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Kritik · Kinostart: 26.8.2010

The Expendables Kritik: Stallone trommelt die alte Garde zusammen und spart nicht am Sprengstoff

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Manche Filme schaut man sich nicht wegen des Drehbuchs an, sondern wegen des Plakats, und The Expendables ist genau so einer. Sylvester Stallone hat 2010 die großen alten Männer des Actionkinos und ein paar jüngere Haudegen um sich versammelt und sie gegen einen südamerikanischen Diktator in den Kampf geschickt. Das Ergebnis ist roh, laut, stellenweise ziemlich ungelenk, hat aber etwas, das ich bei den heutigen glattpolierten Blockbustern vermisse.

6,0/10
Wertung
Kein kluger Film, und er will auch keiner sein. Wegen Nostalgie, Chemie und handfester Zerstörung ist er für einen Abend mit Bier aber auch heute noch die perfekte Wahl.
Story
5
Schauspiel
6
Regie
6
Optik
7
Musik und Ton
7
Emotionen
5

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

The Expendables: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland26.8.2010
RegieSylvester Stallone
BesetzungSylvester Stallone, Jason Statham, 李连杰, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Randy Couture
GenreThriller, Abenteuerfilme, Actionfilme
Laufzeit103 Min.
FSK18
LandAmerikanische Filme, Bulgarische Filme, Deutsche Filme

Söldner, Diktator, Verrat: Worum geht es ohne Spoiler?

Das Grundgerüst folgt einem klassischen Rezept aus den Achtzigern, und der Film macht daraus keine Sekunde ein Geheimnis. Eine Söldnertruppe wird angeheuert, um in ein südamerikanisches Land einzudringen und dessen grausamen Diktator auszuschalten. Wie es in solchen Geschichten eben läuft, ist der Auftrag viel undurchsichtiger, als er auf dem Papier aussieht: Schnell stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie es scheint, und die Truppe findet sich in einem Netz aus Täuschung und Verrat wieder.

Auch der Einsatz steigt: Unschuldige Leben stehen auf dem Spiel, die Mission scheint kaum noch zu retten, und als wäre das nicht genug, hat einer der eigenen Leute sie verraten. Mehr verrate ich nicht, und ehrlich gesagt muss ich das auch nicht. Die Handlung von The Expendables soll nicht überraschen. Sie liefert den Vorwand, an dem man das nächste Feuergefecht und die nächste mit der Faust geklärte Meinungsverschiedenheit aufhängen kann.

Das ist nicht abwertend gemeint. In solchen Filmen ist die Story wie ein gutes Baugerüst: Keiner schaut hin, aber ohne würde alles zusammenbrechen. Hier knarzt das Gerüst ein bisschen, hält das Gewicht aber.

Die Anwesenheitsliste beim Action-Klassentreffen

Die stärkste Waffe des Films ist nicht das Maschinengewehr, sondern die Besetzung. Sylvester Stallone führt als Barney Ross die Truppe an, und nach Rocky und Rambo muss man niemandem erklären, wie er diesen müden, vernarbten Anführertyp trägt. Neben ihm bringt Jason Statham als Lee Christmas genau die lässige, sarkastische Energie mit, die man seit The Transporter von ihm erwartet, und für mich ist er die unterhaltsamste Figur im ganzen Film.

Jet Li spielt Yin Yang, und auch wenn die Witze über seine Körpergröße irgendwann nerven: Sobald er endlich kämpfen darf, sieht man, warum er eine Legende ist. Dolph Lundgren als Gunner Jensen ist eine besondere Freude. Er und Stallone gemeinsam auf der Leinwand, das bedeutet seit Rocky IV einer ganzen Generation etwas, und Lundgren bekommt eine überraschend unberechenbare, leicht durchgeknallte Figur.

Auch die weniger hollywoodtypischen Namen passen gut. Randy Couture als Toll Road und Steve Austin als Paine bringen aus Kampfsport und Wrestling eine glaubwürdige körperliche Präsenz mit, die in diesem Genre mehr wert ist als ein Dutzend gut geschriebener Dialoge. Auf der Seite der Bösen arbeitet Eric Roberts als James Monroe mit schmieriger Eleganz, und David Zayas gibt als General Garza den Diktator.

Stallone hinter der Kamera: Vorschlaghammer statt Skalpell

Regie führte Sylvester Stallone selbst, und das sieht man in jeder Einstellung. Ein feinfühliger Regisseur ist er nicht, und er will auch keiner sein. Ihn interessieren müde Männerkörper, alte Verletzungen, Freundschaft und Loyalität, und diese ruhigeren Momente sind manchmal erstaunlich ehrlich. Es hat etwas Rührendes, wenn eine Truppe alternder Actionhelden in einem verrauchten Laden sitzt und darüber redet, was sie im Lauf der Jahre verloren haben.

Die Actionszenen schwanken dagegen. Wenn Stallone die Kamera in Ruhe auf die Zerstörung schauen lässt, werden Explosionen und Verwüstung körperlich spürbar, und das war schon 2010 neben den Effektorgien aus dem Computer eine Wohltat. An anderen Stellen sieht man wegen der schnellen Schnitte und der wackelnden Kamera von den Nahkämpfen kaum etwas, und bei Jet Li und den Darstellern mit Kampfsporthintergrund ist das geradezu eine Sünde. Wer sich so bewegen kann, den muss man zeigen und nicht zerschnipseln.

Die Laufzeit von 103 Minuten tut dem Film dafür gut. Nichts zieht sich, er will kein dreistündiges Epos sein: Er kommt, sprengt sich frei und verschwindet wieder. Heute, wo jeder zweite Actionfilm zweieinhalb Stunden dauert, weiß ich das richtig zu schätzen.

Was funktioniert: die Macht der Nostalgie und handfeste Zerstörung

Die größte Stärke von The Expendables ist, dass der Film genau weiß, was er bietet. Er ist ein Liebesbrief an die harten, simplen Actionfilme der Achtziger, als ein einzelner Mann mit einem Maschinengewehr eine ganze Armee erledigte und niemand fragte, woher die ganze Munition kam. Der Film ironisiert das nicht, zwinkert dem Publikum nicht ständig zu, sondern nimmt sein Genre ernst, und genau deshalb funktioniert er.

Für das Finale hat Stallone offensichtlich das komplette restliche Budget in Sprengstoff gesteckt, und das sieht man. Thriller, Abenteuerfilm und Actionfilm möchte er gleichzeitig sein, im letzten Drittel gewinnt aber klar die Action, und das ist auch gut so. Der Verratsstrang sorgt im Mittelteil für etwas Spannung, auch wenn die Wendung niemandem den Kopf wegpusten wird.

Auch der Humor sitzt meistens. Die Sticheleien innerhalb der Truppe, das kernige Gefrotzel, das klingt wie in einer Kasernenumkleide, und Stathams Trockenheit ist ein prima Gegengewicht zu Stallones Schwermut.

Wo es Ladehemmung gibt: die Schwachstellen

Es wäre falsch, so zu tun, als sei das ein makelloser Genreklassiker. Das Drehbuch ist dünn, manche Dialoge klingen, als hätte sie ein Vierzehnjähriger hinten in sein Schulheft gekritzelt, und die Frauenfiguren sind praktisch Kulisse. Die Bösewichte sind eindimensional, und auch wenn Eric Roberts seine Rolle sichtlich genießt, bekommt er kaum interessantes Material.

Viele Mitglieder der Truppe sind eher Visitenkarten als Charaktere. Couture und Austin sind körperlich beeindruckend, aber man erfährt wenig über sie, und der Film vergisst manchmal, dass in einem Ensemblefilm jedes Teammitglied seinen eigenen Moment braucht. Und die Wackelkamera bei den Nahkämpfen verschenkt, wie schon gesagt, genau das körperliche Talent, für das man diese Truppe überhaupt zusammengeholt hat.

Zimperlich ist der Film außerdem nicht: Er ist blutig und brutal und beschönigt keinen einzigen Tod. Wer mit dieser Härte nichts anfangen kann, hat schnell genug.

Wie gut ist er bis 2026 gealtert?

Es ist spannend, ihn jetzt, viele Jahre nach dem deutschen Kinostart am 26. August 2010, noch einmal zu sehen. Damals haben ihn viele als Projekt abgetan, mit dem sich ein paar alternde Stars die Rente aufbessern. Heute, wo Actionkino größtenteils vor digitalen Hintergründen stattfindet und die Helden eher mit Superkräften als mit Muskeln arbeiten, ist die Rohheit von The Expendables fast schon zur Tugend gereift. Man sieht den Schweiß, man spürt das Gewicht, und das zählt.

Zum Meisterwerk ist er mit der Zeit nicht geworden, aber zu einem sympathischen, lauten, ehrlichen Relikt, das genau das liefert, was es verspricht. Und das ist im heutigen Kinoangebot schon für sich genommen eine Seltenheit.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: John Rambo (2008), Phantom Kommando (1985), Predator (1987), The Transporter (2002), Lethal Weapon (1987)

Häufige Fragen

Wann kam The Expendables in Deutschland in die Kinos?

Der deutsche Kinostart war am 26. August 2010.

Worum geht es in The Expendables?

Eine Söldnertruppe wird angeheuert, um in ein südamerikanisches Land einzudringen und einen grausamen Diktator auszuschalten. Während der Mission geraten die Männer in ein Netz aus Täuschung und Verrat, und es stellt sich heraus, dass einer aus den eigenen Reihen sie verraten hat.

Wie lang ist The Expendables?

Der Film läuft 103 Minuten.

Ist der Film für Kinder geeignet?

Nein. Der Film zeigt brutale, blutige Gewalt und ist eindeutig für ein erwachsenes Publikum gemacht.

Wer hat bei The Expendables Regie geführt?

Regie führte Sylvester Stallone, der zugleich Barney Ross spielt, den Anführer der Truppe.

Wer spielt in The Expendables mit?

Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Randy Couture, Steve Austin und David Zayas.

Lohnt es sich heute noch, diese Munitionskiste auszugraben?

Ja, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. The Expendables wird einem keine neuen Perspektiven aufs Leben eröffnen, er wird nicht auf den Bestenlisten der Kritiker landen, und durch das Drehbuch scheint das Licht hindurch. Aber selten liebt ein Actionfilm sein eigenes Genre so von Herzen. Stallone hat seine Kumpels zusammengerufen, ihnen Waffen und einen Diktator gegeben und sie machen lassen, was sie am besten können. Für einen Samstagabend mit Pizza und Freunden empfehle ich ihn auch heute noch guten Gewissens. Das Denken lasst ihr am besten an der Garderobe.

Wertung: 6,0/10 · Story 5 · Schauspiel 6 · Regie 6 · Optik 7 · Musik und Ton 7 · Emotionen 5