Torrente presidente Kritik: Spaniens schmierigster Superheld ist zurück
Manche Filmreihen altern in Würde. Und dann gibt es Torrente, der auch 2026 noch genauso dreist auf alles spuckt, was ihm vor die Füße kommt. Santiago Segura schlüpft zum sechsten Mal in die Rolle des unangenehmsten Polizisten Spaniens, diesmal nimmt er sich die Politik vor, und Alec Baldwin ist mit von der Partie. Herausgekommen ist ein derber, geschmackloser und stellenweise wirklich witziger Film, genau so, wie ihn die Fans erwarten.
Klüger ist der Film nicht geworden, aber Torrente presidente liefert genau das, wofür sein Publikum ins Kino geht: lautes, gnadenloses Gelächter, das in der politischen Satire überraschend scharf ausfällt.
Torrente presidente: Trailer
Filmdaten
| Regie | Santiago Segura |
|---|---|
| Besetzung | Santiago Segura, Fernando Esteso, Jerónimo Nieto, Damián Ramos, Alec Baldwin, Omar Montes |
| Genre | Komödien |
| Land | Spanische Filme |
Torrente und die Macht: Worum geht es im sechsten Teil?
Torrente presidente ist eine satirische Komödie, die sich über spanische Gesellschafts- und Politikklischees lustig macht. Der Film parodiert reale Ereignisse und holt sich für seine Pointen auch prominente Gastauftritte aus der Politik dazu. Mehr muss man über die Handlung vorab gar nicht wissen, denn bei Torrente war die Story noch nie das Entscheidende. Entscheidend ist, dass diese völlig unfähige, selbstverliebte Figur in einer Welt landet, in der sie nichts verloren hat, und ab da fliegt alles auseinander.
Wer die früheren Teile kennt, kennt auch das Rezept. José Luis Torrente ist alles, was ein Polizist nicht sein sollte: faul, vulgär, voller Vorurteile, feige und dabei felsenfest von seiner eigenen Großartigkeit überzeugt. Ausgerechnet so jemanden in die Nähe der Politik zu lassen, ist für sich schon eine geniale Idee. Wenn sich ein solcher Typ irgendwo zu Hause fühlen kann, dann im Zirkus rund um die Macht.
Santiago Segura, der Mann, der sich weigert, erwachsen zu werden
Santiago Segura spielt nicht nur die Hauptrolle, er führt auch Regie, wie man es von der Reihe kennt. Diese Kontrolle über das eigene Werk ist zugleich die größte Stärke und die größte Schwäche des Films. Eine Stärke, weil Segura genau spürt, wie weit man mit einem Gag gehen kann und wann man noch einen Schritt weiter muss, damit das Publikum gleichzeitig lacht und sich schämt. Eine Schwäche, weil offenbar niemand im Team da ist, der ihm mal sagt: Genug, diesen Witz haben wir jetzt schon zum dritten Mal gebracht.
An seinem Spiel gibt es dagegen nichts auszusetzen. Segura kennt diese Figur so gut, dass er mit einem einzigen Zucken der Augenbraue Torrentes kompletten moralischen Bankrott zeigen kann. Solche Figurenkomik ist selten, und so widerlich der Kerl auch ist, auf seltsame Weise bleibt er liebenswert. Vielleicht deshalb, weil er nie wirklich gewinnt. Er ist immer derjenige, über den gelacht wird, auch wenn er das selbst nicht merkt.
Alec Baldwin und ein großes Ensemble
Der größte Coup der Besetzung ist ohne Frage Alec Baldwin. Ein US-Star in einem so durch und durch spanischen, so lokal verankerten Humor klingt zunächst merkwürdig, aber Baldwins komisches Talent ist bekannt, man denke nur an 30 Rock. Er bringt ein bisschen internationalen Glanz in die Produktion und passt hervorragend zu einer Politsatire, schließlich ist er in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten Gesichter der politischen Parodie geworden.
Neben ihm sind Fernando Esteso, Jerónimo Nieto, Damián Ramos und Omar Montes zu sehen. Die Nebenfiguren haben in den Torrente-Filmen immer dieselbe Aufgabe: Sie sollen schillernd genug sein, damit Torrente an ihnen abprallen kann, und markant genug, damit die Szenen nicht zu Monologen eines einzigen Mannes werden. Das gelingt größtenteils, auch wenn einige Figuren eher wie Requisiten wirken als wie echte Charaktere.
Was funktioniert: Satire, die wirklich zubeißt
Am stärksten ist der Film, wenn die politische Parodie nicht nur allgemeiner Blödsinn bleibt, sondern ein konkretes Ziel trifft. Die Anspielungen auf reale Ereignisse und die Gastauftritte aus der Politik geben dem Film eine Ebene, die den früheren Teilen manchmal fehlte. Lächerlich ist hier nicht nur Torrente, sondern auch die Welt, in der er sich bewegt, und das tut der Reihe ausgesprochen gut.
- Der Mut: Segura fürchtet nichts, und in einer Zeit, in der die meisten Komödien heikle Themen sorgfältig umschiffen, wirkt das geradezu erfrischend.
- Die Hauptfigur: Torrente funktioniert auch nach Jahrzehnten noch, weil hinter der Karikatur erkennbare Typen stehen.
- Das Tempo: Die Gags kommen Schlag auf Schlag. Wenn einer danebengeht, ist der nächste schon unterwegs.
Man sollte allerdings wissen, dass all das stark im spanischen Kontext verwurzelt ist. Einen Teil der Pointen wird man auch in Deutschland problemlos verstehen, denn die Sprache des Politzirkus ist international. Manche lokale Anspielung geht aber in der Übersetzung verloren.
Wo es hakt: Derbheit als Krücke
Torrente-Filme haben schon immer auf Obszönitäten, Humor unter der Gürtellinie und absichtlich beleidigende Witze gesetzt, und dieser Teil ist keine Ausnahme. Das Problem beginnt dort, wo die Derbheit kein Mittel mehr ist, sondern Ersatz: wenn eine Szene keine echte Pointe hat und deshalb eine Extraportion Ekel bekommt, in der Hoffnung, dass das zieht.
Beim sechsten Teil ermüdet das ein wenig. Wer die Reihe seit Jahrzehnten verfolgt, wird viele Gags wiedererkennen, und der Schockeffekt nutzt sich ab. Optisch sollte man ebenfalls keine Wunder erwarten. Torrente war nie für visuelle Raffinesse bekannt, auch hier ist die Bildsprache eher zweckmäßig als denkwürdig. Die Geschichte ist mehr eine lose Abfolge von Szenen als ein straffer Bogen. Bei einer sketchartigen Komödie geht das in Ordnung, in der zweiten Hälfte spürt man aber, wie der Rhythmus verloren geht.
Das Phänomen Torrente: Warum schauen wir immer noch zu?
Spannend ist die Frage, wie ein derart prolliger Held eine Reihe so lange am Leben halten kann. Die Antwort ist meiner Meinung nach einfach: Torrente ist ein Spiegel. In jeder Gesellschaft gibt es Leute, die lauter sind, als sie wert sind, und die ihre eigenen Vorurteile für die große Wahrheit halten. Segura bläst diesen Typus ins Groteske auf, und wir lachen, weil wir darin den Nachbarn erkennen, den Kollegen oder eben jenen Politiker, den wir in den Nachrichten sehen.
In diesem Teil ist diese Spiegelfunktion stärker denn je, denn die Politik sieht ohnehin immer mehr wie ein Torrente-Film aus. Vielleicht kommt die Fortsetzung genau deshalb zur richtigen Zeit: Die Wirklichkeit hat die Parodie eingeholt, und Segura nutzt das aus.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die die früheren Torrente-Teile mögen, derben Humor ohne Rücksicht auf Korrektheit schätzen und Spaß an politischer Parodie haben. Mit Freunden und einem Bier ist das richtig gute Unterhaltung.
- Lieber auslassen, wenn: Wer mit Obszönitäten, Fäkalhumor und Gags auf Basis beleidigender Klischees nichts anfangen kann, sollte einen großen Bogen um den Film machen. Für Kinder und Jugendliche ist er ohnehin nichts.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Borat (2006), Der Diktator (2012), Die nackte Kanone (1988), Ich, beide & sie (2000)
Häufige Fragen
Worum geht es in Torrente presidente?
Um eine satirische Komödie, die spanische Gesellschafts- und Politikklischees aufs Korn nimmt, mit Parodien realer Ereignisse und Gastauftritten aus der Politik.
Kann man Torrente presidente mit Kindern schauen?
Nein. Wegen des derben, vulgären Humors und der bewusst beleidigenden Witze ist der Film ausschließlich etwas für Erwachsene.
Wer hat bei Torrente presidente Regie geführt?
Santiago Segura, der auch die Hauptrolle spielt.
Wer spielt in Torrente presidente mit?
Neben Santiago Segura sind Fernando Esteso, Jerónimo Nieto, Damián Ramos, Alec Baldwin und Omar Montes zu sehen.
Lohnt es sich, im Kino für Torrente zu stimmen?
Wer José Luis Torrente schon bisher verehrt hat, muss nicht zögern: Der sechste Teil liefert das gewohnte Niveau und ist dank der Politsatire stellenweise sogar schärfer als die vorherigen Abenteuer. Wer sich bei diesem Humor dagegen schon immer die Haare gerauft hat, wird auch von Torrente presidente nicht bekehrt. Dieser Film will niemandem gefallen, und genau das macht ihn aus. Von mir gibt es eine mittelmäßige, aber ehrlich unverschämte Empfehlung: mit Kumpels, in ausgelassener Stimmung und ohne große Erwartungen ins Kino gehen.
