The Rivals of Amziah King Kritik: Matthew McConaughey spielt Bluegrass, und in den Waben von Oklahoma klebt Blut
Manche Filme brauchen nur ein einziges Bild, um sich im Kopf festzusetzen. Hier ist es Matthew McConaughey mit einem Instrument in der Hand, hinter ihm eine Reihe von Bienenstöcken im Staub von Oklahoma. The Rivals of Amziah King ist ein zähflüssiger, dichter Krimi, der sich als Familiendrama tarnt und dann ganz leise seine Zähne zeigt. Makellos ist er nicht, aber er hat einen so eigenen Geschmack, dass man ihn so schnell nicht wieder loswird.
Andrew Pattersons Film ist ein langsamer, eigenwilliger und atmosphärischer Krimi mit einem unwiderstehlichen McConaughey, der sich in 130 Minuten allerdings manchmal mehr vornimmt, als er bewältigen kann.
The Rivals of Amziah King: Trailer
Filmdaten
| Regie | Andrew Patterson |
|---|---|
| Besetzung | Matthew McConaughey, Angelina LookingGlass, Jake Horowitz, Scott Shepherd, Rob Morgan, Tony Revolori |
| Genre | Krimis |
| Laufzeit | 130 Min. |
| Land | Britische Filme, Amerikanische Filme |
Honig, Banjo und eine Tochter, die heimkehrt: Worum geht es in The Rivals of Amziah King?
Auf den ersten Blick klingt die Ausgangslage fast idyllisch. Tief im ländlichen Oklahoma lebt Amziah King, gespielt von Matthew McConaughey: ein charismatischer und ungemein begabter Musiker, Mitglied einer Bluegrass-Band voller Sonderlinge, der nebenbei den wichtigsten Honigbetrieb der Gegend führt. So eine Figur mag man schon, bevor man sie überhaupt gesehen hat, und der Film nutzt diese Sympathie sofort aus.
In Bewegung kommt die Geschichte, als Amziahs entfremdete Pflegetochter unerwartet zurückkehrt. Er ergreift die Gelegenheit beim Schopf, ihr wieder näherzukommen und gemeinsam ein Familienunternehmen aufzuziehen. Nur ist die Honigbranche, das macht der Film sehr schnell klar, eine gnadenlose Welt. Amziahs Rivalen drohen damit, alles zu zerstören, was er sich über Jahre aufgebaut hat.
Mehr verrate ich nicht, und mehr braucht es auch nicht. Die Stärke des Films liegt gerade darin, wie er diese beiden Fäden, die Chance auf Versöhnung und den Schatten der Bedrohung, ineinander verwebt. Man spürt die ganze Zeit, dass zwischen den sonnenbeschienenen Bienenstöcken etwas ganz und gar nicht stimmt, und genau diese Spannung hält den Film am Leben.
McConaughey in seinem Element, und das ist eine Freude
Sagen wir es offen: Matthew McConaughey wurde dafür geboren, staubige, ein wenig mystische, ein wenig gefährliche Figuren aus dem Süden zu spielen. Spätestens seit Dallas Buyers Club und True Detective wissen wir, dass sich die Leinwand einfach nach ihm richtet, sobald er den Rhythmus einer Rolle gefunden hat. Amziah King ist so eine Rolle. Sein Charisma ist keine Pose, sondern ein Werkzeug: Damit hält er seine Band zusammen, sein Geschäft, und damit versucht er auch, das Vertrauen seiner Tochter zurückzugewinnen.
Was mir besonders gefallen hat: McConaughey zeigt nicht nur die lässige, charmante Seite. In der Figur steckt auch eine zähe Sturheit, ein Mann, der nicht tatenlos zusehen wird, wenn man ihm wegnehmen will, was er aufgebaut hat. Genau diese Doppelbödigkeit ist der Motor des Films.
Auch der Rest der Besetzung liest sich stark: Angelina LookingGlass, Jake Horowitz, Scott Shepherd, Rob Morgan, Tony Revolori, Kurt Russell und Cole Sprouse. Kurt Russell allein ist schon eine Genregarantie: Wer ihn in Tombstone oder Das Ding aus einer anderen Welt gesehen hat, weiß, dass er mit einem einzigen Blick die Temperatur einer Szene verändern kann. Rob Morgan wiederum gehört zu den Nebendarstellern, denen ich immer gern zuschaue, weil er nie eine überflüssige Geste macht. Tony Revolori und Cole Sprouse sind überraschende Farbtupfer, vor allem Letzterer, den viele noch immer auf seine Vergangenheit in Teenieserien reduzieren.
Andrew Patterson und die Stille, die spricht
Den Namen Andrew Patterson kennen Filmfans vor allem von The Vast of Night. In diesem kleinen, aber erstaunlich selbstbewussten Debüt hat er gezeigt, dass er die Kraft von Atmosphäre, Ton und langen, atmenden Szenen versteht. The Rivals of Amziah King spielt in einer ganz anderen Größenordnung, mit großen Stars und als britisch-amerikanische Koproduktion, aber Pattersons Handschrift ist unverkennbar.
Er hat es nicht eilig. Er lässt Szenen auslaufen, lässt in den Gesprächen die unausgesprochene Spannung stehen und macht die Landschaft nicht zur bloßen Kulisse, sondern zu einer eigenen Figur. Das ländliche Oklahoma ist hier verlockend und erdrückend zugleich, ein Ort, an dem alles so langsam ist, dass es richtig einschlägt, wenn sich endlich etwas bewegt.
Das hat natürlich seinen Preis, doch dazu später mehr.
Bluegrass als Waffe und als Herzschlag
Selten schreibe ich über einen Krimi, dass man ihn auch wegen der Musik sehen sollte, aber hier ist genau das der Fall. Amziahs Band ist keine Dekoration. Der flotte, festliche und trotzdem melancholische Klang des Bluegrass passt perfekt zu dieser Welt, in der die Fröhlichkeit immer nur eine dünne Schicht über der Dunkelheit ist.
Patterson geht außerdem klug mit dem Ton um: Das Summen der Bienen, das Zupfen der Saiten und die Stille wechseln sich so ab, dass der Film eine Textur bekommt, bei der man die Hitze und das Klebrige förmlich spürt. Wer ihn im Kino mit einer guten Anlage sieht, wird genau verstehen, was ich meine.
- Was funktioniert: die Atmosphäre, McConaughey, die Musik und die Landschaft.
- Was mich überrascht hat: wie glaubwürdig die Imkerei als wirtschaftlicher Hintergrund zu einem bedrohlichen Milieu werden kann.
- Was mir gefehlt hat: Einige Nebenfiguren hätten mehr Raum verdient.
Wo der Honig kristallisiert
Jetzt kommt der weniger süße Teil. Die 130 Minuten Laufzeit spürt man. Pattersons langsamer, versenkender Stil wäre in einem kürzeren, strafferen Film gnadenlos wirkungsvoll, hier gibt es aber Passagen, in denen die Atmosphäre nicht mehr vorantreibt, sondern nur noch auf der Stelle tritt. Wer einen temporeichen Krimi voller Wendungen erwartet, wird zwischendurch auf die Uhr schauen.
Mein zweites Problem: Der Familienstrang und der Konkurrenzstrang haben nicht immer das gleiche Gewicht. Mal ist der Film eher ein stilles Familiendrama, mal ein angespannter Krimi, doch der Übergang zwischen beidem gelingt nicht immer geschmeidig. Ein fataler Fehler ist das nicht, eher das Symptom eines Films, der sehr viel auf einmal erzählen will.
Auch das große, starbesetzte Ensemble ist ein zweischneidiges Schwert: Es stehen so viele spannende Namen im Abspann, dass einige zwangsläufig unterfordert bleiben. Von manchen hätte ich gern mehr gesehen.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die langsam aufgebaute, atmosphärische Krimis aus der amerikanischen Provinz mögen und für eine gute McConaughey-Performance jederzeit ins Kino gehen. Für Bluegrass-Fans ein besonderer Leckerbissen.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die einen actionreichen, schnellen Thriller suchen oder sich mit ruhigen Filmen schwertun, die deutlich über zwei Stunden laufen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: No Country for Old Men (2007), Winter's Bone (2010), Mud (2012), Killer Joe (2011), The Vast of Night (2019)
Häufige Fragen
Worum geht es in The Rivals of Amziah King?
Amziah King, Bluegrass-Musiker und Chef eines Honigbetriebs in Oklahoma, versucht, seiner heimgekehrten, entfremdeten Pflegetochter wieder näherzukommen, während seine Rivalen drohen, alles zu zerstören, was er aufgebaut hat.
Wie lang ist The Rivals of Amziah King?
Der Film hat eine Laufzeit von 130 Minuten.
Wer hat The Rivals of Amziah King gedreht, und wer spielt mit?
Regie führte Andrew Patterson. Die Hauptrolle spielt Matthew McConaughey, an seiner Seite sind Angelina LookingGlass, Jake Horowitz, Scott Shepherd, Rob Morgan, Tony Revolori, Kurt Russell und Cole Sprouse zu sehen.
Welches Genre hat The Rivals of Amziah King?
Es ist ein britisch-amerikanisch koproduzierter Krimi mit einem starken Familiendrama als zweitem Erzählstrang.
Lohnt sich ein Kinobesuch für ein bisschen Honig aus Oklahoma?
Ich finde: ja, aber nicht hungrig und nicht ungeduldig. The Rivals of Amziah King ist kein Krimi, der in zwei Stunden über einen hinwegfegt, sondern einer, der langsam unter die Haut kriecht wie die Sommerhitze. Matthew McConaughey ist in einer Form, die allein schon das Ticket wert ist, und Andrew Patterson beweist erneut, dass er ein Meister der Atmosphäre ist. Wegen der ausufernden Laufzeit und der stellenweise auseinanderdriftenden Erzählstränge ist kein Meisterwerk daraus geworden, aber ein eigenwilliger, einprägsamer, klebrig dunkler Film, wie es in diesem Jahr nur wenige gibt. Schau ihn auf der großen Leinwand mit gutem Sound und lass dich vom Bluegrass mitnehmen.
