Guardians of the Galaxy Kritik: ein Waschbär, ein Baum und das beste Mixtape des Universums
Wer hätte gedacht, dass ein schwer bewaffneter Waschbär und ein Baum mit einem Wortschatz von drei Wörtern zu den liebenswertesten Duos im ganzen Marvel-Universum werden? James Gunns Weltraumabenteuer von 2014 kam praktisch aus dem Nichts und schoss direkt zu den Sternen. Auch über ein Jahrzehnt später ist er noch genauso frech, herzerwärmend und unterhaltsam. Guardians of the Galaxy ist einer dieser Filme, die man immer wieder einlegt, selbst wenn man jeden Song längst auswendig mitsingen kann.
Ein freches, musikalisches Weltraumabenteuer mit viel Herz und eine der schönsten Überraschungen des Superheldenkinos.
Guardians of the Galaxy: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 28.8.2014 |
|---|---|
| Regie | James Gunn |
| Besetzung | Chris Pratt, Zoe Saldaña, Dave Bautista, Vin Diesel, Bradley Cooper, Lee Pace |
| Genre | Actionfilme, Science-Fiction-Filme, Abenteuerfilme |
| Laufzeit | 121 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Amerikanische Filme |
Worum geht es? Eine Kugel, die jeder haben will
Die Ausgangslage ist simpel, fast schon klassisches Abenteuerkino: Peter Quill, gespielt von Chris Pratt, stiehlt eine geheimnisvolle Kugel. Das Problem: Auch der finstere Ronan hat es auf genau dieses Artefakt abgesehen, denn es spielt eine zentrale Rolle in seinen Plänen zur Weltherrschaft. Ronan macht Jagd auf Quill, und unser lässig charmanter Gauner merkt schnell, dass er da allein nicht heil herauskommt.
So entsteht ein Zweckbündnis mit vier wirklich seltsamen Gestalten. Da wäre Rocket, ein bis an die Zähne bewaffneter Waschbär, Groot, ein Wesen, das an einen lebenden Baum erinnert, Gamora, eine gefährliche Auftragsmörderin, und Drax der Zerstörer, den der Wunsch nach Rache antreibt. Als Quill begreift, welche Macht in der Kugel steckt und welche Gefahr sie für das ganze Universum bedeutet, gibt es kein Zurück mehr: Es kommt zum großen Showdown, und auf dem Spiel steht nichts Geringeres als das Schicksal der Galaxis.
Wenn sich das auf dem Papier vertraut anhört, ist das kein Zufall. Die Struktur der Geschichte ist wirklich nicht revolutionär: ein magisches Objekt, ein Bösewicht und ein Team, das erst zusammenwachsen muss. Das Wunder liegt nicht im Was, sondern im Wie.
Das schrägste Team, das je zusammengewürfelt wurde
Chris Pratt ist hier endgültig in die Riege der großen Actionstars aufgestiegen, und ich verstehe sehr gut, warum. Sein Peter Quill ist großmäulig, tollpatschig, cool und überraschend verletzlich zugleich. Ein Held, dem man sofort abnimmt, dass er eine verfahrene Lage auch mit einer missratenen Tanzeinlage retten kann.
Zoe Saldaña gibt mit Gamora den kühlen Kopf der Truppe und bildet einen scharfen Kontrast zu Quills Albernheiten. Dave Bautista ist eine der größten Überraschungen des Films: Sein Drax nimmt die Welt wortwörtlich, und daraus entsteht eine Komik, die kaum jemand einem ehemaligen Wrestler zugetraut hätte. Er gehört zu den Schauspielern, die lächerliche Dinge todernst nehmen, und genau deshalb funktioniert es.
Und dann sind da noch die beiden Stimmen. Bradley Cooper macht Rocket zynisch, reizbar und schmerzhaft menschlich, was bei einem Waschbären eine echte Leistung ist. Vin Diesel kommt als Groot im Grunde mit einem einzigen Satz aus und holt daraus irgendwie mehr Gefühl heraus als manch anderer aus einem kompletten Drehbuch. Die beiden sind die Seele des Films, und ich würde nicht widersprechen, wenn jemand sagt, dass ein Großteil des Publikums ihretwegen ein zweites Mal ins Kino ging.
Bei den Nebenfiguren überzeugt Michael Rooker als Yondu Udonta, unberechenbar und moralisch fragwürdig, und Karen Gillan ist als Nebula eine bedrohliche Präsenz. Lee Pace als Ronan dagegen ist die Schwachstelle, aber dazu später mehr.
James Gunn, der Regisseur, der sich Blödsinn traute
James Gunn hat mitten in einer riesigen Studiomaschinerie etwas gewagt, das sich nur wenige getraut hätten: Er hat seine eigene, etwas schräge, etwas trashige und sehr liebevolle Handschrift in einen Superheldenfilm gebracht. Der Humor ist kein Pflichtwitz zwischen zwei Actionszenen, sondern entsteht aus den Figuren heraus. Alle sind beschädigt, alle haben etwas verloren, und hinter den Gags steckt immer auch Traurigkeit.
Das ist das Geheimnis des Films. Gunn weiß, dass eine Truppe von Außenseitern deshalb so liebenswert ist, weil sie am Ende ineinander ein Zuhause findet. In den 121 Minuten gibt es kaum Leerlauf, das Tempo ist hoch, und der Regisseur vergisst nie, dass ein Abenteuerfilm vor allem unterhalten soll. Die bunte, beinahe retro wirkende Weltraumwelt hebt sich dabei angenehm von der graubraunen, düsteren Stimmung ab, die das Genre damals oft erzwingen wollte.
Warum wir ihn immer wieder einlegen
- Die Musik. Quills Kassettenrekorder und die alten Hits sind keine bloße Untermalung, sondern der Herzschlag des Films. Man findet kaum jemanden, dem nicht mindestens ein Song im Ohr hängen geblieben ist.
- Die Teamdynamik. Die Reibereien, Sticheleien und das langsam wachsende Vertrauen zwischen den fünf Hauptfiguren wirken glaubwürdig und sind richtig witzig.
- Das Herz. Der Film hat überraschend emotionale Momente, und die sind nicht kitschig, weil er sie sich verdient hat.
- Die Optik. Kräftige Farben, einfallsreiche Kreaturen und Planeten, echtes Space-Opera-Feeling.
- Der Humor. Er ist nicht schlecht gealtert, ein großer Teil der Pointen sitzt bis heute.
Wo stottert der Antrieb?
Kein Film ist perfekt, und dieser hier auch nicht. Die größte Schwäche ist für mich Ronan. Lee Pace ist ein guter Schauspieler, aber die Figur ist hauchdünn: böse, weil er eben böse ist, und auf Weltherrschaft aus, weil er eben Weltherrschaft will. Gegenüber einem so bunten Team geht ein derart eindimensionaler Gegner ein wenig unter, und man spürt auch kaum, was wirklich auf dem Spiel steht.
Auch der Aufbau der Handlung ist ziemlich vorhersehbar. Die Jagd nach dem kugelförmigen MacGuffin und die große Endschlacht folgen dem bewährten Genrerezept, und im Finale übernimmt der CGI-Lärm ein bisschen die Kontrolle. Zum Glück retten die Figuren auch dann die Lage.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die witzige, musikalische und lockere Weltraumabenteuer lieben, und für alle, die von düsteren Superheldenfilmen inzwischen erschöpft sind. Pflichtprogramm für Marvel-Fans und Liebhaber alter Hits.
- Lieber auslassen, wenn: Wer ernsthafte, tiefgründige Science-Fiction oder eine verschachtelte Handlung voller Überraschungen sucht, könnte enttäuscht werden.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Marvel's The Avengers (2012), Krieg der Sterne (1977), Thor: Tag der Entscheidung (2017), Das fünfte Element (1997), Deadpool (2016)
Häufige Fragen
Wann ist Guardians of the Galaxy in Deutschland erschienen?
Der Film startete am 28. August 2014 in den deutschen Kinos.
Worum geht es in Guardians of the Galaxy?
Peter Quill stiehlt eine geheimnisvolle Kugel, hinter der auch der finstere Ronan her ist. Quill schließt ein Zweckbündnis mit Rocket, Groot, Gamora und Drax, um die Galaxis zu retten.
Wie lang ist Guardians of the Galaxy?
Der Film läuft 121 Minuten.
Wer hat Guardians of the Galaxy inszeniert?
Regie führte James Gunn.
Wer spricht Rocket und Groot im Original?
Rocket wird im Original von Bradley Cooper gesprochen, Groot von Vin Diesel.
Legen wir die Kassette noch einmal ein?
Na klar. Guardians of the Galaxy ist nicht die komplexeste Science-Fiction, und der Oberschurke hätte deutlich einprägsamer sein dürfen. Aber selten sieht man einen Film, der so genau weiß, was er will. James Gunn hat aus einer Truppe schräger, verletzter Außenseiter eine Familie gemacht und ihr einen Soundtrack mitgegeben, der uns bis heute im Kopf herumspukt. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte das nachholen. Wer ihn schon kennt, schaut ihn sowieso noch einmal. Meine Wertung: starke 8,5 von 10, und der halbe Punkt geht an Groot.
