Werwulf Vorab-Kritik: Robert Eggers lässt die Bestie auf die Kinos los
Steht der Name Robert Eggers auf einem Horrorplakat, habe ich die Karte schon gekauft, und es stört mich nicht, wenn ich danach zwei Wochen schlecht schlafe. Werwulf startet am 7. Januar 2027 in den deutschen Kinos, und die Besetzung sieht aus, als hätte der Regisseur seine verlässlichsten Komplizen für eine weitere finstere Nacht zusammengetrommelt. Hier also meine Vorab-Kritik: worauf wir uns freuen dürfen und wo die Sache schiefgehen könnte.
Auf dem Papier der vielversprechendste Horrorfilm des Jahres 2027. Wenn Eggers in gewohnter Form ist, könnte Werwulf zum neuen Maßstab für Werwolf-Filme werden.
Werwulf: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 7.1.2027 |
|---|---|
| Regie | Robert Eggers |
| Besetzung | Aaron Taylor-Johnson, Willem Dafoe, Bodhi Rae Breathnach, Ralph Ineson, Lily-Rose Depp, Jack Morris |
| Genre | Horrorfilme |
| FSK | 16 |
| Land | Amerikanische Filme |
Worum geht es? Bisher ist der Nebel dichter als in einem Eggers-Wald
Ich will ehrlich sein: Offiziell wissen wir über die Handlung von Werwulf genau so viel, wie der Titel verrät, also praktisch nichts. Es wird um einen Werwolf gehen, so viel steht fest. Wem da das Fell unter der Haut wächst, wer wen jagt und wie das Ganze ausgeht, werde ich mir hier nicht zusammenreimen, denn das wäre unseriös.
Bei Eggers ist das allerdings überhaupt kein Problem. Für Wendungen bin ich bei seinen Filmen nie ins Kino gegangen. Mich reizt, wie er eine alte, verstaubte Legende entstaubt und dabei trotzdem den Staub behält. Der Werwolf ist genau so ein Stoff: eine uralte Angst, die das Kino in den letzten Jahrzehnten mal zur Gummimaske, mal zur Kulisse für Teenie-Romanzen gezähmt hat. Ich erwarte, dass Eggers ihm seine Zähne zurückgibt.
Robert Eggers, der Regisseur, der selbst die Vergangenheit spuken lässt
Eggers' Karriere verläuft bisher erstaunlich konstant, was im Horrorgenre selten ist. The Witch (2015) zeigte den langsamen Zerfall einer puritanischen Familie, und danach konnten viele nicht mehr entspannt eine Ziege ansehen. Der Leuchtturm (2019) war schwarz-weißer Wahnsinn mit zwei Männern und sehr viel Alkohol. The Northman (2022) wurde ein brutales Wikinger-Rache-Epos, und Nosferatu (2024) bewies, dass man selbst einem totgefilmten Klassiker noch etwas Neues abringen kann.
Der gemeinsame Nenner: Eggers hält sich geradezu besessen an historische Genauigkeit, an Sprache und Aberglauben. Das Übernatürliche ist bei ihm kein Jump Scare, sondern Atmosphäre, die einem langsam unter die Haut kriecht. Ein Werwolf-Film in seinen Händen wird meiner Meinung nach kein actionlastiger Monsterhorror, eher ein bedrückender, erdiger, dreckiger Albtraum. Und genau das will ich sehen.
Vertraute Gesichter im Mondlicht: die Besetzung
Wenn ich mir die Besetzungsliste anschaue, wirkt es fast, als arbeite Eggers mit einem eigenen Ensemble. Willem Dafoe stand schon bei Der Leuchtturm und Nosferatu für ihn vor der Kamera, und ich kenne kaum einen Schauspieler, der so selbstverständlich gleichzeitig furchteinflößend und bemitleidenswert sein kann. Taucht Dafoe in einem Eggers-Film auf, passiert etwas Seltsames.
Ralph Ineson ist seit The Witch die Lieblingsstimme des Regisseurs, mit diesem tiefen Organ, das klingt, als käme es direkt aus der Erde, und das selbst ein schlichtes Gebet in eine Drohung verwandelt. Aaron Taylor-Johnson und Lily-Rose Depp haben beide bei Nosferatu mit Eggers gearbeitet. Depp hat dort eine enorme körperliche und seelische Last geschultert, ich bin also gespannt, was sie diesmal bekommt.
Außerdem auf der Liste: Bodhi Rae Breathnach, Jack Morris und Ritchi Edwards. Wer wen spielt und wer die Hauptrolle übernimmt, ist bislang nicht bekannt, also spekuliere ich auch nicht. Nur so viel: Bei Eggers liefern auch die weniger bekannten Gesichter regelmäßig Unvergessliches ab, die Kinder aus The Witch habe ich bis heute vor Augen.
Was könnte diesen Film richtig gut machen?
Aus meiner Sicht gibt es drei Gründe, warum Werwulf ein Volltreffer werden könnte.
- Das Genre ist ausgehungert. Werwolf-Filme sind seit Langem die Stiefkinder des Horrors. Ernstzunehmende Vampir- und Zombiefilme bekommen wir dutzendweise, Werwölfe kaum. Höchste Zeit, dass sie jemand ernst nimmt.
- Eggers und die Folklore. Der Regisseur liebt alte Volksglauben ganz offensichtlich. Die Werwolf-Sage ist genau die Art von volkstümlicher Schauergeschichte, aus der er am meisten herausholen kann.
- Ton und Bild. Die Klangkulisse seiner Filme war bisher immer erstklassig: heulender Wind, knarzendes Holz, Flüstern. Ein Wolfsgeheul kann in dieser Umgebung bis ins Mark gehen.
Und dann ist da noch der Winterstart. Anfang Januar, dunkle Nachmittage, Kälte. Bessere Bedingungen für einen Werwolf-Horror gibt es kaum.
Wo könnten die Risiken zurückbeißen?
Ich will nicht voreingenommen klingen, deshalb hier auch meine Zweifel. Erstens: das Tempo. Eggers' Filme sind langsam, und das mögen viele nicht. Wer beim Wort Werwolf einen flotten Monsterfilm erwartet, könnte enttäuscht sein, wenn der Film minutenlang nur in Schlamm, Nebel und Angst watet.
Zweitens: das Monster selbst. Der ewige Fluch des Werwolf-Kinos sind die Verwandlung und die Darstellung der Kreatur. Zeigt man zu viel, wirkt es schnell lächerlich, zeigt man zu wenig, vermisst das Publikum etwas. Ich bin gespannt, wie Eggers das löst, schließlich hat schon sein Orlok in Nosferatu die Zuschauer gespalten.
Drittens: die Erwartungen. Nach vier starken Filmen liegt die Messlatte extrem hoch. Einen bloß guten Eggers-Film werden viele bereits als Enttäuschung verbuchen. Das ist ein bisschen unfair, aber so funktioniert Hype nun mal.
Für wen ist Werwulf, und für wen eher der Popcorn-Monsterfilm?
Dieser Film gehört vermutlich nicht in die Kategorie Wochenend-Grusel zum Aufschrecken und Kichern. Er richtet sich eher an alle, die es mögen, wenn ein Horrorfilm sie auch nach dem Abspann nicht loslässt, und die sich für Mythos, historisches Setting und Atmosphäre interessieren. Wer mit The Witch oder Nosferatu etwas anfangen konnte, wird meiner Meinung nach auch hier fündig.
Freunde der klassischen Linie dürfen ruhig an die alte Universal-Tradition denken: Der Wolfsmensch gehört zu den ältesten Monstern des Kinos, und in ihm steckte immer etwas Tragisches, der Mensch, der das Tier in sich nicht beherrschen kann. Ich vermute, Eggers nimmt diese Tragödie mindestens so ernst wie das Erschrecken.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für Eggers-Fans, für Liebhaber von langsam aufgebautem, atmosphärischem Horror und für alle, die schon lange auf einen ernstzunehmenden Werwolf-Film warten.
- Lieber auslassen, wenn: Wer einen temporeichen, actiongeladenen Monsterfilm oder leichte Schreckmomente sucht, wird wahrscheinlich ungeduldig im Kinosessel herumrutschen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: The Witch (2015), Der Leuchtturm (2019), The Northman (2022), Nosferatu, Der Untote (2024), Wolfman (2010)
Häufige Fragen
Wann startet Werwulf in den deutschen Kinos?
Werwulf startet am 7. Januar 2027 in Deutschland.
Wer führt bei Werwulf Regie?
Regie führt Robert Eggers, der zuvor The Witch, Der Leuchtturm, The Northman und Nosferatu gedreht hat.
Wer spielt in Werwulf mit?
Zur Besetzung gehören Aaron Taylor-Johnson, Willem Dafoe, Bodhi Rae Breathnach, Ralph Ineson, Lily-Rose Depp, Jack Morris und Ritchi Edwards.
Welches Genre hat Werwulf?
Werwulf ist ein US-amerikanischer Horrorfilm.
Aus welchem Land stammt der Film?
Werwulf ist eine US-amerikanische Produktion.
Lohnt sich das Warten auf den Januar-Vollmond?
Ich finde: ja, unbedingt. So etwas sage ich selten über einen Film, über dessen Handlung wir fast nichts wissen, aber Eggers hat bisher keinen Anlass zum Zweifeln gegeben, und die Besetzung besteht aus seinen besten Weggefährten. Tempo und Monsterdarstellung könnten die Schwachstellen sein, doch wenn der Regisseur seine Form hält, kann Werwulf einer der eindrucksvollsten Horrorfilme des Jahres 2027 werden. Ich sitze am 7. Januar in der ersten Vorstellung und verspreche nicht, danach mutig im Dunkeln nach Hause zu gehen.
