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Kritik · Kinostart: 12.8.2021

Free Guy Kritik: Ryan Reynolds tritt aus dem Hintergrund und das steht ihm besser als gedacht

Amerikanische FilmeKomödienAbenteuerfilmeScience Fiction Filme

Was wäre, wenn du der Statist bist, der jeden Tag denselben Kaffee bestellt, während um dich herum alle anderen die Helden sind? Auf dieser Frage baut Free Guy eine laute, knallbunte und überraschend liebenswerte Komödie auf. Eine Revolution ist das nicht, aber genau die Art Film, nach der man grinsend vom Sofa aufsteht.

7,3/10
Wertung
Temporeiches, sympathisches und witziges Popcornkino, das mehr bietet als einen simplen Videospielgag, auch wenn es seine eigene Albernheit manchmal etwas zu weit treibt.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
8
Musik und Ton
7
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

Kinostart in Deutschland12.8.2021
RegieShawn Levy
BesetzungRyan Reynolds, Jodie Comer, Lil Rel Howery, Joe Keery, Utkarsh Ambudkar, Taika Waititi
GenreKomödien, Abenteuerfilme, Science Fiction Filme
Laufzeit115 Min.
FSK12
LandAmerikanische Filme

Worum geht es in Free Guy? Ein Statist, der merkt, dass er ein Statist ist

Guy ist ein ganz normaler Typ mit einem ganz normalen Leben. Zumindest glaubt er das, bis ihm klar wird, dass er in Wahrheit eine Hintergrundfigur in einem Open-World-Videospiel ist. Einer dieser Charaktere, die von den Spielern keines Blickes gewürdigt werden und nur existieren, damit die Welt nicht leer wirkt. Diese Erkenntnis zerstört ihn aber nicht, sie rüttelt ihn wach: Er beschließt, das Ruder zu übernehmen und selbst zum Helden seiner Geschichte zu werden.

Am Ende will Guy derjenige sein, der sich in diesem Gelände ohne Regeln zurechtfindet und die Welt rettet, auf seine eigene Art und bevor es zu spät ist. Mehr sollte man vorher gar nicht wissen, denn eine der größten Freuden des Films ist es, wie sich die Prämisse nach und nach entfaltet. Die Grundidee ist gleichzeitig komisch und ein bisschen existenziell: Wer hat sich nicht schon einmal wie eine Nebenfigur im eigenen Leben gefühlt?

Ryan Reynolds als ewig lächelnder Guy

Ryan Reynolds liefert in dieser Rolle genau das, wofür man ihn mag, nur in einer etwas anderen Tonart. Statt des frechen, zynischen Humors aus Deadpool bekommen wir hier eine naive, sonnige Figur mit fast kindlichem Optimismus, und das steht ihm erstaunlich gut. Guy spielt sich nicht als Besserwisser auf, er staunt über die Welt, und Reynolds spielt dieses Staunen glaubwürdig und mit Herz.

Natürlich sind der typische Reynolds-Rhythmus, die schnellen Pointen und die Gesten auch hier dabei. Wer bisher allergisch auf ihn reagiert hat, wird durch diesen Film nicht bekehrt. Wer ihn aber mag, sieht hier wohl eine der sympathischsten Leistungen seiner Karriere.

Jodie Comer und die Nebenfiguren, die die Show stehlen

Die eigentliche Überraschung des Films ist für mich Jodie Comer, die als Millie Rusk und zugleich als Molotovgirl eine Doppelaufgabe bekommt. Sie muss eine lässige Actionheldin im Spiel und einen Menschen aus Fleisch und Blut verkörpern, und sie überzeugt in beidem. Sie ist es, die das Herz des Films am Boden hält, wenn Reynolds zu sehr abheben würde.

Auch die Riege der Nebendarsteller kann sich sehen lassen:

Diese Truppe liefert einen Großteil der Energie des Films, und selten hat ein Blockbuster so viele kleine, einprägsame Figuren zu bieten.

Shawn Levys Regie: professionelle Unterhaltung, wenig Risiko

Shawn Levy ist ein Regisseur, der genau weiß, wie man familienfreundliches Kino für ein großes Publikum macht. Nach seinen Nachts im Museum Filmen bringt er auch hier diesen schwungvollen, farbenfrohen Stil mit, der für alle zugänglich ist. Viel Biss hat das nicht, aber langweilig wird es nur sehr selten.

Die 115 Minuten Laufzeit sind gut eingeteilt, das Tempo bleibt größtenteils straff. Die Videospielwelt ist optisch knallig, voller Explosionen, schräger Figuren und typischer Gamer-Witze, die Spieler sofort erkennen, die aber auch Nichtspieler verstehen. Levy will keinen Arthouse-Film drehen, und das ist hier eher eine Stärke: Der Film weiß, was er sein will.

Wo hakt es? Wenn die Werbung lauter ist als die Geschichte

Free Guy ist nicht fehlerfrei. Der Humor dreht manchmal zu hoch, und an ein, zwei Stellen hat man das Gefühl, der Film applaudiert lieber seinem eigenen Einfallsreichtum, als die Handlung voranzubringen. Der Erzählstrang in der echten Welt ist weniger spannend als die Abenteuer im Spiel, und diese Wechsel bremsen den Schwung gelegentlich aus.

Dazu kommt eine ordentliche Portion Eigenwerbung des großen Studios, popkulturelle Anspielungen, die man entweder liebt oder bei denen man die Augen verdreht. Ich stand irgendwo dazwischen: Einige Gags saßen perfekt, andere wirkten billig. Die größte Stärke des Films, der naive, herzliche Grundton, geht hinter diesen Spielereien manchmal ein wenig unter.

Trotzdem funktioniert die Botschaft im Kern, so einfach sie ist: Du musst dich nicht damit abfinden, nur eine Hintergrundfigur zu sein. Das klingt kitschig, aber Reynolds und Comer verkaufen es so aufrichtig, dass ich es ihnen abnehme.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Die Truman Show (1998), Ralph reichts (2012), Ready Player One (2018), Jumanji: Willkommen im Dschungel (2017), The LEGO Movie (2014)

Häufige Fragen

Worum geht es in Free Guy?

Guy erkennt, dass er in Wahrheit eine Hintergrundfigur in einem Open-World-Videospiel ist. Er beschließt, selbst zum Helden seiner Geschichte zu werden und die Welt auf seine eigene Art zu retten.

Wann kam Free Guy in die deutschen Kinos?

Free Guy startete am 12. August 2021 in den deutschen Kinos.

Wie lang ist Free Guy?

Der Film hat eine Laufzeit von 115 Minuten.

Wer hat bei Free Guy Regie geführt?

Regie führte Shawn Levy.

Wer spielt in Free Guy mit?

In der Hauptrolle ist Ryan Reynolds als Guy zu sehen, daneben spielen Jodie Comer, Lil Rel Howery, Joe Keery, Utkarsh Ambudkar, Taika Waititi und Channing Tatum.

Trittst du für einen Abend mit Guy aus dem Hintergrund?

Free Guy ist nicht der Film, über den du jahrelang mit deinen Freunden diskutieren wirst, aber einer von denen, die man an einem verregneten Sonntagnachmittag gerne noch einmal schaut. Er ist sympathisch, witzig, spektakulär und hat ein einfaches, aber funktionierendes Herz. Ryan Reynolds war selten so liebenswert, und Jodie Comer beweist, dass sie auch in einer großen Hollywoodproduktion zu Hause ist. Wenn du Lust auf einen gut gelaunten, leichten Film hast, sind die 115 Minuten bestens investiert. Von mir gibt es starke 7,5 Punkte, mit leichter Tendenz zum Aufrunden.

Wertung: 7,3/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 8 · Musik und Ton 7 · Emotionen 7