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Kritik · Kinostart: 14.3.2024

Miller's Girl Kritik: Jenna Ortega und Martin Freeman in einer gefährlichen Literaturstunde

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Manche Filme haben schon ein Urteil am Hals, bevor überhaupt jemand das Plakat zu Ende angeschaut hat. Miller's Girl gehört genau in diese Kategorie. Jenna Ortega und Martin Freeman beginnen im Literaturunterricht einer Kleinstadtschule und landen sehr bald auf einem Terrain, auf dem der Lehrplan die geringste Rolle spielt. Der Thriller will provozieren, so viel ist klar. Spannend ist nur, ob er darüber hinaus noch etwas zu bieten hat.

6,5/10
Wertung
Ein spannungsgeladenes, stilvolles und unbequemes Kammerspiel mit zwei starken Darstellern, das mehr Tiefgang verspricht, als es am Ende freilegt.
Story
6
Schauspiel
8
Regie
6
Optik
7
Musik und Ton
6
Emotionen
6

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Miller's Girl: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland14.3.2024
RegieJade Halley Bartlett
BesetzungJenna Ortega, Martin Freeman, Bashir Salahuddin, Gideon Adlon, Dagmara Dominczyk, Christine Adams
GenreThriller, Dramen, Romantische Filme
Laufzeit93 Min.
FSK16
LandAmerikanische Filme

Worum geht es in Miller's Girl? (spoilerfrei)

Jonathan Miller, gespielt von Martin Freeman, ist einer dieser Menschen, deren Leben irgendwo auf halber Strecke stecken geblieben ist. Eigentlich wollte er Schriftsteller werden. Stattdessen unterrichtet er Literatur an einer Highschool in der Provinz, und sein Alltag ist genau so grau, wie er im Schatten eines aufgeschobenen Traums eben ist. Dann betritt Cairo Sweet sein Klassenzimmer, verkörpert von Jenna Ortega, und plötzlich ist nichts mehr wie vorher.

Cairo ist begabt, belesen, eigenwillig und sehr schön. Außerdem langweilt sie sich, und bei einer klugen Achtzehnjährigen ist das vielleicht der gefährlichste Zustand überhaupt. Sie sucht die Nähe ihres Lehrers, die gemeinsamen Gespräche entfernen sich immer weiter vom Stoff, und irgendwann merkt Miller, dass er nicht mehr versteht, was mit ihm passiert. In ihm erwachen Leidenschaften, von deren Existenz er nichts geahnt hat.

Der Haken steckt bereits in der Grundidee: Cairo ist unberechenbar, und auch sie will schreiben. Wer schreibt, braucht immer eine neue, überraschende Wendung. Mehr sollte man vorab gar nicht wissen, denn der Film lebt vom Rhythmus dieses Spiels.

Zwei Darsteller, zwei völlig verschiedene Waffen

Das größte Kapital von Miller's Girl ist ohne Frage das Hauptdarstellerduo. Jenna Ortega gehört seit Wednesday zu den gefragtesten Gesichtern ihrer Generation, und auch hier macht sie, was sie am besten kann: Ihr Blick erzählt mehr als jeder Dialog. Ihre Cairo ist verletzlich und berechnend zugleich, und in den stärksten Momenten des Films weiß man wirklich nicht, welches Gesicht man gerade vor sich hat.

Martin Freeman wiederum ist ein Meister der kleinbürgerlichen Unsicherheit. Nach den Jahren als Hobbit und an der Seite von Sherlock weiß er genau, wie man einen Mann spielt, der sich in seiner eigenen Haut nie ganz wohlfühlt. Sein Miller ist weder Raubtier noch unschuldiges Opfer, sondern etwas deutlich Unangenehmeres: ein ganz gewöhnlicher, ausgebrannter Mensch, der falsche Entscheidungen trifft und sie sich dabei auch noch schönredet.

Von den Nebenfiguren bekommen Bashir Salahuddin als Boris Fillmore, Gideon Adlon als Winnie Black und Dagmara Dominczyk als Beatrice June Harker etwas Raum, doch der Film ist klar auf die Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren zugeschnitten. Die anderen rahmen eher die Welt ein, als dass sie eigenes Gewicht bekämen.

Jade Halley Bartlett und die Kunst der Provokation

Regie führte Jade Halley Bartlett, und man spürt in jeder Szene den Gestaltungswillen dahinter. Ein simpler Erotikthriller ist das nicht, zumindest will der Film keiner sein. Vielmehr handelt es sich um ein Kammerdrama über Macht, Literatur und Manipulation, das die Genreregeln nutzt, um unbequeme Fragen zu stellen: Wer lenkt hier wen, wer schreibt wessen Geschichte, und wie verlässlich ist eigentlich die Person, die gerade erzählt?

Die Atmosphäre ist eine echte Stärke. Die literarischen Anspielungen, das Motiv des Schreibens und der Briefe, die Abgeschiedenheit der Kleinstadt fügen sich zu einem schwülen Southern Gothic Gefühl zusammen. Gleichzeitig wächst der Anspruch manchmal über die Umsetzung hinaus: In einigen Szenen will der Text so unbedingt literarisch sein, dass die Figuren nicht mehr miteinander sprechen, sondern zitieren. Das wird spalten. Die einen verzaubert es, die anderen reißt es komplett raus.

Was funktioniert: die Spannung, die in der Luft liegt

Am besten ist der Film in den Momenten, in denen nichts passiert und trotzdem alles möglich scheint. In den Gesprächen der beiden Hauptfiguren liegt eine feine, unangenehme Spannung, die man regelrecht im Magen spürt. Bartlett hat ein gutes Gespür dafür, dass das Unausgesprochene stärker wirkt als das Gesagte.

Wo die Lektion danebengeht

Das größte Problem von Miller's Girl: Der Film weiß nicht immer, was für ein Film er sein will. Für einen Thriller ist er stellenweise zu zurückhaltend, für ein Drama gelegentlich zu oberflächlich, und als Romanze ist er naturgemäß unbequem, ohne diese Unbequemlichkeit immer mutig genug zu verarbeiten. Das Thema verlangt nach einer klaren, entschiedenen Haltung, doch der Film flirtet oft lieber mit der Provokation, statt sie konsequent durchzuziehen.

Die knappe Laufzeit erweist sich dabei als zweischneidiges Schwert. Das Tempo stimmt zwar, aber manche Handlungsstränge, vor allem die der Nebenfiguren, bekommen nicht genug Zeit, sich zu entfalten. Am Ende steht ein Film mit starker Grundidee und guten Darstellern, der dennoch etwas unbefriedigend bleibt. Hinterher redet man eher über die Schauspieler als über die Aussage.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Tagebuch eines Skandals (2006), Gone Girl (2014)

Häufige Fragen

Worum geht es in Miller's Girl?

Um die immer gefährlichere Beziehung zwischen dem Literaturlehrer Jonathan Miller an einer Kleinstadt Highschool und seiner begabten, 18 jährigen Schülerin Cairo Sweet, die ein unberechenbares Spiel beginnt.

Wann kam Miller's Girl in Deutschland heraus?

Der Film erschien in Deutschland am 14. März 2024.

Wie lang ist Miller's Girl?

Die Laufzeit beträgt 93 Minuten.

Wer spielt in Miller's Girl mit?

Die Hauptrollen spielen Jenna Ortega (Cairo Sweet) und Martin Freeman (Jonathan Miller), daneben sind Bashir Salahuddin, Gideon Adlon und Dagmara Dominczyk zu sehen.

Wer hat bei Miller's Girl Regie geführt?

Regie führte Jade Halley Bartlett.

Wie lautet der Originaltitel von Miller's Girl?

Die US amerikanische Produktion läuft auch im Original unter dem Titel Miller's Girl.

Lohnt sich diese Literaturstunde?

Wer den Film wegen der beiden Hauptdarsteller schauen will, wird nicht enttäuscht: Jenna Ortega und Martin Freeman bilden ein so spannungsgeladenes, zwiespältiges Paar, dass sie den Film notfalls allein tragen. Wer dagegen ein tiefgründiges, mutiges Drama über Macht und Manipulation erwartet, für den bleibt Miller's Girl eher Versprechen als Erfüllung. Für einen Streamingabend mit einem Glas Wein und anschließender langer Diskussion ist er eine sehr gute Wahl. Als großes Kinoerlebnis reicht es nicht, als Gesprächsstoff aber allemal.

Wertung: 6,5/10 · Story 6 · Schauspiel 8 · Regie 6 · Optik 7 · Musik und Ton 6 · Emotionen 6