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Vorab-Kritik

Paper Tiger Vorab-Kritik: James Gray kehrt zu den Gangstern zurück, diesmal mit Adam Driver

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Es gibt Regisseure, bei denen man nicht lange fragt, sobald ihr Name fällt. Man merkt sich den Film einfach vor, und James Gray gehört genau in diese Kategorie. Über die Handlung von Paper Tiger wissen wir bislang so gut wie nichts, doch schon die Besetzungsliste reicht, um ihn zu den spannendsten Projekten der kommenden Monate zu zählen. Adam Driver, Scarlett Johansson und Miles Teller in einem Gangsterfilm von James Gray: Auf dem Papier ist das eher ein Löwe als ein Tiger.

8,0/10
Erwartete Wertung
Paper Tiger ist auf dem Papier einer der stärksten Kandidaten der Saison, und wenn Gray sein gewohntes Niveau hält, könnte daraus die große, langsam glühende Überraschung des Kinowinters werden.
Story
7
Schauspiel
9
Regie
9
Optik
8
Musik und Ton
7
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

RegieJames Gray
BesetzungAdam Driver, Scarlett Johansson, Miles Teller, Gavin Goudey, Roman Engel, Cindy Katz
GenreGangsterfilme
LandFranzösische Filme, Englische Filme, Polnische Filme, Italienische Filme

Worum geht es? Vorerst ein Film der Andeutungen

Ich sage es ganz offen: Zur Handlung von Paper Tiger lässt sich derzeit nichts verraten, denn die offiziellen Informationen beschränken sich fast ausschließlich auf Team und Genre. Fest steht nur, dass es sich um einen Gangsterfilm handelt und dass James Gray Regie führt. Diese beiden Punkte zusammen sagen allerdings schon eine Menge, zumindest für alle, die Grays bisherige Laufbahn kennen.

Auch der Titel lässt einiges erahnen. Ein Papiertiger ist jemand oder etwas, das bedrohlich wirkt, innen aber hohl und kraftlos ist. Im Gangsterkino kann das in viele Richtungen führen: ein Pate, der seine Macht verloren hat, eine großmäulige, aber eigentlich verletzliche Figur oder gleich ein ganzes System, das nur noch der Fassade wegen steht. Welche Variante es wird, entscheidet der Film, ich werde hier nichts erfinden. Aber ich gebe zu, schon der Titel reizt mich mehr als bei manch anderem Film der komplette Trailer.

James Gray, der leise Gangsterfilmer

Gray gehört zu den seltenen amerikanischen Regisseuren, die stets in ihrem eigenen Tempo arbeiten und sich nicht darum scheren, was der Markt gerade verlangt. Schon früh in seiner Karriere beschäftigte ihn die Verflechtung von Verbrechen und Familie, man denke nur an We Own the Night aus dem Jahr 2007, in dem die Grenze zwischen Polizei und Unterwelt mitten durch eine Familie verläuft. Später wagte er sich ans historische Drama (The Immigrant) und sogar ins All (Ad Astra), doch seine Themen blieben im Kern dieselben: Väter und Söhne, Schuld, Loyalität, Verrat und jene Melancholie, die einen noch tagelang über einen Film grübeln lässt.

Deshalb glaube ich nicht, dass Paper Tiger ein rasanter Ballerfilm wird. Grays Gangsterfilme speisen sich eher aus der alten, klassischen Tradition, aus einer Welt, in der die Spannung am Esstisch genauso groß ist wie in einer dunklen Gasse. Wer von ihm Explosionen erwartet, ist hier falsch. Wer es aber mag, wenn ein Film einem langsam und unerbittlich den Magen zuschnürt, für den könnte das ein echtes Geschenk sein.

Driver, Johansson, Teller: eine Besetzung, für die man schon jetzt ein Ticket kaufen würde

Die größte Waffe von Paper Tiger ist eindeutig das Ensemble. Adam Driver zählt zu den aufregendsten Schauspielern der letzten Jahre und macht uns von der dunklen Seite in Star Wars bis zum stillen Dichter in Paterson alles glaubhaft. In Driver steckt eine beunruhigende, unberechenbare Spannung, die in einem Gangsterfilm Gold wert sein kann.

Auch Scarlett Johansson ist ein großes Versprechen. Dazu kommt Miles Teller, den viele als gnadenlos gedrillten Schlagzeuger aus Whiplash oder als Piloten aus Top Gun: Maverick kennen und der hervorragend Figuren spielen kann, bei denen hinter der Selbstsicherheit ein Riss sichtbar wird.

Driver und Johansson sind sich auf der Leinwand übrigens nicht fremd: In Marriage Story haben sie bereits bewiesen, dass sie zusammen ein unglaublich starkes Paar abgeben. Wie ihre Figuren in Paper Tiger zueinander stehen, wissen wir nicht, aber wenn auch nur die Hälfte der damaligen Elektrizität übrig bleibt, hat es sich schon gelohnt. Außerdem sind Gavin Goudey, Roman Engel und Cindy Katz mit dabei, zu ihren Rollen gibt es bisher keine genaueren Angaben.

Europäisches Geld, amerikanische Unterwelt?

Ein interessantes Detail: Der Film entsteht als französisch-britisch-polnisch-italienische Koproduktion. Bei einem amerikanischen Regisseur und überwiegend amerikanischen Stars wirkt das auf den ersten Blick ungewöhnlich, bei Gray überrascht es aber kaum. Er wurde in Europa, vor allem in Frankreich, schon immer mehr geschätzt als in der Heimat, und seine Filme stehen in ihrer Stimmung dem europäischen Autorenkino viel näher als der Hollywood-Fließbandware.

Was dieser internationale Hintergrund für die Geschichte selbst bedeutet, weiß ich nicht, und ich werde auch nicht spekulieren. Was er aber bedeuten kann: mehr künstlerische Freiheit. Für einen Regisseur, der es nicht mag, wenn man ihm in den Schnitt hineinredet, ist europäische Finanzierung oft der Rettungsanker. Ich halte das für ein gutes Zeichen.

Wo könnte es schiefgehen?

Ich will nicht nur jubeln, denn es gibt auch Risiken. Grays Filme sind berüchtigt langsam, und das liegt nicht jedem. Schlägt Paper Tiger denselben Weg ein, wird ein Teil des Publikums, der auf leichte Unterhaltung hofft, enttäuscht aus dem Kino kommen. Nicht ohne Grund wurden mehrere seiner Filme eher Kritiker- als Publikumserfolge.

Die zweite Gefahr ist das Genre selbst. Der Gangsterfilm gehört zu den am stärksten ausgeschöpften Terrains der Filmgeschichte, der Schatten von Der Pate und Es war einmal in Amerika schwebt bis heute über jedem neuen Versuch. Hier noch etwas Neues zu erzählen, ist enorm schwer. Gray ist natürlich keiner, der bloß kopiert, aber die Messlatte liegt extrem hoch, und ein mittelmäßiger Gangsterfilm verschwindet heute schnell in der Versenkung.

Warten auf den Kinostart: Muss man am ersten Wochenende dabei sein?

Wann Paper Tiger in die deutschen Kinos kommt, steht noch nicht fest. Ehrlich gesagt passt dieses Warten aber ganz gut zu einem Film, der ohnehin nicht wie ein Kassenschlager fürs Wochenende wirkt. Alles deutet auf ein ernstes, dunkles Drama hin, das eher in die Preissaison als an die Spitze der Besucherzahlen gehört.

Und das passt zu Gray. Seine Filme wollten nie die größte Masse erreichen, sondern jene, die bereit sind, sich hinzusetzen und zwei Stunden in eine dichte, finstere Welt einzutauchen. Wer ihn nicht gleich am Startwochenende sieht, verpasst nichts: Das ist kein Film, den man sofort stürmen muss, sondern einer, über den man danach noch wochenlang redet.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: We Own the Night (2007), Der Pate (1972), Es war einmal in Amerika (1984), The Irishman (2019), The Immigrant (2013)

Häufige Fragen

Wann startet Paper Tiger in Deutschland?

Ein deutscher Kinostart für Paper Tiger steht derzeit noch nicht fest.

Wer hat bei Paper Tiger Regie geführt?

Regie führte James Gray, der zuvor unter anderem We Own the Night, The Immigrant und Ad Astra gedreht hat.

Wer spielt in Paper Tiger mit?

Die Hauptrollen spielen Adam Driver, Scarlett Johansson und Miles Teller, daneben sind Gavin Goudey, Roman Engel und Cindy Katz zu sehen.

Welches Genre hat Paper Tiger?

Paper Tiger ist ein Gangsterfilm.

Aus welchem Land stammt Paper Tiger?

Der Film ist eine Koproduktion aus Frankreich, Großbritannien, Polen und Italien.

Lohnt es sich, auf Tigerjagd zu gehen?

Ich finde: ja. Alles an Paper Tiger deutet darauf hin, dass wir einen ernsthaften, erwachsenen, atmosphärischen Gangsterfilm bekommen, von einem Regisseur, der in diesem Genre zu Hause ist, und mit Schauspielern, die selten enttäuschen. Das Risiko liegt im Tempo und in der Übersättigung des Genres, aber wenn jemand dieses Terrain noch erneuern kann, dann James Gray. Ich halte mir schon jetzt einen Platz in einer der ersten Vorstellungen frei und rate allen, die dunkles, dichtes, figurenzentriertes Kino mögen, dasselbe zu tun. Meine erwartete Wertung: eine starke 8 von 10, die leicht zur 9 werden kann.

Erwartete Wertung: 8,0/10 · Story 7 · Schauspiel 9 · Regie 9 · Optik 8 · Musik und Ton 7 · Emotionen 8