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Kritik

Cursa Kritik: rumänischer Benzinrausch auf den nächtlichen Boulevards von Bukarest

Rumänische FilmeActionfilme

Endlich hat jemand begriffen, dass Straßenrennen nicht zwingend in Los Angeles oder Tokio stattfinden müssen. Auch die nächtlichen Boulevards von Bukarest werfen das Pfeifen eines Turboladers wunderbar zurück. Cursa ist ein rumänischer Actionfilm, der sich mutig in jenes Genre wagt, das The Fast and the Furious einst geprägt hat. Bleibt nur die Frage, ob er eine eigene Stimme findet oder bloß die lokale Kopie des großen amerikanischen Vorbilds bleibt.

6,0/10
Wertung
Cursa ist ein schwungvoller, sympathisch größenwahnsinniger Benzinfilm aus Rumänien, der bei Atmosphäre und Schauplatz mehr zu bieten hat als bei der Geschichte. Für 97 Minuten Vollgas reicht das aber locker.
Story
5
Schauspiel
6
Regie
6
Optik
7
Musik und Ton
7
Emotionen
5

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Cursa: Trailer

Filmdaten

RegieAnghel Damian, Millo Simulov
BesetzungCristina Stefania Codreanu, Codin Maticiuc, Denis Hanganu, Andi Vasluianu, Stefan Iancu
GenreActionfilme
Laufzeit97 Min.
LandRumänische Filme

Zehn Fahrer, ein Einsatz: und der Einsatz sind die Autos selbst

Die Ausgangslage ist so simpel, dass man sie mit fast kindlicher Freude schluckt: Die zehn talentiertesten Fahrer Europas treten bei einem besonderen Rennen gegeneinander an, bei dem nicht nur ein Preis winkt, sondern auch sämtliche Autos der Teilnehmer. Der Sieger nimmt also wortwörtlich alles mit. Diese Art von Einsatz gehört zu den ältesten und wirkungsvollsten Tricks des Straßenrennfilms, denn das Auto ist hier nicht bloß ein Werkzeug. Es ist Identität, Stolz, die Investition eines ganzen Lebens.

Im Mittelpunkt steht Andrei, ein junger, außergewöhnlich begabter Mechaniker, der in der riskanten Welt illegaler Autorennen zwischen zwei Rivalen gerät. Mehr muss man über die Handlung vorab gar nicht wissen, und ehrlich gesagt: Wer das Genre kennt, hat damit ohnehin schon das ganze Bild im Kopf. Der Schrauber, der Maschinen besser versteht als die Menschen um ihn herum, die Rivalität, in die er hineinschlittert, und die Nacht, die alles größer erscheinen lässt.

Bukarest als Rennstrecke

Wenn ich nur eine Sache nennen dürfte, für die Cursa Aufmerksamkeit verdient, dann wäre es der Schauplatz. Die Boulevards von Bukarest verwandeln sich in gefährliche Rennstrecken, und das verleiht dem Film eine Frische, die Hollywoods Rennfilme längst verloren haben. Wir kennen die Highways von Los Angeles, die japanischen Bergstraßen, die kalifornische Sonne zur Genüge. Eine warme Nacht in einer osteuropäischen Hauptstadt hat dagegen eine ganz andere Textur: anderes Licht, andere Gebäude, eine andere Stimmung.

Gerade für ein deutsches Publikum hat das einen besonderen Reiz. Die breiten Prachtstraßen, das Nebeneinander von alter und neuer Architektur, die schwüle Sommernacht wirken vertraut genug, um nahbar zu sein, und zugleich fremd genug, um neugierig zu machen. Es ist ein Europa, das man im Kino selten so zu sehen bekommt, schon gar nicht mit aufheulenden Motoren. Das ist die größte Trumpfkarte des Films, und zum Glück weiß er sie auch auszuspielen.

Supersportwagen, wie sie sich ein Benzinjunkie erträumt

Für den Adrenalinkick der Rennen sorgen einzigartige Supersportwagen, und hier gibt sich der Film alles andere als bescheiden. Bei solchen Filmen geht ein beträchtlicher Teil des Publikums schlicht wegen der Maschinen ins Kino, und das wissen die Macher ganz offensichtlich. Die Autos sind hier Hauptdarsteller, keine Kulisse.

Was mir gefallen hat:

Allerdings lauert hier auch die übliche Falle: Das Spektakel erdrückt schnell die Figuren. Auch Cursa entgeht diesem Problem nicht ganz. Zwischen den Rennszenen spürt man immer wieder, dass die Geschichte nur das Bindegewebe bis zum nächsten Lauf ist.

Die Besetzung: rumänische Gesichter hinterm Steuer

Zum Ensemble gehören Cristina Stefania Codreanu, Codin Maticiuc, Denis Hanganu, Andi Vasluianu und Stefan Iancu. Hierzulande dürften die wenigsten auch nur einen dieser Namen kennen, und das kann paradoxerweise ein Vorteil sein: Kein Starimage verdeckt die Figuren, keine Erwartungshaltung, nur das, was auf der Leinwand passiert.

In solchen Genrefilmen braucht niemand shakespearesche Tiefe von den Darstellern. Gefragt sind Charisma, eine glaubwürdige körperliche Präsenz und jene lässige Selbstsicherheit, die uns abnehmen lässt, dass diese Leute wirklich in der Nacht leben. Alles dreht sich um Andrei, den jungen Mechaniker, und der Film funktioniert am besten, wenn die Spannung zwischen den Figuren nicht nur in Dialogen, sondern auch hinterm Lenkrad spürbar wird. Wo er sich auf Gespräche verlassen muss, holpert es gelegentlich, aber das gehört in diesem Genre fast schon dazu.

Zwei Regisseure, ein Lenkrad

Regie führten Anghel Damian und Millo Simulov. Eine Doppelregie ist immer eine spannende Frage, gerade bei einem Actionfilm, in dem der Rhythmus über allem steht. Bei Cursa habe ich den Eindruck, dass die Rennszenen die meiste Aufmerksamkeit und Energie bekommen haben, und das war die richtige Entscheidung. Diese Passagen haben Drive und Dynamik, der Schnitt lässt die Spannung nie absacken.

Schwächer ist der Film im Umgang mit den ruhigeren Momenten. Die großen Klassiker des Straßenrennfilms sind auch deshalb im Gedächtnis geblieben, weil es zwischen den Beschleunigungsszenen etwas gab, an das man sich erinnert: eine Beziehung, einen Verlust, eine Entscheidung. Hier kann Cursa nicht wirklich glänzen, peinlich wird es aber auch nie. Ein ehrlicher, solide gemachter Genrefilm, der weiß, worauf er sich einlässt.

Wo er aus der Kurve fliegt

Beschönigen wir nichts: Das Drehbuch ist der schwächste Punkt des Films. Zehn Fahrer, eine Rivalität, ein Mechaniker, der in das Spiel hineingezogen wird. Das ist die Schablone, die Fans des Genres im Schlaf aufsagen können. Wer eine wendungsreiche, überraschende Geschichte erwartet, wird enttäuscht. Cursa revolutioniert den Straßenrennfilm nicht, er übersetzt ihn eher ins Rumänische.

Immerhin nimmt der Film Gefahr und Risiko ernst und ist kein harmloser Familienausflug. Das tut ihm gut, denn es gibt ihm eine gewisse Schärfe, ohne die er leicht zu einem langen Autowerbespot hätte werden können.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: The Fast and the Furious (2001), The Fast and the Furious: Tokyo Drift (2006), Need for Speed (2014), Drive (2011), Baby Driver (2017)

Häufige Fragen

Worum geht es in Cursa?

Die zehn besten Fahrer Europas messen sich bei einem Rennen, bei dem neben dem Preis auch alle teilnehmenden Autos gewonnen werden können. Andrei, ein junger, talentierter Mechaniker, gerät in Bukarests Welt der illegalen Straßenrennen zwischen zwei Rivalen.

Wie lang ist Cursa?

Der Film hat eine Laufzeit von 97 Minuten.

Wer hat bei Cursa Regie geführt?

Regie führten Anghel Damian und Millo Simulov.

Aus welchem Land stammt Cursa?

Cursa ist ein rumänischer Actionfilm, die Handlung spielt in Bukarest.

Lohnt es sich, neben Andrei auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen?

Wenn deine Antwort auf die Frage „Magst du schnelle Autos und Städte bei Nacht?“ ein klares Ja ist, dann ist Cursa eine gute Wahl für einen entspannten Abend. Er wird dein Leben nicht verändern, und das Drehbuch wird dich auch nicht in schlaflosen Nächten verfolgen. Aber Supersportwagen, die über Bukarests Boulevards donnern, die schwüle Nacht und 97 Minuten straffes Tempo ergeben zusammen ein überraschend unterhaltsames Paket.

Am meisten hat mich beeindruckt, wie selbstbewusst ein osteuropäischer Film zu einem Genre greift, das man gemeinhin für typisch Hollywood hält, und wie wenig er sich seiner eigenen Umgebung schämt. Dieser Mut wiegt mehr als ein paar schwächere Dialoge. Ein großer Klassiker wird daraus nicht, aber mit einer guten Soundanlage und als Feierabendkino reicht es allemal. Also los, Fuß aufs Gas.

Wertung: 6,0/10 · Story 5 · Schauspiel 6 · Regie 6 · Optik 7 · Musik und Ton 7 · Emotionen 5