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Kritik · Kinostart: 16.5.2013

Der große Gatsby Kritik: Champagner, Glamour und ein Mann, der die Vergangenheit nicht loslassen kann

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Kaum ein Film will so unbedingt blenden, und kaum einem gelingt das so schamlos. Baz Luhrmann wirft in Der große Gatsby Champagner, Lichter und Konfetti auf die Leinwand, als gäbe es kein Morgen. Bleibt nur die Frage, ob unter dieser funkelnden Oberfläche noch Platz für echten Herzschmerz ist. Die Antwort lautet erstaunlich oft: ja.

7,7/10
Wertung
Überdreht, grell und stellenweise ermüdend. Doch allein wegen Leonardo DiCaprios Gatsby lohnt sich diese prunkvolle und am Ende überraschend bittere Vision.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
9
Musik und Ton
8
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Der große Gatsby: Trailer

Filmdaten

OriginalThe Great Gatsby
Kinostart in Deutschland16.5.2013
RegieBaz Luhrmann
BesetzungLeonardo DiCaprio, Tobey Maguire, Carey Mulligan, Joel Edgerton, Elizabeth Debicki, Isla Fisher
GenreDramen, Romantische Filme
Laufzeit143 Min.
FSK12
LandAmerikanische Filme, Australische Filme

Worum geht es? Eine Party, die in Wahrheit ein Liebesbrief ist

Wir befinden uns im Amerika der Zwanzigerjahre, in einer Zeit, in der alles möglich und nichts verboten scheint. In Jay Gatsbys Luxusvilla vor den Toren New Yorks steigen Abend für Abend rauschende Partys. Die Gäste berauschen sich an Champagner und Reichtum, der Gastgeber selbst bleibt ein Rätsel: Niemand weiß so genau, woher sein Vermögen stammt und was sich hinter seiner Vergangenheit verbirgt.

Dann freundet sich Gatsby mit seinem bescheideneren Nachbarn Nick Carraway an und verrät ihm das Geheimnis hinter seinen seltsamen Gewohnheiten. Sein ganzes Leben hat er darauf ausgerichtet, seine Jugendliebe zurückzugewinnen. Alles hat er diesem Ziel untergeordnet, jede seiner Sünden dafür in Kauf genommen. Als er Daisy und ihren Ehemann Tom schließlich wiedersieht, entwickeln sich die Dinge jedoch ganz anders, als er es sich jahrelang ausgemalt hat.

Mehr sollte man vorab gar nicht wissen. Die Stärke des Films liegt gerade darin, wie er aus dem anfänglichen Rausch langsam, fast unmerklich in etwas viel Dunkleres und Traurigeres hinübergleitet.

DiCaprio, der perfekte Gatsby

Wenn es eine Rolle gibt, die Leonardo DiCaprio auf den Leib geschrieben wurde, dann diese. Sein Gatsby ist zugleich charmant und bemitleidenswert, selbstsicher und voller Angst: ein Mann, der sich alles Geld und allen Einfluss der Welt verschafft hat, nur nicht das eine, was wirklich zählt. DiCaprio versteht, dass Gatsbys größte Rolle Gatsby selbst ist, eine sorgfältig konstruierte Fassade, die in den schlimmsten Momenten Risse bekommt. Sobald diese Risse sichtbar werden, wird der Film plötzlich still, und genau dort liegt das eigentliche Drama.

Sein erster Auftritt gehört übrigens zu den berühmtesten Momenten des Films und fasst Luhrmanns Stil perfekt zusammen: Feuerwerk, Musik, ein Lächeln, ein Glas in der Hand. Kitsch? Natürlich. Funktioniert es? Absolut.

In DiCaprios Karriere reiht sich diese Rolle wunderbar in die Galerie großer, tragischer Romantiker ein. Wer Titanic oder Luhrmanns früheren Romeo + Julia gesehen hat, weiß genau, wie gut ihm diese Art von hoffnungsloser Liebe steht.

Die Gesellschaft: Nick, Daisy, Tom und die anderen

Tobey Maguire ist als Nick Carraway Auge und Stimme des Films. Er ist der Außenseiter, der ärmere Nachbar, der in diese glitzernde Welt hineinstolpert und sie gleichzeitig bewundert und misstrauisch beobachtet. Maguire spielt zurückhaltend, manchmal vielleicht zu sehr, doch die Rolle verlangt genau das: Er muss der ruhige Pol sein, um den herum alle anderen toben.

Carey Mulligan hat als Daisy Buchanan eine schwierige Aufgabe. Sie muss eine Frau spielen, die ein Mann jahrelang in seinem Kopf idealisiert hat. Mulligan ist zerbrechlich, bezaubernd und ein wenig ungreifbar, und genau so ist es richtig. Daisy ist keine Figur, die man leicht lieben kann, aber man versteht sie.

Joel Edgerton ist als Tom Buchanan die eigentliche Überraschung des Films. Gewalttätig, arrogant und beängstigend selbstgewiss, ein Mann, der seinen Platz in der Welt nie auch nur einen Augenblick infrage gestellt hat. Jede seiner Szenen knistert vor Spannung.

Unter den Nebenfiguren sorgt Elizabeth Debicki als Jordan Baker für elegante, kühle Präsenz. Isla Fisher als Myrtle Wilson und Jason Clarke als George Wilson zeigen die Schattenseite des Glamours, und Amitabh Bachchan setzt als Meyer Wolfsheim einen kurzen, aber unvergesslichen Farbtupfer.

Baz Luhrmann, Meister der Maßlosigkeit

Baz Luhrmann liebt man oder er nervt einen, dazwischen gibt es kaum etwas. Wer Moulin Rouge! oder Romeo + Julia kennt, weiß, worauf er sich einlässt: rasante Schnitte, knallige Farben, eine entfesselte Kamera und ein Musikeinsatz, der sich um historische Genauigkeit nicht schert. Der große Gatsby ist einer der reinsten Ausdrücke dieses Stils.

Und hier liegt die spannendste Doppelbödigkeit des Films. In der ersten Stunde ist die Maßlosigkeit selbst das Thema: Die Partys sind absichtlich schwindelerregend, übertrieben, fast schon übelkeitserregend, weil diese Welt eben so war, eine Welt, in der alles möglich und nichts verboten schien. Luhrmann moralisiert dabei nicht, er zieht einen hinein, und erst später merkt man, wie viel Leere hinter dem Rausch steckt.

Problematisch wird es eher dort, wo der Film eigentlich zur Ruhe kommen müsste. Der Regisseur trägt seinen überstilisierten Werkzeugkasten manchmal auch in die stillen, intimen Szenen, und dann wünscht man sich, er würde seine Darsteller einfach mal atmen lassen. Wenn er das tut, etwa bei den großen Wiedersehensszenen, kann der Film geradezu herzzerreißend sein.

Was funktioniert, und wo wackelt es?

Die Stärken des Films:

Und was weniger gelingt:

Ein Märchen über Sehnsucht für Erwachsene

Kinderkino ist das nicht: Dekadente Partys, Alkohol, Gewalt und die Verwicklungen erwachsener Beziehungen sind nichts für ein junges Publikum. Reiferen Jugendlichen und Erwachsenen dagegen wirft der Film eine Menge Fragen auf: Was ist Reichtum wirklich wert? Kann man die Vergangenheit zurückholen? Und was passiert, wenn jemand sein ganzes Leben auf einen einzigen Traum setzt?

Diese Fragen klingen heute genauso aktuell wie damals, und vielleicht altert der Film deshalb so gut. Unter der glänzenden Oberfläche verbirgt sich eine sehr einfache, sehr menschliche Geschichte: Jemand liebt, und diese Liebe verschlingt alles um ihn herum.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Moulin Rouge! (2001), William Shakespeares Romeo + Julia (1996), Titanic (1997), Elvis (2022)

Häufige Fragen

Worum geht es in Der große Gatsby?

Der Film spielt im Amerika der Zwanzigerjahre. Jay Gatsby, ein Millionär mit geheimnisvoller Vergangenheit, gibt prunkvolle Partys und hat sein ganzes Leben darauf ausgerichtet, seine Jugendliebe Daisy zurückzugewinnen. Als er sie und ihren Ehemann wiedertrifft, läuft alles anders als geplant.

Wie lang ist Der große Gatsby?

Der Film dauert 143 Minuten.

Wann kam Der große Gatsby in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 16. Mai 2013 in Deutschland.

Wer hat Der große Gatsby gedreht?

Regie führte Baz Luhrmann. Der Film ist eine amerikanisch-australische Koproduktion.

Wer spielt Gatsby und Daisy?

Jay Gatsby wird von Leonardo DiCaprio gespielt, Daisy Buchanan von Carey Mulligan. Tobey Maguire ist als Nick Carraway zu sehen, Joel Edgerton als Tom Buchanan.

Sollte man Gatsbys Einladung heute noch annehmen?

Ja, und zwar unbedingt. Der große Gatsby ist kein makelloser Film: Er ist lang, stellenweise überdreht, und Luhrmann liebt seinen eigenen Stil manchmal mehr als seine Figuren. Aber er hat etwas, das nur wenige Ausstattungsfilme schaffen: Der Glanz ist am Ende kein Selbstzweck, sondern die Kulisse für eine schmerzhaft menschliche Geschichte. DiCaprios Gatsby gehört zu seinen besten Leistungen, Edgertons Tom ist zum Fürchten, und die Bilder sind bis heute atemberaubend. Also: Glas Champagner einschenken, zurücklehnen und sich von der Party mitreißen lassen. Am Ende wird es wehtun, aber genau deshalb lohnt es sich.

Wertung: 7,7/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 9 · Musik und Ton 8 · Emotionen 7