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Kritik · Kinostart: 8.12.2010

Rapunzel - Neu verföhnt Kritik: Die Disney-Prinzessin, die mit der Bratpfanne eine neue Ära einläutete

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Es gibt diese Disney-Filme, die man als Kind gesehen hat, als Erwachsener wieder einschaltet und plötzlich merkt: Eigentlich war der für mich gemacht. Rapunzel - Neu verföhnt ist genau so ein Film. Witzig, herzerwärmend, flott und überraschend frech. Mehr als fünfzehn Jahre nach dem Kinostart wirkt er noch immer so frisch, als hätte man ihn gestern gezeichnet.

8,7/10
Wertung
Einer der besten Märchenfilme aus Disneys moderner Ära, der den Zauber der alten Klassiker mit frechem Humor und echten Gefühlen verbindet.
Story
8
Schauspiel
9
Regie
9
Optik
9
Musik und Ton
8
Emotionen
9

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Rapunzel - Neu verföhnt: Trailer

Filmdaten

OriginalTangled
Kinostart in Deutschland8.12.2010
RegieByron Howard, Nathan Greno
BesetzungMandy Moore, Zachary Levi, Donna Murphy, Ron Perlman, M.C. Gainey, Jeffrey Tambor
GenreAnimationsfilme, Familienfilme, Abenteuerfilme
Laufzeit100 Min.
FSK0
LandAmerikanische Filme

Ein Turm, ein Dieb und eine sehr lange Haarpracht

Die Ausgangslage ist klassisches Märchen, nur mit deutlich mehr Schwung erzählt. Flynn Rider, der meistgesuchte und charmanteste Bandit des Königreichs, flüchtet vor seinen Verfolgern und versteckt sich ausgerechnet in einem geheimnisvollen Turm. Keine gute Idee: Die Bewohnerin, Rapunzel, setzt ihn mit ihrem 21 Meter langen magischen Haar im Handumdrehen außer Gefecht.

Der Clou: Rapunzel sitzt nicht brav herum und wartet auf ihren Retter. Sie ist seit Jahren eingesperrt und hat nur auf die passende Gelegenheit gewartet, endlich rauszukommen. In Flynn erkennt sie ihre Chance, schließt einen Deal mit ihm, und damit beginnt das Abenteuer, das den Kern des Films bildet. Mit von der Partie sind ein besorgtes Chamäleon, das vor jeder Gefahr warnen würde, ein Superpolizistenpferd, das Flynn wie ein Spürhund verfolgt, und eine Truppe grimmiger Kneipenschläger, in denen sich schnell mehr verbirgt, als man denkt.

Mehr verrate ich zur Handlung nicht, denn ein großer Spaß an diesem Film ist, sich einfach treiben zu lassen. Wer ihn noch nicht kennt, hat Glück: Der Zauber des ersten Mals zählt hier wirklich.

Mandy Moore und Zachary Levi: das Duo, für das sich alles lohnt

Bei Animationsfilmen vergisst man leicht, wie viel an den Stimmen hängt. Hier steht und fällt alles damit, ob man diesen beiden Figuren glaubt. Mandy Moore trifft als Rapunzel diese naive und zugleich quirlige Begeisterung erstaunlich gut, sodass die Figur nie nervt, obwohl sie das leicht könnte. Rapunzels Stimmungsschwankungen in den ersten Stunden der Freiheit gehören zu den lustigsten Momenten des Films.

Zachary Levi ist als Flynn Rider ein Volltreffer. Die Figur ist ein typischer Hochstapler mit einem großspurigen Spruch für jede Lage, doch in Levis Stimme steckt auch eine Wärme, die einen glauben lässt, dass unter der Fassade ein anständiger Kerl steckt. Die Chemie zwischen den beiden ist kein rosa Zuckerguss, sondern Sticheleien, Misstrauen und langsam schmelzendes Eis. Genau deshalb funktioniert sie.

Donna Murphy ist als Mutter Gothel die Geheimwaffe des Films. Kaum ein Disney-Bösewicht ist so unangenehm vertraut: Sie schleudert keine Blitze, sondern arbeitet mit Manipulation, die als Liebe getarnt ist. Wer mit überbehütender, toxischer Fürsorge aufgewachsen ist, dem werden manche Szenen einen Stich versetzen. In den Nebenrollen liefern Ron Perlman, Jeffrey Tambor, Brad Garrett und Paul F. Tompkins harte, aber urkomische Typen, die auch in kleinen Szenen groß auftrumpfen.

Byron Howard und Nathan Greno: alte Schule, neue Technik

Das Regieduo hat sich einiges vorgenommen: Die Atmosphäre eines klassischen, handgezeichneten Disney-Prinzessinnenmärchens sollte in Computeranimation übertragen werden, ohne kalt oder nach Plastik auszusehen. Das ist meiner Meinung nach gelungen, und zwar glänzend. Die Bewegungen, die Mimik der Figuren und der Rhythmus erinnern an die großen Klassiker, gleichzeitig arbeitet der Film mit einem Tempo und einem visuellen Humor, der ganz die Sprache moderner Animation spricht.

Was mir besonders gefällt: Die Regisseure haben keine Angst vor der Stille. Zwischen rasanter Action, Verfolgungsjagden und Gagfeuerwerk gibt es ruhige Momente zum Durchatmen, in denen einfach das Bild sprechen darf. Das ist reifes Filmemachen, durch das ein Familienfilm nicht nur die Zeit vertreibt, sondern im Gedächtnis bleibt.

Bilder, bei denen sich nicht mal das Haar verheddert

Rapunzels 21 Meter lange Mähne ist nicht nur ein Handlungselement, sondern ein visueller Hauptdarsteller. Sie dient als Seil, Peitsche, Schaukel und Falle, und den Animatoren hat das Spiel damit sichtlich Freude gemacht. Jede Szene, in der sich das Haar bewegt, ist ein kleines Kunststück.

Die Farbwelt ist warm und bilderbuchhaft, voller Sonnenlicht, Waldgrün und goldener Töne. Es gibt eine Szene mit Laternen, über die ich nichts weiter sage, aber wer sie gesehen hat, weiß Bescheid: Das sind einige der schönsten Minuten der Disney-Animation, die es mit jedem Klassiker aufnehmen können. Für mich ist das der Punkt, an dem der Film vom unterhaltsamen Märchen zu etwas wirklich Unvergesslichem wird.

Die Musik ist musicaltypisch eingängig. Nicht jeder Song wird zum ewigen Liebling, aber die besseren erzählen tatsächlich etwas über die Figuren, statt nur Laufzeit zu füllen. Ein paar Melodien werden einem tagelang im Kopf herumgehen, ob man will oder nicht.

Ein Pferd, ein Chamäleon und der Triumph der Nebenfiguren

Wenn es einen Teil des Films gibt, an den sich alle erinnern, dann ist es das Superpolizistenpferd. Es sagt kein einziges Wort und ist trotzdem eine der witzigsten Figuren: Es schnüffelt wie ein Hund, marschiert wie ein Soldat und jagt Flynn mit der Verbissenheit eines sturen Ermittlers aus einem Polizeifilm. Das Chamäleon ist ähnlich genial, kommentiert stumm alles, was passiert, und seine Mimik sagt mehr als mancher komplette Monolog.

Die Bande der Kneipenschläger ist eine Pointe, die für Kinder Klamauk und für Erwachsene ein liebevoll ironischer Dreh am Klischee des harten Kerls ist. Das Geheimnis des Films: Keine Nebenfigur wird als bloße Kulisse behandelt, jede bekommt ihren eigenen Moment.

Wo drückt die Krone?

Perfekt ist der Film nicht, und das muss er auch nicht sein. Das Gerüst der Geschichte ist bekannt, die großen Wendepunkte kommen genau nach Märchenfilm-Regelbuch, die Überraschung liegt also eher in der Umsetzung als in der Story. Ein, zwei Songs bleiben hinter den besten zurück, und der Mittelteil lässt es manchmal etwas zu gemütlich angehen.

Das sind aber Kleinigkeiten bei einem Film, der mit so viel Herz und Humor arbeitet. Wer ein völlig originelles Märchen sucht, könnte etwas vermissen. Wer aber sehen will, wie man eine alte Geschichte wieder aufregend macht, kommt voll auf seine Kosten.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Frozen (2013), Küss den Frosch (2009), Die Schöne und das Biest (1991), Vaiana (2016), Shrek (2001)

Häufige Fragen

Wann kam Rapunzel - Neu verföhnt in die deutschen Kinos?

Der Film startete in Deutschland am 8. Dezember 2010.

Wie lang ist Rapunzel - Neu verföhnt?

Der Film dauert 100 Minuten.

Worum geht es in Rapunzel - Neu verföhnt?

Flynn Rider, ein charmanter gesuchter Bandit, sucht Unterschlupf in einem Turm und wird dort von Rapunzel mit ihrem 21 Meter langen magischen Haar überwältigt. Sie schließt einen Deal mit ihm, um endlich freizukommen, und gemeinsam brechen die beiden zu einem abenteuerlichen Ausflug auf.

Wer hat bei Rapunzel - Neu verföhnt Regie geführt?

Regie führten Byron Howard und Nathan Greno.

Wer spricht Rapunzel und Flynn Rider in der Originalfassung?

Rapunzel wird von Mandy Moore gesprochen, Flynn Rider von Zachary Levi. Mutter Gothel bekommt ihre Stimme von Donna Murphy.

Wie lautet der Originaltitel von Rapunzel - Neu verföhnt?

Der Originaltitel des amerikanischen Films lautet Tangled.

Lohnt es sich, diesen Haarknoten noch einmal zu entwirren?

Auf jeden Fall. Rapunzel - Neu verföhnt ist einer dieser seltenen Familienfilme, die man nicht aus Pflichtgefühl mit den Kindern durchsitzt, sondern bei denen man sich selbst auf die Lieblingsszenen freut. Geistreich, wunderschön und mit dem Herz am rechten Fleck. Wer ihn noch nicht kennt, sollte das an einem verregneten Nachmittag nachholen. Wer ihn schon gesehen hat, schaut ihn einfach noch mal: Die Laternenszene trifft einen auch diesmal mitten ins Herz. Neun von zehn Punkten, und das Pferd bekommt eine glatte Eins mit Sternchen obendrauf.

Wertung: 8,7/10 · Story 8 · Schauspiel 9 · Regie 9 · Optik 9 · Musik und Ton 8 · Emotionen 9