenwerden könnte ich mir kaum ausdenken.
Manananggal und Co.: endlich eine Mythologie, die noch nicht totgekaut ist
Ganz ehrlich, von griechischen Göttern und nordischen Drachen habe ich genug. Animationsstudios greifen seit Jahrzehnten in dieselben paar Mythenkisten, umso schöner, dass Forgotten Island sich an der philippinischen Folklore bedient.
Der Oberbösewicht ist die Gefürchtete Manananggal, das schrecklichste Wesen der Insel. Wer diese Gestalt aus dem philippinischen Volksglauben kennt, weiß, dass sie kein knuffiges Plüschtier ist, und alles deutet darauf hin, dass der Film ihr nicht komplett die Zähne ziehen wird. Ich bin sehr gespannt, wie gruselig sie sich trauen. DreamWorks kann in guter Form auch dunklere Töne treffen, und wenn das hier gelingt, könnte die Manananggal einer der denkwürdigsten Animationsschurken des Jahres werden.
Bei den Nebenfiguren sind ein gutmütiger, aber tollpatschiger Bluthund und eine kleine, aber schlagkräftige Truppe von Gefährten dabei. Das ist das klassische DreamWorks-Rezept: Es braucht Humor, ein Maskottchen und Figuren, die zu Weihnachten als Plüschtier unterm Baum liegen. Mich stört das nicht, solange sie die Geschichte der beiden Mädchen nicht erdrücken.
Joel Crawford und Januel Mercado: Die Insel ist in guten Händen
Allein der Name Joel Crawford beruhigt. Er hat Die Croods: Alles auf Anfang inszeniert und, noch wichtiger, Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch, für mich einer der besten DreamWorks-Filme des letzten Jahrzehnts. Der hat bewiesen, dass ein Animationsfilm für Kinder über Todesangst sprechen kann und dabei trotzdem unterhaltsam und spektakulär bleibt. Wenn dieser Mut hier ebenfalls durchschlägt, haben wir gewonnen.
Co-Regisseur ist Januel Mercado, der ebenfalls aus dem Team vom Gestiefelten Kater kommt. Das Duo ist also kein Experiment, sondern eine eingespielte, aufeinander abgestimmte Kreativwerkstatt. Für die Glaubwürdigkeit einer Geschichte mit philippinischen Wurzeln dürfte zudem besonders viel davon abhängen, wer im Team was mitbringt.
Nach dem gemäldeartigen, rauen Look von Der letzte Wunsch interessiert mich vor allem, welche Bildsprache sie für Nakali wählen. Eine tropische Welt voller Fabelwesen schreit förmlich nach kräftigen Farben und experimentelleren visuellen Ideen.
Was ihn wirklich groß machen könnte
Der Kernkonflikt ist genial einfach, und genau das ist seine größte Stärke. Auf dem Spiel steht nicht die Rettung der Welt, sondern eine Freundschaft. Das ist viel persönlicher und tut viel mehr weh. Die besten Animationsfilme, man denke an Alles steht Kopf oder Coco, haben immer auf so einem schlichten und doch tief gehenden emotionalen Kern aufgebaut.
- Der Preis der Erinnerungen: Die Angst, einander gegen die Zeit zu vergessen, ist ein starker dramatischer Motor, der für ständige Spannung sorgen kann.
- Kulturelle Frische: Die philippinische Mythologie kann neue Wesen, eine neue Märchenlogik und eine neue Optik mitbringen.
- Die Freundschaft zweier Heldinnen: keine Romanze, kein Prinzessinnenstoff, sondern die Beziehung zweier Mädchen. Das ist seltener, als man denkt.
- Die Vorgeschichte des Regieduos: Nach dem Gestiefelten Kater sind die Erwartungen zu Recht hoch.
Wo es schiefgehen könnte
Es wäre unehrlich, nur zu jubeln. Die größte Versuchung für DreamWorks ist immer, mit zu vielen Gags und zu vielen niedlichen Nebenfiguren jede Stille zuzuquatschen. Ein Bluthund plus eine ganze Gefährtentruppe können den Blick schnell von dem ablenken, worum es eigentlich geht: der Beziehung zwischen Jo und Raissa.
Das zweite Risiko ist der Ton. Es wird wohl gruseligere Momente geben, aber wenn der Film zu viel Angst vor seiner eigenen Dunkelheit bekommt, wird die Manananggal nur ein weiteres lautes, flackerndes Monster. Wird er dagegen zu finster, bleibt das jüngere Publikum auf der Strecke. Diese Balance zu treffen ist alles andere als leicht.
Bleibt die Frage nach dem Ende. Bei so einer Prämisse flüchtet man sich leicht in eine allzu bequeme Lösung, die alle beruhigt. Was der Film daraus macht, erfahren wir erst nach dem Start, aber ich wünsche mir, dass er echtes Risiko eingeht.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die herzergreifende Animationsabenteuer und weniger bekannte Mythologien lieben und die schon einmal eine Freundschaft hatten, die sie unbedingt behalten wollten. Für Fans von Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch ein Pflichttermin.
- Lieber auslassen, wenn: Für kleinere Kinder, denen ein furchteinflößendes mythisches Monster Angst machen könnte. Und auch nicht für alle, die im Animationsfilm nur leichten, unbeschwerten Klamauk suchen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch (2022), Chihiros Reise ins Zauberland (2001), Alles steht Kopf (2015), Coco (2017), Vaiana (2016)
Häufige Fragen
Wann startet Forgotten Island in den deutschen Kinos?
Forgotten Island läuft am 8. Oktober 2026 in den deutschen Kinos an.
Worum geht es in Forgotten Island?
Jo und Raissa, zwei beste Freundinnen, landen an ihrem letzten gemeinsamen Abend durch ein geheimnisvolles Portal auf der Insel Nakali, die voller Wesen aus der philippinischen Mythologie ist. Sie müssen sich der Gefürchteten Manananggal stellen und erkennen, dass der Preis für die Heimkehr sämtliche Erinnerungen an ihre Freundschaft sind.
Wer hat bei Forgotten Island Regie geführt?
Regie führten Joel Crawford und Januel Mercado, produziert wurde der Film von DreamWorks Animation.
Welches Genre ist Forgotten Island?
Ein US-amerikanischer animierter Abenteuerfilm, der Wesen und Legenden aus der philippinischen Mythologie aufgreift.
Lohnt es sich, die Tage bis Nakali zu zählen?
Ich finde: ja. Forgotten Island bringt alles mit, was ein unvergesslicher Animationsfilm braucht: einen schlichten, aber schmerzhaft wahren emotionalen Einsatz, eine frische und selten gesehene Mythologie und ein Regieduo, das schon bewiesen hat, dass ein Familienfilm mutig sein kann. Natürlich verraten die Trailer noch nicht, ob DreamWorks sich traut, an den richtigen Stellen still zu sein, oder ob nach jedem dramatischen Moment ein lustiger Hundegag hinterhergeschoben wird. Ich bin zuversichtlich. Am 8. Oktober sitze ich im Kino, und wenn ich während des Abspanns an meinen besten Freund denke, hat der Film alles richtig gemacht. Meine erwartete Wertung: starke 8 Punkte, mit Luft nach oben.
