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Kritik · Kinostart: 22.1.2026

Mercy Kritik: Chris Pratt hat 90 Minuten, um einem Algorithmus zu entkommen

Amerikanische FilmeScience-Fiction-FilmeActionfilmeThriller

Neunzig Minuten, ein Stuhl, eine tote Ehefrau und eine Maschine, die bei 92 Prozent abdrückt. Timur Bekmambetovs Sci-Fi-Thriller Mercy baut auf einer Idee auf, über die man schon in der Schlange vor dem Kinosaal ins Grübeln kommt. Bleibt nur die Frage, wie viel der Film selbst aus dieser genial einfachen Falle herausholt.

6,5/10
Wertung
Ein straffer, einfallsreicher und stellenweise etwas billig trickender Sci-Fi-Thriller, der vor allem dank seiner Prämisse und der kühlen Präsenz von Rebecca Ferguson funktioniert.
Story
7
Schauspiel
7
Regie
7
Optik
6
Musik und Ton
6
Emotionen
6

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Mercy: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland22.1.2026
RegieTimur Bekmambetov
BesetzungRebecca Ferguson, Chris Pratt, Annabelle Wallis, Noah Fearnley, Kenneth Choi, Kylie Rogers
GenreScience-Fiction-Filme, Actionfilme, Thriller
Laufzeit100 Min.
FSK12
LandAmerikanische Filme

Worum geht es? Richter, Geschworene und Henker in einer Maschine

In der Welt des Films gibt es weiterhin Mörder, nur die Polizisten werden immer weniger. Ihren Platz nimmt das Mercy-Gericht ein, das Ermittler, Richter und Vollstrecker in einem ist. Wer vor ihm landet, bekommt genau 90 Minuten, um seine Unschuld zu beweisen. Kommt das System am Ende zu dem Schluss, dass die Tat mit mindestens 92 Prozent Wahrscheinlichkeit begangen wurde, folgt die Hinrichtung sofort. Keine Berufung, keine Anwaltstricks, kein nächster Verhandlungstag.

Der Clou: Angeklagt ist diesmal Detective Raven, der selbst daran beteiligt war, das System an den Start zu bringen. Jetzt sitzt er festgeschnallt auf dem Stuhl, beschuldigt, seine Frau getötet zu haben, und hat Zugriff auf die Aufnahmen sämtlicher Kameras der Stadt. Mehr muss man über die Handlung vorab nicht wissen. Die Stärke des Films liegt gerade darin, dass man gemeinsam mit Raven versucht, die Puzzleteile zusammenzusetzen.

Schon die 92-Prozent-Schwelle ist ein starker Aufhänger. Nicht 100, nicht einmal 99. Eine Zahl, die gleichzeitig wissenschaftlich präzise und beängstigend willkürlich klingt. Genau diese kalte statistische Logik hebt den Film ein Stück über reines Actionkino hinaus und macht ihn etwas nachdenklicher.

Chris Pratt mit gefesselten Händen

Die meisten kennen Chris Pratt als lässigen, witzelnden Actionhelden, man denke nur an Guardians of the Galaxy oder die Jurassic World Reihe. Hier wird ihm seine wichtigste Waffe, die körperliche Lockerheit, praktisch genommen: Seine Figur ist an einen Stuhl geschnallt. Eine mutige Entscheidung, und Pratt meistert sie größtenteils. Verzweiflung, Wut und der Verdacht, dass er sich seiner eigenen Unschuld vielleicht selbst nicht ganz sicher ist, liest man ihm gut vom Gesicht ab.

Die Rolle seines Lebens ist das nicht. Ab und zu blitzt das gewohnte, leicht selbstgefällige Pratt-Grinsen durch, das bei einem zum Tode Verurteilten seltsam wirkt. Insgesamt ist es aber eine seiner interessantesten Arbeiten der letzten Jahre, weil er sich endlich nicht auf sein Charisma, sondern auf die Spannung verlassen muss.

Rebecca Ferguson, der schönste Algorithmus

Wenn es einen echten Grund gibt, ein Ticket zu kaufen, dann ist es Rebecca Ferguson als maschinelle Richterin. In den Mission: Impossible Filmen und in Dune hat Ferguson bereits gezeigt, dass sie eine Szene mit einem einzigen Blick beherrschen kann. Hier legt sie diese Fähigkeit in eine gefühllose und dennoch merkwürdig menschlich wirkende künstliche Intelligenz. Ihre Stimme ist ruhig, ihr Blick undurchschaubar, und genau das sorgt für Gänsehaut.

Ergänzt wird das Ensemble von Annabelle Wallis, Noah Fearnley, Kenneth Choi, Kylie Rogers und Chris Sullivan. Sie arbeiten eher im Hintergrund, denn der Film setzt klar auf das Duell zwischen Pratt und Ferguson. Dieses Duo ist das Rückgrat des Films, und wann immer die beiden aneinandergeraten, zeigt sich Mercy von seiner besten Seite.

Bekmambetov und die Faszination der Bildschirme

Timur Bekmambetov ist kein Unbekannter: Er inszenierte den Actionfilm Wanted mit seinen um die Kurve fliegenden Kugeln und wurde als Produzent zu einem der bekanntesten Pioniere des Screenlife Thrillers, etwa mit Searching. Diese Erfahrung zahlt sich hier voll aus. Mercy arbeitet mit unzähligen Kameraaufnahmen, Daten und Bildschirmen, und Bekmambetov weiß, wie man eine Welt aus Monitoren spannend macht.

Für Feingefühl ist sein Stil allerdings nicht bekannt. Es gibt Momente, in denen der Schnitt zu nervös ist und die visuellen Ideen eher laut als klug wirken. Die Laufzeit von 100 Minuten ist dagegen ein großer Pluspunkt: Der Film verschwendet keine Zeit, und der eingebaute 90-Minuten-Countdown hält einen fast in Echtzeit im Kinosessel. Man spürt förmlich, wie der Sand durch die Uhr rinnt.

Wo auch die Maschine Fehler macht

Die größte Schwäche des Films: Die Grundidee ist deutlich tiefer als das, was das Drehbuch letztlich daraus macht. Urteile durch künstliche Intelligenz, die Kluft zwischen Wahrscheinlichkeit und Wahrheit, die Überwachungsgesellschaft, all das sind starke Themen. Doch der Film begnügt sich oft damit, sie kurz anzureißen, und eilt dann zurück zum Thriller. Wer philosophische Gedankenspiele auf dem Niveau von Minority Report erwartet, wird etwas enttäuscht sein.

Auch optisch bleibt Mercy durchwachsen: Die Bildschirmlösungen sind einfallsreich, das Bild der zukünftigen Stadt bleibt aber kaum hängen, und die Musik begleitet die Spannung eher, als dass sie sie erzeugt. Das sind allerdings Schwächen, mit denen der Film immer noch gut unterhält, vor allem wenn man nicht mehr erwartet, als er ist: ein temporeicher Genrefilm mit einer klugen Prämisse.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Minority Report (2002), Searching (2018), Wanted (2008), The Guilty (2018), Ex Machina (2014)

Häufige Fragen

Wann ist Mercy in Deutschland gestartet?

Mercy ist am 22. Januar 2026 in den deutschen Kinos gestartet.

Worum geht es in Mercy?

In einer nahen Zukunft entscheidet das Mercy-Gericht über das Schicksal von Verdächtigen. Detective Raven, der selbst geholfen hat, das System einzuführen, wird beschuldigt, seine Frau ermordet zu haben. Er hat 90 Minuten Zeit, seine Unschuld zu beweisen, bevor die Maschine ihn hinrichtet.

Wie lang ist Mercy?

Der Film hat eine Laufzeit von 100 Minuten.

Wer hat Mercy inszeniert und wer spielt mit?

Regie führte Timur Bekmambetov. Die Hauptrollen spielen Chris Pratt und Rebecca Ferguson, daneben sind Annabelle Wallis, Noah Fearnley, Kenneth Choi, Kylie Rogers und Chris Sullivan zu sehen.

Verdient Mercy einen Freispruch?

Bei uns schaltet die Maschine nicht ab: Mercy überschreitet die Schwelle zum Freispruch locker. Revolutionäre Science-Fiction ist das nicht, und es hätte mehr Mut gebraucht, um aus der starken Grundidee ein echtes Gedankenexperiment zu machen. Trotzdem ist der Film straff, schnell und unterhaltsam, und Rebecca Ferguson allein ist den Eintritt wert. Wer Lust auf 100 adrenalingeladene Minuten hat, nach denen man auf dem Heimweg noch darüber nachdenkt, wie sehr man sein Leben einem Algorithmus anvertrauen würde, wird hier nicht enttäuscht.

Wertung: 6,5/10 · Story 7 · Schauspiel 7 · Regie 7 · Optik 6 · Musik und Ton 6 · Emotionen 6