Vaiana Kritik: Wenn der Ozean ruft und Disney endlich wieder richtig groß singt
Manche Animationsfilme schaut man einmal und vergisst sie wieder. Andere laufen in der Familie so lange in Dauerschleife, bis selbst der Hund die Songs mitsummt. Vaiana gehört ganz klar zur zweiten Sorte. Disneys polynesisches Abenteuer von 2016 wirkt auch heute noch frisch, witzig und wunderschön, und es steckt so viel Herz darin, dass auch die Erwachsenen nicht nebenbei aufs Handy schielen.
Vaiana ist einer der Höhepunkte des modernen Disney: ein schwungvoller Abenteuerfilm mit einer starken Heldin, tollem Humor und Bildern, bei denen man sofort an den Strand will.
Vaiana: Trailer
Filmdaten
| Original | Moana |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 22.12.2016 |
| Regie | Ron Clements, John Musker |
| Besetzung | Auliʻi Cravalho, Dwayne Johnson, Rachel House, Temuera Morrison, Jemaine Clement, Nicole Scherzinger |
| Genre | Abenteuerfilme, Komödien, Familienfilme, Animationsfilme |
| Laufzeit | 103 Min. |
| FSK | 0 |
| Land | Amerikanische Filme |
Eine Insel, ein Fluch und ein Mädchen, das nicht stillsitzen kann
Die Geschichte führt uns ins alte Polynesien, auf eine Insel, die von einem aufbrausenden Häuptling regiert wird. Ärger zieht auf, als der schreckliche Fluch des Halbgotts Maui die Insel erreicht und die vertraute, sichere Welt ins Wanken gerät. Die Tochter des Häuptlings, Vaiana (im Original Moana), ist stur, neugierig und absolut nicht der Typ, der brav abwartet, bis jemand anderes das Problem löst.
Der Ozean ruft sie, und sie antwortet: Sie macht sich auf den Weg, um Maui aufzuspüren und wieder geradezubiegen, was der Halbgott angerichtet hat. Das ist der Ausgangspunkt, und ehrlich gesagt muss man vorher auch nicht mehr wissen. Die Stärke des Films liegt nicht in überraschenden Wendungen, sondern darin, wie er diese klassische Heldenreise mit Humor, Gefühl und jeder Menge unvergesslicher Momente füllt.
Der Aufbau dürfte allen bekannt vorkommen, die schon ein paar Disney-Märchen gesehen haben: Es gibt ein Zuhause, das man verlassen muss, ein Abenteuer und mehrere Bewährungsproben. Nur ist die Form hier keine lästige Pflicht, sondern eine gut geölte Maschine, die sich in 103 Minuten kaum einen Leerlauf erlaubt.
Vaiana ist keine Prinzessin, und das sagt sie auch laut
Jahrzehntelang lebte Disney von Prinzessinnen in Not, bevor das Studio nach und nach eine Galerie von Heldinnen aufbaute, die auf eigenen Beinen stehen. Vaiana ist eines der rundesten Beispiele dieser Entwicklung. Keine Liebesgeschichte, kein rettender Prinz, nie das Gefühl, dass die Figur nur darauf wartet, endlich bemerkt zu werden.
Vaianas Wille, ihre Zweifel und ihre Fehler treiben die Handlung voran. Sie ist dickköpfig, manchmal unüberlegt, aber gerade dadurch glaubwürdig. Auliʻi Cravalho bringt mit ihrer Stimme Frische und Ehrlichkeit in die Rolle: Man hört keine Disney-Stimme von der Stange, sondern ein junges Mädchen, in dem Unsicherheit und Feuer zugleich stecken.
Ich mag sehr, dass der Film den inneren Konflikt seiner Heldin ernst nimmt. Es geht nicht nur darum, ob sie von A nach B kommt, sondern auch darum, was es heißt, den eigenen Weg zu gehen, während die Erwartungen von Familie und Gemeinschaft an einem zerren. Kinder verstehen diese Zerrissenheit, Eltern kennen sie vermutlich noch besser.
Dwayne Johnson als Halbgott, den man einfach lieben muss
Wer ein Paradebeispiel für perfektes Casting sucht, sollte sich ansehen, wie Dwayne Johnson zu Maui wurde. Der großmäulige, selbstverliebte und doch tief im Inneren verletzliche Halbgott scheint ihm auf den Leib geschrieben. Johnson liefert sein bekanntes Charisma und die laute Selbstverliebtheit, hat aber auch überraschend feine Momente, in denen hinter der Macho-Fassade etwas viel Menschlicheres hervorblitzt.
Das Duo Vaiana und Maui ist der Motor des Films. Die beiden reiben sich ständig aneinander, sticheln und streiten, und aus genau dieser Dynamik entsteht ein Großteil des Humors. Ein klassisches Buddy-Movie, nur eben im Kanu auf offener See.
Auch die Nebenfiguren sind stark. Rachel House als Großmutter Tala ist eines der Herzstücke des Films, eine Oma, wie sie sich jeder wünscht: ein bisschen verrückt, sehr weise und mit einem genauen Gespür für ihre Enkelin. Temuera Morrison gibt als Häuptling Tui den strengen, besorgten Vater, und Nicole Scherzinger ist als Sina die leisere, aber wichtige Stimme der Familie. Jemaine Clement macht aus Tamatoa einen unvergesslich arroganten, glitzernden Bösewicht, dessen Auftritt zu den unterhaltsamsten Momenten des ganzen Films gehört.
Ein Extralob verdient Alan Tudyk, der als Stimme des hoffnungslos dämlichen Hahns Heihei fast ohne Worte einen Teil der Show stiehlt. Ganz ehrlich: Selten habe ich eine animierte Nebenfigur erlebt, die mit so wenigen Mitteln so viele Lacher holt.
Alte Hasen, die ihr Handwerk noch immer beherrschen
Auf den Regiestühlen sitzen Ron Clements und John Musker, und die beiden sind nicht irgendwer: Sie stehen unter anderem hinter Arielle, die Meerjungfrau und Aladdin, also hinter zwei Grundpfeilern der Disney-Renaissance. Vaiana beweist, dass die alten Meister nicht in den Neunzigern stehen geblieben sind.
Man merkt ihnen an, dass sie genau wissen, wie man ein Musical als Animationsfilm aufbaut. Die Songs bremsen die Geschichte nicht aus, sondern tragen sie weiter, der Rhythmus sitzt, Humor und dramatische Momente wechseln sich gekonnt ab. Gleichzeitig ist der Film absolut zeitgemäß: Tempo, Gags und Heldin sind ganz auf das Publikum der 2010er Jahre zugeschnitten.
Was mir besonders gefällt, ist die Selbstsicherheit. Vaiana hetzt nicht und will nicht in jeder Sekunde allen gefallen. Der Film lässt auch ruhigen, emotionalen Szenen ihren Raum, und genau dadurch wird er mehr als ein netter Familienausflug ins Kino.
Wasser, Licht, Farbe: Bilder, die die Konkurrenz alt aussehen lassen
Von wenigen Animationsfilmen würde ich sagen, dass das Wasser eine Hauptrolle spielt, hier ist es buchstäblich so. Der Ozean ist keine Kulisse, sondern eine eigene Figur, die spielt, reagiert und lenkt. Mit wie viel Witz und Charme die Disney-Animatoren das umgesetzt haben, ist schlicht verblüffend.
Die Farbpalette ist satt und warm, Türkis und Grün in allen Schattierungen, und die Bilder der üppig bewachsenen Inseln oder der Fahrt unter dem Sternenhimmel sind einfach wunderschön. Mauis bewegliche Tattoos sind ein kleiner Geniestreich für sich: Sie zeigen das Innenleben der Figur und sehen dabei auch noch völlig eigenständig aus.
- Das Meer: lebendig, verspielt, und die technische Glanzleistung erdrückt nie die Stimmung.
- Das Figurendesign: ausdrucksstarke Gesichter, treffende Körpersprache, und Heiheis leerer Blick ist ein Genre für sich.
- Die Actionszenen: schwungvoll, übersichtlich und auch für die Kleineren nicht zu gruselig.
Wo gerät das Kanu ins Schwanken?
Perfekte Filme gibt es nicht, und Vaiana ist auch keiner. Das Grundgerüst der Geschichte ist ziemlich vorhersehbar: Wer ein paar Disney-Märchen kennt, ahnt ungefähr, welche Stationen die Handlung abklappern wird. Manche Wendung wirkt eher wie Pflichtprogramm als wie eine echte Überraschung.
Auch der Mittelteil ist etwas episodisch geraten. Einzelne Abenteuer wirken eher wie für sich stehende, spektakuläre Nummern als wie Teile einer eng verwobenen Geschichte. Für sich genommen machen sie Spaß, aber der Rhythmus sackt hier und da kurz ab.
Das sind allerdings Kleinigkeiten. Der Film steckt so voller Energie, Humor und Herz, dass die kleinen Holperer schnell vergessen sind, sobald wieder ein Song erklingt oder Heihei mal wieder gegen irgendetwas läuft.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für Familien, die einen gemeinsamen Filmabend suchen, an dem wirklich alle Spaß haben, und für alle, die musikalische Disney-Abenteuer mit starken Heldinnen und viel Humor lieben.
- Lieber auslassen, wenn: Wer gegen Musicals allergisch ist oder von einem Animationsfilm eine mutige, unberechenbare Erzählweise erwartet, dem dürfte die klassische Märchenstruktur zu wenig sein.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Arielle, die Meerjungfrau (1989), Aladdin (1992), Frozen (2013), Brave (2012), Raya und der letzte Drache (2021)
Häufige Fragen
Worum geht es in Vaiana?
Der Film spielt im alten Polynesien: Als der schreckliche Fluch des Halbgotts Maui die Insel eines Häuptlings erreicht, folgt dessen eigensinnige Tochter Vaiana dem Ruf des Ozeans und bricht auf, um Maui zu finden und das Unheil abzuwenden.
Wann kam Vaiana in die deutschen Kinos?
Vaiana startete am 22. Dezember 2016 in den deutschen Kinos.
Wie lang ist Vaiana?
Der Film dauert 103 Minuten.
Wer hat bei Vaiana Regie geführt?
Regie führten Ron Clements und John Musker.
Wer spricht Maui und Vaiana im Original?
In der Originalfassung leiht Auliʻi Cravalho Vaiana (Moana) ihre Stimme, Maui wird von Dwayne Johnson gesprochen.
Steigst du mit Vaiana ins Kanu?
Auf jeden Fall. Vaiana ist einer dieser Animationsfilme, die auch Jahre nach dem Kinostart noch genauso gut funktionieren wie beim ersten Mal. Er hat eine starke, liebenswerte Heldin, einen grandios besetzten Dwayne Johnson als Halbgott, einprägsame Nebenfiguren und eine Optik, über die man bis heute nur staunen kann. Die Geschichte erfindet das Genre nicht neu, das will sie aber auch gar nicht: Clements und Musker wissen genau, wie man ein klassisches Abenteuer mit Herz und Schwung erzählt. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte das nachholen. Und wer ihn schon kennt, schaut ihn wahrscheinlich sowieso bald wieder, weil die Kinder danach fragen. Mal ehrlich: Du wirst dich nicht beschweren.
