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Vorab-Kritik · Im Kino ab 17.12.2026

Nur geträumt Kritik vorab: Nakache und Toledano schicken uns zurück ins Paris von 1985, mitten ins wirrste Jahr der Pubertät

Französische FilmeKomödien

Es gibt diesen Moment, in dem ein Dreizehnjähriger begreift, dass die Erwachsenen auch keine Ahnung haben. Das macht ihn frei und jagt ihm gleichzeitig eine Heidenangst ein. Nur geträumt will genau diesen Moment einfangen, im Jahr 1985, in einem Pariser Vorort, inszeniert vom Regieduo hinter Ziemlich beste Freunde. Gesehen haben wir den Film noch nicht, aber alles spricht dafür, dass er eine der wärmsten Überraschungen des Kinojahresendes werden könnte.

7,7/10
Erwartete Wertung
Auf dem Papier der perfekte französische Winterfilm: nostalgisch, komisch, schmerzhaft. Wenn die Regisseure nicht in den Kitsch abrutschen, trifft er mitten ins Herz.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
8
Optik
7
Musik und Ton
8
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Nur geträumt: Trailer

Filmdaten

OriginalJuste une illusion
Kinostart in Deutschland17.12.2026
RegieOlivier Nakache, Éric Toledano
BesetzungSimon Boublil, Louis Garrel, Camille Cottin, Pierre Lottin, Alexis Rosenstiehl, Jeanne Lamartine
GenreKomödien
Laufzeit114 Min.
LandFranzösische Filme

Worum geht es? Ein Junge im Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein

Wir schreiben das Jahr 1985. Vincent wird bald dreizehn und lebt mit seiner ganz normalen Mittelschichtfamilie am Stadtrand von Paris. Der große Bruder hält Abstand, die Eltern streiten ständig, und er selbst steckt in diesem peinlichen Zwischenzustand: kein Kind mehr, aber von niemandem als erwachsen ernst genommen. Durch seine Augen fragt der Film nach allem, was in diesem Alter gleichzeitig über einen hereinbricht: Identität, Freundschaft, Familie, Religion, Begehren und natürlich die erste Liebe.

Die offizielle Beschreibung endet mit einem schönen Satz: eine Komödie über jene Zeit der Kindheit, in der die Hoffnung, die Welt verändern zu können, noch nicht wie eine bloße Illusion wirkte. Dieser Satz verrät mir über den Ton des Films mehr als jede Inhaltsangabe. Man sollte keine laute Teeniekomödie erwarten, sondern jene herbe, lächelnde Melancholie, in der die Franzosen einfach unschlagbar sind.

Was genau mit Vincent passiert, wer seine erste Liebe wird und wohin die Spannungen in der Familie führen, wissen wir noch nicht. Ehrlich gesagt ist das auch besser so. Bei solchen Filmen ist die Handlung nie das Entscheidende, sondern die Momente: ein verpatztes erstes Date, ein Abendessen, bei dem sich die Eltern anschreien, ohne ein Wort zu sagen, ein nächtliches Gespräch mit dem Bruder, der vielleicht doch nicht so distanziert ist.

Die Macher von Ziemlich beste Freunde auf neuem Terrain

Olivier Nakache und Éric Toledano sind auch hierzulande längst bekannt, schließlich stammt Ziemlich beste Freunde von ihnen. Der Film hat bewiesen, dass eine französische Komödie zum weltweiten Publikumsliebling werden kann, ohne ihr Herz zu verraten. Die große Stärke der beiden war schon immer, Lachen und Rührung aus derselben Szene zu holen, und zu billigen Gags greifen sie selten.

Nur geträumt ist allerdings eine andere Herausforderung. Hier prallen keine zwei Erwachsenen aus völlig verschiedenen Welten aufeinander, deren Reibung den Humor quasi von selbst liefert. Hier muss das Innenleben eines Jugendlichen auf die Leinwand, und das in einer längst vergangenen Zeit. Das verlangt viel feinere Arbeit: Zu süß, und es wird Kitsch. Zu bitter, und die komödiantische Leichtigkeit ist weg. Nach allem, was die beiden bisher gemacht haben, vertraue ich ihnen, gebe aber zu, dass ich gespannt bin, wie sie mit einem langsameren, intimeren Tempo zurechtkommen.

Jahr und Schauplatz wirken jedenfalls verdächtig persönlich. Wie autobiografisch der Film ist, wissen wir nicht, und ich will hier auch nichts behaupten. Aber das Thema fühlt sich sehr nach etwas an, das man aus der eigenen Kindheit schöpft und nicht aus einem Buch.

Die Besetzung: ein Teenager im Zentrum, erfahrene Namen drumherum

An erster Stelle der Besetzungsliste steht Simon Boublil, und das sagt einiges: Ein solcher Film steht und fällt damit, wie glaubwürdig der junge Hauptdarsteller ist. Wenn die Kamera zwei Stunden lang auf dem Gesicht eines Jugendlichen ruht, muss dieses Gesicht erzählen können. Ob er Vincent spielt, ist offiziell noch nicht bestätigt, deshalb bin ich vorsichtig. Die Reihenfolge legt aber nahe, dass der Film auf ihm aufbaut.

Daneben ist Louis Garrel dabei, eines der interessantesten Gesichter des französischen Kinos, der romantisch, lächerlich und ein bisschen nervig zugleich sein kann, was in einem Familienstoff Gold wert ist. Auch der trockene Witz von Camille Cottin ist genau die Würze, die so eine Komödie braucht. Außerdem stehen Pierre Lottin, Alexis Rosenstiehl und Jeanne Lamartine auf der Besetzungsliste.

Wer wen spielt, wer das streitende Elternpaar ist, wer der Bruder, wer die erste Liebe, ist noch offen, und ich werde auch nicht herumraten. Sicher ist: Das erwachsene Ensemble ist stark. Wenn die jungen Darsteller mithalten, könnte das Zusammenspiel der größte Trumpf des Films werden.

Warum ausgerechnet 1985? Der Charme der analogen Zeit

Die Zeit allein ist schon ein Programm. Liebe im analogen Zeitalter: der Telefonhörer an der Schnur, der Brief, auf den man tagelang wartet, die Kassette, auf die man den Lieblingssong aus dem Radio aufnimmt, und wenn man es vermasselt, geht alles von vorne los. Eine Welt, in der die erste Liebe nicht hinter einem Bildschirm stattfand, sondern im Treppenhaus, auf dem Schulhof, an der Bushaltestelle.

Diese Nostalgie ist eine mächtige Waffe und zugleich eine Falle. In den letzten Jahren haben unzählige Filme in die Achtziger gegriffen, und oft hatte ich das Gefühl, die Ausstattung sei wichtiger geworden als die Figuren. Bei einem guten Zeitstück ist die Epoche aber kein Schaufenster, sondern die Luft zum Atmen: Sie steckt in den Klamotten, in der Musik, vor allem aber darin, wie Menschen reden und schweigen. Ich hoffe, Nakache und Toledano gehen diesen Weg.

Besonders spannend wird die Musik. Der Soundtrack eines französischen Coming of Age Films, der 1985 spielt, kann ein Erlebnis für sich sein, und ich vermute stark, dass sich die Regisseure diese Steilvorlage nicht entgehen lassen. Für den Sound gibt es von mir schon vorab Pluspunkte.

Wo könnte es schiefgehen? Die Risiken

Seien wir ehrlich: Die Coming of Age Geschichte gehört zu den abgenutztesten Genres überhaupt. Wir haben schon hundertmal Jugendliche gesehen, die merken, dass ihre Eltern nicht perfekt sind, und die sich zum ersten Mal verlieben. Nur geträumt muss deshalb nichts Neues erzählen, sondern das Bekannte ehrlich erzählen.

Allerdings stehen diese Risiken genau den Stärken des Duos gegenüber: Die beiden konnten schon immer viele Fäden gleichzeitig führen, und sie hatten stets ein Gespür dafür, kurz vor den Tränen die Spannung mit einem witzigen Satz zu lösen.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Ziemlich beste Freunde (2011), La Boum (1980), Boyhood (2014), Belfast (2021), Licorice Pizza (2021)

Häufige Fragen

Wann startet Nur geträumt in den deutschen Kinos?

Der Film kommt am 17. Dezember 2026 in die deutschen Kinos.

Worum geht es in Nur geträumt?

Der Film spielt 1985 in einem Pariser Vorort. Im Mittelpunkt steht Vincent, der bald dreizehn wird und zwischen einem distanzierten großen Bruder und ständig streitenden Eltern Antworten auf Fragen nach Identität, Freundschaft, Familie, Religion, Begehren und erster Liebe sucht.

Wie lang ist Nur geträumt?

Der Film dauert 114 Minuten.

Wer hat Nur geträumt inszeniert?

Regie führten Olivier Nakache und Éric Toledano, die auch hinter Ziemlich beste Freunde stehen.

Wer spielt in Nur geträumt mit?

Zur Besetzung gehören Simon Boublil, Louis Garrel, Camille Cottin, Pierre Lottin, Alexis Rosenstiehl und Jeanne Lamartine.

Lohnt es sich, im Dezember die Kassette zurückzuspulen?

Ich finde: ja. Nur geträumt ist genau die Art Film, die nicht die Welt retten will, sondern uns daran erinnert, wie es war, als wir noch daran geglaubt haben, sie verändern zu können. Die Macher von Ziemlich beste Freunde, ein starkes französisches Ensemble und eine unwiderstehlich atmosphärische Epoche: Das reicht, um dem Start mit großer Vorfreude entgegenzusehen. Wenn der junge Hauptdarsteller den Film trägt und die Regisseure dem Zuckerguss widerstehen, könnte das eine der liebenswertesten europäischen Komödien des Jahres werden. Ob es wirklich so kommt, zeigt sich am 17. Dezember.

Erwartete Wertung: 7,7/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 8 · Optik 7 · Musik und Ton 8 · Emotionen 8