Wie verhext Vorab-Kritik: Disney mit Hexen, einem aufbrausenden Teenager und einer Mutter voller Geheimnisse
Disney hat schon einmal bewiesen, dass aus einem Familiengeheimnis und einer Prise Magie ein Kinofilm fürs Leben entstehen kann. Jetzt folgt der nächste Versuch, diesmal mit Hexen, einem rebellischen Teenager aus der Vorstadt und einer Mutter, die ganz offensichtlich mehr weiß, als sie zugibt. Wie verhext startet Ende November in den deutschen Kinos, und wir fragen uns schon jetzt: Wird das der Familienhit zu Weihnachten oder nur ein weiterer hübscher, aber schnell vergessener Märchenfilm?
Auf dem Papier ist alles da für ein herzerwärmendes, bildgewaltiges Disney-Hexenmärchen. Beweisen muss der Film aber noch, dass er dem bewährten Rezept auch eine eigene Note hinzufügt.
Wie verhext: Trailer
Filmdaten
| Original | Hexed |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 26.11.2026 |
| Regie | Jason Hand, Josie Trinidad |
| Genre | Animationsfilme |
| Land | Amerikanische Filme |
Worum geht es? Ein Mädchen aus der Vorstadt, aus dem die Magie herausbricht
Im Mittelpunkt steht Billie, ein aufbrausender, etwas eigenwilliger Teenager, die plötzlich feststellt, dass sie magische Kräfte besitzt. Das allein wäre noch keine Sensation, schließlich baut gefühlt jeder zweite Animationsfilm darauf auf. Der Clou: Lässt Billie diese Kraft frei, reißt sie das buchstäblich aus ihrem gewohnten Vorstadtleben. Am Ende einer spektakulären Reise landet sie in einem Reich, in dem Hexen leben. Sein Name: Hexe.
Allein ist Billie dabei nicht. Ihre Mutter Alice, laut Beschreibung eine äußerst vorsichtige Frau, spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Gemeinsam müssen die beiden die rätselhafte Vergangenheit ihrer Familie entwirren, und was sie herausfinden, könnte die gesamte Hexenwelt verändern. Mehr wissen wir nicht, und ehrlich gesagt wollen wir auch gar nicht mehr wissen: Bei solchen Filmen macht das Entdecken die Hälfte des Vergnügens aus.
Mutter und Tochter: Hier schlägt das Herz des Films
Wenn mich etwas wirklich neugierig macht, dann nicht die Zahl der Zauberstäbe und fliegenden Besen, sondern die Beziehung zwischen Billie und Alice. Die Ausgangslage ist klar: ein hitzköpfiger Teenager, der ausbrechen will, und eine vorsichtige, besorgte Mutter. Diesen Konflikt kennt jedes Elternteil und jeder ehemalige Teenager auswendig. Packt der Film ihn richtig an, nicken im Kinosaal zwei Generationen gleichzeitig.
Die übervorsichtige Mutter ist natürlich sofort verdächtig. In einem Märchenfilm beschützt ein Elternteil sein Kind meist deshalb so sehr vor der Welt, weil es etwas weiß. Was genau, verrät der Film noch nicht, und wir wollen auch nicht spekulieren. Sicher ist nur: Geschichten über die geheimnisvolle Familienvergangenheit funktionieren dann, wenn das Geheimnis nicht bloß Wendung im Plot ist, sondern echte emotionale Fallhöhe hat. Steckt hinter Alices Vorsicht echter Schmerz und eine echte Entscheidung, kann daraus großes Kino werden.
Mich erinnert das ein wenig an das Familiendrama in Encanto und an das generationenübergreifende Geheimnis in Coco. Beide Filme haben so viele Menschen berührt, weil die Magie nur der Rahmen für eine zutiefst menschliche Geschichte war. Genau das könnte auch der größte Trumpf von Wie verhext sein.
Ein Reich der Hexen: Optik, wie gemacht für Disney
Eine Welt voller Hexen ist in einem Animationsfilm praktisch eine leere Leinwand für die Designer. Sie kann düster und gotisch sein, bunt und märchenhaft, schräg, grotesk oder verspielt. Die Beschreibung spricht von einer „außergewöhnlichen, spektakulären Reise“, und das heißt für mich: Das Studio setzt stark auf das visuelle Erlebnis.
Das technische Niveau der Walt Disney Animation Studios muss man niemandem erklären. Die spannendere Frage ist, wie sehr sich das Studio von seiner eigenen, fast schon fabrikmäßigen Ästhetik lösen traut. In den letzten Jahren hatte ich öfter das Gefühl, dass die Filme wunderschön, aber etwas gleichförmig sind: immer dieselbe glänzende, saubere, weiche Welt. Ein Hexenreich wäre der perfekte Anlass, mal etwas zu wagen, mit kühneren Formen, schattigeren Tönen und einer Prise Gänsehaut. Auch der Kontrast liegt auf der Hand: Der Wechsel von der alltäglichen Vorstadt ins magische Hexe könnte, gut umgesetzt, genau der Moment werden, von dem Kinder noch wochenlang erzählen.
Die Macher: zwei Regisseure, eine gemeinsame Vision
Regie führen Jason Hand und Josie Trinidad. Regie-Duos sind bei Disney-Animationsfilmen gängige Praxis und tun einem Projekt meist gut: Oft stärkt einer die visuelle Seite, der andere die Geschichte, und aus dem Dialog der beiden entsteht ein ausgewogeneres Ergebnis. Wie die Arbeitsteilung hier aussieht, wissen wir nicht, aber hinter den beiden Namen steht ganz offensichtlich eine große Studioproduktion, die über längere Zeit gewachsen ist.
Was mich zuversichtlich stimmt: Es ist eine brandneue, originale Geschichte. Keine Fortsetzung, kein Realfilm-Remake, kein aufgewärmter Klassiker. Nach der Sequel-Flut der letzten Jahre ist es richtig erfrischend, dass Disney mit einer frischen Welt und neuen Figuren kommt. Das ist natürlich auch ein Risiko, weil keine Fanbasis dahintersteht. Aber genau aus solchen Filmen werden oft die Lieblinge des nächsten Jahrzehnts.
Wo könnte der Zauber kippen?
Fair wäre es nicht, nur über die Vorfreude zu schreiben. Ein paar Dinge machen mich vorsichtig:
- Das Auserwählten-Klischee. Das eigenwillige Mädchen, das entdeckt, dass es besonders ist, und von dem das Schicksal einer verborgenen Welt abhängt: Dieses Muster hat das Kino schon unzählige Male durchgespielt. Wie verhext braucht etwas, das den Film aus der Masse hebt.
- Überladener Weltenbau. Ein komplett neues Reich vorzustellen erfordert viel Erklärung. Prasseln zu viele Regeln, Namen und Mythen auf uns ein, kann der emotionale Faden schnell verloren gehen.
- Gezähmte Hexen. Die Hexe ist von Natur aus eine aufregende, leicht unheimliche Figur. Schleift der Film alle Kanten ab, wird die Welt hübsch, aber zahnlos.
- Die aufbrausende Heldin. Ein trotziger Teenager ist liebenswert, wenn wir seine Wut verstehen. Ist Billie nur laut und nervig, wenden sich auch die jüngeren Zuschauer ab.
Nichts davon ist fatal, und das Studio hat oft genug bewiesen, dass es aus bekannten Zutaten Unvergessliches machen kann. Aber genau an diesen Punkten entscheidet sich der Film.
Familienfilm zu Weihnachten oder saisonaler Lückenfüller?
Der Start Ende November ist kein Zufall: Jetzt beginnt die Hochsaison fürs Familienkino, wenn Eltern etwas suchen, das sie vor und während der Weihnachtsferien gemeinsam mit den Kindern anschauen können. Wie verhext zielt genau auf diese Lücke, und daran ist nichts falsch. Die Frage ist nur, ob daraus ein Dauerliebling wird, den man jahrelang immer wieder schaut, oder ein Film, den man einmal sieht, mag und dann vergisst.
Vom Thema her tippe ich eher auf Ersteres. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, ein Familiengeheimnis und eine völlig neue magische Welt: Das sind genau die Zutaten, die in Disneys besten Momenten echte Gefühle ausgelöst haben. Sitzt dann auch noch die Musik, und in einer Hexenwelt stehen die Chancen dafür gut, summen die Kinder im Dezember vielleicht genau diese Lieder.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für Familien, die zauberhafte, gefühlvolle Disney-Märchen lieben, und ganz besonders für Mütter und Töchter, die sich gemeinsam ein Kinoerlebnis gönnen wollen.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die Auserwählten-Geschichten satthaben oder sich einen düstereren, erwachseneren Hexenfilm wünschen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Encanto (2021), Coco (2017), Brave (2012), Die Eiskönigin (2013), Vaiana (2016)
Häufige Fragen
Wann startet Wie verhext in den deutschen Kinos?
Wie verhext kommt am 26. November 2026 in die deutschen Kinos.
Worum geht es in Wie verhext?
Um Billie, einen aufbrausenden und eigenwilligen Teenager, die ihre magischen Kräfte entdeckt und in Hexe landet, ein Reich voller Hexen. Dort versucht sie gemeinsam mit ihrer vorsichtigen Mutter Alice, die rätselhafte Vergangenheit ihrer Familie aufzudecken.
Wer hat bei Wie verhext Regie geführt?
Regie führen Jason Hand und Josie Trinidad.
Welches Studio steht hinter dem Film?
Wie verhext (Originaltitel: Hexed) ist ein neuer US-amerikanischer Animationsfilm der Walt Disney Animation Studios.
Ist Wie verhext eine Fortsetzung oder ein Remake?
Nein, der Film erzählt eine brandneue, originale Geschichte aus dem Hause Walt Disney Animation Studios.
Sollte man sich Billies Hexenabenteuer im November vormerken?
Ich finde: ja. Eine originale Disney-Geschichte, die weder Fortsetzung noch Remake ist, verdient schon für sich Aufmerksamkeit. Dazu kommt ein Hexenmärchen, das auf der Beziehung zwischen Mutter und Tochter aufbaut und voller Familiengeheimnisse steckt, eine sehr gute Grundlage für gefühlvolles, bildstarkes Kino. Die Risiken sind real: Das Auserwählten-Muster und überfrachteter Weltenbau haben schon so manchen vielversprechenden Film ausgebremst. Doch wenn Billies Wut glaubwürdig ist, Alices Geheimnis wehtut und Hexe tatsächlich so zauberhaft wird, wie die Beschreibung verspricht, dann erwartet uns Ende November ein echter Familienliebling für den Winter. Unsere erwartete Wertung: starke 7,5 von 10, mit Luft nach oben.
