The Fall Guy Kritik: Ryan Gosling ist diesmal selbst der Held und nicht nur das Double
Endlich ein Film, der nicht den Star feiert, sondern den Typen, der an seiner Stelle durchs Fenster fliegt. The Fall Guy ist ein Liebesbrief an die Helden der Filmbranche, die am meisten einstecken und am wenigsten Applaus bekommen, und dabei ist er auch noch frech unterhaltsam. Fehlerfrei ist er nicht, aber so viel Herz sieht man selten in zwei Stunden voller Explosionen.
Eine lässige, sympathische Action-Romcom als Hommage an die Stuntleute, die mit ihrer Länge und Vorhersehbarkeit kämpft, aber vom Starpaar komplett getragen wird.
The Fall Guy: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 30.4.2024 |
|---|---|
| Regie | David Leitch |
| Besetzung | Ryan Gosling, Emily Blunt, Aaron Taylor-Johnson, Hannah Waddingham, Teresa Palmer, Stephanie Hsu |
| Genre | Actionfilme, Komödien, Romantische Filme |
| Laufzeit | 127 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Amerikanische Filme, Australische Filme |
Worum geht es? Ein Mann, der beruflich von Dächern fällt
Colt Seavers ist Stuntman und tut genau das, was alle in seinem Job tun: Er wird in die Luft gesprengt, angeschossen, überfahren, durch Fenster geworfen und von hohen Gebäuden fallen gelassen, alles nur zu unserer Unterhaltung. Nach einem Unfall, der seine Karriere beinahe beendet hätte, kehrt er frisch genesen ans Set zurück. Doch diesmal wartet neben dem Tagesgeschäft eine ganz andere Aufgabe auf ihn.
Er muss einen verschwundenen Filmstar finden, eine Verschwörung aufdecken und, als wäre das nicht genug, die Liebe seines Lebens zurückgewinnen. Die offizielle Inhaltsangabe trifft die Stimmung perfekt: Was soll da schon schiefgehen? Mehr muss man über die Handlung gar nicht wissen, denn der Spaß liegt ohnehin darin, wie alles immer weiter im Chaos versinkt.
Schon der Titel ist clever gewählt. The Fall Guy bedeutet im Englischen sowohl Stuntman als auch Sündenbock. Diese Doppeldeutigkeit ist kein Zufall, und der Film spielt sehr gekonnt damit.
Gosling und Blunt: die Chemie, für die wir Tickets kaufen
Ryan Gosling spielt Colt Seavers als genau diese Sorte selbstironischen, leicht tollpatschigen, aber unendlich liebenswerten Typen, die man ihm in den letzten Jahren auf den Leib geschrieben zu haben scheint. Da steckt eine Portion trauriger Welpe drin, eine Portion lässige Coolness und erstaunlich viel Selbstironie. Er gibt nicht den unbesiegbaren Actionhelden, sondern einen Arbeiter, dem der Rücken wehtut, und der Film nimmt ihn genau darin ernst.
Emily Blunt ist als Jody Moreno das perfekte Gegenstück. Blunt kann schlicht nicht schlecht spielen, und hier genießt sie es sichtlich, gleichzeitig witzig, spitz und verletzlich sein zu dürfen. Das Hin und Her zwischen den beiden ist das Beste am ganzen Film. Manchmal hätte ich ihnen lieber in einem Zimmer beim Reden zugesehen als bei der nächsten Verfolgungsjagd. Für einen Actionfilm ist das kein kleines Kompliment.
Auch die Nebenrollen sitzen. Aaron Taylor-Johnson parodiert als Tom Ryder herrlich das Ego eines Hollywoodstars, und Hannah Waddingham bringt als Gail Meyer Energie in jede ihrer Szenen. Daneben bekommen Teresa Palmer (Iggy Starr), Stephanie Hsu (Alma Milan), Winston Duke (Dan Tucker) und Ben Knight (Dressler) ihren Platz, wenn auch nicht alle mit dem gleichen Gewicht. Vor allem Winston Duke ist ein großartiger Partner an Goslings Seite. Schade, dass er nicht noch mehr Zeit bekommt.
David Leitch weiß, wovon er spricht
Regie führt David Leitch, der selbst als Stuntman angefangen hat, bevor er hinter die Kamera wechselte. Diesen Hintergrund spürt man in jeder Einstellung. Als Mitschöpfer von John Wick und später als Regisseur von Atomic Blonde, Deadpool 2 und Hobbs & Shaw hat Leitch längst bewiesen, dass er Action inszenieren kann. Hier kommt aber etwas Persönlicheres dazu: Es geht um seinen eigenen Beruf.
Die schönste Geste des Films ist, dass er Stuntarbeit nicht als Hintergrundrauschen behandelt, sondern zur Hauptfigur macht. Die Actionszenen sind greifbar und haben Gewicht, statt nur ein digitales Pixelgewitter zu sein. Man sieht, dass hier echte Menschen fliegen, stürzen und brennen, und der Film zeigt das mit sichtbarem Stolz. Wer sich je gefragt hat, wer diese namenlose Person im Abspann ist, für die der Star den Applaus kassiert, für den ist dieser Film gemacht.
Außerdem nutzt Leitch das Prinzip Film im Film sehr geschickt: Die Welt der Dreharbeiten, die Kulissen und das Leben in der Crew dienen gleichzeitig als Schauplatz und als Pointenquelle. Hollywood lacht hier ein bisschen über sich selbst, und das steht ihm ausgesprochen gut.
Was funktioniert: Action, Humor, Herz
Die größte Stärke ist die Atmosphäre. The Fall Guy will nicht mehr sein, als er ist: ein Kinoabend am Samstag mit lauten Lachern, gelegentlicher Rührung und jeder Menge Explosionen. Ein paar Dinge sind besonders gut gelungen:
- Die handfeste Action. Man spürt die körperliche Arbeit und das Risiko, und dadurch ist jeder Sturz mehr wert.
- Die Chemie des Paares. Gosling und Blunt sind die Seele des Films, und die Liebesgeschichte funktioniert überraschend gut.
- Die Selbstironie. Der Film zwinkert ständig dem Publikum, der Filmindustrie und den Klischees des Genres zu.
- Die Hommage. Selten feiert ein großer Studiofilm so ehrlich einen unsichtbaren Beruf.
Wer altmodische, lockere Actionkomödien mit echten Stars liebt, fühlt sich hier sofort zu Hause. Das ist genau die Art Film, die man auch in zehn Jahren noch gern an einem verregneten Sonntagnachmittag wieder anschaut.
Wo hakt es? Zu viele Stürze, zu wenig Überraschungen
Leugnen hat keinen Sinn: Mit 127 Minuten ist der Film spürbar zu lang. Im Mittelteil sackt er stellenweise ab, und die eine oder andere Szene hätte man ruhig kürzen können. In einem so leichtfüßigen Genre ist das Tempo alles, und hier geht der Schwung zwischendurch verloren.
Auch der Verschwörungsstrang ist eher Vorwand als echtes Rätsel. Wer einen cleveren Thriller erwartet, wird enttäuscht. Der Krimi ist hier nur der Rahmen, damit Colt an möglichst vielen Orten stürzen, rennen und springen kann. Mich hat das nicht groß gestört, aber man sollte wissen, worauf man sich einlässt.
Der Humor trifft ebenfalls nicht immer. Manche Pointen sitzen, bei anderen merkt man, dass die Szene zu lange auf den Lacher wartet. Und die Liebesgeschichte folgt Bögen, die Genrekenner schon oft gesehen haben. Das alles schadet dem Film nicht wirklich, verhindert aber, dass er zu einem echten Klassiker wird.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Alle, die Ryan Gosling und Emily Blunt mögen, lockere Actionkomödien lieben und neugierig sind, was hinter den Kameras eines Filmsets passiert. Pflichtprogramm für jeden, der schon mal fasziniert vor einem richtig guten Sturz stehen geblieben ist.
- Lieber auslassen, wenn: Wer einen straffen Thriller mit cleveren Wendungen erwartet oder mit leichter Unterhaltung über zwei Stunden Laufzeit nichts anfangen kann.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Atomic Blonde (2017), The Lost City (2022), The Nice Guys (2016), Once Upon a Time in Hollywood (2019), Fast & Furious: Hobbs & Shaw (2019)
Häufige Fragen
Worum geht es in The Fall Guy?
Stuntman Colt Seavers kehrt nach einem Unfall, der beinahe das Ende seiner Karriere bedeutet hätte, zurück ans Set. Dort muss er einen verschwundenen Filmstar finden, eine Verschwörung aufdecken und nebenbei die Liebe seines Lebens zurückgewinnen.
Wann ist The Fall Guy in den deutschen Kinos gestartet?
Der Film lief in Deutschland am 30. April 2024 an.
Wie lang ist The Fall Guy?
Der Film dauert 127 Minuten.
Wer hat bei The Fall Guy Regie geführt und wer spielt mit?
Regie führte David Leitch. In den Hauptrollen sind Ryan Gosling (Colt Seavers) und Emily Blunt (Jody Moreno) zu sehen, dazu Aaron Taylor-Johnson, Hannah Waddingham, Teresa Palmer, Stephanie Hsu, Winston Duke und Ben Knight.
Woher stammt The Fall Guy?
Der Originaltitel lautet ebenfalls The Fall Guy. Es handelt sich um eine amerikanisch-australische Koproduktion.
Lohnt sich der Sprung an einem freien Abend?
Ja, das tut er. The Fall Guy wird das Kino nicht retten, und das will er auch gar nicht. Er ist etwas zu lang, etwas vorhersehbar, und aus dem Krimistrang hätte man mehr machen können. Aber in ihm stecken so viel Herz, Energie und ehrliche Liebe zum Handwerk, dass man ihm kaum böse sein kann. Gosling und Blunt sind zusammen ein echtes Traumduo, und Leitch inszeniert Action, die Gewicht hat.
Wenn du Lust auf einen Film hast, nach dem du lächelnd vom Sofa aufstehst und beim nächsten Mal den Abspann bis zum Ende liest, um zu sehen, wer die Stuntleute waren, dann ist das dein Film. Von mir gibt es eine starke, liebevolle Sieben, und für Gosling und Blunt noch ein High Five obendrauf.
