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Kritik · Kinostart: 20.10.2016

The Accountant Kritik: Ben Affleck rechnet, dann schießt er, und beides steht ihm erstaunlich gut

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Wer hätte gedacht, dass sich der härteste Actionheld ausgerechnet in einer Excel-Tabelle am wohlsten fühlt? The Accountant hat 2016 einen seltsamen, etwas schiefen, aber ungemein sympathischen Genre-Cocktail serviert, und der schmeckt auch heute noch überraschend gut. Ben Afflecks wortkarges Zahlengenie wurde zu einer der eigenwilligsten Thrillerfiguren des Jahrzehnts.

7,2/10
Wertung
Überkonstruiert und manchmal ernster mit sich selbst, als gut wäre, aber originell, straff und herrlich unterhaltsam: ein Krimithriller mit einem Helden, den man nicht vergisst.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
7
Musik und Ton
7
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

The Accountant: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland20.10.2016
RegieGavin O'Connor
BesetzungBen Affleck, Anna Kendrick, J.K. Simmons, Jon Bernthal, Jeffrey Tambor, Cynthia Addai-Robinson
GenreKrimis, Thriller, Dramen
Laufzeit128 Min.
FSK16
LandAmerikanische Filme

Worum geht es? Zahlen, die nicht aufgehen

Chris Wolff gehört zu den besten Buchhaltern der Welt. Er meidet Menschen, lebt allein und scheint, zumindest laut Film, auch gar nichts anderes zu wollen. Chris ist Autist, und das ist keine bloße Verzierung der Figur: Es bestimmt, wie er die Welt sieht, wie er arbeitet und wie er reagiert, wenn etwas aus dem Ruder läuft.

Der Ausgangspunkt wirkt fast langweilig alltäglich. In den Büchern eines großen Robotikunternehmens tauchen merkwürdige Unstimmigkeiten auf, und natürlich holt man Chris. Zusammen mit der Mitarbeiterin Dana stößt er schnell auf weitere Abweichungen, die sich niemand erklären kann. Das gefällt jemandem ganz und gar nicht. Ein ehemaliger Offizier einer militärischen Spezialeinheit erhält den Auftrag, die beiden aus dem Weg zu räumen, und Chris und Dana müssen gemeinsam untertauchen.

Und dann kommt die Wendung, die schon das Filmplakat recht unbekümmert verrät: Chris hat noch die eine oder andere Überraschung parat. Mehr verrate ich nicht, denn das größte Vergnügen des Films besteht gerade darin, wie sich diese stille, steife Figur nach und nach entfaltet.

Ben Affleck, das perfekte Pokerface

Affleck wurde oft nachgesagt, er sei als Schauspieler ein wenig hölzern. Hier nutzt der Regisseur genau diese Hölzernheit auf brillante Weise. Als Christian Wolff ist jede seiner Bewegungen abgemessen, sein Blick weicht dem Gegenüber aus, seine Sätze sind präzise und seltsam rhythmisch. Was in einem anderen Film steif wirken würde, ist hier Charakter.

Leicht ist die Aufgabe nicht: Man muss einen Helden sympathisch machen, der fast nichts von sich preisgibt. Affleck schafft es trotzdem, dass wir mit ihm mitfiebern und dass seine seltenen, winzigen menschlichen Momente (ein halbes Lächeln, eine unbeholfene Geste) wirklich treffen. Für mich ist das eine seiner besten Leistungen, gerade weil er nicht mehr will, als die Figur tragen kann.

Nebenfiguren, die einen eigenen Film verdient hätten

Die Besetzung ist prächtig, beinahe schon verschwenderisch. Anna Kendrick bringt als Dana Cummings jene plappernde, herzliche Energie mit, die den perfekten Gegenpol zu Afflecks Kühle bildet. Ihre gemeinsamen Szenen sind die wärmsten Momente des Films, und es tut gut, dass ihre Beziehung nicht den üblichen langweiligen Schablonen folgt.

Außerdem dabei:

Das Problem ist eher, dass so viele hervorragende Darsteller so viele Handlungsfäden tragen und nicht jeder genug Luft bekommt. Manchmal habe ich das Gefühl, der Film will drei, vier Geschichten gleichzeitig erzählen, und einige Nebenfiguren bleiben bloß Zahnräder im Getriebe der Handlung.

Gavin O'Connor: Regisseur der leisen Kraft

Viele kennen Gavin O'Connor von Warrior, wo er ebenfalls die Verbindung zwischen körperlichen und seelischen Wunden ins Zentrum gestellt hat. Hier arbeitet er ähnlich: Er setzt nicht auf spektakuläre Explosionen, sondern auf Spannung und die innere Mechanik seiner Figuren. Wenn die Actionszenen kommen, sind sie trocken, schnell und gnadenlos. Keine überflüssigen Choreografie-Exzesse, und gerade deshalb sitzen sie.

Die 128 Minuten Laufzeit spürt man allerdings. In der Mitte hängt der Film durch, die Informationen werden mitunter ungeschickt verteilt, und das Finale schüttet so viele Erklärungen über uns aus, dass es sich ein bisschen anfühlt, als würde jemand einen Prüfbericht laut vorlesen. Ironisch: Ausgerechnet der Film über einen Buchhalter bekommt seine eigene Bilanz nicht ganz ausgeglichen.

Was funktioniert und was hinkt

Was funktioniert: Das Konzept der Hauptfigur ist schlicht genial. Der einsame Kämpfer mit geheimen Fähigkeiten ist ein Klischee, aber einen autistischen Buchhalter in diese Rolle zu stecken, ist frisch, und der Film geht größtenteils respektvoll mit ihm um. Die Action ist hart, die Stimmung kühl und elegant, die Schauspieler sind hervorragend.

Was hinkt: Das Drehbuch will zu viel. Es gibt Momente, in denen der Film so verliebt in seine eigenen Wendungen ist, dass er vergisst, einfach eine Geschichte zu erzählen. Und die Darstellung von Autismus, so sympathisch sie gemeint ist, schrumpft gelegentlich zur Superkraft zusammen, was nicht jedem gefallen wird.

Trotzdem: Ein Studiofilm, der sich traut, auf einen so ungewöhnlichen Helden zu setzen, ist selten, und dafür verzeihe ich ihm vieles.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: John Wick (2014), The Equalizer (2014), Die Bourne Identität (2002), Rain Man (1988), Warrior (2011)

Häufige Fragen

Worum geht es in The Accountant?

Chris Wolff ist ein genialer, autistischer Buchhalter, der in den Büchern eines Robotikunternehmens verdächtige Abweichungen entdeckt. Jemand setzt einen Killer auf ihn und seine Kollegin Dana an, die beiden müssen untertauchen, und Chris hat ein paar tödliche Überraschungen auf Lager.

Wie lang ist The Accountant?

Der Film läuft 128 Minuten.

Wann kam The Accountant in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 20. Oktober 2016 in Deutschland.

Wer hat The Accountant inszeniert und wer spielt mit?

Regie führte Gavin O'Connor. In den Hauptrollen sind Ben Affleck, Anna Kendrick, J.K. Simmons, Jon Bernthal, Jeffrey Tambor, Cynthia Addai-Robinson, John Lithgow und Jean Smart zu sehen.

Wie lautet der Originaltitel von The Accountant?

Der US-amerikanische Film trägt auch im Original den Titel The Accountant.

Würdest du ihn in deiner Filmbilanz auf der Habenseite verbuchen?

Ja, ganz eindeutig. The Accountant ist nicht fehlerfrei: zu lang, zu viele Handlungsfäden, und im Finale neigt er dazu, alles zu zerreden. Aber er hat einen Helden, den man nicht vergisst, eine Besetzung, die jede Szene aufwertet, und eine kühle, harte Atmosphäre, die bis heute funktioniert. Wer für einen verregneten Abend einen Thriller sucht, der ein bisschen anders ist als die anderen, kann diese Rechnung beruhigt begleichen. Von mir gibt es starke 7 Punkte für einen sympathischen, schrägen kleinen Kultfilm.

Wertung: 7,2/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 7 · Musik und Ton 7 · Emotionen 7