Send Help Kritik: Sam Raimi sperrt den Büroknatsch auf eine einsame Insel und hat sichtlich Spaß dabei
Jeder kennt diesen einen Kollegen, mit dem schon zwei Stockwerke im Aufzug zu viel sind. Sam Raimi nimmt genau diese Situation und verfrachtet sie auf eine einsame Insel, von der es kein Entkommen gibt. Send Help ist ein fies grinsender Survival-Thriller, der genau so grausam ist, wie er lustig ist.
Sam Raimi in alter Form: Send Help ist ein straffes, bissig-komisches Überlebensduell, das das Rad nicht neu erfindet, aber glänzend unterhält.
Send Help: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 29.1.2026 |
|---|---|
| Regie | Sam Raimi |
| Besetzung | Dylan O'Brien, Rachel McAdams, Dennis Haysbert, Xavier Samuel, Emma Raimi |
| Genre | Thriller |
| Laufzeit | 113 Min. |
| FSK | 16 |
| Land | Amerikanische Filme |
Worum geht es? Zwei Menschen, eine Insel, null Sympathie
Die Ausgangslage ist denkbar simpel, und genau deshalb funktioniert sie. Zwei Arbeitskollegen sitzen im selben Flugzeug, die Maschine stürzt ab, und die beiden kommen auf einer einsamen Insel wieder zu sich. Das Problem: Schon im Büro waren sie alles andere als ein Herz und eine Seele. Alte Kränkungen, unausgesprochener Groll und jede Menge angestaute Spannung begleiten sie bis an den Strand.
Um zu überleben, müssten sie zusammenarbeiten, und eine Weile versuchen sie das auch. Doch der Film schlägt nicht den Weg der klassischen Robinsonade ein, in der man sich zusammenrauft und näherkommt. Die Zusammenarbeit kippt nach und nach in ein beunruhigendes, schwarzhumoriges Psychoduell, in dem die eigentliche Frage nicht mehr lautet, ob sie hier rauskommen, sondern wer von beiden am Leben bleibt. Mehr sollte man vorher auch nicht wissen, denn das größte Vergnügen des Films liegt darin, wie dieses Abrutschen passiert.
Sam Raimi ist zurück auf dem Spielplatz
Für Genrefans ist der Name Sam Raimi allein schon ein Versprechen. Er hat mit den Tanz der Teufel Filmen gezeigt, dass Horror und Slapstick aus derselben Wurzel wachsen, hat mit seiner Spider-Man Trilogie das Superheldenkino in den Mainstream gehoben und in Drag Me to Hell bewiesen, dass die Geschichte eines Fluchs gleichzeitig gruselig und herrlich gemein sein kann.
Send Help knüpft genau an diese Linie an. Raimi scheut sich nicht, uns mitten in der Anspannung plötzlich zum Lachen zu bringen, und genauso wenig davor, uns nach einer witzigen Szene einen Schlag in die Magengrube zu verpassen. Man spürt, dass er sich wohlfühlt: Die Kamera zwinkert dem Publikum oft zu, der Schnitt ist mal rhythmisch, mal gnadenlos. Das ist kein Survival-Film, der krampfhaft realistisch sein will. Eher eine schwarze Komödie im Thrillerkostüm, die einen in ihren 113 Minuten kaum loslässt.
Eine schöne Geste: Auch Emma Raimi ist mit von der Partie, die Familienbande funktionieren also auch hier.
Rachel McAdams und Dylan O'Brien: Wer bringt wen schneller auf die Palme?
Ein Duell mit zwei Hauptfiguren steht und fällt mit seinen Darstellern, und hier steht es zum Glück. Rachel McAdams beweist seit Langem, dass zwischen charmant und furchteinflößend nur ein Zucken im Gesicht liegt. Seit Mean Girls wissen wir, wie gut sie Figuren spielt, hinter deren Lächeln etwas ganz anderes lauert, und Spotlight hat gezeigt, dass man sie auch im Drama absolut ernst nehmen kann. Hier darf sie beide Seiten ausspielen.
Dylan O'Brien ist für viele noch immer der junge Held aus Maze Runner, doch dieser Film zeigt deutlich, dass er den Teenagerrollen entwachsen ist. Er hat eine Art nervtötendes Selbstbewusstsein, das in dieser Konstellation Gold wert ist, weil man sofort versteht, warum die beiden sich schon vor dem Flug nicht ausstehen konnten.
Die Chemie zwischen ihnen ist nicht romantisch, sondern eher wie bei zwei Katzen in einem Karton. Daneben tauchen noch Dennis Haysbert und Xavier Samuel auf, deren Präsenz dem zentralen Duo zum Glück nicht die Show stiehlt.
Was richtig gut funktioniert
- Der Tonfall. Selten schafft ein Film es, gleichzeitig spannend und witzig zu sein, ohne dass eins das andere erdrückt. Raimi ist darin ein Meister und laviert auch hier geschickt.
- Die Bürosatire. Die besten Pointen entstehen daraus, dass Firmenhierarchie und gekränkte Egos die beiden bis an den Rand der Zivilisation begleiten. Jeder kennt einen Kollegen, den er nicht einmal auf einer einsamen Insel neben sich haben möchte.
- Das Tempo. Ein Schauplatz, wenige Figuren, und trotzdem kein Durchhänger. Das Duell erreicht immer wieder eine neue Stufe.
- Die Besetzung. McAdams und O'Brien genießen es sichtlich, so gemein zueinander sein zu dürfen.
Wo der Film im Sand ins Straucheln gerät
Fehlerfrei ist Send Help nicht. Wer von Raimi heute noch eine völlig neue Bildsprache erwartet, wird enttäuscht: Der Film ist eher der souveräne Einsatz eines bewährten Werkzeugkastens als ein Experiment. Ein Teil der Überlebensszenen greift auf vertraute Motive zurück, und es gibt Momente, in denen der schwarze Humor etwas zu laut gerät, als hätte der Film Angst, das Publikum könnte die Pointe verpassen.
Das zweite Risiko liegt in der Genremischung. Wer einen reinen, straffen Thriller erwartet, könnte sich am grotesken Humor stören, und wer sich auf eine Komödie einstellt, wird vielleicht überrascht sein, wie verstörend der Film werden kann. Für mich ist das eine Stärke, aber zugegeben: Diese Achterbahnfahrt wird nicht jedem gefallen. Ein Familienfilm ist das jedenfalls nicht.
Die einsame Insel als Prüfstein der Seele
Die Geschichte von der einsamen Insel ist ein zeitloses Genre. Vom einsamen Überlebenskampf in Cast Away bis zur bissigen Satire von Triangle of Sadness haben schon viele darüber erzählt, was sie vom Menschen halten. Send Help gehört zu der Sorte, die keine allzu hohe Meinung von uns hat: Wenn die Zivilisation wegfällt, kommt zum Vorschein, was bisher die Höflichkeit im Büro verdeckt hat.
Darin liegt etwas befreiend Böses. Raimi moralisiert nicht, sondern schaut lächelnd zu, wie zwei Menschen einander demontieren, und fragt das Publikum dabei: Wem drückst du die Daumen? Diese Frage bleibt auch nach dem Abspann noch hängen.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für Fans von Sam Raimi, Liebhaber von schwarzem Humor und alle, die es mögen, wenn ein Thriller gleichzeitig auf die Nerven geht und zum Lachen bringt.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die sich ein ernstes, realistisches Überlebensdrama wünschen oder es nicht ertragen, wenn Spannung von grotesker Komik durchbrochen wird. Für Kinder ist der Film nicht gedacht.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Cast Away (2000), Drag Me to Hell (2009), Triangle of Sadness (2022), Gone Girl (2014), Tanz der Teufel (1981)
Häufige Fragen
Wann ist Send Help in den deutschen Kinos gestartet?
Der Film ist am 29. Januar 2026 in Deutschland angelaufen.
Worum geht es in Send Help?
Zwei Arbeitskollegen stranden nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel. Eigentlich müssten sie gemeinsam überleben, doch die Zusammenarbeit wird zu einem schwarzhumorigen Psychoduell darum, wer von beiden lebend davonkommt.
Wie lang ist Send Help?
Der Film dauert 113 Minuten.
Wer hat Send Help inszeniert?
Regie führte Sam Raimi, der mit Tanz der Teufel und den Spider-Man Filmen berühmt wurde.
Wer spielt in Send Help mit?
Zur Besetzung gehören Dylan O'Brien, Rachel McAdams, Dennis Haysbert, Xavier Samuel und Emma Raimi.
Auf wessen Seite stehst du auf der Insel: Lohnt sich das Duell in Send Help?
Ja, und zwar richtig. Send Help will das Genre nicht neu erfinden, weiß aber ganz genau, was es will: zwei großartige Darsteller auf einer Insel einsperren und zusehen, wie sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Sam Raimis Handschrift ist in jeder Szene zu spüren, das fiese Grinsen, die unberechenbaren Stimmungswechsel, die verspielte Grausamkeit. Wenn du es magst, dass dich ein Film gleichzeitig nervös macht und zum Lachen bringt, und du hinterher noch darüber streitest, wer eigentlich recht hatte, dann ist dieser Film für dich gemacht. Nur vor dem nächsten Teambuilding-Event solltest du dir zweimal überlegen, mit wem du in ein Flugzeug steigst.
