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Kritik

Not Without Hope Kritik: Joe Carnahan lässt vier Männer am gekenterten Boot zurück und uns nicht mehr los

DokudramenThrillerNach einer wahren GeschichteSurvivalfilme

Es gibt diesen einen Moment, in dem das Gefrotzel auf einem Angelausflug verstummt und nur noch das Rauschen der Wellen bleibt. Joe Carnahans neuer Film Not Without Hope baut genau auf diesem Verstummen auf und weiß verdammt genau, wann er die Schraube anziehen muss. Ein makelloser Survivalfilm ist das nicht, aber einer von der Sorte, bei der einem selbst auf dem Sofa die Füße kalt werden.

7,5/10
Wertung
Ein straffes, raues und stellenweise überschriebenes Survival-Doku-Drama, das immer dann am stärksten ist, wenn die Schauspieler nur von Wasser und Angst umgeben sind.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
8
Optik
7
Musik und Ton
7
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Not Without Hope: Trailer

Filmdaten

RegieJoe Carnahan
BesetzungZachary Levi, Josh Duhamel, Quentin Plair, Terrence Terrell, Marshall Cook, JoBeth Williams
GenreDokudramen, Thriller
Laufzeit119 Min.

Ein harmloser Angeltag, der böse endet

Die Ausgangslage ist so simpel, dass sie fast schon Angst macht. Vier gute Freunde fahren mit dem Motorboot zum Angeln raus, wie sie es schon hundertmal getan haben. Bier, Sprüche, Sonnenschein, das übliche Männergeplänkel. Nick (Zachary Levi) und seine Kumpels sind harte, durchtrainierte Typen, zwei von ihnen sogar Profis in der NFL. Also genau die Sorte Mensch, bei der man denkt, dass sie so schnell nichts umhaut.

Dann bricht über dem Golf von Mexiko ein Sturm los. Keine hundert Kilometer vor der Küste kentert das Boot, und die vier klammern sich an den Rumpf, um durchzuhalten, bis Hilfe kommt. Nur haben es bei diesem Wetter auch die Rettungskräfte alles andere als leicht, und den Freunden bleibt plötzlich nichts mehr außer einander. Und die Frage, die über jeder Minute dieses Films schwebt: Wie lange hält der Körper durch, und wie lange der Kopf?

Mehr sollte man gar nicht verraten. Eine der größten Stärken des Films ist gerade, dass er nicht von Wendungen lebt, sondern vom Verstreichen der Zeit, von der Erschöpfung und von den kleinen Entscheidungen, die in so einer Lage über Leben und Tod entscheiden können.

Carnahan ist zurück, wo er am besten ist

Bei Joe Carnahan denken viele an laute, rasante Actionfilme. Smokin' Aces oder Das A-Team sind nicht gerade Paradebeispiele für leises Kammerspiel. Aber da war auch The Grey, in dem Liam Neeson mit einer Gruppe Überlebender in der eisigen Wildnis kämpft, und dort hat Carnahan bewiesen, dass er Menschen versteht, die von der Natur in die Enge getrieben werden. Not Without Hope ist ganz klar ein Verwandter dieses Films, nur gibt es statt Schnee Wasser, und statt Wölfen lauern Wellen und Unterkühlung.

Carnahan zeigt sich hier überraschend diszipliniert. Er übertreibt es nicht mit den Sturmszenen und will nicht jede Minute zum Katastrophenspektakel aufblasen. Die Kamera bleibt oft dicht an den Figuren, und dadurch wird der endlose Ozean klaustrophobisch. Ein Paradox, und genau das ist einer der besten Tricks des Films: Die riesige, offene Weite schnürt einem die Luft ab wie ein enger Keller.

Auch im Ton merkt man den Doku-Drama-Charakter. Weniger Hollywood-Heldentum, mehr Erschöpfung, Stille und unangenehme Momente. Die 119 Minuten wirken zunächst lang für einen Film, der größtenteils rund um ein gekentertes Boot spielt, doch Carnahan hält die Spannung weitgehend bis zum Schluss.

Zachary Levi, wie man ihn noch nicht gesehen hat

Die meisten kennen Zachary Levi als Superhelden aus Shazam! oder als tollpatschigen Spion aus Chuck, also aus der Ecke des liebenswerten, etwas kindlichen großen Teddybären. Davon ist hier nichts übrig, oder wenn doch, dann nutzt der Film es ganz bewusst: Der lockere Witzbold Nick zerbricht umso schmerzhafter, je länger der Sturm andauert. Levi liefert hier für mich eine der besten Leistungen seiner Karriere, und das schreibe ich mit einiger Überraschung.

Auch Josh Duhamel, den das breite Publikum aus den Transformers-Filmen kennt, ist eine gute Wahl. Er ist der Typ Schauspieler, bei dem man sofort glaubt, dass er alles aushält. Wenn sein Selbstbewusstsein dann Risse bekommt, sitzt das. Quentin Plair und Terrence Terrell sind weniger bekannte Namen, aber keiner von beiden fällt aus dem Quartett heraus, und das ist entscheidend: In so einem Film steht und fällt alles mit der Chemie. Wenn man nicht glaubt, dass diese vier wirklich Freunde sind, bricht das Ganze zusammen. Hier glaubt man es.

Außerdem sind Marshall Cook, Floriana Lima und Veteranin JoBeth Williams dabei, die seit Poltergeist im Gedächtnis ganzer Generationen steckt. Die Handlungsstränge an Land bekommen weniger Raum, sorgen aber für das nötige Gewicht: Mitten auf dem Wasser hängt nicht nur das Leben von vier Männern am seidenen Faden, sondern das Schicksal ganzer Familien.

Wo der Film einen wirklich packt

Selbstzweckhafte Brutalität gibt es keine, aber der Film schont sein Publikum weder körperlich noch seelisch. Wer einen empfindlichen Magen hat, wird mit manchen Momenten zu kämpfen haben.

Wo das Boot ins Schlingern gerät

Perfekt ist nicht alles. Das Drehbuch tappt manchmal in die Falle, den Figuren zu runde, zu ausformulierte Sätze in den Mund zu legen, in Situationen, in denen ein echter Mensch eher schweigen oder fluchen würde. Diese Momente reißen einen raus und erinnern daran, dass man einen Film schaut.

Auch der Mittelteil holpert etwas. Zwei Stunden sind eine lange Zeit an einem derart begrenzten Schauplatz, und es gibt eine Phase, in der man spürt, wie der Film nach Mitteln sucht, den Schwung zu halten. Die Szenen an Land kommen da gelegen, wirken aber neben dem Drama auf dem Wasser etwas skizzenhaft.

Optisch ist das insgesamt solide, aber nicht die Stärke des Films. Bei einigen weiten Sturmbildern sieht man, dass hier kein steinreicher Katastrophenfilm am Werk ist. Zum Glück schadet das dem Erlebnis kaum, denn der Film lebt ohnehin nicht von Schauwerten, sondern von Gesichtern.

Wo reiht er sich im Survival-Genre ein?

Das Genre hat seine Klassiker. Der Sturm ist das Vorbild für die teure Katastrophe auf hoher See, Open Water für minimalistischen Horror, und All Is Lost hat gezeigt, dass ein einziger Mann mit einem Boot zwei Stunden lang fesseln kann. Not Without Hope liegt irgendwo dazwischen: kleiner und menschlicher als die großen Hollywood-Katastrophen, emotional aber weiter gefasst als die Geschichten einsamer Überlebender, denn hier steht ein Freundeskreis im Mittelpunkt.

Genau diese Freundschaft gibt dem Film seinen eigenen Geschmack. Es geht nicht nur darum, ob jemand überlebt, sondern auch darum, was Freundschaft bedeutet, wenn man einander nichts mehr geben kann außer der eigenen Anwesenheit. Das ist es, was mich auch nach dem Abspann nicht losgelassen hat.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Der Sturm (2000), Open Water (2003), All Is Lost (2013), The Grey (2011), Die Farbe des Horizonts (2018)

Häufige Fragen

Worum geht es in Not Without Hope?

Vier gute Freunde fahren mit dem Motorboot zum Angeln hinaus, als ein heftiger Sturm über den Golf von Mexiko hereinbricht. Keine 100 Kilometer vor der Küste kentern sie und klammern sich an den Rumpf, um auf Rettung zu warten, während sie nur noch aufeinander zählen können.

Wie lang ist Not Without Hope?

Der Film läuft 119 Minuten.

Wer hat bei Not Without Hope Regie geführt?

Regie führte Joe Carnahan.

Wer spielt in Not Without Hope mit?

In den Hauptrollen sind Zachary Levi, Josh Duhamel, Quentin Plair, Terrence Terrell, Marshall Cook, JoBeth Williams und Floriana Lima zu sehen. Zachary Levi spielt Nick.

Lohnt es sich, mit diesem Film in den Sturm hinauszufahren?

Ja, aber man sollte wissen, worauf man sich einlässt. Not Without Hope ist keine leichte Samstagabendunterhaltung, sondern zwei Stunden sich steigernder Beklemmung, die von Freundschaft und den Grenzen menschlicher Ausdauer erzählen. Joe Carnahan hat zu dem rauen, nahbaren Ton zurückgefunden, der seine besten Arbeiten auszeichnet, und Zachary Levi liefert eine Leistung, nach der man ihn mit anderen Augen sieht. Die überschriebenen Dialoge und der durchhängende Mittelteil verhindern einen Genreklassiker, aber Fans von Survivalfilmen kann ich ihn guten Gewissens empfehlen. Danach überlegt man sich vermutlich zweimal, ob man noch ins Boot steigt, wenn sich der Himmel zuzieht.

Wertung: 7,5/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 8 · Optik 7 · Musik und Ton 7 · Emotionen 8