Wild Horse Nine Vorab-Kritik: Martin McDonagh wieder mit Sam Rockwell, und das allein ist schon ein Fest
Hätte sich jemand diese Besetzung nach drei Bier in der Stammkneipe ausgedacht, sie könnte kaum besser sein. Martin McDonaghs neue Komödie Wild Horse Nine bringt Sam Rockwell, Steve Buscemi, Parker Posey, John Malkovich und Tom Waits auf eine Leinwand. Bis zum 12. November heißt es noch warten, aber die Vorfreude ist hier schon die halbe Miete.
Auf dem Papier eine der lässigsten Autorenkomödien des Jahres, und McDonaghs bisherige Laufbahn gibt uns allen Grund, ihr zu vertrauen.
Wild Horse Nine: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 12.11.2026 |
|---|---|
| Regie | Martin McDonagh |
| Besetzung | Sam Rockwell, Steve Buscemi, Parker Posey, John Malkovich, Tom Waits, Mariana Di Girolamo |
| Genre | Komödien |
| FSK | 16 |
| Land | Amerikanische Filme, Britische Filme |
Was wissen wir bisher über Wild Horse Nine?
Fangen wir mit einem Geständnis an: Rund sechs Wochen vor dem Start ist über die Handlung kaum etwas bekannt, und ich werde mir keine Geschichte zusammenreimen, nur damit hier mehr Text steht. Sicher ist: Wild Horse Nine ist eine amerikanisch-britische Komödie, Regie führt Martin McDonagh, und in den deutschen Kinos startet der Film am 12. November 2026.
Das war's. Und ehrlich gesagt? Bei McDonagh reicht das völlig, um sich den Termin dick im Kalender anzustreichen. Er ist einer jener Filmemacher, bei denen das Etikett „Komödie“ nie leichte Nachmittagsunterhaltung bedeutet. Bei ihm schiebt sich das Lachen immer neben etwas Dunkleres, Peinlicheres, zutiefst Menschliches, und oft weiß man im Kinosessel selbst nicht, ob man gerade lachen darf. Der Titel passt dazu perfekt: Er klingt nach wildem Western und zugleich seltsam absurd, wie der Name einer Legende, die man sich am Tresen erzählt. Was dahintersteckt, erfahren wir erst im Kino.
McDonagh, der irische Meister des schwarzen Humors
Wer Brügge sehen… und sterben? gesehen hat, weiß, wovon ich spreche. Zwei Auftragskiller in einer belgischen Kleinstadt und ein Film, der gleichzeitig komisch, herzzerreißend und brutal war. Danach kam 7 Psychos, der den Gangsterfilm genüsslich auf links drehte, dann Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, eine Komödie über Trauer und Wut, und schließlich The Banshees of Inisherin, wo das Ende einer Männerfreundschaft zum tragikomischen Epos anwuchs.
Ein Element verbindet all diese Filme: die Dialoge. McDonaghs Figuren reden nicht einfach, sie führen ihre Sätze wie Klingen. Sie bekommen Zeilen, die man noch wochenlang zitiert und die derb und überraschend zärtlich zugleich sind. Ist Wild Horse Nine auch nur halb so gut geschrieben wie seine früheren Arbeiten, bekommen wir eine der am besten geschriebenen Komödien des Jahres.
Das zweite Markenzeichen ist der Tonwechsel. In einer Szene noch lauter Slapstick, in der nächsten bricht jemand ganz still zusammen. Ein riskantes Spiel, das bei ihm bisher fast immer aufgegangen ist. Ich bin gespannt, wie weit er sich diesmal in Richtung Komödie treiben lässt, denn genau so wird der Film angekündigt.
Eine Besetzung, die schon ein eigenes Genre ist
Schauen wir uns diese Namensliste genauer an, sie hat wirklich einen eigenen Absatz verdient:
- Sam Rockwell: McDonaghs Stammschauspieler. In 7 Psychos hat er die Leinwand zerlegt, für Three Billboards gab es den Oscar. Wenn jemand weiß, wie man McDonaghs Texte zugleich bedrohlich und lächerlich klingen lässt, dann er.
- Steve Buscemi: der König der nervös plappernden Verlierer, dessen einzelner Gesichtsausdruck mehr erzählt als die Monologe anderer.
- Parker Posey: eine Ikone des amerikanischen Independentkinos, die in exzentrischen, überdrehten Rollen immer im Gedächtnis bleibt.
- John Malkovich: braucht keine Vorstellung. Seine Stimme, sein Tempo, seine merkwürdige Ruhe übernehmen jede Szene.
- Tom Waits: der Musiker unter den Schauspielern, der schon in 7 Psychos bei McDonagh auftauchte. Raue Stimme, verschrobene Präsenz, pure Mythologie.
Dazu kommen Mariana Di Girolamo, Ailín Salas und Paola Giannini, Namen, die hierzulande weniger bekannt sind. Welche Rollen sie spielen, wissen wir noch nicht, aber ihre Anwesenheit verspricht eine spannende Farbe im Ensemble. Sicher ist nur: In dieser Gesellschaft wird sich vor der Kamera niemand langweilen.
Was mich wirklich reizt: Das hier ist ein Traumteam aus Charakterdarstellern. Kein einziger glatter, steriler Filmstar weit und breit. Jeder ist unverwechselbar, und genau für solche Leute schreibt McDonagh am liebsten.
Was diesen Film richtig gut machen könnte
Drei Dinge stimmen mich ausgesprochen optimistisch.
Erstens: die gemeinsame Geschichte von Regisseur und Hauptdarsteller. Die Chemie zwischen Rockwell und McDonagh hat schon zweimal funktioniert, und selten weiß ein Regisseur so genau, was er aus seinem Schauspieler herausholen kann. Zweitens: Die Besetzung ist wie gemacht für schwarzen Humor. Buscemi, Malkovich, Waits, Posey: Diese Leute spielen seit Jahrzehnten die Sonderlinge, den Adel der Verlierer. Drittens: McDonagh produziert nicht am Fließband. Er dreht nicht jedes Jahr einen Film, er feilt an jedem Projekt gründlich, und das sieht man dem Ergebnis an.
Wenn alles zusammenpasst, bekommen wir eine Komödie, bei der wir laut lachen und gleichzeitig still mitleiden. Dieses Erlebnis bieten heute nur noch sehr wenige Filme.
Wo es schiefgehen könnte
Es wäre unfair, nur zu jubeln. Ein so dicht gedrängtes Starensemble birgt immer ein Risiko: Gut möglich, dass einige Darsteller kaum über einen Cameo hinauskommen und man das Kino mit dem Gefühl verlässt, dass etwas gefehlt hat. Bei fünf so markanten Schauspielern ist es ohnehin schwer, allen echten Raum zu geben.
Die zweite Gefahr ist, dass sich McDonaghs Stil wiederholt. Schon 7 Psychos hat sich ein wenig selbst kommentiert, und wenn Wild Horse Nine zu einer bloßen Parade schräger Figuren wird, die nebeneinander aufgereiht sind, könnte der Effekt verpuffen. Und schließlich: Wer wegen des Komödien-Etiketts einen leichten Familienspaß erwartet, dürfte überrascht werden. McDonaghs Humor war nie etwas für alle.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die Brügge sehen… und sterben?, 7 Psychos oder Three Billboards geliebt haben und schwarzen, dialoggetriebenen Humor lauten Pointen vorziehen.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die leichte, risikofreie Unterhaltung suchen oder sich daran stören, wenn eine Komödie auch grausame und unbequeme Momente bereithält.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Brügge sehen… und sterben? (2008), 7 Psychos (2012), Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017), The Banshees of Inisherin (2022), Fargo (1996)
Häufige Fragen
Wann startet Wild Horse Nine in den deutschen Kinos?
Wild Horse Nine startet am 12. November 2026 in Deutschland.
Wer hat bei Wild Horse Nine Regie geführt?
Regie führte Martin McDonagh.
Wer spielt in Wild Horse Nine mit?
Zur Besetzung gehören Sam Rockwell, Steve Buscemi, Parker Posey, John Malkovich, Tom Waits, Mariana Di Girolamo, Ailín Salas und Paola Giannini.
Welches Genre hat Wild Horse Nine?
Wild Horse Nine ist eine Komödie.
Aus welchem Land stammt Wild Horse Nine?
Der Film ist eine amerikanisch-britische Koproduktion.
Lohnt es sich, den 12. November im Kalender anzustreichen?
Ich finde: ja, und zwar mit dickem Filzstift. Martin McDonagh ist einer der verlässlichsten Autorenfilmer der letzten gut fünfzehn Jahre, er hat noch nie einen wirklich schwachen Film abgeliefert, und jetzt arbeitet er mit einer Besetzung, für die andere Regisseure einen Arm hergeben würden. Natürlich ist das eine Vorab-Kritik: Das echte Urteil fällen wir nach der Vorstellung. Aber wenn schwarzer Humor, messerscharfe Dialoge und schräge Figuren deine Welt sind, dürfte Wild Horse Nine einer der Pflichtfilme dieses Herbstes werden. Meine erwartete Wertung: eine starke Acht, mit Luft nach oben.
