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Kritik · Kinostart: 2.2.2017

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen Kritik: Drei Genies, die die NASA beinahe übersehen hätte

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Es gibt Filme, nach denen man am liebsten sofort eine Tafel und ein Stück Kreide hätte, nur um zu spüren, wie es ist, wenn das Schicksal eines Raumflugs im eigenen Kopf entschieden wird. Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen ist genau so ein Film: ein warmherziges, selbstbewusst erzähltes Drama über drei Frauen, die ihre Zeit gleich doppelt abgeschrieben hätte, einmal weil sie Frauen waren, einmal weil sie Schwarz waren. Revolutionäres Kino ist das nicht, aber der Film macht das, was er will, so gut, dass man es ihm kaum vorwerfen kann.

8,0/10
Wertung
Ein mit Herz, Humor und drei großartigen Hauptdarstellerinnen erzähltes historisches Feelgood-Drama, etwas zu glattpoliert, aber unwiderstehlich.
Story
8
Schauspiel
9
Regie
7
Optik
7
Musik und Ton
8
Emotionen
9

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen: Trailer

Filmdaten

OriginalHidden Figures
Kinostart in Deutschland2.2.2017
RegieTheodore Melfi
BesetzungTaraji P. Henson, Octavia Spencer, Janelle Monáe, Kevin Costner, Kirsten Dunst, Jim Parsons
GenreDramen, Historienfilme
Laufzeit127 Min.
FSK0
LandAmerikanische Filme

Worum geht es? Das Wettrennen ins All mit Bleistift und Papier

Wir befinden uns Ende der Fünfzigerjahre, und die Vereinigten Staaten liefern sich ein verzweifeltes Wettrennen mit den Sowjets um die Vorherrschaft im All. Geld ist da, Entschlossenheit auch, eigentlich auch genug Verstand. Und trotzdem scheint es nicht zu reichen. Dabei sitzt die Lösung direkt vor ihrer Nase: ein paar brillante Köpfe, auf die bis dahin niemand zählen wollte, weil sie durch die Brille jener Zeit gleich mehrfach verdächtig waren.

Es geht um drei Frauen, die buchstäblich als menschliche Computer arbeiten. Sie führen Berechnungen durch, die ihr Umfeld schlicht nicht versteht, und steigen damit rasant in der Hierarchie der NASA auf, dorthin, wo die größten Wissenschaftler ihrer Zeit arbeiten. Und es steht einiges auf dem Spiel: John Glenn soll ins All gebracht werden und, mindestens genauso wichtig, heil wieder zurückkommen.

Mehr muss man über die Handlung gar nicht wissen. Die Stärke des Films liegt ohnehin nicht in überraschenden Wendungen, sondern darin, wie er diese eigentlich vertraute Formel mit Leben füllt.

Das Trio, für das sich jede Kinokarte lohnt

Fangen wir mit dem Wichtigsten an: Taraji P. Henson ist als Katherine G. Johnson einfach großartig. Zurückhaltend, manchmal fast entschuldigend in ihrer Präsenz, und sobald es um Zahlen geht, richtet sie sich auf und ist plötzlich die größte Person im Raum. Diesen Wechsel zu spielen, ohne ins Manierierte abzurutschen, ist verdammt schwer. Ihr gelingt es.

Octavia Spencer ist als Dorothy Vaughan das stille Rückgrat des Films. Spencer, die für The Help bereits einen Oscar gewonnen hat, macht auch hier, was sie am besten kann: Mit einer einzigen hochgezogenen Augenbraue sagt sie mehr als andere mit einem ganzen Monolog. Trocken komisch, weise und mit etwas Unerschütterlichem.

Die Überraschung war für mich Janelle Monáe als Mary Jackson. Sie bringt die Energie in den Film, den frecheren, kämpferischeren Ton, und wirkt in keiner einzigen Szene wie eine Musikerin, die sich in ein Drama verirrt hat. Die Chemie zwischen den drei Frauen ist es, die den ganzen Film trägt: Man glaubt ihnen, dass sie befreundet sind, dass sie sich gegenseitig aufziehen, dass sie gemeinsam müde geworden sind.

Die Männer im Hintergrund, und das ist gut so

Selten schiebt ein Hollywoodfilm seine männlichen Stars so bewusst in die zweite Reihe, und hier tut das dem Film ausgesprochen gut. Kevin Costner gibt als Al Harrison den grummeligen, arbeitswütigen Chef, den man auf der Leinwand immer gern sieht: kein Heiliger, kein Held, sondern jemand, dem nur das Ergebnis zählt. Costner weiß längst, wie man präsent ist, ohne den anderen die Luft zu nehmen.

Jim Parsons als Paul Stafford ist eine clevere Besetzung, denn nach The Big Bang Theory erwartet jeder einen bestimmten Typ von ihm, und er dreht diese Erwartung in eine leicht unangenehme Richtung. Kirsten Dunst bekommt als Vivian Mitchell eine ähnlich undankbare, aber wichtige Rolle. Mahershala Ali trägt als Jim Johnson den wärmsten Nebenstrang des Films, mit fast schon entwaffnendem Charme. Und Glen Powell ist als John Glenn eine kurze, aber sonnige Erscheinung, genau so, wie man sich eine amerikanische Astronautenlegende vorstellt.

Theodore Melfis Regie: sichere Hand, wenig Risiko

Theodore Melfi will kein Autorenkino machen, und er schämt sich auch nicht dafür. Hidden Figures ist ein klassisches, rhythmisch erzähltes, publikumsfreundliches Drama, das genau weiß, wann gelacht, wann gerührt und wann am liebsten applaudiert werden soll. Die 127 Minuten vergehen erstaunlich schnell, und das ist das Verdienst von Schnitt und Szenenaufbau.

Die Epoche ist schön eingefangen: Kleider, Büros, Autos, alles sitzt da, wo es hingehört. Allerdings wirkt die Bildsprache manchmal zu sauber, zu glänzend, als hätte jemand jeden Staub von der Vergangenheit gewischt. Die Musik dagegen ist schwungvoll, einer der großen Trümpfe des Films, und trägt viele Szenen praktisch allein.

Wo geht die Rechnung nicht ganz auf?

Die größte Stärke des Films ist zugleich seine Schwäche: Er schaut sich so angenehm, dass er manchmal vergisst, wie grausam die Welt ist, die er zeigt. Rassismus und Sexismus sind hier oft eher ein lästiges Hindernis als eine echte, bis auf die Knochen gehende Bedrohung. Die Konflikte werden sauber aufgebaut und ebenso sauber aufgelöst, und die großen Heldinnenmomente kommen manchmal so präzise, als stammten sie direkt aus einem Drehbuchratgeber.

Man kann das natürlich auch als bewusste Entscheidung sehen: Der Film konzentriert sich nicht auf den Schmerz, sondern auf den Triumph, damit diese Frauen nicht als Opfer, sondern als Siegerinnen im Gedächtnis bleiben. Trotzdem hätte ich mir ein paar rauere, unbequemere Minuten gewünscht. Ein Teil der Nebenfiguren, vor allem die weißen Kollegen, ist mitunter eher Funktion als Mensch.

Warum funktioniert das trotzdem so gut?

Weil der Film im Grunde ein Sportfilm ist, nur dass das Spielfeld hier aus einer Tafel und einer Rechenmaschine besteht. Es gibt die Außenseiterin, es gibt einen Einsatz, es gibt ein Team und genau die Art von Katharsis, für die Menschen ins Kino gehen. Dazu erzählt er von der seltenen Erfahrung, dass Wissen, Präzision und Ausdauer die eigentliche Superkraft sind. Eine bessere Botschaft kann man sich kaum vorstellen, gerade für Teenager, die Mathe gern für langweilig halten.

Und noch etwas: Der Film predigt nicht. Er drückt dem Publikum die Moral nicht ins Gesicht, sondern lässt die Taten der Figuren sprechen. Genau das macht ihn am Ende so mitreißend, und genau deshalb verlässt man den Kinosaal besser gelaunt, als man ihn betreten hat.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: The Help (2011), Apollo 13 (1995), Aufbruch zum Mond (2018), Green Book - Eine besondere Freundschaft (2018)

Häufige Fragen

Worum geht es in Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen?

Ende der Fünfzigerjahre, zur Zeit des Wettlaufs ins All zwischen den USA und der Sowjetunion, steigen drei Schwarze Frauen, die als menschliche Computer arbeiten, in der Hierarchie der NASA auf. Ziel ist es, John Glenn ins All zu bringen und sicher zurückzuholen.

Wann kam Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 2. Februar 2017 in Deutschland.

Wie lang ist Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen?

Der Film läuft 127 Minuten.

Wer hat Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen inszeniert?

Regie führte Theodore Melfi.

Wer spielt die Hauptrollen in Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen?

Taraji P. Henson (Katherine G. Johnson), Octavia Spencer (Dorothy Vaughan) und Janelle Monáe (Mary Jackson), dazu Kevin Costner, Kirsten Dunst, Jim Parsons, Mahershala Ali und Glen Powell.

Wer spielt John Glenn in Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen?

John Glenn wird von Glen Powell gespielt.

Hebt die Begeisterung ab, oder bleibt sie am Boden?

Sie hebt ab, und zwar ordentlich. Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen ist nicht der mutigste Film, den man je gesehen hat, aber wahrscheinlich einer der liebenswertesten. Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Janelle Monáe tragen ihn mit so viel Kraft auf ihren Schultern, dass die kleineren Schwächen fast verdampfen. Wer einen klugen, berührenden und ehrlich mitreißenden Abend sucht, für den geht diese Rechnung genau auf. Unbedingt anschauen, und danach bloß nicht anfangen, das Einmaleins aufzusagen.

Wertung: 8,0/10 · Story 8 · Schauspiel 9 · Regie 7 · Optik 7 · Musik und Ton 8 · Emotionen 9