Bullet Train Kritik: Brad Pitt steigt in den gefährlichsten Hochgeschwindigkeitszug der Welt, und Aussteigen ist nicht
Manche Filme fragen nicht um Erlaubnis. Sie ziehen die Notbremse und lachen dir dabei ins Gesicht. Bullet Train ist genau so ein Film: David Leitch, Regisseur von Deadpool 2, sperrt einen Haufen Auftragskiller in einen japanischen Hochgeschwindigkeitszug, lehnt sich zurück und schaut, was passiert. Und Brad Pitt treibt so entspannt durch das Chaos, als wäre er nur für einen Kaffee eingestiegen.
Eine laute, blutige, freche und ziemlich unterhaltsame Zugfahrt, die manchmal zu viel auf einmal will, aber selten langweilt.
Bullet Train: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 4.8.2022 |
|---|---|
| Regie | David Leitch |
| Besetzung | Brad Pitt, Joey King, Aaron Taylor-Johnson, Brian Tyree Henry, Andrew Koji, Szanada Hirojuki |
| Genre | Actionfilme, Komödien, Thriller |
| Laufzeit | 126 Min. |
| FSK | 16 |
| Land | Amerikanische Filme |
Ein Koffer, ein Zug, zu viele Killer
Die Ausgangslage ist simpel, und genau deshalb funktioniert sie. Ladybug, gespielt von Brad Pitt, wollte eigentlich aus dem Geschäft aussteigen, aber solche Versuche gehen bekanntlich selten gut aus. Seine mysteriöse Auftraggeberin Maria (Sandra Bullock) hat einen neuen Job für ihn: Er soll einen Aktenkoffer besorgen, koste es, was es wolle. Der Koffer reist in einem japanischen Schnellzug, der mit mehreren hundert Kilometern pro Stunde durchs Land rast. Ladybug steigt also ein und rechnet mit einer schnellen, sauberen Sache.
Natürlich kommt es anders. Im Zug sitzen nämlich noch ein paar andere Leute, die entweder den Koffer wollen, Ladybug wollen oder etwas ganz anderes. Killer, Rächer, Gauner und Diebe umkreisen einander, erst vorsichtig, dann immer wilder. Und der Zug fährt einfach weiter, ohne einen Halt, an dem man sich bequem verdrücken könnte. Mehr sollte man vorab gar nicht wissen, denn der größte Spaß liegt darin, wie sich die einzelnen Fäden ineinander verheddern.
Brad Pitt, der glückloseste Auftragskiller der Welt
Brad Pitt hat in den letzten Jahren sichtlich Gefallen daran gefunden, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, und das steht ihm hier hervorragend. Ladybug ist nicht die eiskalte, übercoole Tötungsmaschine, die das Genre sonst gewohnt ist. Er ist eher ein müder, leicht selbstmitleidiger Typ, der verzweifelt versucht, die Ruhe zu bewahren, während um ihn herum alles in Flammen aufgeht. Pitts komisches Timing sitzt, und er hat etwas entwaffnend Sympathisches, das den ganzen Film zusammenhält.
Das ist wichtig, denn der Film jongliert mit unzähligen Figuren und braucht einen festen Anker, an dem sich das Publikum festhalten kann. Pitt ist dieser Anker, selbst dann, wenn seine Figur gerade selbst nach Halt sucht.
Die Nebenfiguren, die allen die Show stehlen
Wenn es einen echten Grund gibt, in diesen Zug zu steigen, dann ist es das Ensemble. Aaron Taylor-Johnson und Brian Tyree Henry sind als Tangerine und Lemon das beste Duo des Films: zwei Killer, die sich ankeifen wie ein altes Ehepaar. Ihre Szenen sind flott, witzig und haben überraschend viel Herz.
Joey King räumt als Prince gründlich mit dem niedlichen Image auf, das viele mit ihr verbinden, und man sieht ihr den Spaß daran an. Andrew Koji als Kimura und Hiroyuki Sanada als The Elder bringen jenen ernsteren, schwereren Ton hinein, den der Film ab und zu braucht, damit er nicht in reinen Klamauk abrutscht. Michael Shannon macht als White Death das, was er am besten kann: Er wirkt schon durch bloße Anwesenheit bedrohlich. Sandra Bullock ist als Maria eher eine Würze, aber eine angenehme.
Allein diese Besetzungsliste ist ein kleines Fest. Selten bekommen in einer Actionkomödie so viele markante Schauspielerinnen und Schauspieler so viel Raum.
David Leitch, vom Stuntman zum Chaosdirigenten
David Leitch kam aus dem Stuntbereich auf den Regiestuhl, und das merkt man jeder Prügelei an. Die Actionszenen sind übersichtlich, rhythmisch und, was am wichtigsten ist, komisch. Die engen Gänge, Wagen und Abteile des Zuges sind keine Einschränkung, sondern ein Spielplatz. Leitch hat sichtlich Freude daran, aus einem Sitzplatz, einer Wasserflasche oder einem Ruhewagen eine Waffe oder eine Pointe zu machen.
Nach Deadpool 2 hat niemand Zurückhaltung von ihm erwartet, und die gibt es auch nicht. Bullet Train ist hemmungslos und blutig. Die Gewalt ist comichaft überzeichnet, eher Pointe als Schock, aber wer einen empfindlichen Magen hat, sollte wissen, worauf er sich einlässt.
Wo der Zug entgleist
Nicht alles läuft rund auf dieser Fahrt. 126 Minuten sind für eine so temporeiche Actionkomödie etwas zu lang, und im Mittelteil gibt es ein, zwei Stellen, an denen man spürt, dass der Film lieber noch eine Rückblende und noch eine Figurenvorstellung einschiebt, statt voranzukommen. Die vielen Handlungsstränge ermüden manchmal mehr, als sie fesseln, und nicht jeder Gag zündet.
Außerdem zitiert der Stil des Films sehr deutlich eine bestimmte Ära: die redseligen Gangsterfilme der Neunziger voller cooler Verbrecher. Mal ist das eine liebenswerte Verbeugung, mal eher manierierte Wiederholung. Wer Pulp Fiction oder Snatch mag, fühlt sich sofort zu Hause. Wer von diesem Tonfall schon länger genug hat, dem könnte es schnell zu viel werden.
Und der japanische Schauplatz ist eher neonbeleuchtete Kulisse als echtes Umfeld. Bei einem Popcornfilm wie diesem ist das keine Tragödie, aber man merkt, dass der Stil wichtiger war als der Geist des Ortes.
Optik und Atmosphäre: Neon, Blut und Ohrwürmer
Visuell tritt der Film sehr selbstbewusst auf. Bunt, glänzend, ein bisschen comichaft, und die Innenräume des Zuges sind überraschend abwechslungsreich. Auch die Musik gehört zum Spiel: Oft geben die Songs den Rhythmus der Szenen vor, und diese freche, ironische Untermalung passt bestens zum Humor des Films. Keine Revolution, aber sie dient der Stimmung hervorragend.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die temporeiche, blutige und großmäulige Actionkomödien mögen und Spaß daran haben, wenn ein Haufen guter Schauspieler sichtlich Freude auf der Leinwand hat. Für Fans von Deadpool und John Wick ein Pflichttermin.
- Lieber auslassen, wenn: Wer mit überzeichneter, selbstzweckhafter Gewalt oder verschachteltem, redseligem Erzählen nichts anfangen kann, sollte lieber einen anderen Zug nehmen. Für Kinder ist der Film überhaupt nicht geeignet.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Deadpool 2 (2018), Atomic Blonde (2017), Fast & Furious: Hobbs & Shaw (2019), Snatch (2000), Pulp Fiction (1994)
Häufige Fragen
Wann ist Bullet Train in den deutschen Kinos gestartet?
Bullet Train kam am 4. August 2022 in die deutschen Kinos.
Worum geht es in Bullet Train?
Ladybug, ein Auftragskiller, der eigentlich aussteigen will, bekommt einen neuen Job: Er soll in einem rasenden japanischen Schnellzug einen Aktenkoffer an sich bringen. Schnell stellt sich heraus, dass noch weitere Killer, Rächer und Diebe mit eigenen Plänen an Bord sind.
Wie lang ist Bullet Train?
Der Film läuft 126 Minuten.
Ist Bullet Train für Kinder geeignet?
Nein. Der Film ist sehr blutig und brutal, wenn auch comichaft überzeichnet, und richtet sich klar an ein erwachsenes Publikum.
Wer hat bei Bullet Train Regie geführt?
Regie führte David Leitch, der zuvor auch Deadpool 2 inszeniert hat.
Wer spielt in Bullet Train mit?
Brad Pitt spielt die Hauptrolle als Ladybug, an seiner Seite sind Joey King, Aaron Taylor-Johnson, Brian Tyree Henry, Andrew Koji, Hiroyuki Sanada, Michael Shannon und Sandra Bullock zu sehen.
Lohnt es sich, in diesen Zug einzusteigen?
Ja, wenn man weiß, wofür man das Ticket löst. Bullet Train will nicht tiefgründig sein und ist es auch nicht. Es ist ein lautes, witziges, blutiges Popcornkino voller großartiger Schauspieler, die sichtlich genießen, mal so richtig Dampf ablassen zu dürfen. Etwas zu lang, etwas überladen und manchmal ein bisschen zu verliebt in die eigene Stimme. Aber wer an einem Abend den Kopf ausschalten und zusehen will, wie Brad Pitt verzweifelt versucht, ein rasendes Irrenhaus zu überleben, findet kaum eine bessere Fahrkarte. Von mir gibt es eine starke Sieben, mit guten Freunden auf dem Sofa sogar eine Acht.
