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Vorab-Kritik

Im Bann der Schneekönigin: Vorab-Kritik zu norwegischem Eis, einem alten Märchen und einem Mädchen, das nicht aufgibt

Norwegische FilmeAnimationsfilmeKinderfilme

Manche Märchen kennt einfach jeder, und trotzdem will man immer wieder wissen, wie jemand sie neu erzählt. Andersens Schneekönigin kommt jetzt aus norwegischen Händen, inszeniert von Bente Lohne, und verspricht auf dem Papier genau das, was man im Winter am dringendsten braucht: Kälte draußen, Wärme drinnen. Gesehen haben wir den Film noch nicht, aber die Zutaten machen neugierig.

6,8/10
Erwartete Wertung
Ein vermutlich kleiner budgetierter, aber von Herzen kommender nordischer Märchenfilm, der für die Kleinen echter Zauber sein kann und für Erwachsene eine angenehme, kurze Auszeit.
Story
7
Schauspiel
6
Regie
7
Optik
7
Musik und Ton
7
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalReisen mot Nord
RegieBente Lohne
GenreAnimationsfilme
Laufzeit85 Min.
LandNorwegische Filme

Worum geht es? Eine Freundschaft, die stärker ist als Eis

Die Geschichte wird allen bekannt vorkommen, die als Kind wenigstens einmal in einem Band mit Andersens Märchen geblättert haben. Gerdas Freund Kai verschwindet auf rätselhafte Weise, und das Mädchen setzt sich nicht weinend an den Kamin, sondern zieht los ins Unbekannte, um ihn zu finden. Schon das ist ein schöner Ausgangspunkt, denn die Heldin ist hier keine auserwählte Kriegerin und keine Prinzessin mit Zauberkräften, sondern ein Kind, das nur eines antreibt: Sie vermisst ihren Freund.

Unterwegs freundet sich Gerda mit allerlei Menschen, Vögeln und Tieren an, sogar mit einer gutmütigen Hexe. Diese episodische Struktur, bei der man von Station zu Station zieht, gehört zum klassischen Märchen und funktioniert im Animationsfilm oft besonders gut, weil jeder neue Ort eine neue Welt, neue Figuren und eine neue Farbpalette mitbringen kann. Was Gerda allerdings nicht ahnt: Ein Feind folgt ihr wie ein Schatten. Die Schneekönigin selbst und ihr Lehrling Ludvig.

Die böse Herrscherin hält Kai in ihrem Eispalast im hohen Norden Norwegens gefangen. Und die große Frage lautet, wie es auch in der offiziellen Inhaltsangabe heißt: Wird Gerda den Jungen retten können? Wir spekulieren hier nicht, die Antwort liefert erst der Film.

Der nordische Dreh: Ludvig und die norwegische Landschaft

Am spannendsten wirken auf den ersten Blick zwei kleine, aber vielsagende Abweichungen vom vertrauten Bild. Die erste ist der Schauplatz: Der Eispalast steht hier nicht irgendwo in märchenhafter Ferne, sondern ganz konkret im äußersten Norden Norwegens. Diese Verortung kann dem Film einiges geben. Die norwegischen Macher können ihre eigene Landschaft, ihren eigenen Winter und ihr eigenes Licht zeichnen, und wenn das gelingt, wird daraus kein weiteres beliebiges Schneemärchen, sondern eine greifbare Welt mit echter Kälte und echter Stille.

Die zweite Neuerung ist Ludvig, der Lehrling der Schneekönigin. In so einer Figur steckt viel Potenzial: Junge Figuren auf der Seite des Bösen sind im Familienfilm oft die interessantesten, weil ihr Schicksal noch nicht feststeht. Was der Film mit ihm anstellt, wissen wir nicht. Aber schon die Tatsache, dass die Schneekönigin nicht als einsame Eisstatue auftritt, sondern jemanden an ihrer Seite hat, der Gerda verfolgt, ist ein gutes Zeichen. Das bringt Spannung in die Reise und gibt auch jüngeren Zuschauern einen greifbaren Gegenspieler.

Bente Lohne und der Mut des europäischen Animationsfilms

Regie führt Bente Lohne, produziert wurde in Norwegen. Das ist eine wichtige Information, denn europäische Animation bewegt sich auf völlig anderem Terrain als die großen US-Studios. Budgets in dreistelliger Millionenhöhe gibt es hier selten, ebenso wenig Sprecherlisten voller Popstars. Dafür gibt es oft etwas, das bei den Großen gern untergeht: einen persönlicheren Ton, eine mutigere Bildsprache und keine Angst davor, ein Märchen etwas langsamer und leiser zu erzählen.

Darauf deutet auch die Laufzeit von 85 Minuten hin. Kein ausgewalztes Zweistundenepos, sondern eine kompakte, kinderfreundliche Länge, die ein Sechsjähriger gut durchhält und bei der Eltern nicht auf die Uhr schauen müssen. Ich mag diese Länge bei Animationsfilmen sehr: Sie reicht für eine runde Geschichte, ohne dass man sie mit Füllszenen strecken muss.

Das Risiko liegt natürlich darin, dass man das kleinere Budget sehen wird. Europäische Animation arbeitet manchmal mit steiferen Bewegungen und schlichteren Hintergründen, und wer an die größten Hollywoodproduktionen gewöhnt ist, muss sich daran vielleicht erst gewöhnen. Als Makel sehe ich das allerdings nicht, solange der Stil konsequent ist und das Herz am rechten Fleck sitzt.

Was richtig gut funktionieren könnte

Wo könnte der Film ins Rutschen geraten?

Ehrlich gesagt wird der größte Gegner nicht die Schneekönigin sein, sondern der Vergleich. Die Geschichte ist in den vergangenen Jahren in mehreren Adaptionen aufgetaucht, und die Mischung aus Schnee, Eis und zauberhafter Herrscherin verbinden viele Zuschauer längst mit einem gewissen, enorm erfolgreichen Disney-Film. Eine kleinere norwegische Produktion muss ihre eigene Stimme finden, sonst bleibt sie leicht im Schatten des großen Bruders.

Das zweite Risiko ist die episodische Struktur. Wenn Gerdas Stationen nur kurze, aneinandergereihte Abstecher bleiben, kann der Film zerstückelt wirken, und Erwachsene verlieren schnell den Faden. Offen ist auch, wie unheimlich die Schneekönigin wird. Eine böse Herrscherin darf ruhig furchteinflößend sein, das gehört dazu, aber bei den Allerkleinsten sollte man ein paar angespanntere Momente einkalkulieren.

Und schließlich die Synchronfassung: Ein Film wie dieser steht und fällt hierzulande zu großen Teilen mit den deutschen Stimmen, denn das Kernpublikum liest noch keine Untertitel. Ich hoffe auf sorgfältige Arbeit.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Die Eiskönigin: Völlig unverfroren (2013), Das Geheimnis von Kells (2009), Die Melodie des Meeres (2014), Wolfwalkers (2020)

Häufige Fragen

Worum geht es in Im Bann der Schneekönigin?

Die junge Gerda macht sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Freund Kai, den die Schneekönigin in ihrem Eispalast im hohen Norden Norwegens gefangen hält. Unterwegs freundet sie sich mit Menschen, Tieren und einer gutmütigen Hexe an, während die Schneekönigin und ihr Lehrling Ludvig ihr wie ein Schatten folgen.

Wie lang ist Im Bann der Schneekönigin?

Der Film hat eine Laufzeit von 85 Minuten.

Wer hat Im Bann der Schneekönigin inszeniert?

Regie bei dem norwegischen Animationsfilm führte Bente Lohne.

Wie heißt der Film im Original?

Der norwegische Originaltitel lautet Reisen mot Nord.

Lohnt es sich, Gerda auf ihrer Reise zu begleiten?

Vorab würde ich sagen: ja, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Im Bann der Schneekönigin wird kein weiteres glänzendes Produkt der Hollywood-Maschinerie, sondern ein norwegischer Märchenfilm, der vermutlich auf Stimmung, Landschaft und die Entschlossenheit eines kleinen Mädchens setzt. Das reicht mir völlig, um neugierig zu sein. Mit 85 Minuten Laufzeit eignet er sich bestens als Familienprogramm in der Adventszeit, und wenn Bente Lohne jene nordische Stille einfängt, die auch die Seele von Andersens Märchen ist, könnte ein liebenswerter, nachhallender kleiner Winterfilm auf der Leinwand landen. Meine vorläufige Erwartung: eine vorsichtige, aber zuversichtliche Sieben. Ob es taut oder friert, zeigt sich, sobald der Film zu sehen ist.

Erwartete Wertung: 6,8/10 · Story 7 · Schauspiel 6 · Regie 7 · Optik 7 · Musik und Ton 7 · Emotionen 7