Coyote vs. ACME Kritik: Wile E. Coyote zieht vor Gericht, und wir sitzen im Saal
Wie viele Ambosse mussten eigentlich auf dieses arme Tier fallen, bis jemand auf die Idee kam, dass hier ein Fall von Produkthaftung vorliegen könnte? Coyote vs. ACME baut auf genau dieser Frage einen ganzen Film auf, und zwar erstaunlicherweise nicht nur einen einzigen Witz. Dave Greens Film ist überdrehte Cartoon-Rache und zugleich ein seltsam berührendes Märchen darüber, wie es sich anfühlt, wenn der ewige Verlierer endlich das Wort ergreift.
Eine geistreiche, liebevolle und überraschend gefühlvolle Komödie, die aus dem ältesten Gag der Looney Tunes echtes Kino macht, auch wenn ihr in der zweiten Hälfte gelegentlich die Puste ausgeht.
Coyote vs. ACME: Trailer
Filmdaten
| Original | Coyote vs. Acme |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 17.9.2026 |
| Regie | Dave Green |
| Besetzung | John Cena, Lana Condor, Will Forte, P.J. Byrne, Nancy Linehan Charles |
| Genre | Abenteuerfilme, Animationsfilme |
| Laufzeit | 103 Min. |
| FSK | 6 |
| Land | Amerikanische Filme |
Worum geht es? Ein Kojote, der nicht mehr kann
Die Ausgangslage ist so simpel, dass man sich fragt, warum das nicht längst jemand verfilmt hat. Die Produkte des Megakonzerns ACME, vom Raketen-Rollschuh bis zum Wunderkleber, lassen Wile E. Coyote ständig im Stich (und meistens auch gleich an Ort und Stelle liegen), während er unbeirrt versucht, den Road Runner zu erwischen. Seit Jahrzehnten ist das sein Job, und seit Jahrzehnten endet alles gleich: mit einer Explosion, einem Sturz und einer winzigen Staubwolke am Grund der Schlucht.
Doch eines Tages reicht es Wile E. Er sucht den Anwalt auf, der ihn von einer riesigen Plakatwand angrinst, und beauftragt ihn, ihn in einem Prozess gegen ACME zu vertreten. Der Kampf ist aussichtslos, das verschweigt der Film keine Sekunde: Hier tritt eine Zeichentrickfigur gegen einen gigantischen Konzern an. Gleichzeitig zeigt sich eine bislang unbekannte Seite des Kojoten, und wir dürfen hinter die Kulissen blicken, mitten in den nicht gerade beneidenswerten Alltag der Cartoonfiguren.
Mehr will ich von der Handlung gar nicht verraten, denn die größte Freude des Films liegt darin, wie ernst er diese absurde Idee nimmt. Er nimmt sie wirklich ernst, und genau das macht ihn so komisch.
Der stumme Verlierer bekommt endlich eine Stimme
Wer als Kind die Looney Tunes geschaut hat, erinnert sich an dieses merkwürdige Gefühl, dem Kojoten die Daumen zu drücken. Er war die Beharrlichkeit in Person: Er gab nie auf, bestellte immer das nächste Paket, zeichnete immer den nächsten Plan. Und am Ende war immer er der Dumme. Der Road Runner sauste derweil davon und machte einmal kurz „Meep Meep“.
Der beste Kniff von Coyote vs. ACME ist, genau dieses alte, unterschwellige Gerechtigkeitsempfinden hervorzuholen, das in uns allen schlummert. Endlich spricht jemand aus, dass das alles nicht fair ist. Der Film macht sich nicht über Wile E. lustig, er stellt sich an seine Seite, und dadurch bekommt der Slapstick eine überraschend menschliche Unterseite. Es hat etwas sehr Zeitgemäßes und sehr Bittersüßes, wie hier der kleine Mann (in diesem Fall der kleine Kojote) gegen einen Megakonzern antritt, obwohl seine Chancen etwa so groß sind wie die Zuverlässigkeit einer ACME-Rakete.
Das ist das Herz des Films, und dieses Herz schlägt. Nicht aufdringlich, nicht mit tränendrückender Musik erzwungen, sondern so, wie gute Familienkomödien es machen: Zwischen zwei Gags ertappt man sich plötzlich dabei, dass man wirklich mitfiebert.
John Cena und Co.: Menschen im Cartoon-Gerichtssaal
Zur Besetzung gehören John Cena, Lana Condor, Will Forte, P.J. Byrne und Nancy Linehan Charles, und schon die Namensliste verrät, dass hier die Komödie im Vordergrund steht. Cena hat in den letzten Jahren bewiesen, dass hinter den Wrestler-Muskeln ein ausgesprochen gutes komisches Gespür steckt: selbstironisch, ohne Angst, sich zum Affen zu machen. Genau das braucht ein Film, in dem der Partner ein gezeichneter Kojote ist.
Auch Will Forte fühlt sich bei schrägen, etwas bemitleidenswerten und trotzdem liebenswerten Figuren sichtlich wohl, und Lana Condor bringt eine frische, sympathische Präsenz mit. Der Gesamteindruck stimmt: Die Darsteller haben hörbar Spaß an der Sache und schauen nicht auf das Material herab. Das ist entscheidend, denn sobald in so einem Film jemand augenzwinkernd signalisiert, wie kindisch das alles doch sei, ist der Zauber dahin.
Nicht jede Nebenfigur bekommt genug Substanz, manche Rolle ist eher Funktion als Charakter, aber die tragenden Säulen halten.
Dave Greens Regie: Chaos, aber mit fester Hand
Dave Green musste als Regisseur eine heikle Balance finden. Einerseits galt es, dem gnadenlos präzisen physischen Humor der klassischen Cartoons treu zu bleiben, in denen eine gut getimte Pause mehr wert ist als jedes Wortspiel. Andererseits musste diese Welt zu einer abendfüllenden Geschichte von 103 Minuten wachsen, mit Bogen, Fallhöhe und Gefühl.
Für die erste Hälfte: Hut ab. Die Gags sitzen, der visuelle Humor zündet, und man merkt dem Film an, dass er seine Vorlage kennt und liebt. Auch der Gerichtsteil ist erstaunlich unterhaltsam: Juristische Prozedur trifft auf Cartoon-Logik, das ist großartiges Material, und Green holt einiges daraus heraus. In der zweiten Hälfte spürt man jedoch, dass die Geschichte unbedingt „größer“ werden muss, und dabei geht mitunter jene präzise, minimalistische Komik verloren, die die alten Episoden legendär gemacht hat. Kein Drama, aber spürbar.
Was funktioniert, und wo hakt es?
Was richtig gut funktioniert:
- Die Grundidee. Genial einfach, und der Film drückt sich nicht davor, sondern zieht sie konsequent durch.
- Das Leben der Cartoonfiguren hinter den Kulissen. Die besten Momente sind die, in denen wir einen Blick in den wenig beneidenswerten Alltag der Figuren werfen. Diese Meta-Ebene ist clever und stellenweise richtig melancholisch.
- Wile E. als Held. Bemitleidenswert, stur, liebenswert. Genau so, wie wir ihn immer empfunden haben.
- Die Optik. Bunt, energiegeladen und respektvoll gegenüber dem klassischen Cartoon-Stil.
Wo es hakt:
- Das Tempo gegen Ende. 103 Minuten sind für diesen Stoff knapp zu viel, ein, zwei Szenen hätte man ruhig kürzen können.
- Die Frage nach dem Publikum. Der Film kann sich nicht immer entscheiden, ob er sich an kleine Kinder oder an nostalgische Erwachsene richtet. Das ist nicht der klassische Film, vor den man den Sechsjährigen einfach mal setzt.
- Vorhersehbarkeit. Die Dramaturgie „kleiner Mann gegen Großkonzern“ bewegt sich auf bekannten Bahnen, und das merkt man gelegentlich.
Warum ist es gut, dass es diesen Film gibt?
In den letzten Jahren haben unzählige klassische Cartoon-Marken eine „moderne“ Neuauflage bekommen, und ganz ehrlich: Die meisten davon waren vergessenswert. Diese Filme behandelten ihre Vorlage oft wie eine Marke, die verkauft werden muss. Coyote vs. ACME stellt seinen eigenen Figuren dagegen eine Frage: Was, wenn diese Gestalten wirklich etwas fühlen? Was, wenn Wile E. mehr ist als eine Gag-Maschine?
Dadurch wird der Film mehr als nur ein weiteres Nostalgieprodukt. Er ist nicht revolutionär und nicht der Gipfel des Genres, aber er hat etwas zu sagen, und er sagt es geistreich und liebenswert. Und ironischerweise reden wir hier von einem Film über Konzernprodukte, der gegen die Konzernmaschinerie rebelliert. Das nicht zu genießen, fällt schwer.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Alle, die mit den Looney Tunes aufgewachsen sind und heimlich immer zu Wile E. Coyote gehalten haben. Jugendliche und Erwachsene, die einfallsreiche, ein bisschen verspielte, ein bisschen bittersüße Komödien mögen.
- Lieber auslassen, wenn: Wer mit den Kleinen einen rasanten Kinder-Zeichentrickfilm erwartet, in dem jede Minute etwas explodiert, und wer grundsätzlich allergisch auf nostalgiegetriebene Franchise-Filme reagiert.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Falsches Spiel mit Roger Rabbit (1988), Looney Tunes: Back in Action (2003), Space Jam (1996), The LEGO Movie (2014)
Häufige Fragen
Wann ist Coyote vs. ACME in Deutschland gestartet?
Der Film läuft seit dem 17. September 2026 in den deutschen Kinos.
Worum geht es in Coyote vs. ACME?
Wile E. Coyote wird bei der Jagd auf den Road Runner ständig von den Produkten des Megakonzerns ACME im Stich gelassen. Eines Tages reicht es ihm, und er verklagt ACME mithilfe eines Anwalts, den er von einer Plakatwand kennt.
Wie lang ist Coyote vs. ACME?
Der Film dauert 103 Minuten.
Wer hat Coyote vs. ACME inszeniert?
Regie führte Dave Green.
Wer spielt in dem Film mit?
Zur Besetzung gehören John Cena, Lana Condor, Will Forte, P.J. Byrne und Nancy Linehan Charles.
Lohnt es sich, beim Prozess des Kojoten im Saal zu sitzen?
Ja, und nicht nur aus Nostalgie. Coyote vs. ACME ist einer dieser seltenen Fälle, in denen aus einem alten Cartoon-Gag tatsächlich ein Film wird und nicht bloß ein in die Länge gezogener Werbespot. Er hat Humor, er hat Herz, und es liegt etwas wohltuend Rebellisches darin, wie der größte Verlierer der Welt endlich zurückschlägt. Die zweite Hälfte durchhängt etwas, und das Publikum trifft der Film nicht immer genau, doch diese Schwächen verblassen neben der Tatsache, dass wir nach Jahrzehnten endlich auf Wile E.s Seite stehen dürfen. Ich sitze im Gerichtssaal jedenfalls in seiner Bankreihe. Bringt einen ACME-Regenschirm mit, vielleicht kommt statt Regen ja ein Amboss.
