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Kritik

The Birthday Party Kritik: Champagner, Meer und ein Vater, der alles besitzen will

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Es gibt Partys, von denen man schon nach dem ersten Glas besser nach Hause gehen sollte. The Birthday Party nimmt uns mit zu genau so einem Abend: auf die Privatinsel eines Reedereimagnaten, wo sich hinter der Geburtstagstorte ein Vater und seine Tochter belauern. Ein luxuriöses, beklemmendes und grausames Drama, das genau weiß, dass es keine unheimlichere Kulisse gibt als das Familienessen der Superreichen.

7,5/10
Wertung
The Birthday Party ist ein elegantes, giftiges Kammerspiel über einen goldenen Käfig. Es traut sich nicht immer, bis zum Äußersten zu gehen, entschädigt aber mit seiner Atmosphäre und seinen Darstellern mehr als reichlich.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
9
Musik und Ton
7
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

The Birthday Party: Trailer

Filmdaten

RegieMiguel Ángel Jiménez
BesetzungWillem Dafoe, Vic Carmen Sonne, Emma Suárez, Joe Cole, Antonis Tsiotsiopoulos, Christos Stergioglou
GenreDramen, Thriller
Laufzeit103 Min.
LandGriechische Filme, Spanische Filme, Niederländische Filme, Britische Filme

Ein Geburtstag auf einer Insel ohne Fähre nach Hause

Der Film spielt Ende der Siebzigerjahre irgendwo im Mittelmeerraum. Marcos Timoleon, ein steinreicher Reeder, richtet auf seiner exklusiven Privatinsel eine verschwenderische, prunkvolle Geburtstagsfeier aus. Gefeiert wird seine Tochter Sofia, die zugleich seine einzige Erbin ist. Allein diese beiden Worte, Tochter und Erbin, verraten schon, warum das kein harmloser Abend mit Torte und Luftballons wird.

Die Gäste kommen nämlich nicht nur zum Gratulieren. Jeder bringt etwas mit: eine Bitte, ein Geschäft, eine verborgene Absicht. Der Geburtstag ist der perfekte Vorwand, um in Marcos' Nähe zu gelangen und ihm etwas abzuringen. Marcos wiederum benimmt sich wie ein Pate: Er kontrolliert alles und jeden, koste es, was es wolle. Mehr noch, er hat längst entschieden, welche Zukunft seiner Tochter bevorsteht.

Nur kommt auch Sofia nicht mit leeren Händen. Auch sie hat wichtige Neuigkeiten. Als die Nacht hereinbricht und das Fest immer zügelloser wird, treibt der stille Krieg zwischen Vater und Tochter unaufhaltsam auf eine Tragödie zu. Mehr sollte man vorher gar nicht wissen, denn die Stärke des Films liegt darin, wie er diese Spannung Schicht für Schicht aufbaut.

Onassis' Schatten auf den Champagnergläsern

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Panos Karnezis aus dem Jahr 2007, und die Vorlage sagt viel darüber aus, was The Birthday Party eigentlich will. Bei der Erschaffung von Marcos Timoleon ließ sich der Autor vom märchenhaften Aufstieg und der von Tragödien gezeichneten Familiengeschichte des Aristoteles Onassis inspirieren. Wer die Legende des griechischen Reeders auch nur ein wenig kennt, wird genau spüren, welches Gewicht auf dieser fiktiven Familie lastet.

Dieser Hintergrund bildet die spannendste Ebene der Geschichte. Wir bekommen kein Biopic im engeren Sinne, sondern eine Paraphrase darüber, was Reichtum mit einem Menschen und seinen Kindern anstellt. Geld bedeutet hier nicht bloß Komfort, sondern ist Waffe, Leine und Gefängnis zugleich. Marcos' Insel ist wunderschön, aber sie ist auch die buchstäbliche Verkörperung seiner Macht: Dort ist jeder sein Gast, und das heißt, jeder spielt nach seinen Regeln.

Ich mag es, wenn ein Film seinen Schauplatz so bewusst einsetzt. Auf einer Insel kann man den Gastgeber nicht einfach stehen lassen. Diese Abgeschlossenheit macht aus dem Drama fast einen Thriller, und genau diese Genremischung gehört zu den größten Stärken des Films.

Willem Dafoe und ein internationales Ensemble

Ganz oben auf der Besetzungsliste steht Willem Dafoe, und das allein ist schon das Kinoticket wert. Nach Der Leuchtturm und Poor Things hat Dafoe in den letzten Jahren bewiesen, dass er vor nichts zurückschreckt, wenn eine Rolle extrem, unberechenbar oder unbequem ist. Er ist einer dieser Schauspieler, bei denen ein einziges Lächeln gleichzeitig freundlich und eiskalt wirken kann, und in einem Film, in dem Macht das zentrale Thema ist, ist das Gold wert.

An seiner Seite bilden Vic Carmen Sonne, Emma Suárez und Joe Cole das Rückgrat der internationalen Besetzung. Von griechischer Seite ergänzen Antonis Tsiotsiopoulos, Christos Stergioglou und Elsa Lekakou das Ensemble, von spanischer Seite Francesc Garrido und Carlos Cuevas. Diese Vielfalt passt gut zum Film: Die Insel wirkt wie ein kleiner internationaler Hofstaat, an dem Menschen unterschiedlicher Sprachen und Herkunft um dieselbe Sonne kreisen.

Das Zusammenspiel gehört zu den stärksten Seiten des Films. In einer solchen Geschichte sind die Nebenfiguren keine Staffage, sondern Figuren im Machtspiel, und die Darsteller machen spürbar, dass hier jeder gleichzeitig schmeichelt und sich fürchtet.

Die Insel des Miguel Ángel Jiménez

Regie führt Miguel Ángel Jiménez, entstanden ist der Film als griechisch-spanisch-niederländisch-britische Koproduktion. Solche europäischen Gemeinschaftsprojekte bringen oft Filme hervor, die nicht im Hollywood-Tempo erzählen, sondern ruhiger, getragen von Stimmung und Figuren. The Birthday Party gehört dazu: Der Film hetzt nicht, er lässt den Champagner warm werden, das Eis schmelzen und die Spannung hinter dem Lächeln hervorkriechen.

Optisch ist das herausragend. Der Luxus der späten Siebziger, das mediterrane Licht und der Kontrast zur nächtlichen Party ergeben eine starke Bildsprache, die zugleich verführerisch und bedrückend ist. Es ist einer dieser Filme, in denen die schönen Kleider und das glitzernde Meer gerade deshalb beängstigend wirken, weil wir wissen: All das hängt am Willen eines einzigen Mannes.

Beim Rhythmus hapert es allerdings stellenweise. 103 Minuten sind keine übermäßige Laufzeit, trotzdem gibt es Momente, in denen sich der Abend eher zieht, als dass er Spannung erzeugt. Wer einen temporeichen Thriller erwartet, wird hier auf eine Geduldsprobe gestellt.

Wo das Glas ins Wanken gerät

Das größte Risiko des Films: Geschichten über die Grausamkeit der Reichen haben wir in den letzten Jahren reichlich gesehen. Nach Triangle of Sadness oder Saltburn wundert sich kein Zuschauer mehr darüber, dass Geld den Charakter verdirbt. The Birthday Party versucht, dem mit der literarischen Tiefe der Romanvorlage und dem realen Hintergrund etwas entgegenzusetzen. Das gelingt größtenteils, manchmal spürt man aber doch, dass der Film auf vertrauten Pfaden unterwegs ist.

Hinzu kommt, dass die Tragödie angekündigt ist: Schon die Ausgangslage lässt ahnen, dass dieser Abend kein gutes Ende nehmen kann. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Die Spannung verlagert sich auf das Wie und das Warum statt auf das Was, und das reicht nicht jedem.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Der Pate (1972), Triangle of Sadness (2022), Saltburn (2023), Der große Gatsby (2013)

Häufige Fragen

Worum geht es in The Birthday Party?

Ende der Siebzigerjahre richtet der Reeder Marcos Timoleon auf seiner Privatinsel eine Geburtstagsfeier für seine Tochter und einzige Erbin Sofia aus, während der Machtkampf zwischen Vater und Tochter immer mehr auf eine Tragödie zusteuert.

Wie lang ist The Birthday Party?

Der Film hat eine Laufzeit von 103 Minuten.

Basiert The Birthday Party auf einem Buch?

Ja, der Film ist die Adaption des gleichnamigen Romans von Panos Karnezis aus dem Jahr 2007. Inspiriert wurde der Autor vom Leben des Aristoteles Onassis.

Wer spielt in The Birthday Party mit?

Zu den Hauptdarstellern gehören Willem Dafoe, Vic Carmen Sonne, Emma Suárez, Joe Cole, Antonis Tsiotsiopoulos und Christos Stergioglou.

Sollte man die Einladung auf Marcos' Insel annehmen?

Ja, aber nur, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. The Birthday Party ist keine leichte Abendunterhaltung, sondern eine sich langsam zuziehende Schlinge, die hinter dem Glanz des Luxus die dunkle Seite von Besitz und Kontrolle zeigt. Wegen Willem Dafoe, des internationalen Ensembles und der mediterranen Kulisse ist das auf jeden Fall ein Erlebnis für die große Leinwand, denn erst dort entfalten die Bilder ihre volle Wirkung. Fehlerfrei ist der Film nicht, er lässt sich manchmal zu viel Zeit, und sein Thema ist auch nicht neu. Wer giftige Familiendramen mag, wird aber zufrieden und ein bisschen unbehaglich aus dem Kinosessel aufstehen. Ich würde gratulieren, aber nach Mitternacht nicht mehr bleiben.

Wertung: 7,5/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 9 · Musik und Ton 7 · Emotionen 7