Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern Kritik: Bullock und Kidman greifen wieder zum Besen, und der Zauber wirkt noch immer
Manche Filme entfalten ihre Wirkung nicht im Kinosaal, sondern auf dem Sofa, mit Wolldecke und heißem Tee in der Hand. Practical Magic 2 ist genau so ein Film: Sandra Bullock und Nicole Kidman sind wieder Schwestern, wieder Hexen und wieder mit dem grausamsten Fluch geschlagen, den sich eine romantische Komödie je ausgedacht hat. Susanne Bier erfindet das Rad nicht neu, aber ihr Film ist so warm, dass man den Zimtduft fast riechen kann.
Eine gemütliche, herzliche Hexen-Romcom, eher Umarmung als Überraschung, aber eine Umarmung, die richtig guttut.
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern: Trailer
Filmdaten
| Original | Practical Magic 2 |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 10.9.2026 |
| Regie | Susanne Bier |
| Besetzung | Nicole Kidman, Sandra Bullock, Lee Pace, Maisie Williams, Joey King, Dianne Wiest |
| Genre | Romantische Komödien |
| FSK | 12 |
| Land | Amerikanische Filme |
Liebe, die tötet: Worum geht es, ganz ohne Spoiler?
Die Ausgangslage ist einfach und auf geniale Weise grausam. Zwei Schwestern, so verschieden wie Tag und Nacht und trotzdem unzertrennlich, stammen aus einer Familie, die sich seit Jahrhunderten bestens mit den nicht ganz irdischen Künsten auskennt. Aufgewachsen sind sie bei zwei schrulligen Tanten in einem alten Haus voller Geheimnisse, und das allein ist schon die halbe Miete: Wer würde nicht gern in einem Haus wohnen, in dem in jeder Schublade ein bisschen Magie steckt?
Nur gibt es da einen Haken, und zwar keinen kleinen. Auf der Familie liegt ein Fluch: Ein Mann an ihrer Seite ist ausgeschlossen, denn wen sie lieben, der stirbt. Genau hier bekommt die romantische Komödie plötzlich einen sehr dunklen Anstrich, und gerade das macht die Sache spannend. Die Schwestern denken nämlich gar nicht daran, sich mit ihrem Schicksal abzufinden. Magie umgibt sie auf Schritt und Tritt, doch was ihnen wirklich fehlt, ist die Liebe. Und für sie sind sie zu jedem Zauber bereit.
Mehr will ich von der Handlung gar nicht verraten, denn die größte Freude dieses Films liegt darin, wie man langsam in diese eigenartige Welt eintaucht, halb Märchen, halb ganz bodenständiger Alltag.
Bullock und Kidman: zwei Königinnen, ein Fluch
Sagen wir es offen: Die Kinokarte löst man in erster Linie wegen der beiden. Die Chemie zwischen Sandra Bullock und Nicole Kidman ist eines dieser seltenen Dinge, die man nicht casten, sondern nur erhoffen kann. Ihre Figuren könnten unterschiedlicher kaum sein, und genau dieser Gegensatz treibt den Film an: auf der einen Seite die geerdete, vorsichtige Seele, auf der anderen das Feuer, das für einen guten Moment alles in Brand stecken würde. Wer je eine Schwester oder einen Bruder hatte, den man gleichzeitig erwürgen und vor der ganzen Welt beschützen wollte, versteht diese Dynamik sofort.
Bullock ist eine Meisterin des komischen Timings, das wissen wir seit Jahrzehnten, und auch hier entlockt sie dem Publikum mit einer einzigen hochgezogenen Augenbraue ein Lachen. Kidman wiederum schafft es, selbst in die zuckersüßeste Situation einen Tropfen Melancholie zu schmuggeln. Zusammen liefern sie genau die Mischung, die eine Hexen-Romcom braucht: Humor und Schmerz zugleich.
Die Tanten und die neuen Gesichter
Wenn Bullock und Kidman das Herz des Films sind, dann sind Dianne Wiest und Stockard Channing seine Seele. Die beiden verschrobenen Tanten stehlen jede Szene, in der sie auftauchen, und das ist neben solchen Hauptdarstellerinnen keine kleine Leistung. Von ihnen geht genau diese großmütterliche, leicht verrückte, völlig unberechenbare Energie aus, die einen Familienfilm erst richtig gemütlich macht.
Auch das frische Blut fügt sich schön ins Bild. Das Charisma von Lee Pace kennt jeder, der ihn in den Hobbit-Filmen oder in der Serie Halt and Catch Fire gesehen hat. Die Karriere von Maisie Williams nach Game of Thrones bleibt spannend, und Joey King, bekannt geworden durch The Kissing Booth, bringt jugendlichen Schwung mit. Xolo Maridueña ist nach Cobra Kai und Blue Beetle ebenfalls eine gute Wahl, während Liz Kingsman und Katy Wix den trockeneren Geschmack britischen Humors in den Cocktail mischen. Die einzige Schwäche der Besetzung: Bei so vielen talentierten Leuten bekommen manche zwangsläufig weniger zu tun, als sie verdient hätten.
Susanne Bier und die Hexenstimmung
Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass ausgerechnet Susanne Bier eine leichte Romcom inszeniert. Die dänische Regisseurin war bisher eher für schwere Dramen und angespannte Thriller bekannt, man denke nur an den Netflix-Film Bird Box oder das preisgekrönte Drama In einer besseren Welt. Genau dieser Hintergrund kommt dem Film aber zugute.
Bier nimmt die Gefühle nämlich ernst. Sie behandelt den Fluch nicht als billige Pointenquelle, sondern gibt ihm sein tragisches Gewicht, und wenn der Film dann lacht, wirkt dieses Lachen befreiend statt hohl. Der Rhythmus der Inszenierung ist ruhig, manchmal vielleicht etwas zu ruhig, aber die Bildwelt ist wunderschön: Das alte Haus, das Kerzenlicht, die Nähe zur Natur erzeugen eine Atmosphäre, in die man am liebsten gleich einziehen würde. Das ist einer dieser Filme, aus deren Bildern später herbstliche Stimmungsposts in den sozialen Netzwerken werden.
Was funktioniert und was weniger
Fangen wir mit dem Guten an. Die Stimmung des Films ist schlicht ein Volltreffer. Er kam im September in die Kinos, und ein besseres Timing hätte man sich kaum ausdenken können: Er passt perfekt in diese Jahreszeit. Man sieht den Darstellerinnen und Darstellern an, dass sie Spaß an der Arbeit haben, und das überträgt sich auf die Leinwand. Der Humor ist liebenswert, die Romantik aufrichtig, und das Thema Geschwisterliebe gibt dem Ganzen einen echten emotionalen Kern.
- Stärke: das Duo Bullock und Kidman, das in jedem Moment glaubwürdig ist.
- Stärke: die Tanten, ohne die das Ganze nur halb so unterhaltsam wäre.
- Stärke: die Optik und die Atmosphäre.
- Schwäche: Die Geschichte riskiert wenig und verlässt die Grenzen des Genres nur selten.
- Schwäche: Wegen des großen Ensembles fallen manche Nebenhandlungen dünner aus als nötig.
Mein größter Kritikpunkt: Der Film spielt manchmal zu sehr auf Nummer sicher. Wer etwas mutig Neues erwartet, könnte enttäuscht werden. Wer sich dagegen ein gut gemachtes, herzerwärmendes Hexenmärchen wünscht, bekommt genau das Richtige. Das ist kein Film für die Revolution, sondern für gemütliche Abende, und dazu steht er auch.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die zauberhafte romantische Komödien mit Herbststimmung lieben und sich freuen, Sandra Bullock und Nicole Kidman wieder gemeinsam zu sehen. Ideal für einen Kinoabend mit der besten Freundin.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die rasante, wendungsreiche Fantasy oder ein gewagtes Genreexperiment erwarten, und für jene, die die Vorhersehbarkeit romantischer Komödien ohnehin langweilt.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Zauberhafte Schwestern (1998), Hocus Pocus (1993), Die Hexen von Eastwick (1987), Chocolat (2000)
Häufige Fragen
Wann ist Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern in Deutschland gestartet?
Der Film lief am 10. September 2026 in den deutschen Kinos an.
Worum geht es in Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern?
Um zwei Hexenschwestern, die bei zwei schrulligen Tanten in einem alten Haus voller Geheimnisse aufwachsen. Auf der Familie liegt ein Fluch: Wen sie lieben, der stirbt. Doch die Schwestern finden sich nicht mit ihrem Schicksal ab und sind für die Liebe zu jedem Zauber bereit.
Wer hat Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern inszeniert?
Regie führte die Dänin Susanne Bier.
Wer spielt in Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern mit?
Die Hauptrollen spielen Sandra Bullock und Nicole Kidman, daneben sind Lee Pace, Maisie Williams, Joey King, Dianne Wiest, Stockard Channing, Liz Kingsman, Xolo Maridueña und Katy Wix zu sehen.
Welchem Genre gehört Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern an?
Der US-Film ist eine romantische Komödie mit starker Hexen- und Zauberatmosphäre.
Lohnt es sich, dafür auf den Besen zu steigen?
Wenn du dich danach sehnst, für zwei Stunden die Welt zu vergessen und in ein Haus einzutauchen, in dem die Tanten verrückt sind, die Schwestern füreinander leben und die Liebe zugleich die größte Sehnsucht und die größte Gefahr ist, dann ja: Practical Magic 2 ist genau dein Film. Er wird nichts verändern und will das auch gar nicht. Aber du kommst gut gelaunt, ein wenig gerührt und vielleicht mit Lust auf einen Becher Glühwein aus dem Kino. Mehr habe ich nicht erwartet, und genau das habe ich bekommen. Bullock und Kidman zusammen sind immer noch pure Magie, und darauf kommt es an.
