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Kritik · Kinostart: 17.9.2026

Resident Evil Kritik: Zach Cregger sperrt den Albtraum in eine einzige Winternacht und lässt uns nicht mehr los

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Ein liegengebliebenes Auto, ein beleuchtetes Haus am Straßenrand, ein Klopfen an der Tür: Das ist das älteste Rezept des Horrors, und Zach Cregger weiß ganz genau, wie man es zur Explosion bringt. Das neue Resident Evil holt nicht das Maschinengewehrtempo der alten Filme zurück, sondern etwas viel Unangenehmeres. Das Gefühl, keine Ahnung zu haben, was hier passiert, und trotzdem rennen zu müssen. Genau diese Orientierungslosigkeit ist die stärkste Waffe des Films.

7,8/10
Wertung
Chaotischer, nervöser und überraschend persönlicher Horror, der den Namen Resident Evil endlich so behandelt, als wolle er damit auch Angst machen und nicht nur Geld verdienen.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
9
Optik
8
Musik und Ton
8
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Resident Evil: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland17.9.2026
RegieZach Cregger
BesetzungPaul Walter Hauser, Austin Abrams, Kali Reis, Zach Cherry, Johnno Wilson
GenreHorrorfilme
FSK16
LandAmerikanische Filme

Ein Kurier, ein Haus, eine sehr schlechte Nacht

Die Ausgangslage ist fast lächerlich simpel, und gerade deshalb funktioniert sie. Bryan arbeitet als medizinischer Kurier. In einer Winternacht bleibt sein Wagen liegen, und er klopft an ein Haus an der Straße, um telefonieren zu dürfen. Mehr nicht. Keine Einstiegsmontage über geheime Labore, keine lange Exposition über böse Konzerne, keine Heldin, die schon in der ersten Minute weiß, was zu tun ist. Stattdessen ein ganz normaler Typ zur falschen Zeit am falschen Ort, der statt Hilfe etwas völlig anderes bekommt.

Ab da wird der Film zu einer einzigen langen, verworrenen Nacht, die komplett im Chaos versinkt. Bryan versteht nicht, warum ausgerechnet er ausgewählt wurde, warum ausgerechnet er gejagt wird und wie er in diese ganze Sache hineingeraten ist. Und das Publikum steckt lange in genau derselben Haut. Bei einem Franchise, dessen Fans normalerweise ganz genau wissen wollen, was im Hintergrund läuft, ist das eine mutige Entscheidung. Cregger liefert lieber das Erlebnis als die Antworten, und das rechne ich ihm hoch an.

Auf Spoiler verzichte ich natürlich, aber so viel sei verraten: Wer in der ersten halben Stunde die Auflösung des Rätsels erwartet, wird enttäuscht. Wer sich dagegen mitreißen lässt, bekommt ein Tempo, das man im heutigen Studio-Horror nur selten erlebt.

Zach Cregger, der neue Lieblingsstörenfried des Horrors

Wer Barbarian gesehen hat, weiß, wie gern Cregger mit den Erwartungen seines Publikums spielt. Dort machte er aus einer Ferienwohnung ein Labyrinth, nach dem man den eigenen Keller tagelang misstrauisch beäugt hat. Mit Weapons bewies er dann, dass er auch auf größerer Leinwand und mit mehr Figuren gleichzeitig verstören und unterhalten kann. In seinen Händen ist Resident Evil kein weiteres Markenprodukt, sondern ein Spielplatz für einen Regisseur.

Seine eigentliche Stärke ist der Rhythmus. Er weiß, wann man eine Szene quälend in die Länge ziehen muss und wann man plötzlich voll aufs Gas tritt. Hier klebt das Pedal am Boden: Die Schrecken folgen in irrem Tempo aufeinander, und dieser Schwung zieht einen über weite Strecken einfach mit. Zwischendurch fühlte ich mich wie in einem Albtraum, in dem die Logik nur zur Hälfte funktioniert und hinter der nächsten Tür alles lauern kann.

Diese Art von Schnitt wird allerdings nicht jedem gefallen. Cregger nimmt niemanden an die Hand, er erklärt nicht zu viel, und wer nach Halt sucht, kann leicht verloren gehen. Für mich ist das eine Tugend, aber ich verstehe, wenn es manche anstrengend finden.

Paul Walter Hauser, der unwahrscheinlichste Horrorheld

Paul Walter Hauser ist nicht unbedingt der Schauspieler, den man sich in der Hauptrolle eines Zombie-Franchise vorstellt, und genau deshalb ist er eine geniale Wahl. Spätestens seit Der Fall Richard Jewell wissen wir, wie unglaublich gut er den Durchschnittsmenschen spielt, den die Umstände in eine Lage bringen, auf die ihn nichts vorbereitet hat. Hier nutzt er dasselbe Instrument, nur für eine deutlich düsterere Melodie.

Bryan ist kein Actionheld, kein Elitesoldat, kein Auserwählter. Er ist ein Kurier, der nur telefonieren wollte. Hauser macht jede Panikattacke, jede verzweifelte Entscheidung glaubwürdig, und dadurch wird auch die Angst des Films echter. Wenn eine Figur vom Typ Milla Jovovich um sich schießt, fiebern wir mit. Wenn Hausers Bryan rennt, zittern wir mit.

In den Nebenrollen verstärken Austin Abrams, Kali Reis, Zach Cherry und Johnno Wilson das Ensemble. Besonders Zach Cherry passt hervorragend in so einen Film, weil er mit seltenem Gespür auch in angespannten Situationen seine Figuren menschlich wirken lässt. Die Besetzung besteht eher aus Charakterdarstellern als aus Stars, und das kommt dem Film zugute: Bei niemandem weiß man vorher, ob er überlebt.

Was hat das noch mit den alten Resident-Evil-Filmen zu tun?

Das ist die große Frage, und ehrlich gesagt: atmosphärisch nicht besonders viel. Die von Paul W. S. Anderson gestartete Filmreihe bewegte sich immer stärker in Richtung stilisierter Action, und für viele stand sie für den leichten Popcorn-Zweig der Videospielverfilmungen. Creggers Version versteht sich als Neuinterpretation der legendären Resident-Evil-Filme und nimmt das ernst: Sie bringt die Marke zurück zum Horror, wo sie meiner Meinung nach schon immer hingehört hat.

Eine der größten Stärken der ursprünglichen Videospiele war, dass sie einen an einem fremden, feindseligen Ort einsperrten, an dem hinter jeder Ecke Gefahr lauerte und man nicht verstand, was eigentlich los ist. Dieses Gefühl ist hier viel präsenter als in den meisten früheren Filmen. Wer die Laserkorridore und Zeitlupenkämpfe der alten Kinoreihe vermisst, wird wahrscheinlich fremdeln. Wer dagegen die Angst vermisst hat, bekommt sie endlich zurück.

Unabhängig davon braucht man keinerlei Vorwissen, um den Film zu genießen: Die Geschichte beginnt aus Bryans Sicht, und der weiß selbst nichts. Wer ganz neu einsteigt, steht also genau dort, wo auch der Held steht.

Wo das Chaos zu viel wird

Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich behaupten würde, dass alles sitzt. Die größte Stärke des Films, die Orientierungslosigkeit und das Tempo, wird stellenweise auch zu seiner Schwäche. Es gibt Momente, in denen man wegen der Hektik kaum noch folgen kann, wer wer ist und warum er wichtig ist, und ein Teil der Figuren bekommt schlicht nicht genug Zeit, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben.

Das zweite Risiko ist der Ballast des Franchise. Eine Neuinterpretation muss gleichzeitig alte Fans und ein neues Publikum ansprechen, und diese doppelte Erwartung zieht den Film manchmal spürbar in zwei Richtungen. Creggers eigene Handschrift bleibt auch hier stark, doch gelegentlich schimmert durch, dass er im Rahmen einer großen Studiomarke arbeitet und nicht an einem völlig freien, eigenständigen Projekt.

Das sind allerdings eher kleine Schrammen als ernsthafte Wunden. Und eines sollte man wissen: Der Film hält sich nicht zurück. Wer an die entschärften, auf Teenager zugeschnittenen Horrorfilme der letzten Jahre gewöhnt ist, könnte überrascht werden.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Barbarian (2022), Weapons (2025), Resident Evil (2002), 28 Days Later (2002), Don't Breathe (2016)

Häufige Fragen

Wann ist Resident Evil in Deutschland in die Kinos gekommen?

Der Film startete am 17. September 2026 in den deutschen Kinos.

Worum geht es im neuen Resident Evil?

Im Mittelpunkt steht Bryan, ein medizinischer Kurier, dessen Auto in einer Winternacht liegen bleibt. Er klopft an ein Haus am Straßenrand, um Hilfe zu holen, bekommt aber etwas völlig anderes und muss eine chaotische Nacht lang um sein Leben kämpfen, ohne zu wissen, warum ausgerechnet er gejagt wird.

Wer hat den neuen Resident-Evil-Film inszeniert?

Regie führte Zach Cregger, der sich zuvor mit den Horrorfilmen Barbarian und Weapons einen Namen gemacht hat.

Wer spielt im neuen Resident Evil mit?

Die Hauptrolle übernimmt Paul Walter Hauser, an seiner Seite spielen Austin Abrams, Kali Reis, Zach Cherry und Johnno Wilson.

Muss man die früheren Resident-Evil-Filme kennen?

Nein. Der Film ist eine Neuinterpretation der legendären Reihe, und die Geschichte wird aus der Sicht eines ahnungslosen Helden erzählt. Man kann also auch ganz ohne Vorwissen problemlos folgen.

Lohnt es sich, an diese Tür zu klopfen?

Ja, und am besten im Kino, im Dunkeln, mit ordentlichem Sound. Resident Evil war lange das Franchise, bei dem man nur abgewinkt hat: unterhaltsam, aber schnell vergessen. Zach Cregger hat jetzt geschafft, was sich Fans seit Jahren wünschen: Er nimmt die Angst ernst. Und Paul Walter Hausers alltägliche Unbeholfenheit gibt dem Chaos einen so menschlichen Kern, dass das Ganze viel mehr wehtut. Fehlerfrei ist der Film nicht, manchmal will er zu viel und rennt zu schnell, aber im aktuellen Horrorangebot ist so ein mutiger, nervöser, lebendiger Film eine Seltenheit. Wenn Bryan klopft, mach die Tür auf. Nur sag hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.

Wertung: 7,8/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 9 · Optik 8 · Musik und Ton 8 · Emotionen 7