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Vorab-Kritik · Im Kino ab 22.10.2026

Moscas Vorab-Kritik: Die Regeln der Einsamkeit und ein Neunjähriger, der sie alle bricht

Mexikanische FilmeSpanische FilmeKomödienFilmdramen

Es gibt eine Art von Einsamkeit, die man nicht erleidet, sondern sorgfältig errichtet, wie eine Festung. Moscas trägt die Mauern dieser Festung ab, und wenn nicht alles täuscht, nicht mit einem Rammbock, sondern mit einem neunjährigen Jungen. Fernando Eimbckes mexikanisch-spanische Koproduktion kommt am 22. Oktober in die deutschen Kinos und könnte nach allem, was man bisher weiß, eine der leisesten und zugleich herzerwärmendsten Überraschungen dieses Herbstes werden.

7,8/10
Erwartete Wertung
Das Versprechen einer stillen Tragikomödie, die aus kleinen Gesten lebt, und zwar in den Händen eines Regisseurs, der genau weiß, wie man aus dem Nichts Gefühl hervorholt.
Story
8
Schauspiel
8
Regie
9
Optik
7
Musik und Ton
7
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Moscas: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland22.10.2026
RegieFernando Eimbcke
BesetzungEnrique Arreola, Teresita Sánchez
GenreKomödien, Filmdramen
Laufzeit102 Min.
LandMexikanische Filme, Spanische Filme

Worum geht es in Moscas, ganz ohne Spoiler?

Die Ausgangslage ist simpel, und gerade deshalb könnte sie funktionieren. Olga lebt in einem riesigen Wohnblock ein streng geregeltes Leben, ohne Freunde, ohne Partner. Sie ist keine Heldin, die seufzend am Fenster sitzt und auf die große Liebe wartet. Eher eine Frau, die alles an seinen Platz gestellt hat und es überhaupt nicht schätzt, wenn jemand etwas verrückt.

Dann kommt das Geld ins Spiel, genauer gesagt: sein Fehlen. Aus finanziellen Gründen muss Olga ein Zimmer untervermieten. Ein Mann zieht ein, und damit beginnen die Verwicklungen, denn der Untermieter schmuggelt heimlich auch seinen neunjährigen Sohn in die Wohnung. Und Olga beginnt, zu ihrer eigenen Überraschung, an dem Jungen zu hängen. Ihre sorgsam gebaute Welt bekommt Risse, und die Schicksale der drei verflechten sich immer enger, ganz gegen Olgas Willen.

Mehr wissen wir nicht, und ehrlich gesagt reicht das auch. Das ist kein Film, bei dem es auf die Wendung ankommt. Hier geht es um die Frage, wie jemand auftaut, der beschlossen hat, nie wieder aufzutauen.

Fernando Eimbcke, Meister der stillen Momente

Wem der Name bekannt vorkommt, der liegt richtig. Eimbcke ist der mexikanische Regisseur, der mit seinem Debüt Temporada de patos aus ein paar Jugendlichen in einer Wohnung und einem öden Sonntagnachmittag einen unvergesslichen Film gemacht hat. Lake Tahoe und Club Sándwich haben danach bestätigt, dass ihn nicht die großen Ereignisse interessieren, sondern die Pausen dazwischen.

Genau deshalb ist die Idee hinter Moscas so reizvoll. Eine Wohnung, ein paar Menschen, ein Geheimnis, ein Kind: Das ist Eimbckes natürliches Terrain. In seinen Filmen entsteht Humor nicht aus Pointen, sondern aus der Absurdität der Situationen, aus peinlichem Schweigen, aus der Unbeholfenheit, mit der Menschen versuchen, einander nahezukommen. Trifft er diesen Ton wieder, sind die Etiketten Komödie und Drama kein Marketingtrick, sondern eine präzise Beschreibung.

Ich gebe zu: Deshalb freue ich mich wirklich darauf. Ein Regisseur, der aus einem Sandwich einen berührenden Film machen kann, hat über eine einsame Frau und ein eingeschmuggeltes Kind ganz sicher etwas Wichtiges zu erzählen.

Die Besetzung: Gesichter, die man nicht von Plakaten kennt

In den Hauptrollen sind Teresita Sánchez und Enrique Arreola zu sehen. Hollywoodstars sind sie nicht, und bei einem Film wie diesem ist das ein echter Vorteil. Man sieht keinen berühmten Schauspieler, der eine einsame Frau spielt, sondern eine einsame Frau.

Die Figur der Olga ist eine enorme Chance und ein enormes Risiko zugleich. Eine verschlossene Person, die sich an Regeln klammert, wird schnell unsympathisch oder langweilig. Das Geheimnis liegt in den feinen Rissen: in einem Blick, in einer zögernden Bewegung, in dem Moment, in dem sich das starre Gesicht für eine Sekunde ein Lächeln erlaubt. Gelingt das, schlägt das Herz des Films am richtigen Fleck.

Die größte Unbekannte ist der neunjährige Junge. An Kinderdarstellern kann so ein Film scheitern oder stehen. Nach Eimbckes bisherigen Arbeiten vertraue ich darauf, dass er mit jungen Schauspielern umgehen kann und ihnen ein natürliches, kein zuckriges Spiel entlockt.

Was könnte richtig gut werden?

Ein paar Gründe, warum ich optimistisch bin:

Wo könnte es schiefgehen?

Es wäre unfair, nur zu jubeln. Die Geschichte vom mürrischen Erwachsenen, der durch ein Kind zahm wird, gehört zu den abgenutztesten Schablonen der Filmgeschichte. Wir haben sie hundertmal gesehen, und der Weg in den Kitsch ist kurz: tränentreibende Musik, die vorhersehbare Umarmung kurz vor dem Abspann.

Die zweite Gefahr ist ausgerechnet Eimbckes Stärke: die Langsamkeit. Wer eine flotte Komödie erwartet, könnte enttäuscht werden. Vermutlich ist das kein Film, bei dem der ganze Saal laut lacht, sondern einer, bei dem man still lächelt und erst auf dem Heimweg merkt, dass er etwas mit einem gemacht hat. Für mich ist das perfekt, aber nicht für jeden.

Und eine Frage kann ich vorab nicht beantworten: Wie glaubwürdig wird die Beziehung zwischen den drei Figuren? Wird der Vater nur zum Werkzeug für die gemeinsamen Szenen von Olga und dem Jungen, droht der Film einseitig zu werden.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Paterson (2016), Roma (2018), Perfect Days (2023), Die fabelhafte Welt der Amélie (2001)

Häufige Fragen

Wann startet Moscas in den deutschen Kinos?

Moscas kommt am 22. Oktober 2026 in die deutschen Kinos.

Worum geht es in Moscas?

Um Olga, eine einsame Frau mit streng geregeltem Leben, die ein Zimmer an einen Mann untervermietet. Der bringt heimlich seinen neunjährigen Sohn mit. Olga schließt den Jungen ins Herz, und ihre Welt verändert sich.

Wie lang ist Moscas?

Der Film dauert 102 Minuten.

Wer hat Moscas inszeniert?

Regie führte der Mexikaner Fernando Eimbcke.

Wer spielt in Moscas mit?

Die Hauptrollen spielen Enrique Arreola und Teresita Sánchez.

Lassen wir diesen heimlichen Mitbewohner in unser Kino?

Ich finde: ja, und zwar mit offener Tür. Auf dem Papier ist Moscas eine vertraute Geschichte, aber sie liegt in den Händen eines Regisseurs, der schon immer das Meiste aus alltäglichen Momenten herausgeholt hat. Wenn Teresita Sánchez unter Olgas Panzer den Menschen sichtbar machen kann und der Film der Verlockung des Kitsches widersteht, bekommen wir ein kleines, aber sehr nachhaltiges Kinoerlebnis. Ich sitze am 22. Oktober im Saal und ahne, dass ich mit etwas wärmerem Herzen herauskomme, als ich hineingegangen bin. Erwartete Wertung: eine starke Acht.

Erwartete Wertung: 7,8/10 · Story 8 · Schauspiel 8 · Regie 9 · Optik 7 · Musik und Ton 7 · Emotionen 8