Marty Supreme Kritik: Timothée Chalamet will alles, und zwar sofort
Manche Filme setzen sich im Kino neben dich, andere packen dich am Kragen und zerren dich zweieinhalb Stunden lang hinter sich her. Marty Supreme gehört eindeutig zur zweiten Sorte: Josh Safdies Sportfilm ist das Porträt eines besessenen jungen Mannes, der unbedingt ein Star werden will und dabei keine Grenzen kennt. Timothée Chalamet stürzt sich mit solcher Wucht in die Rolle, dass man selbst ab und zu nach Luft schnappt.
Nervenaufreibend, überdreht, anstrengend und zugleich faszinierend: Marty Supreme will nicht gefallen, und genau deshalb bleibt er hängen.
Marty Supreme: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 26.2.2026 |
|---|---|
| Regie | Josh Safdie |
| Besetzung | Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A'zion, Kevin O'Leary, Röhrig Géza, Abel Ferrara |
| Genre | Sportfilme |
| Laufzeit | 149 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Amerikanische Filme, Finnische Filme |
Worum geht es? Um einen Traum, der nicht loslässt
Die Ausgangslage von Marty Supreme ist schlicht, fast schon karg: Marty Mauser hat einen Traum und setzt alles daran, ihn wahr werden zu lassen. Er will berühmt werden, ein Star sein, und nichts und niemand bringt ihn davon ab. Mehr braucht es eigentlich nicht, denn die Kraft des Films liegt nicht in einer raffinierten Handlung, sondern darin, wie er uns diese Besessenheit unter die Haut schiebt.
Die meisten Sportfilme steuern auf Durchhaltevermögen, Entwicklung und den großen Sieg zu. Hier spürt man schon in der ersten Minute, dass der Fokus woanders liegt: Die Frage ist nicht, ob Marty bekommt, was er will, sondern was es ihn kostet und alle um ihn herum gleich mit. Gespoilert wird hier nichts, aber so viel sei gesagt: Wer eine klassische, erhebende Underdog-Geschichte erwartet, sollte sich lieber ein Ticket für den Saal nebenan holen.
Chalamet geht diesmal wirklich ins Risiko
Timothée Chalamet hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er mehr ist als ein hübsches Gesicht auf dem Plakat: Er war schon verliebter Teenager, Wüstenmessias und Musiklegende. Marty ist allerdings ein ganz anderes Kaliber. Eine Figur, die man nicht unbedingt mag, von der man aber den Blick nicht abwenden kann. Chalamet entschuldigt sich nicht für die Großspurigkeit seines Charakters, er macht ihn nicht weicher, und genau das macht ihn glaubwürdig.
In seinen besten Momenten wirkt er wie eine gespannte Feder, die über die Leinwand läuft. Er redet, feilscht, lügt, brennt vor Begeisterung, und das alles in einem Tempo, bei dem man sich gleichzeitig ärgert und mitfiebert. Wer bisher bezweifelt hat, dass Chalamet einen ganzen Film allein schultern kann, während er einem fast auf die Nerven geht: Hier ist die Antwort.
Ein seltsames, großartiges Ensemble
Allein die Besetzung von Marty Supreme ist schon einen Kinobesuch wert. Da ist Gwyneth Paltrow, die man lange nicht mehr in einem Film dieser Art gesehen hat, da ist Odessa A'zion, die zuletzt immer mehr Aufmerksamkeit bekommt, und da sind die Überraschungsgäste, bei denen ich zuerst ungläubig die Augenbrauen hochgezogen habe.
- Kevin O'Leary, vielen aus Business-Shows im Fernsehen bekannt, was für sich genommen schon eine herrlich schräge Wahl ist.
- Abel Ferrara, eine Legende des unabhängigen New Yorker Kinos, diesmal vor der Kamera.
- Tyler Okonma, besser bekannt als Tyler, the Creator, als Musiker längst eine Kultfigur.
- Und Géza Röhrig, der durch Son of Saul weltweit bekannt wurde.
Diese Auswahl ist ein typischer Safdie-Kniff: Er sucht nicht die naheliegendsten Gesichter, sondern solche, die etwas Rohes, Alltägliches, manchmal leicht Unbequemes mitbringen. Heraus kommt eine Welt, in der jede Figur ein bisschen überzeichnet ist und man ihr trotzdem alles abnimmt. Und Géza Röhrig in einer so großen internationalen Produktion zu sehen, ist eine echte Freude.
Josh Safdie, Meister der Anspannung
Wer die früheren Arbeiten der Safdie-Brüder kennt, vor allem Good Time oder Der schwarze Diamant, weiß, was einen erwartet: zermürbendes Tempo, Dialoge, in denen sich alle gegenseitig anbrüllen, eine Kamera, die förmlich an den Gesichtern klebt, und das ständige Gefühl, dass gleich alles auseinanderfliegt. Marty Supreme läuft unter Josh Safdies Namen, und seine Handschrift steckt in jeder Einstellung.
Dieser Stil ist nicht jedermanns Sache. Die einen lieben ihn, weil kaum ein Regisseur Spannung so körperlich spürbar macht, die anderen zählen ab der Hälfte nur noch ihre Kopfschmerzen. Ich gehöre zum ersten Lager, gebe aber zu, dass 149 Minuten in diesem Modus eine lange Zeit sind. Safdie weiß allerdings, wann er kurz vom Gas gehen muss, und gerade diese ruhigeren Momente liefern die schmerzhaftesten Szenen des Films.
Mit dem Genre Sportfilm geht er auf eigene Weise um: Der Sport ist hier eher Mittel zum Zweck, die Kulisse, vor der ein Mensch mit sich selbst und der Welt ringt. Kein klassisches Kino mit Trainingsmontagen und jubelndem Publikum, sondern eher ein Charakterdrama mit Wettkampfszenen.
Wo der Film ins Straucheln gerät
Beschönigen wir nichts: Marty Supreme ist nicht makellos. Sein größtes Problem ist ausgerechnet seine größte Stärke. Martys unaufhaltsamer Schwung kann mit der Zeit monoton werden, und es gibt Passagen, in denen ich das Gefühl hatte, dass der Film eher auf der Stelle rotiert, statt voranzukommen. Eine um zwanzig Minuten kürzere Fassung hätte vielleicht noch mehr Wucht gehabt.
Das zweite Risiko ist die Hauptfigur selbst. Marty ist schwer zu mögen, und wer keinen Draht zu ihm findet, für den können zweieinhalb Stunden zur Qual werden. Der Film bietet keinen bequemen emotionalen Halt, er streichelt nicht, er erklärt nicht. Eine mutige Entscheidung, die aber nicht bei allen zünden wird. Wer im Kino vor allem abschalten will, dürfte schnell erschöpft sein.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die Safdies nervenzerrende Filme lieben, neugierig auf Chalamets bislang mutigste Rolle sind und sich von einer schwer zu mögenden Hauptfigur nicht abschrecken lassen.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die sich einen klassischen, erhebenden Sportfilm wünschen, oder die ein zweieinhalbstündiger, durchgehend angespannter und lauter Film eher ermüdet als mitreißt.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Der schwarze Diamant (2019), Good Time (2017), Whiplash (2014), Nightcrawler (2014), I, Tonya (2017)
Häufige Fragen
Wann kam Marty Supreme in die deutschen Kinos?
Marty Supreme startete am 26. Februar 2026 in den deutschen Kinos.
Worum geht es in Marty Supreme?
Der Film erzählt die Geschichte von Marty Mauser, der einen Traum hat: Er will berühmt werden, ein Star sein, und nichts kann ihn davon abhalten, dieses Ziel zu erreichen.
Wie lang ist Marty Supreme?
Der Film dauert 149 Minuten, also knapp zweieinhalb Stunden.
Wer hat Marty Supreme inszeniert?
Regie führte Josh Safdie.
Wer spielt in Marty Supreme mit?
Die Hauptrolle spielt Timothée Chalamet, an seiner Seite sind Gwyneth Paltrow, Odessa A'zion, Kevin O'Leary, Géza Röhrig, Abel Ferrara und Tyler Okonma zu sehen.
Lohnt es sich, zweieinhalb Stunden für Martys Träume zu opfern?
Wenn du Anspannung aushältst: ja, und zwar unbedingt. Marty Supreme ist einer dieser Filme, über die man noch tagelang streitet, bei denen man hinterher nicht weiß, ob man sie geliebt oder ein kleines bisschen gehasst hat, und genau darum geht es. Chalamet liefert eine der gewagtesten Leistungen seiner Karriere, und Josh Safdie zeigt einmal mehr, dass niemand so viel Beklemmung ins Kino mischen kann wie er. Bequem ist das nicht, freundlich auch nicht, manchmal ist es schlicht zu viel. Aber in einer Zeit, in der die meisten Filme auf Nummer sicher gehen, wirkt ein so besessener, so kompromisslos eigener Film wie eine Erfrischung. Mein Rat: Reingehen und gut festhalten.
