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Kritik · Kinostart: 3.11.1994

Pulp Fiction Kritik: Auch nach dreißig Jahren das coolste Wortgefecht der Filmgeschichte

Amerikanische FilmeThrillerKrimisKomödienKriminalfilme

Manche Filme schaut man sich an, andere zitiert man ein Leben lang. Pulp Fiction gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Quentin Tarantinos 154 Minuten langer Krimi wirft die Chronologie über den Haufen, lässt seine Auftragskiller über Burger und Wunder plaudern und nimmt dabei die Kurven so lässig, dass man als Zuschauer kaum hinterherkommt. Auch dreißig Jahre später wirkt er beim Wiedersehen unverschämt frisch.

9,3/10
Wertung
Pulp Fiction ist keinen Tag gealtert: witzig, brutal, grenzenlos unterhaltsam, und bis heute misst sich jeder zweite Gangsterfilm an ihm.
Story
10
Schauspiel
10
Regie
10
Optik
8
Musik und Ton
10
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Pulp Fiction: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland3.11.1994
RegieQuentin Tarantino
BesetzungJohn Travolta, Samuel L. Jackson, Uma Thurman, Bruce Willis, Ving Rhames, Harvey Keitel
GenreThriller, Krimis, Komödien
Laufzeit154 Min.
FSK16
LandAmerikanische Filme

Worum geht es? Ein Koffer, viele Worte und ein paar Kugeln

Die Handlung von Pulp Fiction nachzuerzählen ist ein bisschen, als würde man einen Witz erklären: Es geht, aber wozu eigentlich? Trotzdem das Wichtigste: Da sind zwei großmäulige, abgebrühte und irgendwie trotzdem sympathische Gangster, Vincent und Jules, die für ihren Boss einen Koffer zurückholen sollen. Dafür müssen sie natürlich ein paar Leute umbringen, aber das gehört nun mal zum Job. Jules entgeht den auf ihn abgefeuerten Kugeln wie durch ein Wunder und deutet das als Zeichen: Er will aussteigen. Auf Vincent wartet derweil eine heikle Aufgabe, er soll mit der Frau des Gangsterbosses ausgehen.

Parallel dazu gibt es Butch, den Boxer, der den berüchtigten Mafiaboss Marsellus Wallace übers Ohr hauen will. Die Dinge entwickeln sich allerdings so, dass er am Ende eher darüber nachdenkt, ihn zu retten, als ihn zu erschießen. Und als wäre das nicht genug, plant ein kleinkriminelles Pärchen den Überfall auf ein Diner. Dummerweise haben sich die beiden den falschen Tag ausgesucht: Dort frühstücken gerade Vincent und Jules.

Wie und in welcher Reihenfolge diese Fäden zusammenlaufen, verrate ich nicht. Nur so viel: Tarantino erzählt nicht geradlinig, sondern in Kapiteln, springt munter durch die Zeit, und genau daraus entsteht eine der größten Freuden dieses Films.

Tarantino, der DJ des Kinos

Quentin Tarantino inszeniert wie ein besessener Plattenaufleger, der all seine Lieblingssongs in ein einziges Set quetschen will, und irgendwie funktioniert das. Pulp Fiction ist Krimi, Thriller und schwarze Komödie zugleich, und die Wechsel zwischen den Genres reißen einen nicht raus, sondern treiben den Film voran. Im Handumdrehen kippt ein lockeres Gespräch in nervenzerreißende Spannung und gleich danach in absurdes Gelächter.

Sein größter Trick sind aber die Dialoge. Tarantinos Figuren reden unentwegt, und fast nie über das, worüber man in einem gewöhnlichen Gangsterfilm reden würde. Über Kleinigkeiten, alltäglichen Blödsinn, Philosophie, während im Hintergrund ständig die Gewalt lauert. Dieser Kontrast gibt dem Film seinen Rhythmus: Man glaubt diesen Leuten, dass sie Menschen sind und keine Pappfiguren, und gerade deshalb wird es richtig unheimlich, wenn die Waffe losgeht.

Das Durcheinanderwirbeln der Zeitebenen ist dabei kein Selbstzweck. Durch die zerstückelte Struktur bekommt jede Szene eine neue Bedeutung, sobald sich das Bild zusammensetzt, und am Ende hat man das Gefühl, ein Puzzle gelöst zu haben, von dem man gar nicht wusste, dass es eines war.

Eine Besetzung, an der es nichts zu meckern gibt

John Travolta ist als Vincent Vega träge, cool und ein klein wenig erbärmlich zugleich, und genau diese Mischung macht ihn unvergesslich. Neben ihm räumt Samuel L. Jackson als Jules Winnfield schlicht alles ab: Jeder Satz hat Gewicht, jeder Blick ist eine Drohung, und wenn er loslegt, hält das ganze Kino den Atem an. Die Chemie der beiden ist der Motor des Films. Ich könnte diesem Duo stundenlang zusehen, auch ganz ohne Handlung.

Uma Thurman sorgt als Mia Wallace für die ikonischste Präsenz des Films: geheimnisvoll, unberechenbar und gefährlich anziehend. Bruce Willis dreht als Butch Coolidge sein gewohntes Actionhelden-Charisma in etwas deutlich Müderes und Verletzlicheres um, und Ving Rhames macht als Marsellus Wallace mit wenigen Worten klar, dass er ganz oben in der Nahrungskette steht.

Und dann die Nebenrollen: Harvey Keitel ist als The Wolf die fleischgewordene Professionalität, Eric Stoltz spielt Lance herrlich als Typen, der sich in einer äußerst unangenehmen Lage wiederfindet, und Tim Roth eröffnet als Pumpkin mit wunderbarer Nervosität einen der denkwürdigsten Handlungsstränge. Ein schwaches Glied gibt es nicht, und das ist bei einem so großen Ensemble ein kleines Wunder.

Was funktioniert? So gut wie alles

Pulp Fiction ist einer dieser seltenen Filme, die man nicht aus Pflichtgefühl lieben muss. Er ist einfach so unterhaltsam, dass er einen mitreißt.

Wo kann es zu viel des Guten werden?

Ganz ehrlich: Pulp Fiction ist nicht für jeden gemacht, und das will er auch gar nicht sein. 154 Minuten sind lang, und wer auf rasante Action hofft, wird sich wundern, wie viel Zeit mit Reden vergeht. Tarantino genießt es manchmal geradezu, sein Publikum warten zu lassen, und wer mit seinem Stil nichts anfangen kann, empfindet diese Szenen womöglich als zäh.

Auch die Gewalt wird nicht mit Samthandschuhen serviert. Das ist ein Film für Erwachsene, und das sollte man ernst nehmen: Die Brutalität kommt oft unerwartet und roh daher, häufig noch mit Humor vermischt, was manche ausgesprochen unangenehm finden dürften. Die Sprache ist ebenfalls derb, hier nimmt niemand ein Blatt vor den Mund. Für mich gehört all das zu den Stärken des Films, aber ich verstehe, wenn es jemanden abstößt.

Optisch gehört er auch nicht in die Kategorie glänzender Großproduktionen. Die Kraft von Pulp Fiction liegt in den Szenen, den Darstellern und dem Text, nicht im visuellen Feuerwerk. Einen eigenen Stil hat er trotzdem, und der wurde seitdem unzählige Male kopiert.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Reservoir Dogs (1992), Jackie Brown (1997), Bube, Dame, König, grAS (1998), Tűzben edzett férfiak (2008), The Big Lebowski (1998)

Häufige Fragen

Worum geht es in Pulp Fiction?

Die beiden Auftragskiller Vincent und Jules sollen für ihren Boss einen Koffer zurückholen, während der Boxer Butch den Mafiaboss Marsellus Wallace hereinlegen will und ein kleinkriminelles Pärchen den Überfall auf ein Diner plant. Die Handlungsstränge werden nicht chronologisch, sondern in Kapiteln miteinander verknüpft.

Wie lang ist Pulp Fiction?

Der Film dauert 154 Minuten.

Wann kam Pulp Fiction in Deutschland ins Kino?

Der Film startete am 3. November 1994 in den deutschen Kinos.

Ab welchem Alter ist Pulp Fiction geeignet?

Pulp Fiction ist klar ein Film für Erwachsene. Wegen der drastischen Gewalt und der derben Sprache sollte man ihn auf keinen Fall mit Kindern schauen.

Wer hat Pulp Fiction inszeniert?

Regie führte Quentin Tarantino.

Wer spielt in Pulp Fiction mit?

John Travolta (Vincent Vega), Samuel L. Jackson (Jules Winnfield), Uma Thurman (Mia Wallace), Bruce Willis (Butch Coolidge), Ving Rhames (Marsellus Wallace), Harvey Keitel (The Wolf), Eric Stoltz (Lance) und Tim Roth (Pumpkin).

Lohnt es sich, Pulp Fiction nach dreißig Jahren wieder hervorzuholen?

Ohne jede Frage. Pulp Fiction ist der Film, nach dem Gangsterfilme anders zu reden begannen, und das spürt man bis heute in jeder Minute. Wer ihn noch nicht gesehen hat, den beneide ich, denn das Erlebnis des ersten Mals steht noch bevor. Wer ihn schon kennt, sollte ihn noch einmal schauen: Durch die zerstückelte Struktur fällt einem jedes Mal etwas anderes auf, und die Sprüche nutzen sich kein bisschen ab. Zehn von zehn Punkten wären drin, wenn er nicht stellenweise bewusst überdreht wäre, aber genau diese Überdrehtheit macht ihn aus. Also: Burger holen und einschalten.

Wertung: 9,3/10 · Story 10 · Schauspiel 10 · Regie 10 · Optik 8 · Musik und Ton 10 · Emotionen 8