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Kritik · Kinostart: 13.2.2003

Ring Kritik: Das Videoband, wegen dem wir uns nach über zwanzig Jahren noch vor dem Fernseher fürchten

Amerikanische FilmeHorrorfilmeMysteryfilmeRemakes

Es gibt Horrorfilme, bei denen man schreit, und es gibt welche, nach denen man tagelang nicht mehr in den schwarzen Bildschirm des ausgeschalteten Fernsehers schauen will. Ring gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Gore Verbinskis Film ist einer der bedrückendsten amerikanischen Horrorfilme der frühen 2000er, und beim Wiedersehen überrascht vor allem, wie wenig er gealtert ist.

8,5/10
Wertung
Kalter, klammer, gnadenlos atmosphärischer Horror, der selbst aus dem Zeitalter der Videokassette noch echtes Grauen herausholt.
Story
8
Schauspiel
8
Regie
9
Optik
9
Musik und Ton
9
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Ring: Trailer

Filmdaten

OriginalThe Ring
Kinostart in Deutschland13.2.2003
RegieGore Verbinski
BesetzungNaomi Watts, Martin Henderson, David Dorfman, Brian Cox, Jane Alexander, Lindsay Frost
GenreHorrorfilme, Mysteryfilme
Laufzeit111 Min.
FSK16
LandAmerikanische Filme

Eine Großstadtlegende, die klingelt

Die Ausgangslage ist so simpel, dass sie fast kindlich wirkt: Es gibt ein Videoband mit albtraumhaften Bildern. Wer es sich ansieht, bekommt einen Anruf, und eine Stimme verkündet, dass man in sieben Tagen sterben wird. Eine typische Lagerfeuergeschichte, über die man eigentlich nur lacht. Genau so sieht es auch die Journalistin Rachel Keller, bis vier Teenager zur selben Zeit sterben, exakt eine Woche nachdem sie die Aufnahme gesehen haben.

Damit beginnt die Recherche. Rachel ist keine Heldin, die mit der Taschenlampe in den Keller stürmt, sondern eine sture, neugierige und ein wenig selbstsüchtige Reporterin, die das Band aufspürt und es natürlich anschaut. Dann klingelt das Telefon. Ab jetzt geht es nicht mehr um eine gute Story, sondern um ihr eigenes Leben und das ihres kleinen Sohnes, und die Uhr hält niemand an: sieben Tage, keinen mehr und keinen weniger.

In diesem Countdown liegt eine der größten Stärken des Films. Die sieben Tage sind kein bloßer dramaturgischer Kniff, sondern eine Schlinge, die sich langsam, aber stetig zuzieht. Mit jedem Tag wird die Luft dünner, und man zählt als Zuschauer die Stunden genauso mit wie die Figuren.

Naomi Watts, eine seltene erwachsene Horrorheldin

Naomi Watts als Rachel Keller war eine hervorragende Wahl. Sie hatte Mulholland Drive bereits hinter sich und bringt dieselbe zerbrechliche und doch entschlossene Intensität mit. Rachel ist keine perfekte Mutter und keine Superheldin, sondern einfach ein Mensch, der von Instinkt und Verantwortung angetrieben wird. Genau deshalb glaubt man ihr jeden verängstigten Blick.

Martin Henderson als Noah Clay ist ein angenehmer, leicht zynischer Gegenpol. An ihn wendet sich Rachel um Hilfe, und ihre angespannte Beziehung mit gemeinsamer Vergangenheit legt eine menschliche Ebene neben den Schrecken. Die eigentümlichste Erscheinung ist aber David Dorfman als Aidan Keller, Rachels Sohn. Er ist eines dieser Filmkinder, bei denen einem kalt den Rücken herunterläuft: ernst, still und viel zu wissend. Mit sehr wenigen Worten erzählt er sehr viel.

In den Nebenrollen sieht man Brian Cox als Richard Morgan, der schon in wenigen Szenen Gewicht und Unruhe auf die Leinwand bringt, sowie Jane Alexander als Dr. Grasnik. Außerdem dabei sind Lindsay Frost, Amber Tamblyn und Rachael Bella. Von den Jüngeren dürfte vor allem Tamblyns Name heute vielen etwas sagen.

Gore Verbinski und das graugrüne Grauen

Wer Gore Verbinski nur von Fluch der Karibik kennt, wird staunen. Ring ist vom bunten Abenteuer-Blockbuster so weit entfernt wie nur möglich. Verbinski baut hier eine feuchte, trübe Welt, die fast vollständig auf eine einzige Farbpalette gestimmt ist: Blaugrün, Grau, müde Töne, Dauerregen, beschlagene Fenster. Jedes Bild sieht aus, als würde es gerade schimmeln.

Die größte Tugend der Inszenierung ist ihre Geduld. Der Film setzt nicht auf Jumpscares, sondern auf Unbehagen. Ein verrutschtes Bild, ein rauschender Bildschirm, ein stiller Flur wirken hier stärker als zehn laute Effekthaschereien. Und wenn er dann doch zuschlägt, spürt man es wirklich.

Der Inhalt des Videobands selbst ist ein kleines visuelles Meisterwerk. Eine surreale, scheinbar sinnlose und trotzdem zutiefst verstörende Bildfolge, die man fast gegen den eigenen Willen immer wieder im Kopf abspielt. Genau darum geht es.

Der Sound, der unter die Haut kriecht

Mindestens die Hälfte der Atmosphäre von Ring verdankt sich der Tonebene. Das statische Rauschen, das Telefonklingeln und die schwere, langsame Musik erzeugen zusammen eine Stimmung, bei der man selbst im sonnigen Wohnzimmer die Schultern hochzieht. Vor allem das Klingeln: Nach diesem Film schaut man garantiert anders aufs Display, wenn eine unbekannte Nummer anruft.

Selten arbeitet ein Horrorfilm im Sounddesign so bewusst mit der Stille. Sie ist hier keine Atempause, sondern eine Drohung, und Verbinski spielt das meisterhaft aus.

Wo leiert das Band?

Perfekt ist nicht alles. Der Film dauert 111 Minuten, und im Mittelteil zieht sich die Ermittlungsarbeit stellenweise etwas. Wer auf dichtes, schnelles Erschrecken aus ist, braucht für das gemächliche Tempo Geduld. Manche Entscheidungen der Figuren dienen eher der Dramaturgie als dem gesunden Menschenverstand, aber das gehört im Genre fast schon zum Pflichtprogramm.

Der zweite Punkt ist die Epoche: VHS, Festnetztelefon und Röhrenfernseher sind heute praktisch Retro-Requisiten. Für jüngere Zuschauer mag das seltsam wirken, ich finde aber, dass es die Wirkung eher verstärkt. Die körnige, unberechenbare Welt der alten Technik hat etwas ausgesprochen Gespenstisches.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Ringu (1998), The Sixth Sense (1999), The Grudge (2004), Dark Water (2005), It Follows (2014)

Häufige Fragen

Worum geht es in Ring?

Um ein verfluchtes Videoband: Wer es gesehen hat, bekommt einen Anruf und erfährt, dass er in sieben Tagen sterben wird. Die Journalistin Rachel Keller beginnt zu recherchieren, sieht sich das Band an und hat mit Hilfe ihres Freundes Noah sieben Tage Zeit, ihr eigenes Leben und das ihres Sohnes zu retten.

Wie lang ist Ring?

Der Film dauert 111 Minuten.

Wer hat Ring inszeniert?

Regie führte Gore Verbinski.

Wer spielt in Ring mit?

Die Hauptrolle spielt Naomi Watts als Rachel Keller, daneben sind Martin Henderson (Noah Clay), David Dorfman (Aidan Keller) und Brian Cox (Richard Morgan) zu sehen.

Wann kam Ring in Deutschland ins Kino?

Der Film startete am 13. Februar 2003 in den deutschen Kinos.

Schieben wir das Band noch einmal in den Rekorder?

Ja, und zwar ohne Zögern. Ring gehört zu den seltenen amerikanischen Horrorfilmen, die nicht auf den Schock setzen, sondern auf eine langsam einsickernde Angst, und diese Strategie funktioniert auch nach über zwanzig Jahren. Naomi Watts ist stark, Verbinskis Bilder schnüren einem die Kehle zu, und die Geräusche bleiben tagelang bei dir. Ein paar zähere Minuten gibt es, dafür bekommst du eine Unruhe, wie sie nur wenige Filme erzeugen. Nur ein Rat: Geh danach nicht gleich ans Telefon.

Wertung: 8,5/10 · Story 8 · Schauspiel 8 · Regie 9 · Optik 9 · Musik und Ton 9 · Emotionen 8