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Kritik

Purple Hearts Kritik: Zweckehe, Uniform und jede Menge Kitsch, den man trotzdem gern schaut

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Es gibt diese Sorte Liebesfilm, bei der man nach fünf Minuten genau weiß, wo das alles hinführt, und trotzdem mit dem Taschentuch in der Hand vor dem Bildschirm kleben bleibt. Purple Hearts ist genau so ein Film: berechenbar, manchmal ärgerlich schlicht, aber mit so viel Herz und so vielen Songs, dass man ihm kaum böse sein kann. Zwei Menschen, die sich nicht ausstehen können, ein Stück Papier, das sie aneinanderbindet, und eine Tragödie, die alles auf den Kopf stellt.

6,5/10
Wertung
Aus Klischees gebaut, aber ehrlich gefühlvoll: ein romantisches Drama, das Sofia Carsons Stimme und die Chemie der beiden Hauptfiguren auf ihren Schultern tragen.
Story
5
Schauspiel
7
Regie
6
Optik
6
Musik und Ton
8
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Purple Hearts: Trailer

Filmdaten

RegieElizabeth Allen Rosenbaum
BesetzungSofia Carson, Nicholas Galitzine, John Harlan Kim, Chosen Jacobs, Anthony Ippolito, Linden Ashby
GenreRomantische Filme, Dramen
Laufzeit122 Min.
LandBritische Filme, Amerikanische Filme

Worum geht es in Purple Hearts, ganz ohne Spoiler?

Die Ausgangslage klingt wie der Klappentext eines Liebesromans: Cassie Salazar ist eine aufstrebende Sängerin, die irgendwie über die Runden kommen will, Luke Marrow ein Marine, der bald in den Einsatz muss. Die Abmachung zwischen den beiden ist simpel und sehr pragmatisch: Sie schließen eine Zweckehe, von der beide profitieren. Von Liebe keine Spur, im Gegenteil, anfangs gehen sich die zwei eher gegenseitig auf die Nerven, als dass irgendwer Romantik wittern würde.

Dann kommt die Wendung, die schon die Inhaltsangabe verrät: Eine Tragödie macht die gespielte Beziehung plötzlich viel zu real. Mehr muss man vorab nicht wissen, und ehrlich gesagt braucht man es auch nicht. Purple Hearts setzt nicht auf Überraschungen, sondern darauf, wie sich zwei Menschen aus völlig verschiedenen Welten langsam und widerwillig aufeinander zu stützen beginnen.

Das Motiv "aus der Fake-Beziehung wird echte Liebe" gehört zu den abgenutztesten Mustern des Genres, das lässt sich nicht schönreden. Die Frage ist immer, was ein Film daraus macht. Hier lautet die Antwort: eine ordentliche Portion Musik, ein bisschen gesellschaftliche Reibung zwischen den beiden Hauptfiguren und jede Menge Gefühl, manchmal vielleicht mehr, als das Drehbuch tragen kann.

Sofia Carson und Nicholas Galitzine: zwei Pole

Der größte Trumpf des Films ist eindeutig Sofia Carson. Als Cassie spielt sie die trotzige, etwas kratzbürstige Frau und zugleich die verletzliche Künstlerin, die in ihre Songs legt, was sie nicht aussprechen kann. Carson ist dabei nicht nur als Schauspielerin präsent, sondern auch als Sängerin, und das ist ein enormer Vorteil: Sobald Cassie auf der Bühne steht, erwacht der Film zum Leben, und man glaubt ihr sofort, dass sie zu etwas Großem bestimmt ist.

Nicholas Galitzine übernimmt als Luke die steifere, soldatische Seite. Seine Figur ist zunächst nicht besonders sympathisch, und das ist Absicht: Der Film lebt davon, dass wir nach und nach den Menschen hinter der harten Schale entdecken. Galitzine bekommt dieses langsame Aufbrechen erstaunlich gut hin, und vor allem stimmt die Chemie zwischen den beiden. Bei so einem Film ist das kein Bonus, sondern Grundvoraussetzung, und die ist hier zum Glück erfüllt.

Unter den Nebenfiguren bilden Chosen Jacobs (Frankie), John Harlan Kim (Toby) und Anthony Ippolito (Johnno) als Lukes Kameraden und Umfeld den Hintergrund, Linden Ashby stärkt als Jacob Marrow den Familienstrang, und Kat Cunning als Nora sowie Nicholas Duvernay als Armando bringen Farbe in Cassies Welt. Viel Raum bekommt keiner von ihnen, aber der Film dreht sich ganz offen um sein Hauptpaar, der Rest ist eher Kulisse und Stimmungsgeber.

Elizabeth Allen Rosenbaums Regie: auf Nummer sicher

Elizabeth Allen Rosenbaum will das Genre nicht neu erfinden, und das kann man ihr auch nicht vorwerfen. Die britisch-amerikanische Produktion weiß genau, für wen sie gemacht ist: für ein Publikum, das große Gefühle liebt, Blicke in Zeitlupe und den Moment, in dem ein Song endlich ausspricht, was sich die Figuren nicht zu sagen trauen.

Am besten funktioniert die Inszenierung, wenn sie die beiden Hauptfiguren einfach nebeneinander existieren lässt. Die ruhigeren Szenen zu zweit wirken deutlich stärker als die großen dramatischen Höhepunkte, die gelegentlich etwas überzogen daherkommen. Dann spürt man, dass der Film uns lieber vorschreibt, was wir fühlen sollen, statt uns selbst darauf kommen zu lassen.

Und die Laufzeit von 122 Minuten ist spürbar lang. Für so eine Geschichte hätten zwanzig Minuten weniger locker gereicht, im Mittelteil gibt es Szenen, die eher wiederholen, was längst erzählt wurde.

Die Musik als Herzschlag des Films

Wenn man an Purple Hearts eine einzige Sache hervorheben muss, dann die Musik. Die Songs sind keine bloße Untermalung, sondern Teil der Figurenentwicklung: Cassie verarbeitet in ihren Liedern, was mit ihr und Luke passiert, und so wird jeder Auftritt zu einem kleinen emotionalen Meilenstein.

Genau hier geht der Film über die Schablone hinaus. In vielen romantischen Dramen sorgt Musik nur für Atmosphäre, hier treiben die Songs die Handlung voran, und ehrlich gesagt bewahrt allein die Musik manche Szene davor, in Kitsch zu kippen. Wer Popballaden mag, wird vermutlich auch nach dem Abspann noch vor sich hin summen.

Wo gerät Purple Hearts ins Straucheln?

Beschönigen bringt nichts: Das Drehbuch ist das schwächste Glied. Die Konflikte der Figuren sind oft zu simpel, der Gegensatz zwischen den beiden Welten zeigt sich eher in Schlagworten als in echten, tiefgehenden Dialogen. Wer ein differenziertes Bild davon erwartet, was es bedeutet, als Soldat zu leben oder in so einer Zwangsehe zu stecken, wird enttäuscht.

Trotzdem stören diese Schwächen nur dann richtig, wenn man vom Film etwas anderes erwartet, als er ist. Purple Hearts ist kein Gesellschaftsdrama, sondern ein aufs Herz gestimmtes romantisches Märchen, und in diesem Rahmen gibt er deutlich mehr, als er nimmt.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Das Leuchten der Stille (2010), Wie ein einziger Tag (2004), A Star Is Born (2018), Selbst ist die Braut (2009)

Häufige Fragen

Worum geht es in Purple Hearts?

Eine aufstrebende Sängerin schließt eine Zweckehe mit einem Marine, der bald in den Einsatz muss. Doch eine Tragödie macht ihre gespielte Beziehung viel zu real.

Wann ist Purple Hearts erschienen?

Der Film wurde am 29. Juli 2022 veröffentlicht.

Wie lang ist Purple Hearts?

Der Film läuft 122 Minuten.

Wer spielt die Hauptrollen in Purple Hearts?

Sofia Carson spielt Cassie Salazar, Nicholas Galitzine spielt Luke Marrow. Daneben sind unter anderem Chosen Jacobs, John Harlan Kim, Anthony Ippolito und Linden Ashby zu sehen.

Wer hat bei Purple Hearts Regie geführt?

Regie führte Elizabeth Allen Rosenbaum, der Film ist eine britisch-amerikanische Koproduktion.

Wie lautet der Originaltitel von Purple Hearts?

Der Originaltitel lautet ebenfalls Purple Hearts.

Lohnen sich zwei Stunden für diese Scheinehe?

Wenn du für einen verregneten Abend etwas suchst, nach dem du den Fernseher ein bisschen gerührt und ein bisschen beschwingt ausschaltest, dann ja. Purple Hearts wird dich nicht überraschen und nichts Neues über die Liebe erzählen, aber Sofia Carsons Stimme, die funktionierende Chemie der beiden Hauptfiguren und ein paar wirklich schöne Momente entschädigen reichlich für das vorhersehbare Drehbuch. Kein großer Film, aber einer, der mit viel Herz gemacht wurde, und das ist manchmal mehr wert als Perfektion. Taschentücher solltest du auf jeden Fall bereitlegen.

Wertung: 6,5/10 · Story 5 · Schauspiel 7 · Regie 6 · Optik 6 · Musik und Ton 8 · Emotionen 7